Atomwaffen A-Z

via Negev Atomforschungszentrum

Dimona

Atomanlage, Israel

Der Kern des israelischen Atomwaffenprogramms befindet sich im Schimon Peres Negev-Atomforschungszentrum in der Nähe des Wüstenorts Dimona und wird daher meistens als „Dimona“ bezeichnet. Hier werden alle Atommaterialien Israels hergestellt.

Obwohl es nie von der israelischen Regierung offiziell zugegeben wurde, besitzt Israel laut Schätzungen von Expert*innen ein hochentwickelte nukleare Arsenal. Die meisten Schätzungen über die Zahl der Atomsprengköpfe im Besitz Israels (90–200) wurden auf der Grundlage der geschätzten Plutoniummenge grob kalkuliert, die im Dimona-Atomkomplex über die Dauer seines Betriebs hergestellt werden könnte.

Aufbau und Täuschung

Die Bauarbeiten an der Dimona-Atomanlage nach einem französischen Design (wie in Marcoule) begannen bereits 1957. Der Reaktor, der mit Natururan und schwerem Wasser betrieben wird, ging 1963 in Betrieb. Israel baut kleine Mengen Uran in der Negev-Wüste ab und erhielt in der Anfangszeit des Betriebs 10 Tonnen Uran aus Südafrika.

Zunächst wurde die Anlage durch eine Täuschungs- und Desinformationskampagne geheim gehalten, die darauf abzielte, die US-Inspektoren davon zu überzeugen, dass der Komplex zivilen Zwecken diente. Den US-Beamten wurde erzählt, das Zentrum im Negev sei der Standort einer Textilfabrik. Später erklärten sie, das Zentrum im Negev sei vielmehr ein rein ziviles Forschungszentrum, das nicht über die zur Herstellung von Atomwaffen erforderliche Anlage zur chemischen Wiederaufbereitung verfüge.

Angesichts des starken Widerstands Israels gegen ein formelles Inspektionsprotokoll sahen die Vereinigten Staaten davon ab, Israel zu einer entsprechenden Verpflichtung zu drängen, und akzeptierten stattdessen Israels Wunsch, die Vereinbarung als „wissenschaftliche Besuche“ statt als „Inspektionen“ zu betrachten. Da es keinen vereinbarten Rahmen für umfassende Inspektionen gab, waren die US-amerikanischen Gastwissenschaftler nicht in der Lage, das gesamte Ausmaß der Bauarbeiten im Negev einzuschätzen.

Seymour Hersh beschrieb die Täuschung:

„In Dimona wurde ein nachgebauter Kontrollraum errichtet, komplett mit falschen Bedienfeldern und computergesteuerten Messgeräten, die den Eindruck erweckten, als würden sie die thermische Leistung eines 24-Megawatt-Reaktors (wie Israel Dimona bezeichnete) im Vollbetrieb messen. In diesem Kontrollraum fanden umfangreiche Übungen statt, da die israelischen Techniker darauf bedacht waren, bei der Ankunft der US-Amerikaner keine Fehler zu machen. Das Ziel bestand darin, die Inspektoren davon zu überzeugen, dass es keine chemische Wiederaufbereitungsanlage gab und dass eine solche auch nicht möglich war.“

Aus freigegebenen Geheimdokumenten geht hervor, dass den Vereinigten Staaten das Ausmaß der französisch-israelischen Zusammenarbeit nicht bekannt war, insbesondere die Tatsache, dass das Paket für das Negev-Zentrum eine große unterirdische chemische Wiederaufbereitungsanlage zur Gewinnung von waffenfähigem Plutonium umfasste. Der Bau der chemischen Wiederaufbereitungsanlage wurde Berichten zufolge 1965 abgeschlossen, und Israel begann 1966 mit der Plutoniumproduktion.

Laut dem israelischen Atomtechniker Mordechai Vanunu im britischen Sunday Times Artikel 1986 arbeiteten im Jahr 1986 2.700 Arbeiter im Dimona-Komplex in neun Gebäuden (Machon). Machon 1 ist der Reaktor mit einem 30 Meter hohen silbernen Dom. Über Machon 2 gibt es die meisten Informationen, weil Mordechai Vanunu dort arbeitete. Die oberirdischen Gebäude von Machon 2 scheinen nur Büros, eine Kantine, Lager usw. zu beinhalten. Der unterirdische Bau habe sechs Ebenen, in denen eine Plutoniumtrennungs- und -herstellungsanlage sowie eine Fabrik für Bombenkomponenten untergebracht seien. Die Trennungsanlage befinde sich in einer Halle, die sich über vier Ebenen erstrecke. Eine Herstellungsphase dauere 34 Wochen und finde einmal im Jahr statt. Dabei würden ca. 40 kg Plutonium für Waffenzwecke hergestellt. Ansonsten bleibe die Anlage geschlossen.

In Machon 8 und 9 wird laut Vanunu Uran mit Zentrifugentechnologie oder Laserisotopentrennung angereichert. Die anderen Gebäude enthielten unter anderem Anlagen für die Herstellung von Brennelementen, für Urankonversion, für Müllverarbeitung sowie für die Herstellung von Munition mit abgereichertem Uran. Das Tritium für die Erhöhung der Explosivkraft der Atombombe werde ebenfalls in Dimona hergestellt. Israel habe zwischen 1977 und 1979 30 g Tritium an Südafrika geliefert.

Diese Informationen sind nun 40 Jahre alt und daher wahrscheinlich überholt.

Menge der Spaltbare Materialien

Expert*innen sind sich über die Betriebsgeschichte und die Effizienz des Dimona-Reaktors im Laufe der Jahre nicht im Klaren, doch es wird angenommen, dass die Plutoniumproduktion nach 1986 fortgesetzt wurde. Das International Panel on Fissile Materials (IPFM) schätzte 2024 die Gesamtmenge des hergestellten Plutoniums über die letzten 50 Jahre auf 900 Kilogramm – genug für 180–225 Atomsprengköpfe (bei fortschrittlichem Design und der Verwendung von 4–5 kg pro Waffe). Allerdings sind Hans Kristensen und Robert Norris, Autoren des Nuclear Notebook, der Meinung, dass Israel nicht die gesamte Menge des hergestellten Plutoniums für Waffen verwendet, sondern einen Teil des Materials als strategische Reserve behält. Sie glauben, dass Israel nicht mehr Atomwaffen herstellen würde, als das Land dafür Trägersysteme besitzt.

Atomunfälle

Es gibt Berichte über einige Unfälle in Dimona:

  • Im Jahr 1957, während der Bauzeit, soll ein Wissenschaftler bei einem Unfall schwer mit Polonium kontaminiert worden sein.
  • Angeblich ereignete sich 1966 ein kritischer Unfall, bei dem ein Mitarbeiter starb und ein Areal stark kontaminiert wurde. Die darauf folgenden Aufräumarbeiten dauerten Wochen, und der Reaktor blieb monatelang geschlossen.
  • In den frühen 1990er-Jahren brach auf dem Reaktorgelände ein großes Feuer aus.
  • 1994 soll nach starkem Regen das Wasser aus den Reaktorpools übergelaufen sein.

Zudem gibt es Berichte über mehr als 120 Krebsfälle unter den Anlagenmitarbeitern; über 50 Fälle stehen derzeit vor Gericht. Manche einigten sich außergerichtlich und erhielten Geld, solange sie bereit waren, eine Verbindung mit Dimona zu leugnen.

Es ist nicht bekannt, was mit dem Atommüll aus dem Dimona-Anlagenkomplex geschieht. Menschen in der Umgebung befürchten, dass bereits eine Umweltverseuchung stattgefunden hat. Experten schätzen die Menge des gefährlichen Mülls auf etwa 200 m³ pro Jahr, das heißt, über die Betriebsdauer der Anlage könnten etwa 8.000 m³ Atommüll angefallen sein. Vermutlich wurde dieser Atommüll in Stahlfässern in der Nähe des Reaktors begraben. Atommüll ist jedoch stark ätzend, und im Laufe der Zeit kann es – wie in der Asse in Deutschland – zu unterirdischen Lecks gekommen sein.

Angriff auf Dimona

Im Rahmen des Krieges mit dem Iran im Jahr 2026 wurden die Stadt Dimona sowie Arad vom Iran mit Raketen angegriffen. Israel gab an, dass mindestens 180 Menschen ums Leben kamen, das nahegelegene Atomzentrum jedoch nicht getroffen wurde. Der Angriff gilt als Reaktion auf den israelischen Angriff auf die iranische Urananreicherungsanlage bei Natanz. Dies markiert eine neue Phase der gegenseitigen Vergeltungsmaßnahmen in diesem Krieg.

Bearbeitungsstand: April 2026, xh

► Weitere Informationen über Israel als Atomwaffenstaat

Quellen:
Al Jazeera: Iran strikes towns near Israel’s key nuclear site, at least 180 wounded, 21.03.2026
Arqoub AA: Is waste from Israel's nuclear programme poisoning Palestinians?, The New Arab, 30.06.2015  
Cohen, A. 1998. Israel and the Bomb. New York: Columbia University Press
Frenkiel O: Israeli nuclear 'power' exposed, BBC News, 16.03.2003
Hersh S: The Samson Option: Israel’s Nuclear Arsenal and American Foreign Policy, Faber and Faber, 1991
International Panel on Fissile Materials: Israel, 2024
Kristensen H, Korda M: Israeli Nuclear Weapons, 2022,  Nuclear Notebook, Bulletin of Atomic Scientists, 17.01.2022
Murphy C: Israel says '66 mishap killed 1 at nuclear site, The Washington Post, 15.09.1994  
The Sunday Times: Revealed: Israel’s Nuclear Secrets, 05.10.1986

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