Russland

Atomwaffenstaat | Nuclear Weapon State

Die Sowjetunion, Vorgängerstaat Russlands, wurde 1949 Atomwaffenmacht und führte über 700 Atomtests durch. Es wird geschätzt, dass Russland bzw. die Sowjetunion seit 1949 etwa 55.000 Atomwaffen produziert hat. Die Sowjetunion trat dem Nichtverbreitungsvertrag am 5. März 1970 bei.

Laut „Nuclear Notebook“ der „Bulletin of Atomic Scientists“ enthält das russische Arsenal Anfang 2022 5.977 Atomwaffen, von denen ca. 2.565 strategische Atomwaffen sind. Von diesen sind geschätzte 1.588 stationierte und einsatzfähige Atomsprengköpfe. Weiterhin sind ca. 1.912 taktische Atomwaffen in Lagern vorhanden und bis zu 1.500 sind außer Dienst gestellte Atomwaffen. Letztere sind für Abrüstung im Rahmen bilateraler Verträge vorgesehen.

Russland sieht seine nuklearen Streitkräfte als unabdingbar für die Sicherheit des Landes und für seinen Status als Großmacht. Die Regierung hat das Ziel, mit den USA eine Parität zu halten. Zudem verfügt der militärisch-industrielle Komplex über viel Einfluss in der Politik.

Die internationale Debatte über Russlands Nuklearstrategie hat eine neue Intensität erreicht, insbesondere nachdem die Trump-Administration ihren Nuclear Posture Review im Februar 2018 veröffentlicht hat. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine am 24. Februar 2022 wurde auch viel spekuliert, ob Russland bereit wäre, Atomwaffen dort einzusetzen. Gleich zu Beginn drohte Putin mit „Konsequenzen, wie noch nie in der Geschichte erlebt“ – eine verkappte nukleare Drohung, sollte sich die NATO „einmischen“. Klärung über die Frage, wann Russland Atomwaffen nach seiner Doktrin einsetzen könnte, kam vom Kreml-Sprecher Peskow und dem ehemaligen Präsidenten Medwedew.

Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am 2. Juni 2020 das Dokument zu den „Grundsätzen der Staatenpolitik der Russischen Föderation über nukleare Abschreckung“, in dem zum ersten Mal Russlands Politik der nuklearen Abschreckung erläutert wird. Bisher wurde diese immer geheim gehalten.

Seit mehreren Jahrzehnten arbeitet Russland an der Modernisierung seiner atomaren Streitkräfte aus der Sowjet-Ära unter anderem mit der Begründung, dass es notwendig sei, die geplante Raketenabwehrabwehr der USA durchdringen zu können. Laut Verteidigungsminister Sergej Shoigu wurden bis 2021 die alten Waffensysteme zu knapp 90% bereits mit modernen ausgetauscht. Präsident Putin betonte 2020 die Notwendigkeit, mit anderen Atomwaffenstaaten mitzuhalten. In seiner Rede im Februar 2022 drückte er Besorgnis über die NATO-Erweiterung und die Stationierung der US-Raketenabwehr in der Nähe Russlands aus. Zudem behauptete er, die Ukraine plane, Atomwaffen zu erwerben.

Russlands nukleare Modernisierungsprogramme, kombiniert mit einer Zunahme der Anzahl und des Umfangs von Militärübungen sowie gelegentlichen nuklearen Drohungen gegen andere Länder tragen zur Unsicherheit über die langfristigen Absichten des Kremls bei. Darüber hinaus befeuern sie eine wachsende internationale Debatte über die russische Nuklearstrategie.

Der INF-Vertrag wurde von den USA im Februar 2019 und kurz danach von Russland aufgekündigt. Er trat am 2. August desselben Jahres außer Kraft. Dies bedeutet, dass beide Länder wieder ungehindert neue Systeme nuklearfähiger bodengestützter Mittelstreckenraketen herstellen, testen und stationieren dürfen.

Das Auslaufen des New START-Vertrages im Jahr 2021 ohne Nachfolgevereinbarung wurde in letzter Minute durch die erfolgreiche Wahl von US-Präsident Joe Biden abgewendet. Der Vertrag wurde für fünf Jahre verlängert. xh

Bearbeitungsstand: April 2022

Quellen: Kristensen H, Korda M: Russian nuclear forces, 2022, Bulletin
of the Atomic Scientists, 78:2, 98-121, DOI: 10.1080/00963402.2022.2038907, Podvig P: Russian strategic nuclear forces, Webseite

»Weitere Informationen zum russischen Atomwaffenprogramm

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