Auswirkungen einer Atomwaffenexplosion

Abb. Verteilung der freigesetzten Energie

Hitzewelle
Die erste Wirkung einer Atomexplosion ist ein intensiver Lichtblitz. Dabei steigen die Temperaturen ins Unermessliche. In einem bestimmten Umkreis wird alles verdampft.

Die Wärmeenergiemenge, die in einer bestimmten Entfernung von der nuklearen Explosion wahrgenommen wird, hängt von der Sprengkraft der Waffe und dem Zustand der Atmosphäre ab.

Die direkte Hitze entfacht nicht nur Brände an Gebäuden und in Wäldern, sondern sie verursacht auch schwerste Verbrennungen am Menschen.
Die Hitzestrahlung kann trockene, entflammbare Materialien, zum Beispiel Papier und einige Gewebe, entzünden. Bei der Explosion einer 1-Megatonnen-Bombe verbrennt beispielsweise Papier noch in einem Umkreis von 14 Kilometern.
 
Druckwelle
Ungefähr die Hälfte der Energie einer Atomexplosion wird als Druckwelle freigesetzt. Die Explosionskraft ist gewaltig. Die Schäden werden sowohl durch den Luftüberdruck an der Vorderseite der Druckwelle, als auch durch die extrem starken Stürme verursacht. Diese Stürme halten auch dann noch an, wenn die Druckwellenfront das Gebiet längst passiert hat.

Die entfachten Brände dehnen sich bei den orkanartigen Winden rasend schnell aus, sie sind in einem Umkreis von 10 bis 20 km wirksam. Es ist, wie wenn ein gigantischer Blasebalg ein Feuer schüren würde.
 
Die Druckwelle verursacht Beschädigungen und Explosionen von Öfen und Benzintanks, von Gaskesseln und Ölreservoirs, von Heizungsanlagen und Raffinerien. Diese gehen ihrerseits in Flammen auf und verursachen weitläufige Sekundärbrände.

Das Feuer vervielfacht sich. Es brechen Feuerstürme aus. In der Atmosphäre bilden sich tödliche Stoffe: Der Sauerstoff wird der Luft entzogen, sie füllt sich mit Rauch, Asche und Verbrennungsgasen. Die Menschen werden getötet, sei es im Freien, im Haus oder im Schutzraum.
 
Strahlung
Die durchdringende radioaktive Strahlung führt zu ernsthaften Verletzungen im Körper. Die von einer Explosion ausgehende radioaktive Strahlung kann in zwei Kategorien unterteilt werden: Sofortstrahlung, bestehend aus Alpha-, Beta-, Gamma- und Neutronenstrahlen, geht vom Explosionsmittelpunkt aus und wirkt bis zu einer Minute.

Rückstandsstrahlung, Teil der Strahlung, der nach Ablauf einer Minute noch wirksam ist. Sie besteht aus radioaktivem Niederschlag, auch Fallout genannt und sogenannter neutroneninduzierter Strahlung.

Die Radioaktivität im verstrahlten Gelände nimmt innerhalb der ersten 24 Stunden stark ab. Nach etwa einer Woche kann sie bis unter einen lebensbedrohlichen Wert absinken.

Der radioaktive Niederschlag (Fallout) schwebt langsam zu Boden und kann je nach Dauer der Schwebzeit mehr oder minder starke Verstrahlungen verursachen. Dabei ist zwischen zwei verschiedene Arten zu unterscheiden, dem frühen und dem verzögerten radioaktiven Niederschlag. Findet eine nukleare Explosion nahe der Oberfläche statt, wird die Erde oder das Wasser in eine pilzförmige Wolke gesogen und mit den Überresten der radioaktiven Waffe verseucht. Das verseuchte Material beginnt innerhalb weniger Minuten herabzufallen, was bis zu 24 Stunden fortdauern kann. Dadurch kann ein Gebiet bis zu Tausenden von Quadratkilometern von der Explosionsstelle entfernt getroffen werden. Bei Explosionen in großer Höhe gibt es keinen frühen Niederschlag. Wird eine Bombe weit über der Oberfläche gezündet, steigt der radioaktive Abfall in der pilzförmigen Wolke in große Höhen und fällt allmählich über einem großen Gebiet nieder.
 
Die kleineren Gefechts-Sprengköpfe, wie zum Beispiel die Neutronenbombe, entlassen sehr viel Sofortstrahlung, haben aber weniger Hitze- und Druckwirkung. Ihr Effekt ist somit anders: Die Zerstörung von Gebäuden ist wesentlich geringer; umso schlimmer ist aber die Strahlenwirkung auf den Menschen. Ihr Ziel ist es, Soldaten sofort kampfunfähig zu machen. D.h. mehr Tote und weniger Gebäudeschäden: Deshalb wurde die Neutronenbombe oft unter dem makabren Stichwort "Saubere Bombe" gehandelt.