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War Trumps nukleare Drohung ernst gemeint?

10.04.2026

Am 7. April stellte der US-Präsident Donald Trump dem Iran ein Ultimatum: Entweder der Iran schließe bis 20 Uhr US-Ostküstenzeit (24:00 GMT) mit den USA ein Abkommen zur Beendigung des Krieges, oder „eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zurückkommen“. Trumps Rhetorik ist zwar häufig übertrieben, doch hat es sich diesmal um eine ernsthafte Drohung gehandelt, Atomwaffen einzusetzen? Einige halten es für eine Verhandlungstaktik, andere verurteilen Trumps Ankündigung als verhüllte nukleare Drohung. Die Reaktion des Weißen Hauses in den sozialen Medien bestand darin, dies zu bestreiten. Andererseits war sich die Pressesprecherin Karoline Leavitt nicht ganz sicher und antwortete auf die Frage, ob es sich tatsächlich um eine nukleare Drohung handele:

„Nur der Präsident weiß, wie die Lage ist und was er tun wird.“

Nukleare Abschreckung nutzt Mehrdeutigkeit als Funktionsprinzip. Es ist unüblich, dass ein Staatsführer direkt mit dem Einsatz von Atomwaffen droht. In der Vergangenheit dienten Formulierungen wie „alle Optionen liegen auf dem Tisch“, „alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen“ oder „Feuer und Zorn wie noch nie zuvor“ dazu, einem Gegner zu signalisieren, dass ein nuklearer Schlag möglich ist. Donald Trump hat auch gegenüber Nordkorea eine ähnliche Rhetorik verwendet, während Russlands Führung ihre Gegner oft einfach daran erinnert hat, dass sie Atomwaffen besitze.

Im Fall des Iran hat Trump jedoch eine Formulierung verwendet, die den möglichen Einsatz von Atomwaffen gegen einen Nicht-Atomwaffenstaat als Verhandlungsposition andeutet. J. D. Vance goss zusätzlich Öl ins Feuer, indem er sagte, die USA hätten „Werkzeuge in unserem Werkzeugkasten, die wir bisher entschieden haben, nicht einzusetzen“. Diese Drohungen werden nicht ausgesprochen, um einen Gegner davon abzuhalten, Atomwaffen gegen die USA einzusetzen. Unabhängig von der diskutierten Zeitschiene, wann oder ob Iran genügend Material für den Bau einer Atombombe hat, bleibt die Tatsache klar: Iran hat sein spaltbares Material bislang nicht waffenfähig gemacht und ist weiterhin Mitglied des Nichtverbreitungsvertrags (NVV). In der neuesten Liste von Verhandlungsforderungen, die den Medien vorgelegt und von Karoline Leavitt als von den US-Forderungen abweichend zurückgewiesen wurde, erklärte der Iran erneut kategorisch, keine Atomwaffen bauen zu wollen. Selbst die US-Geheimdienste waren sich schon vor den militärischen Angriffen im vergangenen Jahr auf Irans nukleare Infrastruktur einig, dass das Land weder im Besitz einer Atomwaffe ist, noch in naher Zukunft die Fähigkeit hat, eine zu bauen.

Glücklicherweise wurde die Ernsthaftigkeit der Drohung, ein Land „in einer Nacht“ auszulöschen, nicht geprüft, da das Eingreifen Pakistans und anderer die Notwendigkeit aufschob. Eine Art zweiwöchiger „Waffenstillstand“ wurde vereinbart. Dennoch sind sich die Parteien schon über die Bedingungen des Waffenstillstands uneinig, von Verhandlungen über ein Ende des Krieges ist noch gar nicht die Rede.

Darüber hinaus hat Trump die Drohkulisse aufrechterhalten und erklärt, dass, falls Iran seinen Bedingungen nicht zustimme, „die Schießerei beginne“, in seiner typischen Wildwest-Rhetorik. Diese jüngste Drohung ist jedoch schwächer als die mit der Vernichtung einer Zivilisation. Vielleicht hat die Verurteilung sowohl durch den UN-Generalsekretär als auch durch den Papst ihn erkennen lassen, dass Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen wenig Beifall bekommen und seine Zustimmungswerte weiter sinken könnten? Es ist schwer zu sagen. Selbst er sagte: „Wer weiß?“ und „Ich will nicht, dass es passiert, aber es wird wahrscheinlich passieren“, was irgendwie andeutet, dass nicht er, sondern jemand anderes verantwortlich wäre, wenn er den Befehl zum nuklearen Angriff geben müsste.

Es ist möglich, dass Trump bewusst eine Seite aus Nixons Strategie übernimmt, die später als „Madman-Theorie“ bezeichnet wurde. Die Idee dahinter war, die Glaubwürdigkeit eines möglichen Atomwaffeneinsatzes zu erhöhen und damit die abschreckende Wirkung zu verstärken, indem man irrational oder explosiv erscheint. Der Gegner würde eher nachgeben, wenn er den Anführer als unberechenbar einschätzt. Da das Konzept der nuklearen Abschreckung auf der Annahme basiert, dass alle Akteure rational handeln, verschafft dies dem „Verrückten“ einen Vorteil, da er sich nicht von dem Einsatz abschrecken lässt.

Im Fall des iranischen Regimes hat sich vielleicht keine „verrückte“ Irrationalität gezeigt, wohl aber eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber jeglichem Druck. Der innerstaatliche Umgang mit Menschenrechten sowie die regionale Unterstützung bewaffneter Rebellengruppen zeigen ebenfalls ein geringes Interesse an der Einhaltung internationaler Regeln und Normen. Trumps Drohung könnte als Ausdruck von Frustration interpretiert werden, dass die iranische Regierung ihre Position trotz militärischer Vorteile der USA und Israels nicht verändert hat und weiterhin entschlossen an ihren Forderungen festhält. Als Regime kämpft sie um ihr bloßes Überleben und könnte denselben Weg einschlagen wie die israelische Politik – die Samson-Option –, also im Grunde den ganzen Tempel mit sich zu Fall zu bringen. Der Iran jedoch wird keine Atomwaffen einsetzen, weil er keine hat. Diejenigen, die sich ein Ende des Regimes wünschen, könnten ihren Wunsch erfüllt sehen – auf die Gefahr hin, dass der Iran Opfer einer (möglicherweise nuklearen) Katastrophe wird, da er nicht nur gegen einen, sondern gegen zwei Atomwaffenstaaten kämpft.

Auftreten und Rhetorik sind nicht die einzigen Maßstäbe für die Glaubwürdigkeit einer Drohung. Die Verlegung taktischer Atomwaffen in Reichweite, das öffentliche Vorführen von Raketen und deren Tests sind Mittel, mit denen Atomwaffenstaaten signalisieren können, dass sie im Ernstfall bereit wären, Atomwaffen einzusetzen. Im Vereinigten Königreich müssen angehende Premierminister*innen Briefe an die Kommandeure der patrouillierenden Atom-U-Boote verfassen – als eine Art Test ihrer Bereitschaft, den Befehl zum Einsatz von Atomwaffen zu geben. Während Präsidentschaftswahlkämpfen werden Kandidat*innen oft befragt, ob sie bereit seien, gegebenenfalls einen Atomkrieg zu beginnen. Nur diejenige, die die Frage bejahen, haben eine Chance. Die Gegenfrage wird jedoch kaum gestellt: ob ein*e Kandidat*in versuchen würde, eine nukleare Katastrophe um jeden Preis zu vermeiden.

Die USA müssen ihr Atomarsenal jedoch nicht demonstrativ zur Schau stellen. Sie verfügen über globale Schlagkraft durch ihre interkontinentalen strategischen nuklearen ballistischen Raketen. Israel besitzt taktische Atomwaffen. Jede nukleare Drohrhetorik von Donald Trump wird durch diese Realitäten untermauert.

Der Einsatz von Atomwaffen galt bis vor kurzem als Tabu. Die Friedensnobelpreisträgerin ICAN, die internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, warnte, dass eine zunehmende Verwendung nuklearer Drohrhetorik zur „Normalisierung“ der Einsatzidee führen und dieses Tabu untergraben würde. Sie forderte – ebenso wie die Mitgliedstaaten des Atomwaffenverbotsvertrages (AVV) bei ihrem ersten Treffen in Wien 2022 – die Verurteilung jeglicher solcher Drohungen. Da dabei keine konkreten Länder genannt wurden, äußerten NATO-Staaten ihren Unmut darüber, dass Russland nicht ausdrücklich verurteilt wurde. Nun hat sich das Blatt gewendet, und ein NATO-Verbündeter droht mit der Vernichtung eines nicht-nuklearen souveränen Staates. Die Verbündeten bleiben auffallend still, obwohl das NATO-Mitglied Spanien gemeinsam mit anderen europäischen Ländern den USA untersagt hat, Militärflugzeuge durch seinen Luftraum fliegen zu lassen, um Iran anzugreifen. Italien verweigerte den USA zudem die Nutzung eines wichtigen Stützpunkts auf Sizilien, und auch Frankreich hat US-Flugzeugen mit militärischen Lieferungen für Israel die Landung untersagt. All dies waren jedoch Reaktionen auf den Krieg an sich und nicht auf die Drohung einer nuklearen Eskalation. Bis heute gibt es keine öffentlich dokumentierten Verurteilungen von Trumps Drohung vom 7. April durch NATO-Verbündete.

Dieser Artikel von Xanthe Hall, ehem. Abrüstungsreferentin der IPPNW, erschien am 10. April 2026 auf englisch im IPPNW Peace and Health Blog

Quellen:

Al Jazeera: US denies nuclear plan as deadline on threat to Iran ‘civilisation’ looms, 07.04.2 026
Gritten D: Trump condemned over threat that Iran's 'civilisation will die', BBC, 08.04.2026
ICAN: Why condemn threats to use nuclear weapons? ICAN Briefing Paper, Oct 2022
Meyjes T: List of Countries Denying US-Israeli Military Access, Newsweek, 30.03.2026
Office of the Director of National Intelligence, Annual Threat Assessment of the U.S. Intelligence Community, p. 26, March 2025
Stevenson J: The Madness Behind Trump’s ‘Madman’ Strategy, New York Times, 26.10.2017

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