BARNABY, Frank

Atomphysiker und Friedensforscher, 1927-2020

Charles Frank Barnaby war Atomphysiker im britischen Zentrum für Atomwaffenforschung Aldermaston, bevor er Aktivist gegen Atomwaffen bei der Wissenschaftler*innen-Bewegung Pugwash und danach Leiter des Friedensforschungsinstitut SIPRI wurde. Zuletzt war er Berater der Oxford Research Group und freiberuflicher Analyst und Autor.

Frank Barnaby wurde am 27. September 1928 in Andover, Hampshire, England als Sohn eines RAF-Offiziers und einer Verkäuferin geboren. Er studierte Atomphysik an der University of London und nahm gleich 1951 die Arbeit in Aldermaston in Berkshire auf. Dort arbeitete er bis 1957. In der Zeit überwachte er die Atomtests auf dem Maralinga Testgelände in Südaustralien. Darüber sagte er: „Es gibt fraglos etwas Schönes daran. Klar, die Energie dabei ist gewaltig, auch die Temperaturen sind riesig, also ist es sehr aufregend anzusehen. Das ist zwar der Hammer aber gleichzeitig verstörend…“

Nachdem Barnaby Aldermaston verließ, wurde er zunächst Dozent am University College in London und schloss sich der Pugwash Konferenz zu Wissenschaft und Weltfragen an. Die Organisation, die 1995 den Friedensnobelpreis erhielt, war von dem Philosophen Bertrand Russell und dem Atomphysiker Joseph Rotblat gegründet worden. In der Gruppe waren Wissenschaftler*innen von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs aktiv. 1967 wurde er ihr geschäftsführender Sekretär.

Barnaby zog 1969 nach Stockholm und begann bei dem neuen Friedensforschungsinstitut SIPRI, das von der schwedischen Regierung gegründet worden war, zu arbeiten. Ab 1971 wurde Barnaby der Leiter des Instituts. Ein Jahr später heiratete er Wendy Field, eine Diplomatin aus Adelaide, Australien, mit der er zwei Kinder bekam. SIPRI wurde der führende Think-Tank zu globalen Rüstungsentwicklungen und Atomwaffen. Barnaby war in seinen zehn Jahren als Leiter der Organisation, maßgeblich für den Aufbau des Instituts und sein steigendes Ansehen verantwortlich. In seiner Zeit wurde das SIPRI-Jahrbuch zum ersten Mal veröffentlicht, das heute für jede/n Friedensforscher*in unverzichtbar geworden ist.

Er begann Bücher und Artikel über die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu schreiben, wie „Man and the Atom“ (1971) und „Nuclear Proliferation and the South African Threat“ (1977). In dieser Zeit und auch nach 1981, als er Professor für Friedensforschung an der Free University of Amsterdam wurde, warnte er vor neuen Entwicklungen im Wettrüsten, wie neuen Waffentechnologien. Seiner Meinung nach könnten diese die nukleare Abschreckung untergraben, weil sie suggerierten, dass es möglich sei einen Atomkrieg mit einem Erstschlag zu „gewinnen“. Er kritisierte Ronald Reagans strategische Verteidigungsinitiative (SDI) in seinem Buch „Star Wars“ (1987) und sagte die Nutzung von autonomen Waffen in seinem Buch „The Automated Battlefield“ 1987 voraus. Außerdem beschrieb er in seinen Büchern „How to Build a Nuclear Bomb: And Other Weapons of Mass Destruction“ (2003/2004) und „The Future of Terror“ (2007) die potentielle Nutzung von Plutonium in einer radiologischen Dispersionswaffe von Terroristen, das aus den weltweiten Vorräten leicht abzuzweigen sei.

1986 überprüfte er die Enthüllungen von Mordechai Vanunu, einem israelischen Atomtechniker, über das geheime Atomwaffenprogramm in Dimona in der Sunday Times und sagte bei seinem Gerichtsprozess in Israel aus.

2001 sagte Barnaby in einer Anhörung in Japan gegen die Nutzung von MOX (Mischoxid aus Uran und Plutonium) als Brennstoff in Atomreaktoren in Fukushima aus. Greenpeace International Aktivist Shaun Burnie kommentiert, dass Barnaby’s Aussage den Gouverneur der Präfektur so beeindruckte, dass MOX zehn Jahre lang nicht mehr in dem Reaktor verwendet wurde. Bei dem Erdbeben und Tsunami 2011 waren aufgrund dieser Tatsache viele Hundert Tonnen spaltbarer Materialien weniger vorhanden, die sonst auch hätten freigesetzt werden können.

Barnaby arbeitete zuletzt als freiberuflicher Berater u.a. für die Oxford Research Group zum Thema zivile und militärische Nutzung von Atomenergie. Er war Redakteur des International Journal of Human Rights und schrieb zahlreiche Bücher, Artikel und Forschungsberichte.

Er starb am 1. August 2020 im Alter von 92 Jahre.

xh (Quellen: FAS, George Mason University, Guardian, Oxford Research Group, World Who's Who)

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