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Frankreich

Atomwaffenstaat | Nuclear Weapon State

Obwohl Frankreich den Nichtverbreitungsvertrag (NVV) unterzeichnet hat und sich damit zur Abrüstung seiner Nuklearwaffen verpflichtet hat, gibt es keine Anzeichen dafür, dass Frankreich auf sein Atomwaffenarsenal künftig verzichten möchte. Im Gegenteil, Frankreich ist dabei, neue Atomwaffen und U-Boote zu entwickeln und zu stationieren. Mit knapp 300 Atomwaffen verfügt das Land über das viertgrößte nukleare Arsenal der Welt – nach den USA und Russland und China.

Frankreich verfügt derzeit über zwei nukleare Waffensysteme: seegestützte ballistische Raketen (SLBM), die auf atombetriebenen U-Booten stationiert sind, und Luft-Boden-Raketen mittlerer Reichweite.

Vier mit Atomwaffen bestückte U-Boote (SSBN) vom Typ Triomphant sind derzeit im Einsatz: Le Triomphant, Le Téméraire, Le Vigilant und Le Terrible. Sie befinden sich im Stützpunkt Île Longue in der Nähe von Brest in der Bretagne, wenn sie nicht auf Patrouille sind. Jedes U-Boot kann bis zu 16 Atomraketen vom Typ M51 tragen. Da ein U-Boot immer gewartet wird, hat Frankreich nur genug Raketen für drei U-Boote.

Frankreich und das Vereinigte Königreich haben im November 2010 einen Kooperationsvertrag für die nächsten 50 Jahre abgeschlossen, in dem sie vereinbart haben, das Forschen und Testen von Atomwaffen künftig gemeinsam durchzuführen, um Kosten zu sparen. Im März 2010 haben beide Länder auch Gespräche über gemeinsame U-Boot-Patrouillen geführt. 2025 haben die beiden Länder ihre Kooperation bei der nuklearen Abschreckung bestätigt und beschlossen, die Koordination ihrer Atomstreitkräfte stärker miteinander abzustimmen. Die Streitkräfte bleiben dabei unabhängig voneinander, sollen aber kooperieren.

Eine Zusammenarbeit mit Deutschland wurde immer wieder diskutiert. Die Debatte um eine deutsch-französische und europäische Zusammenarbeit bei Atomwaffen löste auch im Februar 2020 viel Kritik aus, als Emmanuel Macron für Gespräche über eine europäische Abschreckungspolitik warb. Im Bundestagswahlkampf 2025 zeigte sich Friedrich Merz aufgeschlossen gegenüber der Idee, eine eigene nukleare Abschreckung Europas aufzubauen. Daraufhin erklärte Macron im März 2025 erneut, Frankreich werde erwägen, den Schutz seines Atomwaffenarsenals auf seine Verbündeten auszuweiten. Er hat jedoch deutlich gemacht, dass die Kontrolle über den Einsatz der französischen Atomwaffen nicht weitergegeben werde. Es gehe ausschließlich um eine mögliche Verlegung der Atomwaffenträger in verbündete Länder. Zudem erwarte er eine finanzielle Beteiligung.

In Verbindung mit der Ankündigung, Frankreich werde die Zahl der Atomwaffen erhöhen, erklärte Macron, dass es gemeinsame Atom-Militärübungen mit Deutschland geben solle. Die Aufstockung der französischen „Force de Frappe“ diene dazu, den wachsenden nuklearen Bedrohungen – aus China, dem Nahen Osten sowie Russland – zu begegnen, sagte Macron in einer Grundsatzrede auf dem Marinestützpunkt Île Longue. Die genaue Zahl der Atomwaffen werde Frankreich jedoch nicht mehr preisgeben. Er sagte dazu: „Um frei zu sein, muss man gefürchtet werden. Wer gefürchtet sein will, muss stark sein.“

Bearbeitungsstand: März 2026

► Weitere Informationen zum Frankreichs Atomarsenal

Quellen:

BBC, Cameron and Sarkozy hail UK-France defence treaties, 02.11.2010
Nuclear Notebook, French nuclear forces, 2025
SIPRI: World Nuclear Forces 2025, SIPRI-Jahrbuch 2025
Spiegel Ausland: Großbritannien und Frankreich wollen nukleare Abschreckung koordinieren, 10.07.2025
Tagesschau: Frankreich erhöht Zahl seiner Atomsprengköpfe, ARD, 02.03.2026
Waschinski G: Macron deutet Ideen zum Atombomben-Schutzschirm an, Handelsblatt, 14.05.2025

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