Able
Atombombentest, USA, Pazifik
Der „Able“-Atomtest war einer von zwei Tests, die von den Vereinigten Staaten im Rahmen der „Operation Crossroads“ durchgeführt wurden. Er fand am 1. Juli 1946 statt und war die erste Atomexplosion nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945. Es war die erste von 21 Bomben, die über einen Zeitraum von zwölf Jahren auf dem Bikini-Atoll auf den Marshallinseln im Pazifik gezündet wurden und deren Sprengkraft insgesamt etwa 75 Megatonnen TNT betrug. Zwischen 1946 und 1962 wurden auf den Marshallinseln insgesamt 106 Atomtests durchgeführt.
Ursprünglich waren drei Tests geplant: ein Luftdetonation für den 15. Mai, ein Oberflächendetonation für den 1. Juli und ein Unterwasserdetonation Anfang 1947. Der erste Test der Serie wurde jedoch verschoben, angeblich um mehr Mitgliedern des US-Kongresses die Möglichkeit zu geben, offiziell dabei zu sein. Vermutlich steckte Außenminister James Byrnes jedoch hinter der Verschiebung, da er mehr Zeit für internationale Gespräche über die Kontrolle von Atomwaffen haben wollte.
Ziel des Versuchs war es, die Auswirkungen einer Atombombe auf feindliche Kriegsschiffe, deren Struktur und die Ausrüstung an Bord zu untersuchen. In der Lagune lag eine Zielflotte aus 93 Schiffen und U-Booten – Schiffe, die im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen und Japanern erbeutet wurden, sowie ausgemusterte US-Schiffe – im seichten Wasser vor Anker, von denen einige Panzer, Autos oder sogar Flugzeuge an Bord hatten. Frühere Spekulationen während der Entwicklung der Bombe hatten zu dem Wunsch geführt, die ersten Atombomben an der japanischen Marine auf der Insel Truk zu testen, doch diese Idee wurde zugunsten von Bombenangriffen auf Städte verworfen. Im Jahr 1946 wurde dies als vorrangig angesehen, da im Militär die Befürchtung bestand, die Atombombe könnte die Marine überflüssig machen. Zudem bestand ein verstärktes Interesse an der Überlebensfähigkeit von Schiffen und daran, welche Verteidigungsmaßnahmen oder Änderungen am Schiffsdesign sich aus den Ergebnissen des Tests ableiten ließen.
Bikini als Standort
Bikini wurde – gegenüber den Galapagos-Inseln – aufgrund seiner Größe (32 x 16 km) und seiner Lage als Standort ausgewählt, da man davon ausging, dass es weit genug von Fischereigebieten und Schifffahrtsrouten entfernt sei. Die USA hatten die Kontrolle über alle von den Japanern eroberten Pazifikinseln übernommen. Außerdem lag es nahe genug an Kwajalein, das als Stützpunkt für den Start der Flugzeuge ausgewählt worden war. Die Wetterbedingungen wurden als geeignet, wenn auch nicht als ideal eingestuft; die Winde waren ebenso vorhersehbar wie die Meeresströmungen.
Bikini hatte eine kleine indigene Bevölkerung, die von den USA als umsiedelbar angesehen wurde, weshalb die US-Streitkräfte die 167 Inselbewohner*innen evakuierten. Man überzeugte sie davon, dass dies zum „Wohl der Menschheit und zur Beendigung aller Weltkriege“ diene. Mit ihrem Anführer wurde eine mündliche Vereinbarung getroffen, und sie wurden auf dem Rongerik-Atoll, etwa 200 km östlich von Bikini, angesiedelt – mit etwas Nahrung und Wasser für einige Wochen. Doch dann wurden sie dem Hunger überlassen, da es nicht genügend Nahrung, Fisch oder Meeresfrüchte gab, um sie zu versorgen. Sie konnten nicht auf das Atoll zurückkehren, das bis heute unbewohnt geblieben ist.
Zur Vorbereitung des Testgeländes wurde ohne Erklärung gegenüber den Inselbewohner*innen ein Kanal durch das Korallenriff in die Lagune gesprengt, damit die Schiffe hineingebracht werden konnten. Mehr als 100 Tonnen Dynamit wurden eingesetzt, um die Korallen zu zerstören.
Letztendlich wurden tatsächlich nur zwei Tests durchgeführt, ein Luftdetonation („Able“) und ein Unterwasserdetonation („Baker“). „Able“ wurde als großes PR-Ereignis inszeniert, doch hinter den Kulissen gab es zahlreiche politische und wissenschaftliche Debatten über die Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen, die Vertreibung des indigenen Volkes von ihrer Inselheimat, Umweltbedenken und die öffentliche Leugnung von Strahlungsgefahren.
Die Detonation
Die Mark-III-Bombe mit dem Codenamen „Gilda“ wurde von einem B-29-Superfortress-Flugzeug namens „Dave’s Dream“ abgeworfen und detonierte etwa 150 m über dem Bikini-Atoll im Südpazifik mit einer Sprengkraft von 23 Kilotonnen. Die Bombe verfehlte ihr Ziel, das Schiff „Nevada“ – obwohl es zur besseren Erkennbarkeit leuchtend orange gestrichen war – um etwa 650 m, sodass der Schaden geringer ausfiel als erwartet. Fünf Schiffe wurden versenkt und 14 schwer beschädigt.
Tiere – 146 Schweine, 176 Ziegen, 3.030 Ratten, 109 Mäuse und 57 Meerschweinchen – wurden auf 22 der Zielschiffe platziert, um die Auswirkungen der Bombe auf sie zu untersuchen. Schweine wurden aufgrund der Ähnlichkeit mit menschlicher Haut und Haaren ausgewählt; Ziegen, weil ihr Gewicht dem des Menschen ähnelte. Einige Ziegen wurden mit Schutzsalben eingerieben, andere rasiert. Im hämatologischen Labor wurden bei allen Tieren Blutbilder erstellt und auf Strahlenwirkungen untersucht. 35 % dieser Tiere starben oder wurden nach dem Test eingeschläfert. 10 % der Gesamtzahl kamen durch die Druckwelle ums Leben, 15 % durch die Strahlung einige Tage später. Tiere, die den „Able“-Test überlebten, wurden für nachfolgende Tests nicht erneut verwendet.
Etwa 42.000 Militärangehörige waren an der Organisation des Atomtests beteiligt, der als „Joint Task Force One“ (JTF1) bezeichnet wurde und unter dem Kommando von Vizeadmiral William H. P. Blandy stand. Hinzu kam eine Mediengruppe von 166 Journalisten, von denen einige aus der Luft über das Geschehen berichteten. Die Fotografen legten ihre Fotos in einem Pool zusammen, der nach einer Überprüfung aus Sicherheitsgründen von allen Poolmitgliedern frei genutzt werden konnte. Zehn Kongressabgeordnete und vier Senatoren reisten zur Beobachtung nach Bikini, und es gab zudem eine Beobachtergruppe der Atomkommission der Vereinten Nationen, zu der auch sowjetische Wissenschaftler gehörten. Viele der Militärangehörigen mussten die Auswirkungen des Versuchs von Aufklärungsflugzeugen aus messen, die sowohl während des Versuchs als auch bereits vor dem Versuch über das Testgebiet flogen, damit die Insel in ihrem ursprünglichen Zustand vor der Detonation dokumentiert werden konnte.
Alle am Test teilnehmenden Personen mussten gegen lokale Krankheiten wie Typhus, Tetanus und Pocken geimpft sein. Die Insel wurde regelmäßig mit DDT besprüht, um alle Keime zu vernichten, in der Hoffnung, ansteckende Krankheiten auf ein Minimum zu beschränken. Zu dieser Zeit waren die Gefahren von DDT selbst noch nicht bekannt. Die für den Unterhalt dieser großen Menschenmenge benötigten Vorräte (etwa 20.000 kg Fleisch, 45.000 kg Gemüse, 19.000 kg Obst, 35.000 Schokoriegel, 15.000 Zigaretten usw.) mussten alle vor dem Test herangeschafft werden.
Nach den Atombombenabwürfen in Japan war man sich zwar teilweise bewusst, dass Strahlung ein Sicherheitsrisiko darstellte, weshalb Geigerzähler installiert und Meerwasserproben auf Radioaktivität untersucht wurden. Die Auswirkungen der radioaktiven Kontamination wurden jedoch öffentlich heruntergespielt. Nach dem Test wurden Militärangehörige auf die Schiffe entsandt, um die Schäden zu begutachten und die Schiffe zu reinigen. Nachdem die Dekontamination erfolglos geblieben war, wurden die Schiffe im Pazifik versenkt. In der Regel lagen die Strahlenbelastungen, denen die Soldaten während ihres zweiwöchigen Einsatzes im Rahmen der Operation Crossroads ausgesetzt waren, bei bis zu 600 mSv (entspricht etwa 30.000 Röntgenaufnahmen des Brustkorbs). Vor 1955 erhielten jedoch nicht alle Soldaten Dosimetrieplaketten, um ihre Strahlenbelastung zu messen. Manchmal wurden die Dosimeter nicht täglich ausgetauscht, sondern während der Dekontamination der Schiffe bis zu neun Tage lang getragen.
Ein Bericht der Defense Nuclear Agency aus dem Jahr 1982, in dem die externen Strahlungsdosen anhand einer Rekonstruktion der „Operation Crossroads“ untersucht wurden, kam zu dem Schluss, dass beim „Able“-Atomtest kein Fallout ins Wasser gelangte, da es sich um eine Luftdetonation handelte. Nach heutigem Wissensstand ist es jedoch unwahrscheinlich, dass diese Aussage vollständig zutreffend ist. Zwar fällt nur minimales schweres Fallout an, doch werden die in der aufsteigenden Wolke enthaltenen radioaktiven Stoffe mit der Zeit ins darunterliegende Wasser fallen und dieses kontaminieren.
Widerstand
Es gab Widerstand gegen den Atomtest, insbesondere von Seiten von Wissenschaftlern und Politikern. Es wurde argumentiert, dass weitere Tests eine Gefahr für die Umwelt darstellen würden, und sie wurden als unnötig erachtet. Es gab Warnungen vor den gesundheitlichen Auswirkungen hoher Strahlungswerte auf die Soldaten sowie Bedenken, dass das Meerwasser stark kontaminiert werden könnte. Auch Tierschützer protestierten.
Der führende Wissenschaftler des Manhattan-Projekts, J. Robert Oppenheimer, schrieb am 3. Mai 1946 an US-Präsident Truman, um seine Teilnahme am „Able“-Versuch zurückzuziehen und seine Zweifel zum Ausdruck zu bringen. Er argumentierte, dass Modellversuche und Berechnungen in Kombination mit Laborversuchen genauere Informationen zu geringeren Kosten liefern könnten. Er war zudem der Ansicht, dass die Untersuchung des Einsatzes von Atombomben auf Schiffen von geringem Interesse sei, da diese in erster Linie gegen Städte eingesetzt würden. Er fügte hinzu, dass der Test den Friedensprozess untergraben würde, und stellte „die Angemessenheit eines rein militärischen Tests von Atomwaffen zu einem Zeitpunkt in Frage, zu dem unsere Pläne für deren wirksame Beseitigung aus den nationalen Rüstungsbeständen noch in den Kinderschuhen stecken“.
Außenminister James F. Byrnes argumentierte ebenfalls, dass der Atomtest die Spannungen mit der Sowjetunion verschärfen und den „Acheson-Lilienthal-Plan“ zur internationalen Kontrolle zur Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen zunichte machen würde, und sagte: „Aus Sicht der internationalen Beziehungen wäre es hilfreich, wenn der Test verschoben oder gar nicht erst durchgeführt würde.“
Bearbeitungsstand: Juni 2026, xh
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Quellen
"Operation Crossroads: The Effect of the Atomic Bomb on Naval Power", Bulletin of the Atomic Scientists, vol. 1, no. 5, 15.02.1946, Chicago, p. 1, 1946
Defense Nuclear Agency: Analysis of Radiation Exposure for Naval Units of Operation Crossroads, Vol. 1, Basic Report, 03.93.1982
IPPNW: Bikini and Eniwetok, Marshall Islands, Hibakusha Worldwide, 2024
ORAU Team Dose Reconstruction Project for NIOSH: Summary Site Profile for the Pacific Proving Ground (Rev.02), p.16, 23.07.2018
Shurcliff W A: Operation Crossroads: The Official Pictorial Record, New York: William H. Wise and Co , 1946
Weisgall J: Operation Crossroads: The Atomic Tests at Bikini Atoll, Annapolis, Maryland: Naval Institute Press, 1994.

