1996

26.01. Der U.S.-Senat stimmt für den START-II-Vertrag mit 87:4 Stimmen.

26.01. Beginn der umstrittenen Zwischenlagerung von Atommüll in Gorleben.

27.01. Letzter französicher Atomtest (46 Kilotonnen) unter der Lagune des Fangataufa-Atolls im Südpazifik. Am 29.1. kündigt der französische Präsident Jacques Chirac an, dass Frankreich nie wieder Atomwaffen testen wird.

29.01. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärt in einer Fernsehansprache, dass die seit dem Sommer 1995 wieder aufgenommenen Atomwaffentests in der Südsee endgültig eingestellt werden. Ursprünglich sollte die Testreihe bis Mitte 1996 fortgesetzt werden, angesichts der massiven nationalen und internationalen Proteste entschloss sich Chirac jedoch zu einer früheren Beendigung. - aus der Dokumentation zur Abrüstung und Sicherhheit, BandXXVI, 1993/1996.

23.02. Der französische Präsident Jacques Chirac kündigt die Beendigung der Herstellung von spaltbaren Materialien für Atomwaffen und die endgültige Schließung des Atomtestgeländes, sowie Reduzierungen der atomaren Streitkräfte Frankreichs an.

18.03. Eine Studie mit dem Titel „Avoiding Nuclear Anarchy“ des Center for Science and International Affairs der Harvard-Universität weist auf die Gefahren hin, die sich in Russland sowie anderen GUS-Staaten infolge der unsicheren Lagerung nuklearer Materialien ergeben. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die neue Bedrohung durch nukleare "Lecks" durch Diebstahl und Weitergabe von Nuklearmaterial aus der ehem. Sowjetunion das Problem der Weiterverbreitung grundlegend verändert hat. - aus der Dokumentation zur Abrüstung und Sicherheit, BandXXVI, 1993/1996.

25.03. Die USA, Frankreich und Großbritannien unterzeichnen auf den Fiji-Inseln die Protokolle des Raratonga-Vertrags vom 6. August 1985, der eine atomwaffenfreie Zone im Südpazifik einrichtet. Die Protokolle verbieten u.a. den Einsatz von Atomwaffen oder seine Androhung gegen Vertragspartner sowie Atomtests innerhalb der Zone. Die Sowjetunion unterzeichnete bereits 1986 und China 1987. 

19./20.04. Ein Gipfeltreffen der G7-Staaten gemeinsam mit der russischen Führung („G-8 Gipfel“) zur nuklearen Sicherheit und Sicherung findet statt. Die Zusammenarbeit der westlichen Staaten mit Russland im Bereich der Sicherheit nuklearer Anlagen und Spaltmaterialien wird besprochen.

02.06. Der Präsident der Ukraine, Leonid D. Kutschma, erklärt in einer Rede die Ukraine für atomwaffenfrei. Der letzte Atomsprengkopf wurde am 1. Juni an Russland zurückgegeben. Damit hat die Ukraine ihren Teil der trilateralen Vereinbarung (USA, Russland, Ukraine) vom 14. Januar 1994 vollzogen. »Nachricht (engl.)

04.06. Die Verteidigungsminister der USA, Russland und der Ukraine treffen sich am ehemaligen Raketenstutzpunkt Pervomajsk, um die Atomwaffenfreiheit der Ukraine zu feiern. Die Minister streuen Sonnenblumenkerne und pflanzen Sonnenblumen wo die Raketen früher unterirdisch gelagert wurden. US-Verteidigungsminister William Perry sagt: "Sonnenblumen statt Raketen in der Erde werden Frieden für künftige Generationen sichern." »Nachricht (engl.)

04.06. Nach zweijährigen Verhandlungen, schließen Frankreich und die USA einen Geheimpakt in welchem sie vereinbaren, die Daten aus computersimulierten Atomexplosionen miteinander zu teilen.

08.06. China führt seinen 44. und vorletzten Atomtest in Lop Nor durch. Er misst 5,7 auf der Richterskala.

30.06. Frankreich beendet die Herstellung von hochangereichertem Uran für Atomwaffen.
 
08.07. Der internationale Gerichtshof erklärt in einem Rechtsgutachten den Einsatz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen generell für völkerrechtswidrig.
 
29.07. Die letzte chinesische Atombombe wird getestet. Insgesamt testete China 45 Atomsprengsätze, davon 23 oberirdisch.

14.08. Die „Canberra Commission on the Elimination of Nuclear Weapons“, initiiert von der australischen Regierung, veröffentlicht ihre Ergebnisse. Die Sicherheit aller Staaten – auch der Atomwaffenstaaten – wird durch Atomwaffen verringert. Die Kommission fordert die fünf anerkannten Atomwaffenstaaten auf, sich unmissverständlich für die Eliminierung aller Atomwaffen zu verpflichten und dafür umgehend die Arbeit sowie Verhandlungen aufzunehmen. 

10.09. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen nimmt den am 22. August fertiggestellten Vertragsentwurf über einen Umfassenden Atomteststopp mit 158 Stimmen bei 3 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen an. Weil Indien seine Zustimmung verweigerte, war eine Verabschiedung des Entwurfes in der Abrüstungskonferenz nicht möglich. »Text der Resolution (PDF)  »Erklärung Indiens zur Resolution (PDF) aus Blätter für deutsche und internationale Politik

20.09. Frankreich ratifiziert die drei Protokolle zum Vertrag von Raratonga und zum Vertrag von Pelindaba.
 
24.09. Ein umfassender Atomteststopp-Vertrag (CTBT, Comprehensive Test Ban Treaty) wird durch die UN-Generalversammlung in New York erarbeitet und für die Unterzeichnung bereitgestellt.

24.09 Die ehemaligen sowjetischen Republiken Weißrussland, Ukraine und Kasachstan werden atomwaffenfrei.

10.11. Der Atomteststoppvertrag (CTBT) wird unterzeichnet. Der Vertrag verbietet jegliche Nukleartests, gleich ob für Waffen- oder andere Zwecke. Subkritische Tests, bei denen es nicht zu einer Kettenreaktion kommt, sind durch den Vertrag nicht ausdrücklich verboten und werden von einigen Staaten weiterhin durchgeführt.

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