Arak
Atomanlage, Iran
Nach dem Krieg mit dem Irak in den 1980er Jahren begann der Iran ein geheimes Militärprogramm zur Entwicklung einer Atomwaffe und wandte sich an vier Länder, um einen mit schwerem Wasser betriebenen Reaktor zu erwerben. Nachdem er von allen vier abgelehnt wurde, beschloss der Iran, einen eigenen zu bauen. 2002 fiel die Entscheidung, diesen Reaktor bei Arak zu bauen, 250 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Teheran.
Der IR-40-Schwerwasserreaktor sollte der Herstellung von so genanntem Schwerwasser dienen, das als Kühl- und Bremsmittel in Schwerwasserreaktoren verwendet. Bei dieser Art von Reaktoren fällt Plutonium als Abfallprodukt an, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann.
2006 stellte die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) fest, dass ein kleiner Schwerwasser-Forschungsreaktor bei Arak besteht sowie, dass Arbeiten zum Ausbau der Reaktoranlage ausgeführt wird. Dort sollte ein noch größerer Schwerwasser-Reaktor gebaut werden. Nach offiziellen iranischen Angaben sollte die Anlage vor allem medizinischen Zwecken dienen.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad besuchte im Juni 2013 den ausgebauten 40-Megawatt-Reaktor bei Arak, kurz bevor der Betrieb des Reaktors 2014 aufgenommen werden sollte. Die Inbetriebnahme des Reaktors wurde von der IAEO kritisiert, die Iran aufforderte, sie zu suspendieren.
Unter dem 2015 Atomabkommen (JCPOA) mit dem Iran sollte die Anlage mit Hilfe der anderen Vertragsparteien (so genannte P5+1) umgebaut werden, so dass sie nicht mehr für die Herstellung von waffenfähigem Plutonium genutzt werden könnte. 2016 erklärte Iran, dass der Reaktorkern entfernt und mit Beton gefüllt wurde, um eine weitere Verwendung zu unterbinden.
Nachdem US-Präsident Donald Trump 2018 das JCPOA kündigte, der Chef der iranischen Atomenergieorganisation, Ali Akbar Salehi, behauptete im Januar 2019 in einer Sendung der iranischen Staatsfernsehen, dass Iran bereits vor der Reaktorkernentfernung neue Komponenten erworben hat, um den Reaktor später wiederaufzubauen. Zudem sollten die Bilder von der mit Beton gefüllten Reaktorhülle mit Photoshop bearbeitet worden sein. Trotzdem wiederholte er die Aussage, Iran wolle keine Atombombe bauen.
Die IAEO hatte Schwierigkeiten nach der Kündigung des Atomabkommens, die Anlage vollständig zu überwachen und erklärte, sie hätte „die Kontinuität des Wissens“ über die iranische Schwerwasserproduktion verloren, und konnte daher nicht verifizieren, was der Stand der Herstellung sei.
Am 19. Juni 2025 führte Israel einen Luftangriff gegen den Reaktor aus. Bilder zeigen eine Bombe auf dem Dom des Reaktors explodieren und eine gewaltige Feuer- und Rauchwolke. Satellitenbilder zeigen ein großes Loch im Reaktordach. Ebenfalls zu sehen waren zerstörte Destillationstürme der benachbarten Schwerwasserproduktionsanlage. Da die IAEO meint, der Reaktor sei nicht im Betrieb und enthält kein radioaktives Material, sollte den Anschlag keine Radioaktivität freigesetzt haben. xh
Bearbeitungsstand: Juni 2025
► Weitere Informationen zum iranischen Atomprogramm
Quellen:
Channel 4: Iran’s nuclear Chief Salehi: We Had Secretly Purchased Replacements for Nuclear Equipment, Memri TV, 22.01.2019
Gambrell J: Iran’s Arak heavy water reactor, hit by an Israeli airstrike, was part of Tehran’s nuclear deal, AP, 19.06.2025
Gritten D: Israel strikes unfinished Arak heavy water reactor in Iran, BBC, 19.06.2025
Nuclear Threat Initiative: Arak Nuclear Complex, letzte Aktualisierung 08.06.2023