
Die START-Verträge und der Moskauer Vertrag (SORT) regelten die bilateralen Reduzierungen der atomaren Arsenale Russlands und der USA. Der sogenannte START-Prozess, der START-I und START-II beinhaltete, und mit einem dritten Vertrag fortgeführt werden sollte, ist mit der George W. Bush-Administration ins Stocken geraten. Sie wollte lieber ein Abkommen mit wenigen Regeln, das einfacher zu kündigen sei als die START-Verträge. Somit ist der SORT-Vertrag 2002 zustande gekommen und START-II nie in Kraft getreten.
Nachdem der START-I-Vertrag 2009 ausgelaufen ist, verhandelten die USA und Russland einen Nachfolgevertrag, der das Ziel hat, die strategischen Atomwaffen weiter zu begrenzen. Am 26.3.2010 wurde der Neuer START-Vertrag (New START) zwischen den USA und Russland verkündet. Die offizielle Unterzeichnung fand am 8.4.2010 in Prag statt. Dieser Vertrag war überaus erfolgreich, war aber zeitlich begrenzt. Er wurde zwar im Januar 2021 mit großer Schwierigkeiten einmal für fünf Jahre verlängert. Nun läuft der letzte bilaterale atomare Rüstungskontrollvertrag am 5. Februar 2026 aus, es sein denn, er wird wieder verlängert.
Der START I-Vertrag wurde im Juli 1991 zwischen den USA und der damaligen UdSSR unterzeichnet und ist mit dem Beitritt von Belarus, Ukraine und Kasachstan als atomwaffenfreie Staaten zum Atomwaffensperrvertrag (NPT) am 5. Dezember 1994 in Kraft getreten. Er sieht innerhalb von 7 Jahren eine Reduzierung der strategischen Nuklearwaffensysteme der USA und Russlands um circa ein Drittel gegenüber dem Stand bei Vertragsschluss 1991 auf gemeinsame Obergrenzen von 1.600 Trägersysteme und 6.000 Gefechtsköpfe vor. Maximal 4.900 der Gefechtsköpfe dürften auf Interkontinentaleraketen bereit gehalten werden. Die Atomwaffen aus Kasachstan sind 1995, aus Ukraine und Belarus 1996 nach Russland abgezogen.
Der Vertrag sollte im Dezember 2009 auslaufen. Die Bedingungen des Vertrages sind zwar erfüllt, wenn aber der Vertrag nicht mit einem neuen ersetzt wird, könnte ein neues Wettrüsten entstehen und das Verifikationssystem entfallen. Beim Gipfel im Juli 2009 vereinbarten daher Russland und die USA einen Nachfolgevertrag für START-I zu verhandeln. Dieser sollte Obergrenzen für strategische Atomwaffen (1500-1675) und Trägersysteme (500-1100) setzen. Am 5. Dezember 2009 lief der START-I jedoch ohne Nachfolgeabkommen aus. Anfang 2010 nahmen die Unterhändler in Genf ihre Arbeit wieder auf.
| Datum | Stand der Verhandlungen |
|---|---|
| 29.06.1982 | Die erste Runde von START-Gesprächen in Genf beginnt. Die USA schlagen einen Reduzierungsprozess in zwei Phasen vor. |
| 08.12.1983 | Moskau zeigt sich verärgert über die Stationierung von Mittelstrecken-Raketen in Westeuropa und lehnt es ab, ein Datum für START-Gespräche zu nennen. |
| 12.03.1985 | Die USA und die Sowjetunion beginnen mit den Verhandlungen über Atomwaffen und Weltraum (NST). Die START-Initiative der USA bleibt auf dem Tisch. Die Sowjetunion besteht allerdings auf Begrenzungen bei SDI als Vorbedingungen für Verhandlungen. |
| 27.09.1985 | Während eines Treffens mit US-Präsident Reagan und Außenminister Shultz, schlägt der sowjetische Außenminister Schewardnadse vor, die strategischen Raketen um 50% zu reduzieren und gleichzeitig die atomaren Sprengköpfe bei 6.000 zu begrenzen. |
| 01.11.1985 | Die USA präsentieren einen neuen START-Entwurf in den Atomwaffen- und Weltraum Gesprächen (NST) Verhandlungen. |
| 21.11.1985 | Auf dem „Gipfel von Genf“ einigen sich beide Seiten auf eine gemeinsame Erklärung. Beide Seiten streben Fortschritt bei den Gesprächen über Atomwaffen und den Weltraum an. Die USA und die Sowjetunion einigten darauf, die Verhandlungen dort zu fokussieren, wo gemeinsame Interessen bestehen. |
| 29.05.1986 | Moskau nimmt eine neue Position ein und besteht jetzt nicht mehr auf die Aufgabe US-amerikanischer Raketenabwehrpläne für die Aufnahme von Abrüstungsverhandlungen. Die Sowjetunion bietet eine „Interimslösung“ an, falls keine Seite den ABM-Vertrag in den nächsten 15-20 Jahren kündigt. |
| Herbst 1986 | Die USA präsentieren ein überarbeitetes Angebot, dass auf einem Vorschlag der Sowjetunion beruht. Der neue Vorschlag sieht vor:
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| 11./12.10.1986 | Auf dem „Gipfel von Reykjavik“ einigen sich US-Präsident Reagan und KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow auf eine Reduzierung von 1.600 Trägermitteln und 6.000 atomaren Sprengköpfen. Beide Seiten können sich auf Zählmechanismen einigen. Uneinigkeit besteht allerdings bei der strategischen Raketenabwehr (SDI), die die Sowjetunion ablehnt. |
| 08.05.1987 | Die USA präsentieren auf der Grundlage der Gespräche von Reykjavik einen Vertragsentwurf. Dieser enthält u.a. die Reduzierung auf 1.600 Trägermittel und 6.000 Sprengköpfe und eine sieben-jährige Dauer der Reduzierung. |
| 07.-10.12.1987 | Während eines Gipfels in Washington kommen US-Präsident Reagan und KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow darin überein, dass die Verhandlungsführer beider Seiten auf den einen Vertragsentwurf aufbauen sollen. Dieser sieht vor:
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| 29.05.-02.06.1988 | Die USA und die Sowjetunion verständigen sich auf dem „Moskauer Gipfel“ mobile Abschussvorrichtungen für Interkontinental-Raketen (ICBM) auf bestimmte Gebiete zu begrenzen. Sollten Übungen stattfinden, wird die jeweilige Seite die andere über eine Verlagerung informieren. Darüber hinaus einigten sich beide Seiten über eine Informationsregelung bei Raketentests. |
| 19.06.1989 | US-Präsident Bush Snr. gibt bekannt, dass er den START-I-Prozess durch Vertrauensbildende Maßnahmen (VBM) voran bringen möchte. |
| 22./23.09.1989 | Während eines zweitägigen Treffens der beiden Außenminister Baker und Schewardnadse in Wyoming, kommt es zu Verhandlungsfortschritten in folgenden Bereichen.
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| 16.-19.05.1990 | Bei einem Treffen auf Ministerebene kommen die Außenminister der USA, Baker, und der Sowjetunion, Schewardnadse, überein, dass u.a. die Höchstzahl bei Marschflugkörpern, die von Schiffen/U-Booten abgeschossen werden können, bei 880 liegt. |
| 31.05.-03.06.1990 | Während des „Washingtoner Gipfels“ unterzeichnen die Präsidenten Bush Snr. und Gorbatschow eine „Gemeinsame Erklärung zum Vertrag über strategische Offensivwaffen“. Die Erklärung sieht eine Untergrenze von 1.100 Sprengköpfen auf mobilen Raketenabschussrampen und die Umsetzung der Reduzierung der strategischen Offensivwaffen innerhalb von sieben Jahren vor. Darüber hinaus einigten sich beide Präsidenten, die Verhandlungen für ein START-Nachfolgeabkommen so früh wie möglich aufzunehmen. |
| 31.07.1991 | Die Präsidenten Bush und Gorbatschow unterzeichen den START-I-Vertrag. Der Vertrag legt eine Reduzierung der strategischen Atomwaffen auf 1.600 Trägermittel und 6.000 Sprengköpfe fest. Von den 6.000 Sprengköpfen dürfen nicht mehr als 4.900 auf ballistischen Raketen montiert sein. |
| 23.05.1992 | Das „Lissabon Protokoll“ wird unterzeichnet. Dieses Protokoll erklärt alle fünf Staaten zu START-I-Vertragsparteien und die drei ehem. Sowjetrepubliken erklären sich bereit, dem Nichtverbreitungsvertrag (NVV) beizutreten. |
| Jul 1992-Feb 1994 | Der Ratifizierungsprozess beginnt. Russland hat allerdings Vorbehalte, solange die drei ehemaligen Sowjetrepubliken, Ukraine, Weißrussland und Kasachstan, den Atomwaffensperrvertrag nicht ratifiziert haben. |
| 05.12.1994 | Der START-I-Vertrag tritt in Kraft. |
| 01.03.1995 | Die ersten Inspektionen beginnen und werden 120 Tage andauern. |
| 23.11.1996 | Mit der Überführung der letzten 16 SS-25 und den dazugehörigen Sprengköpfen nach Russland erfüllt Weißrussland seine Verpflichtungen aus dem START-I- und dem Atomwaffensperrvertrag (NVV). |
| 11.12.2000 | Verhandlungsführer aus den USA, Russland, Ukraine, Weißrussland und Kasachstan unterzeichnen Dokumente, die die gestaffelte Eliminierung der letzten SS-24 in der Ukraine vorsehen. |
| 05.12.2001 | Die Frist des Vertrages ist erreicht. Die USA und Russland erklären, dass sie alle Rüstungskontrollforderungen von START-I erfüllt haben. |
| 07.07.2009 | Beim Gipfel im Juli 2009 vereinbaren Russland und die USA, einen Nachfolgevertrag für START-I zu verhandeln. Dieser sollte Obergrenzen für strategische Atomwaffen (1.500-1.675) und Trägersysteme (500-1.100) setzen. |
| 05.12.2009 | Der START-I-Vertrag zwischen den USA und Russland läuft ohne ein Nachfolgeabkommen aus. START-I soll allerdings weiterhin seine Gültigkeit behalten. |
Der START II-Vertrag ist am 17. Juni 1992 abgeschlossen und vom US-Präsidenten George Bush und dem russischen Präsidenten Boris Jelzin am 03. Januar 1993 unterzeichnet worden. Er sieht eine über START-I hinausgehende Reduktion der beiderseitigen Atomwaffenarsenale bis zum 1. Januar 2003 auf maximal 3.500 Gefechtsköpfe pro Seite, d.h. auf ein Drittel des Bestandes von 1991 vor. Dabei dürfen maximal 1.750 Mehrfachsprengköpfen (MIRV) auf Interkontinentalraketen (ICBM) montiert werden, die auf Unterseebooten stationiert sind (SLBM). Die gleiche Obergrenze gilt für Einfachsprengköpfe in landgestützten ICBM und/oder Langstreckenbombern. Er verbietet ferner alle fest verbunkerten ICBM mit Mehrfachsprengköpfen (MIRV).
Der US-Senat hat am 26. Januar 1996 den START II-Vertrag mit großer Mehrheit (87:4) ratifiziert, die Ratifizierung der russischen Seite erfolgte erst am 6. Mai 2000 nach langem Hin und Her. Viele in Russland vertraten die Ansicht, dass der Vertrag den USA einseitige Vorteile verschafft hat. Darüber hinaus bestand das Bedenken, dass die Umsetzung des Vertrags zu teuer sei. Das neue SORT-Abkommen zwischen George W. Bush und Wladimir Putin vom Mai 2002 ersetzte praktisch den START-II Vertrag, der nie in Kraft getreten ist.
03.01.1993Die Präsidenten Bush und Jelzin unterzeichnen den START-II-Vertrag in Moskau.
26.01.1996Der US-Senat stimmt für den START-II-Vertrag mit 87:4 Stimmen.
26.09.1997Die Außenminister*innen Madeleine Albright und Jewgeni Primakow unterzeichnen ein Abkommen, dass die Frist zur Eliminierung von strategischen Trägermitteln (strategic nuclear delivery vehicles=SNDV) verschiebt. Beide Seiten einigen sich auch darauf, dass alle SNDVs, die unter dem Vertrag verboten sind, bis zum 31.12.2003 vernichten werden sollen, sobald START-II in Kraft tritt.
25.12.1998Aufgrund der von Großbritannien und den USA durchgeführten Luftschläge gegen den Irak, verzögert das russische Parlament, die Duma, die Abstimmung über die Verlängerung der START-II Frist.
14.04.2000Nachdem die Abstimmung über START-II durch den NATO-Krieg gegen Serbien (Kosovo-Krieg) ein weiteres Mal verschoben wurde, stimmt die Duma mit großer Mehrheit für START-II.
13.12.2001US-Präsident George W. Bush kündigt den Rückzug der USA aus dem ABM-Vertrag an.
24.05.2002Die USA und Russland unterzeichnen den SORT-Vertrag (strategic offensive reduction talks), der eine Zahl von atomaren Sprengköpfen zwischen 1.700 und 2.200 vorsieht.
13.06.2002 Die Kündigung des ABM-Vertrages durch die USA tritt in Kraft.
14.06.2002 Der russische Präsident Putin erklärt, dass sich Russland nicht länger an den START-II-Vertag gebunden fühlt und daher den Ratifikationsprozess nicht weiter anstrebt.