Kubakrise

engl.: Cuban missile crisis

Niemals in der Geschichte der Menschheit war die Welt näher am Rande eines nuklearen Krieges als während der Kubakrise (auch als Karibische oder Oktoberkrise bekannt) vom 14. bis zum 28. Oktober 1962. Die Stationierung sowjetischer Atomraketen in der Karibik versetzte die USA und ihre Alliierten in höchste Alarmbereitschaft – eine militärische Konfrontation der beiden Großmächte schien sehr wahrscheinlich. Im Falle einer US-amerikanischen Invasion wären die sowjetischen Oberbefehlshaber auf Kuba autorisiert gewesen, Atomwaffen einzusetzen.

Kontext / Vorgeschichte

Der sowjetische Staatschef Chruschtschow hatte eigentlich nicht damit gerechnet, eine solche Krise heraufzubeschwören. Sein Ziel war in erster Linie, auf die „imperialistische Umkreisung" der UdSSR, insbesondere die US-Raketenbasen in der Türkei, zu reagieren: Seit 1959 stationierten die USA in Italien und in der Türkei atomare Mittelstreckenraketen vom Typ Jupiter.

Die Stationierung sowjetischer Atomwaffen auf Kuba diente dazu, eigene Atomraketen in unmittelbare Nähe der USA zu bringen und so der US-Regierung etwas „von ihrer eigenen Medizin" zu verabreichen. Darüber hinaus gab es weitere Motivationen für die Stationierung: Kuba sollte als sozialistisches Musterbeispiel für ganz Lateinamerika gelten, das mit allen Mitteln gestärkt und verteidigt werden musste.

Die Kubakrise steht unter dem Eindruck des misslungenen Invasionsversuches in der Schweinebucht 1961 – einem Unternehmen, das von CIA-unterstützten Exilkubanern durchgeführt worden war. Die USA hatten damit bewiesen, wie ernst sie es mit dem Sturz der Regierung Castro meinten. Sowohl Chruschtschow als auch Fidel Castro rechneten fest mit einer weiteren Landung, die allerdings nicht wieder so stümperhaft durchgeführt werden würde. Die Stationierung von Nuklearraketen sollte jedem weiteren Invasionsversuch vorbeugen.

Dass sich die Auseinandersetzung dramatisch verschärfte, lag vielleicht auch daran, dass die US-Regierung völlig überrascht wurde: am 11. September 1962 wurde von der sowjetischen Regierung offiziell versichert, dass keine Atomwaffen für Kuba vorgesehen seien; am 19. September lag sogar ein Bericht des US-Geheimdienstes vor, der besagte, dass Kuba als strategischer Stützpunkt der Sowjetunion nicht in Frage käme.

Chronologischer Überblick der Kubakrise

14.10.1962:
Präsident John F. Kennedy erfährt von Luftaufnahmen, die ein Spionageflugzeug U-2 am Tag zuvor in der Nähe von San Christóbal, Kuba aufgenommen hat. Sie zeigen die Errichtung von Raketenstellungen für die Raketensysteme SS-4 und SS-5. Er richtet daraufhin das EX-COMM (Executive Commitee) ein, welches aus seinen 12 wichtigsten Beratern und Ministern besteht, unter anderem Außenminister Dean Rusk, Verteidigungsminister Robert McNamara und Justizminister Robert F. Kennedy.

17.10.1962:
Weitere Luftaufnahmen beweisen die Existenz von mindestens 16, vielleicht sogar 32 Raketen mit einer Reichweite bis zu 1600 km, die innerhalb einer Woche einsatzbereit wären; außerdem werden IL-28 Bomber montiert.

18.10.1962:
Der sowjetische Außenminister Gromyko trifft mit Präsident Kennedy zu (lange vor der Krise geplanten) Gesprächen. Er betont, dass keine Offensivwaffen, sondern nur landwirtschaftliche Hilfe und wenige Defensivwaffen an Kuba geliefert würden.

20.10.1962:
Präsident Kennedy ordnet eine Seeblockade Kubas an - er folgt damit nicht den vielen Stimmen, die einen Luftangriff gefordert hatten. Für Raketenmannschaften wird die höchste Alarmstufe ausgerufen, Truppen werden nach Florida verlegt. Das Luftkommando verteilt sich auf Zivilflugplätze, die Marine entsendet 180 Schiffe in das Karibische Meer. Sowohl Adenauer, de Gaulle und alle anderen NATO-Staaten als auch die Organisation of American States (OAS) geben ihre uneingeschränkte Zustimmung zu den US-amerikanischen Aktionen.

22.10.1962:
Präsident Kennedy informiert die Öffentlichkeit über die Vorgänge und kündigte die Blockade der Insel als erste Maßnahme an. Die sowjetische Schiffe sollten damit an der Zufahrt gehindert werden. Die US-Regierung stellte der Sowjetunion ein Ultimatum, ihre Nuklearraketen von der Insel zu entfernen.

23.10.1962:
Die im Bau befindlichen Abschussrampen auf Kuba werden erst jetzt getarnt.

24.10.1962:
Um 10:00 Uhr tritt die Blockade in Kraft, einen Kreis mit einem Radius von 800 Seemeilen um Kuba bildend. Dieser Radius wird jedoch schnell auf 500 sm verringert, um den sowjetischen Schiffen Zeit zu geben, sich Instruktionen einzuholen. Die 20 Schiffe, die der Quarantänezone am nächsten waren, halten oder wenden um 10.32 Uhr. Zweimal täglich werden von der USAF Tiefflüge über Kuba geflogen.

25.10.1962:
Die Arbeiten an den Raketenanlagen und den IL-28 Bombern werden in außerordentlichem Tempo bei Tag und Nacht fortgesetzt.

26.10.1962:
Ein erstes (nicht-sowjetisches) Schiff wird gestoppt und durchsucht, darf aber später weiterfahren, da es ausschließlich nicht-militärische Güter geladen hat. Chruschtschow richtet eine Nachricht direkt an Präsident Kennedy, in der er Verhandlungen über den Status quo vorschlägt. 12 Stunden später schreibt er eine weitere Botschaft, in der er den Rückzug der sowjetischen Offensivwaffen von Kuba und eine Nichtangriffsgarantie gegen die Türkei im Tausch gegen den Rückzug amerikanischer Jupiter-Raketen aus der Türkei und eine Nichtangriffsgarantie gegen Kuba vorschlägt.

27.10.1962:
Präsident Kennedy antwortet nur auf Chruschtschows erstes Schreiben und nennt den Abzug der Angriffswaffen als Bedingung für die Aufhebung der Blockade. Justizminister Kennedy äußert gegenüber dem sowjetischen Botschafter in Washington, Anatoli Dobrynin, mit dem er während der gesamten Krise in Kontakt steht, die Besorgnis des Präsidenten in Bezug auf die Entwicklung der Dinge und droht mit Angriffen auf die Raketenbasen, wenn diese weitergebaut werden sollten. Außerdem wird eine U-2 über Kuba abgeschossen; für diesen Zwischenfall übernimmt jedoch Fidel Castro die Verantwortung.

Ebenfalls am 27. Oktober 1962 wird ein sowjetisches U-Boot von elf Zerstörern der US-Marine umkreist und unter Beschuss genommen. Was die USA zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: An Bord des B-59 befindet sich eine sowjetische Atombombe. Die Crew ist autorisiert, diese im Falle eines Angriffs auf das U-Boot oder auf die Sowjetunion ohne vorherige Zustimmung der Regierung einzusetzen. Allerdings müssen alle drei Kapitäne an Bord des U-Bootes dem Einsatz zustimmen. Der dritte Kapitän, Wassili Arkhipow, stimmt gegen den Einsatz und wendet damit einen Atomkrieg ab.

28.10.1962:
Chruschtschow lenkt ein und stimmt zu, die sowjetischen Atomwaffen unter UNO-Aufsicht abzuziehen. Der Abzug wird in Moskau öffentlich verkündet. Die USA erklären sich bereit, keine Invasion auf Kuba durchzuführen und später die Raketen in der Türkei abzuziehen.

05.11.1962 Der Abzug der sowjetischen Atomwaffen aus Kuba beginnt. Offiziell soll der Abzug fünf Tage dauern.

20.11.1962:
Nachdem der Rückzug der Atomsprengköpfe offiziell vollzogen ist, wird die Seeblockade aufgehoben. Allerdings blieben noch einige Kurzstreckenraketen bis zum 1. Dezember 1962 in Kuba.

Bearbeitungsstand: Oktober 2022

Quellen:

National Security Archive: The Cuban Missile Crisis @ 60. Nuclear Crisis lasted 59 days, not just 13

National Security Archive: The Underwater Cuban Missile Crisis at 60

 

 

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