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Nagasaki

Nagasaki ist eine Hafenstadt, die am westlichen Zipfel der Insel Kyushu am Ostchinesischen Meer liegt. Die Bevölkerung Nagasakis wird zum Zeitpunkt der Bombardierung auf etwa 280.000 Menschen geschätzt. In Nagasaki befanden sich rund 30 Prozent der Bevölkerung 2.000 Meter oder weniger vom Hypozentrum entfernt.

Das ursprüngliche Ziel  war eine japanische Waffenfabrik in der Industriestadt Kokura, die an der Meerenge im Nordwesten der Insel Kyushu gelegen war und die Verbindung zwischen der Hauptinsel Honshu darstellte. Aufgrund der Wetterlage änderte sich das Ziel jedoch und die Bombe wurde stattdessen über einem dicht besiedelten Zentrum der Stadt Nagasaki abgeworfen. 

Kokura, Hiroshima, Niigata und Kyoto waren auf der Liste des Ausschusses zur Auswahl der Atombombenziele als die vier besten Ziele genannt. Der Ausschuss glaubte, dass Angriffe auf diese Städte einen tiefen psychologischen Eindruck bei den Japanern hinterlassen und den militärischen Widerstand schwächen würden. Keine dieser Städte war bisher von der US-Luftwaffe bombardiert worden. US-Kriegsminister Stimson legte sein Veto gegen Kyoto ein, Japans wichtigstes Kulturzentrum. Nagasaki ersetzte Kyoto auf der Zielliste als sekundäres Ziel.

Am 9. August 1945 um 11 Uhr und 2 Minuten Ortszeit warf die US-amerikanische Luftwaffe vom B-29-Flugzeug mit dem Namen „Bock's Car" eine Plutoniumbombe auf Nagasaki ab. Die Atombombe von Nagasaki wurde aufgrund ihrer Form „Fat Man“ genannt. Sie enthielt Plutonium 239, war 4,5 Meter lang, hatte einen Durchmesser von 1,5 Metern und wog 4,5 Tonnen. Die Sprengkraft der Atombombe entsprach 21 KilotonnenTNT. Der Detonationspunkt (Epizentrum) befand sich in einer Höhe von etwa 503 Metern.

Diese Explosion hat ihren Eingang in die japanische Sprache gefunden. Das Wort Pikadon bezeichnet das Aufblitzen des Lichtes der Explosion, das viele Menschen erblinden ließ, und das folgende, extrem laute Donnergeräusch. 

Durch die Explosion entstand ein riesiger Feuerball, der innerhalb eines Radius von ca. einem Kilometer alles Leben auslöschte. In der vor allem aus Holz gebauten Stadt entfachte er einen Feuersturm, der weite Teile Nagasakis in Flammen aufgehen ließ und noch fünf Kilometer entfernt Verbrennungen dritten bis vierten Grades verursachte. Da das Feuer der Luft den Sauerstoff entzog, erstickten die Menschen in Kellern und Bunkern.

Anhöhen zwischen den beiden Flüssen Nakashima und Urakami teilten damals Nagasaki in zwei nach den Flüssen benannte Bezirke. Da der östliche Bezirk Nakashima durch eine Hügelkette abgeschirmt wird, wurde er nicht vollständig zerstört. Trotzdem waren die Schäden in Nakashima keineswegs gering. Über 18.000 Gebäude wurden beschädigt, fast 13.000 komplett zerstört. Im Bezirk Urakami waren die Schäden durch die Druckwelle hingegen sogar noch größer als die Schäden in Hiroshima.

Der von der Atomexplosion ausgelöste elektromagnetische Puls zerstörte zudem die Kommunikations- und Stromnetze der Stadt. Dies erwies sich als fatal für viele Opfer, da damit Gesundheits- und Notfallsysteme zusammenbrachen.

Die Zerstörungskraft der Atombombe überstieg bei weitem Nagasakis Rettungskapazitäten. Ungefähr 22.000 Menschen starben am Tag des Angriffs, 42.000 wurden verletzt. Bis Ende des Jahres 1945 starben ca. 74.000 (Tabelle 1). 

Die medizinische Universität Nagasaki und ihr Krankenhaus, das wichtigste Versorgungszentrum, waren zerstört und viele Ärzt*innen getötet oder verletzt. Was die Stadt an medizinischen Notversorgungsmaßnahmen vorbereitet hatte, war bis aufs Letzte zugrunde gerichtet worden.

Drei Tage zuvor war bereits eine US-amerikanische Atombombe über Hiroshima detoniert. Die Bomben zerstörten beide Städte sofort und vernichteten fast alles Leben im Umkreis. Unter dem Eindruck dieser Zerstörungen kapitulierte das Kaiserreich Japan am 15. August 1945.

Anzahl der Tote in Hiroshima und Nagasaki*HiroshimaNagasaki
Anzahl der Menschen in der Stadt zum Zeitpunkt der Bombardierung350.000280.000
Tote bis Ende des Jahres 1945140.00074.000

*Alle Zahlen hierzu sind jedoch Schätzungen und unterscheiden sich zum Teil erheblich. Eine belastbare Datenerhebung wurde durch die katastrophale humanitäre Lage erschwert, zudem konnten japanische Wissenschaftler*innen bis zum Ende der amerikanischen Okkupation 1951 nicht frei arbeiten. Selbst die Anzahl der Personen, die zum Zeitpunkt der Bombardierung in der Stadt waren, ist unklar, da u. a. die Zahl der Kriegsgefangenen und des Militärpersonals nicht dokumentiert ist. Noch schwerer zu schätzen ist die Zahl der zigtausenden Verletzten und Schwerverletzten durch Feuer, Druckwelle und Strahlung.

Auswirkungen

Das wahre Ausmaß des Atombombenabwurfs auf Nagasaki wird nie vollständig bekannt werden. Die Leichen wurden im Chaos nach der Explosion schnell verbrannt – aus Angst vor Epidemien und wegen fehlender wissenschaftlicher und medizinischer Infrastruktur. Auch die meisten Fehlgeburten, Fehlbildungen und Todesfälle in den ersten Jahren nach dem Bombenabwurf wurden niemals untersucht.

Erste wissenschaftliche Untersuchungen begannen erst 1950 und wurden hauptsächlich durch die US-amerikanischen Kommission für Atombombenopfer und die Radiation Effects Research Foundation (RERF) durchgeführt. Ihre Studien fanden Leukämieraten unter den Überlebenden, die gegenüber Kontrollpopulationen um etwa das Siebenfache erhöht waren sowie erhöhte Raten für fast alle anderen Krebsarten. Diese Studien untersuchten jedoch nur die Folgen der direkten Gamma-Strahlung und nicht die der inneren Verstrahlung durch radioaktiven Niederschlag. So wird angenommen, dass sie das wahre Ausmaß der durch die Strahlung verursachten Morbidität und Mortalität unterschätzen. Auch heute noch leiden die Überlebenden der Atombombenexplosion – die Hibakusha von Nagasaki – unter den Folgen der Explosion, die sich vor acht Jahrzehnten ereignete.

Prozentzahl der Verletzten nach Ursachen und Entfernung von den Hypozentren Hiroshima und Nagasaki*Entfernung in kmHiroshima in %Nagasaki in %
Strahlenschäden0-185,953,5
 1-1,538,638
 1,5-210,118,2
Verbrennungen0-489,973,8
Physische Traumata0-582,871,6

Die meisten Überlebenden waren von mehreren Verletzungen gleichzeitig betroffen.

Bearbeitungsstand: August 2025, xh

Quellen: 
Lebow RN et al: Hiroshima and Nagasaki: the physical, medical, and social effects of the atomic bombings, Committee for the Compilation of Materials on Damage Caused by the Atomic Bombs in Hiroshima and Nagasaki, 1981
Hanada E: The Medical Effects of the Nagasaki Atomic Bombing, Nagasaki University, Atomic Bomb Disease Institute, keine Datumsangabe, abgerufen am 08.09.2025
IPPNW: Hiroshima. Nagasaki, Broschüre, 4. Auflage 2025
IPPNW: Nagasaki, Ausstellung Hibakusha weltweit, 2024
Pierce et al.: Studies of the mortality of atomic bomb survivors, Radiat Res. 1996 Jul;146(1):1-27  
Watanabe, T et al.: Hiroshima survivors exposed to very low doses of A-bomb primary radiation showed a high risk for cancers, Environ Health Prev Med. Sep 2008; 13(5): 264–270.

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