Überblick | USA

Titan-Raketenmuseum in Arizona, 2007. Die Titan-Raketen sind bereits alle abgerüstet. Foto: DevIn

Laut der Federation of American Scientists "Nuclear Notebook" (März 2018) enthält das US-Atomwaffenarsenal 6.550 Sprengköpfe, wobei 4.750 davon sind Atomwaffen, die für die Abrüstung vorgesehen. Die SIPRI-Zahlen vom Januar 2018 geben nur 100 weniger an. 1.800 dieser Atomwaffen sind „aktiv“, d.h. einsatzbereit stationiert. Weitere 2.200 werden als "Reserve" für eventuelle Entwicklungen gelagert und können, wenn nötig, ins Arsenal zurückkehren. Darüber hinaus sind ca. 2.550 Atomsprengköpfe zwar zur Abrüstung markiert, aber noch intakt gelagert. » mehr in der Tabelle unten

Die USA sind offiziell anerkannter Atomwaffenstaat und seit dem Jahr 1970 Mitglied des Atomwaffensperrvertrags, in dem sie  sich verpflichtet haben, „in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens in naher Zukunft und zur nuklearen Abrüstung sowie über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung“ (Artikel VI).

Als erster Staat, der 1945 die Atombombe entwickelte, trieben die USA seit Beginn des atomaren Zeitalters das weltweite Wettrüsten an. Die USA haben als erster und einziger Staat Atomwaffen eingesetzt: 1945 in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Seit 1945 haben die Vereinigten Staaten mehr als 70.000 Atomwaffen in Form von über 65 verschiedenen Typen produziert, von der kleinen Atommine bis zur riesigen Wasserstoffbombe mit mehreren Megatonnen Sprengkraft. Im Jahr 1967 war die Höchstzahl  von Atomwaffen erreicht: 31.255.

Die USA haben 1.032 Atomtests durchgeführt, davon waren 228 oberirdisch. Seit 1992 testen die USA Atomwaffen nicht mehr durch Atomexplosionen, sondern nur noch mit subkritischen oder simulierten Tests im Rahen der „Stockpile Stewardship Program“. Die USA unterschrieben den umfassenden Atomteststoppvertrag am 24. September 1996, haben ihn aber noch nicht ratfiziert.

Atomwaffendoktrin

Anfang Februar 2018 legte die Trump-Administration eine neue Nuklearpolitik (Nuclear Posture Review, NPR) der USA vor. Diese NPR entwirft das Konzept der "maßgeschneiderten Abschreckung". Dadurch soll vorgeblich Krieg und Atomwaffeneinsätze durch eine flexiblere Abschreckung verhindert werden. Das Konzept wurde bereits in der Zeit der Adminstration von US-Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entwickelt aber damals eine Konzeption blieb. In der jetztigen Doktrin sind jedoch konkret vorgesehen:

  • unterschiedliche Atomwaffenträgersysteme sowie variable Sprengkraft für verschiedene Einsatzszenarien
  • strategische und regionale Raketenabwehrsysteme
  • verbesserte regionale Kriegsführungskapazitäten.

Unter der vorherigen Administration von US-Präsident Barack Obama im März 2010 ließ Obama seine „Nuclear Posture Review“ (NPR) vorstellen, in der die Atomwaffen bei der Verteidigung des Landes eine geringere Rolle spielen als bei der Bush-Doktrin von 2002 zuvor. Unter dieser konnten Atomwaffen auch gegen Staaten eingesetzt werden, die keine Atomwaffen besitzen, oder als „präventive“ Waffe beim Verdacht eines geplanten Angriffes mit Massenvernichtungswaffen. Vor und während des Irakkrieges 2003 drohten die USA, sie würden Atomwaffen einsetzen, falls der Irak die USA mit Massenvernichtungswaffen angriffe.

So sollte unter Obama die USA ein Ersteinsatz dieser Waffen nur noch unter eingeschränkten Bedingungen infrage kommen. Laut seiner NPR sollten keine neuen Atomsprengköpfe gebaut werden, und der Verzicht auf Atomtests blieb bestehen. Allerdings hat die Obama-Administration schon eine umfassende Modernisierung des Atomwaffenarsenals sowie -Komplexes schon begonnen.

Die neue Trump-NPR enthält die Fortführung dieser Modernisierungspläne und baut auf sie auf. Alle Trägersysteme, die atomaren Sprengsätze, die Führungs- und Kommunikationsstruktur und die industrielle Infrastruktur für das Atomwaffenkomplex wird entweder modernisiert oder ersetzt. Darüber hinaus soll einen neuen Sprengkopf mit kleinerer Sprengkraft entwickelt werden. Kritiker*innen befürchten, dass solche Atomwaffen destabilisierend wirken.

Abrüstung und Rüstungskontrolle

Obama erklärte bereits in seinen Wahlkampfreden 2008, dass er die Atomwaffenpolitik der USA wesentlich ändern und sich für eine atomwaffenfreie Welt einsetzen wolle. Diese Vision hat er in Prag am 5. April 2009 als US-Präsident erneut zum Ausdruck gebracht. Am 24. September 2009 brachte er eine Resolution in den UN-Sicherheitsrat ein, die u.a. die Vision einer atomwaffenfreien Welt bekräftigte. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Am 9. Oktober 2009 wurde Obama – unter anderem für seine Bemühungen und seine Vision einer atomwaffenfreien Welt – mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Im Februar 2012 kursierten Gerüchte über eine Diskussion des Pentagons über die künftige Zahl der Atomwaffen, die für eine glaubwürdige Abschreckung notwendig seien. Die Rede über eine mögliche Reduzierung der Zahl um bis zu 80% sorgte für Aufregung. In seiner Rede im Juni 2013 in Berlin kündigte Präsident Obama an, das US-Atomwaffenarsenal um bis zu ein Drittel zu reduzieren.

Neue START

Am 26. März 2010 verkündeten die USA und Russland, dass sie sich nach monatelangen Verhandlungen auf einen neuen Vertrag zur Abrüstung strategischer Atomwaffen geeinigt hätten, welcher das im Dezember 2009 ausgelaufene START-Abkommen ersetzen soll. Laut Vertrag sollen die strategischen Atomwaffen der beiden Länder jeweils um ca. ein Drittel reduziert werden. Das bedeutet, dass die Zahl der Atomsprengköpfe auf strategischen Trägersystemen innerhalb von sieben Jahren auf 1.550 Stück reduziert wird. Das sind ein Drittel weniger, als im letzten SORT-Vertrag von 2002 vorgesehen waren.

Alle sechs Monate berichten die USA und Russland, wie viele strategische Atomwaffen sie noch besitzen. Bis zum 1. September 2014 waren noch 1.642 US-Atomwaffen auf 794 Raketen und Bombern einsatzbereit. Laut Kristensen und Norris wurden seit Inkraftreten des Vertrags im Februar 2011 158 Sprengköpfe und 88 Startsysteme ins Lager versetzt (aber nicht abgerüstet). Dennoch wurden bisher kaum stationierte Atomstreitkräfte abgezogen.

Bis 2018 sollen 104 leere Raketensilos zerstört und 50 Minuteman-Raketen aus ihren Silos ins Lager gebracht werden. Allerdings werden diese Raketen dort noch „warmgehalten“. Auch im Kampfflugzeugbereich soll die Gesamtzahl der Bomber von 89 auf 60 reduziert werden. Die Zahl der Raketenstartrohre in den U-Booten werden auch reduziert: Jedes U-Boot wird fortan 20 statt 24 Rohre tragen.

Bearbeitungsstand: Juli 2018

Die US-Atomstreitkräfte

Tabelle: Das US-Nuklearwaffenarsenal 2018

TypZahl der Träger stationiert im Jahr...Sprengköpfe x
Sprengkraft (KT)
stationierte Sprengköpfe

Gesamtsumme stationiert



ca. 1.800
Reserveca. 2.200
Zwischensumme


ca. 4.000
Für Abrüstung markiertca. 2.800
Gesamtarsenal



ca. 6.800
ICBMs
Minuteman III
Mk-12A20019791-3 W78 x 335 (MIRV)600
Mk-2120020061 W87 x 300200
Insgesamt
400


800
SLBMs
Trident II D5240
Mk-419921-8 W76 x 100 (MIRV)216
Mk-4A20081-8 W76-1 x 100 (MIRV)1.320
Mk 519901-8 W88 x 455 (MIRV)384
Insgesamt
240


1.920
Bomber
B-52H Stratofortress89/44*1961ALCM/W80-1 x 5-150528
B-2A Spirit20/16*1994B61-7/-11, B83-1452
Insgesamt
107/60


980
Taktische Waffen
B61-3,-4 Bomben/a19790,3-170300**
Insgesamt300

* Die erste Zahl ist das Inventar an Flugzeugträgern, die für Training, Tests und als Reserve gehalten werden. Die zweite Zahl ist das Inventar an für den Einsatz bestimmten Primärflugzeugträgern. Die USA hat insgesamt 66 atomwaffenfähige Jagdflugzeuge: 46 B-52H-Bomber und 20 B-2-Bomber.

**150 von diesen Bomben sind in Europa stationiert. Alle Anderen sind in den USA zentral gelagert.

Quelle Kristensen, Hans und Norris, Robert: Nuclear Notebook: U.S. nuclear forces, 2018 in Bulletin of Atomic Scientists, März 2018

US-Arsenal 2018
Insgesamt6.550
Einsatzbereit1.800
Reserve2.200
für Abrüstung markiert2.550

 

Quelle: Nuclear Notebook, FAS, März 2018

Zitiert:

»Es wäre wunderbar, es wäre ein Traum, wenn kein Staat Atomwaffen hätte. Aber solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen.«

US-Präsident Donald Trump,
24. Februar 2017

Links

Zitiert:

»Wir leben vielleicht nicht mehr in Furcht vor einer globalen Vernichtung, aber solange es Kernwaffen gibt, sind wir nicht wirklich sicher.

»Frieden mit Gerechtigkeit bedeutet, dass die Sicherheit der Welt gewährleistet wird in einer nuklearwaffenfreien Welt, ungeachtet dessen, wie weit dieser Traum sich in der Zukunft befinden mag.«

US-Präsident Barack Obama, Berlin, 19. Juni 2013