Sprengkraft
engl.: yield, explosive force
Der Atomtest „Castle Bravo“ 1954 hatte eine Sprengkraft von 15 Megatonnen, viel größer als geplant.
Die Explosionsenergie (Detonationswert) wird in den Maßeinheiten Kilotonne (kT) und Megatonne (Mt) angegeben. Diese Maßeinheiten werden auch als „TNT-Äquivalent“ bezeichnet, denn sie beschreiben die Freisetzung von Energie, die mit der Energiefreisetzung einer Explosion von 1000 (kT) bzw. 1 Million (Mt) Tonnen TNT (Trinitrotoluol) vergleichbar ist.
Die ersten Atombomben hatten eine geringe Explosionskraft im Vergleich zu den Wasserstoffbomben, die im Kalten Krieg in den Arsenalen gehalten wurden. Die über Hiroshima abgeworfene Atombombe (Little Boy) hatte einen Detonationswert zwischen 12 und 18 kT. Die Nagasaki-Bombe (Fat Man) hatte einen Detonationswert zwischen 18 und 23 kT. Zum Vergleich: Die geschätzte Stärke der Explosion im Hafen von Beirut 2020 betrug 0,3 bis 0,5 kT.
Die größte Atomwaffe aller Zeiten war die „Tsar-Bomba“ der Sowjetunion, die 50 Mt (äquivalent zu 50 Millionen Tonnen TNT) Sprengkraft hatte. Diese Waffe existiert nicht mehr.
Die Atomwaffen des Kalten Krieges hatten nicht nur eine große Sprengkraft. Es gab des Weiteren auch so genannte taktische Atomwaffen, wie z.B. die „Davy Crockett“, die eine variable Sprengkraft von nur 10 bis 20 Tonnen hatte.
Heutzutage haben die Sprengköpfe in den Arsenalen meistens unter einer Megatonne, z.B. der Sprengkopf auf den russischen Topol-M-Raketen (800 kT) oder der Mk 5-Sprengkopf auf der Trident-Rakete der USA (455 kT). Nur China hat angeblich Atomwaffen im Megatonnen-Bereich: auf der neuen DF-5C-Rakete soll ein Einzelsprengkopf montiert werden können, mit einer Sprengkraft von mehreren Megatonnen und einer Reichweite von 20.000 Kilometern.
Variable Sprengkraft
Atomsprengköpfe verfügen entweder über eine bestimmte unveränderbare Sprengkraft oder es besteht die Möglichkeit die Sprengkraft beim Einsatz variabel auszuwählen. Zu Beginn der Entwicklung gab es ausschließlich Sprengköpfe mit einem unveränderbaren Wert.
Die noch heute u.a. in Deutschland bereitgehaltene Fliegerbombe aus der B-61-Serie bietet beispielsweise die Möglichkeit, vor dem Einsatz variabel aus vier unterschiedlichen Optionen zu wählen. Damit offeriert diese Waffe vielfältige Möglichkeiten im Einsatz und eine große Flexibilität. Die kleinste Sprengkraft der als taktisch bezeichnete Atombombe liegt bei 0,3 kT, also in der Größenordnung einer Mininuke; die größte Sprengkraft liegt mit 170 kT bei einem Vielfachen der in Hiroshima eingesetzten Atombombe und damit im Bereich der Sprengkraft strategischer Waffen. Die neue B61-12, die demnächst oder teilweise schon in Europa stationiert wird bzw. wurde, um die alten B61-3 und -4 zu ersetzen, wird als höchste wählbare Sprengkraft bis zu 45 kT haben.
Atomtests
Die Sprengkraft konnte früher nur kalkuliert werden, mit Explosionen zu Testzwecken wurde geprüft, ob sie erreicht wird. In der Vergangenheit waren die Kalkulationen manchmal fehlerhaft und die Sprengkraft viel größer oder kleiner als geplant.
Heutzutage gibt es jedoch so viele Daten aus vergangenen Testreihen, dass durch Zuhilfenahme sehr großer Rechner weitere Atomexplosionen nicht mehr nötig sind. Die Tests können simuliert werden.
In der Vergangenheit testeten die Atomwaffenstaaten jede neue Atomwaffe, um festzustellen, wie sie funktioniert und ob sie den erwarteten Detonationswert und die Zerstörungskraft erreichen konnte. Besonders die oberirdischen Atomtests mit großen Wasserstoffbomben in den 1950er und 60er Jahren waren von massiven Sprengungen im Megatonnen-Bereich geprägt. Die erste große Detonation war der Castle Bravo Test 1954, der 15 Mt Sprengkraft hatte, viel größer als geplant. Es folgten 1961 der Tsar-Bomba Atomtest mit 50 Mt. Ursprünglich sollte dieser die doppelte Sprengkraft haben.
Wegen der Auswirkungen auf die Gesundheit und aufgrund der Umweltzerstörung wurden oberirdische Atomtests ab 1963 vertraglich im Partiellen Atomteststoppvertrag (PTBT) verboten, obwohl China und Frankreich noch einige Zeit danach weiter oberirdisch testeten.
►Weitere Informationen über Atombomben, Aufbau, Eigenschaften und Auswirkungen
Bearbeitungsstand: März 2026
Quellen:
Kristensen HM, Korda M, Johns E, Knight M (2025). Russian nuclear weapons, 2025. Bulletin of the Atomic Scientists, 81(3), 208–237.
Kristensen HM, Korda M, Johns E, Knight M (2025): United States nuclear weapons, 2025, Bulletin of the Atomic Scientists, Vol. 81, No. 1, 53-79,
Nassauer O, Piper G: Atomwaffen-Modernisierung in Europa. Das Projekt B61-12, BITS, August 2012
Norris RS, Arkin W: Known Nuclear Tests Worldwide, 1945-1995, Bulletin of the Atomic Scientists, 52:3, 1996
Rodgers J, Williams H: Parading China’s Nuclear Arsenal Out of the Shadows, CSIS, 04.09.2025

