START, Neuer (2010)
engl.: New START; Prague Treaty
Barack Obama und Dimitri Medwedew nach dem Unterschreiben des neuen START-Vertrags in Prag, 8. April 2020.
Am 26. März 2010 wurde der Neue START-Vertrag (auch als Prager Vertrag bekannt) zwischen den USA und Russland verkündet. Die Abkürzung START steht für "Strategic Arms Reduction Treaty", zu deutsch: Vertrag zur Verringerung der strategischen Nuklearwaffen.
Die offizielle Unterzeichnung fand am 8. April in Prag statt, ein Jahr nach der berühmten Rede des US-Präsidenten Barack Obama, in der er sich zu der Vision einer atomwaffenfreien Welt bekannte.
Der Vertrag ist ein Nachfolge-Abkommen des START-I-Vertrags, der am 4. Dezember 2009 ausgelaufen war. Zum Abschluss der Verhandlungen über den neuen Vertrag kam es drei Monate später als gedacht: Die Uneinigkeit zwischen den beiden größten Atommächten war größer als erwartet.
Der Vertragstext umfasst 20 Seiten mit über 100 Seiten Anhängen. Der Inhalt wurde vom Weißen Haus vorab zusammengefasst bekanntgegeben:
- Die Atomsprengköpfe auf strategischen Trägersystemen (Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Langstreckenraketen und Langstreckenbomber) werden auf 1.550 Stück pro Land reduziert.
- Die Zahl der stationierten und nicht stationierten Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützten Raketen und Langstreckenbomber wird insgesamt für jedes Land auf 800 Stück begrenzt, wobei nicht mehr als 700 stationiert sein dürfen.
- Sieben Jahre nach Inkrafttreten des Neuen START-Vertrages müssen diese Zahlen erreicht sein. Der Vertrag bleibt zehn Jahre gültig, wobei eine Verlängerung um fünf weitere Jahre möglich ist.
- Bilaterale Kontrollmechanismen zur gegenseitigen Überprüfung werden wieder eingeführt, nachdem vertrauensbildende Maßnahmen im SORT-Vertrag fehlten.
Der Neue START-Vertrag wurde am 22. Dezember 2010 nach langer Debatte im US-Senat ratifiziert und trat am 5. Februar 2011 in Kraft. Am 11. Februar 2013 kündigte US-Präsident Obama an, den Vertrag neu aushandeln zu wollen. Gespräche mit Russland fanden jedoch nicht statt.
Im Oktober 2019 drängte der russische Präsident Wladimir Putin darauf, den Vertrag zu verlängern und meinte, Russland habe den USA Vorschläge dazu unterbreitet. Er sagte, der Vertrag sei „praktisch das letzte Instrument, das ein ernstes Wettrüsten“ einschränke.
Ein Jahr bevor der Vertrag am 5. Februar 2021 auslaufen würde, signalisierte die Trump-Administration, Gespräche mit Russland über Rüstungskontrolle führen zu wollen. Allerdings hatten die USA kein Interesse, den Vertrag in der bisherigen Form weiterzuführen. Trump wollte zunächst China in einen künftigen Vertrag miteinbinden. China lehnte diesen Vorschlag mit der Begründung ab, dass die USA und Russland weit mehr Atomwaffen besäßen als die anderen Atomwaffenstaaten. Erst wenn die beiden großen Besitzerländer mit ihren Atomwaffen zahlenmäßig auf das gleiche Niveau kämen, sei China zu Gesprächen unter Beteiligung von Großbritannien und Frankreich bereit.
Im Oktober 2020 bot Russlands Präsident Wladimir Putin eine Verlängerung des Vertrags ohne Vorbedingungen für ein Jahr an, aber das Weiße Haus lehnte das Angebot zunächst ab. Dieses Angebot war die Antwort auf den US-Vorschlag, die Vertragsverlängerung an eine politische Erklärung zu koppeln, die den Rahmen für einen neuen Vertrag angeben sollte. Der neue Vertrag sollte erst nach Chinas Beitritt verbindlich werden, schlug die Trump-Administration vor.
Schließlich löste der Wahlsieg von Joe Biden die Verlängerungsproblematik. Der neue US-Präsident Biden und Präsident Putin verlängerten am 26. Januar 2021 den Neuen START-Vertrag für fünf Jahre.
Seit dem Beginn des Ukrainekrieges im März 2022 gibt es eine Reihe von Problemen mit dem Vertrag. Im August 2022 gab Russland bekannt, die Waffeninspektionen im Rahmen des Vertrags würden ausgesetzt. Dies war eine Reaktion auf die Reisebeschränkungen durch US-Sanktionen aufgrund des Krieges. Auch Gespräche zum Thema Inspektionen sagte Russland im November 2022 ab.
Anfang 2023 eskalierte die Situation weiter, da das US-Außenministerium festhielt, dass Russland seinen Verpflichtungen unter dem Vertrag nicht nachkäme. Am 21. Februar kündigte Wladimir Putin die Aussetzung des Vertrags an. Ende März spezifizierte der stellvertretende Außenminister Rjabkow: „Alle Formen von Notifizierungen, jeglicher Datenaustausch, alle Inspektionstätigkeiten und generell alle Arten von Arbeiten im Rahmen des Abkommens werden ausgesetzt“. Die USA reagierten im Juni 2023 mit dem Aussetzen der Visa für russische Inspektoren. Darüber hinaus wurden Freigaben für russische Flüge im US-amerikanischen Luftraum annulliert.
Ab September 2025 wurde die Verlängerung von New START erneut thematisiert, da das Vertragsende am 5. Februar 2026 näherrückte. Daher machte Präsident Putin am 22. September ein Angebot: Russland sei bereit, die zentralen quantitativen Beschränkungen des Vertrags nach dessen Auslaufen für ein Jahr weiter zu beachten, wenn die Vereinigten Staaten „im ähnlichen Sinne handeln“. In seiner Stellungnahme sagte Putin nicht, dass dafür eine ausdrückliche oder stillschweigende Vereinbarung – oder gar eine Ankündigung seitens der USA – erforderlich sei. Das Angebot sei jedoch nur dann realisierbar, wenn die USA keine Maßnahmen ergreifen würden, die „das bestehende Gleichgewicht der Abschreckung untergraben oder stören“. Als Beispiel für solche Maßnahmen nannte er „Vorbereitungen für den Einsatz von [Raketenabwehr-]Abfangraketen im Weltraum“.
Obwohl erste Reaktionen aus den USA durchaus positiv waren, wurde der Vertrag nicht verlängert. UN-Generalsekretär Guterres warnte, „das Risiko eines Einsatzes von Atomwaffen ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr“. Christoph von Lieven, Vorstandsmitglied von ICAN Deutschland, erklärte, „Das ist ein dramatischer sicherheitspolitischer Rückschritt von historischer Tragweite“. Insgesamt steigt die Sorge, dass das Wettrüsten zwischen Russland und den USA nun zügellos eskaliert, da es keine Obergrenzen mehr gibt.
US-Präsident Trump kündigt an, stattdessen einen neuen Vertrag mit Russland und China zur atomaren Rüstungskontrolle verhandeln zu wollen. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul begrüßte die Forderung, China in einen Rüstungskontrollvertrag einzubeziehen. Gleichzeitig bezeichnete er das Auslaufen des New-START-Vertrags als "besorgniserregend".
Bearbeitungsstand: Februar 2026, xh
► Der Neue START-Vertrag im Wortlaut (engl.)
► Protokoll zum Neuen START-Vertrag (engl.)
► Chronik des neuen START-Vertrags
Quellen:
Arms Control Now, China’s Stance on Nuclear Arms Control and New START, Blog, 23.08.2019
Associated Press: START treaty: Russia stops sending nuclear arms info to US, Al Jazeera, 30.03.2023
Borger J: Russia suspends US inspections of its nuclear weapons arsenal, The Guardian, 09.08.2022 h
Congressional Research Service: The New START Treaty: Central Limits and Key Provisions, CRS Report, 02.02.2022
dpa: Biden und Putin offenbar einig. Abrüstungsvertrag wird verlängert. 26.01.2021
Hall X: New START: Arms Control or Arms Racing? IPPNW Peace and Health Blog, 02.10.2020
Liang X: Russia proposes one-year New START extension, Arms Control Today, Oktober 2025
Süddeutsche Zeitung: Putin will Atomgespräche, 13.10.2019
U.S. Department of State: U.S. countermeasures in response to Russia’s violations of the New START Treaty, Fact Sheet, 01.06.2023
Williams H: Russia suspends New START and increases nuclear risks, CSIS, 23.02.2023
Zeit, AFP, Casper E: Atomarer Abrüstungsvertrag zwischen Russland und den USA ausgelaufen, 05.02.2026

