Überblick | Nordkorea

Kim Jong Un, Foto: Peter Snoopy/Creative Commons

Nordkorea unterzeichnete 1985 den Atomwaffensperrvertrag (NPT), weil der US-Geheimdienst einen geheimgehaltenen gasgekühlten, graphitmoderierten Reaktor entdeckt hatte, der in der Lage war, Plutonium herzustellen. 1989 wurde die Vermutung lanciert, Nordkorea hätte eine Wiederaufarbeitungsanlage, in der atomwaffenfähiges Plutonium hergestellt werde. Dennoch weigerte sich die nordkoreanische Regierung bis 1992, eine vollständige Kontrolle durch die Atomenergiebehörde (IAEO) zu ermöglichen. Bei den nachfolgenden Inspektionen unter der Leitung von Hans Blix stellte die IAEO fest, dass zwischen der von Nordkorea angegebenen Menge von wiederaufgearbeitetem Plutonium und ihren eigenen Messungen eine Diskrepanz bestand.

Nordkorea zeigte sich daraufhin immer weniger kooperativ. Die IAEO vermutete, dass weiteres Plutonium für ein Atomwaffenprogramm wiederaufgearbeitet wurde, insgesamt über 20 Kilogramm - genug für drei kleine Sprengköpfe. Spannungen zwischen den USA und Nordkorea über die Atomwaffenfrage führten zu einer Krise im Frühjahr 1994, die beinahe in einen Krieg mündete.

„Agreed Framework“

Erst nach dem Tod von Staatschef Kim II Sung führten Verhandlungen 1994 zu einem US-Nordkoreanischen Abkommen mit dem Titel "The Agreed Framework". Nordkorea wurde versprochen u.a. Hilfe für sein Atomenergieprogramm zu bekommen, wenn es sich im Gegenzug verpflichte, das Atomwaffenprogramm einzustellen und Mitglied im Atomwaffensperrvertrag zu bleiben. Doch mit der Umsetzung des Vertrages gab es andauernd Probleme und Verzögerungen.

Nach der US-Wahl 2001 verschlechterte sich die politische Situation wieder. Die USA unter George W. Bush bezeichneten Nordkorea als einen Schurkenstaat, der den Terrorismus unterstütze. Seine Administration glaubte, dass Nordkorea bereits ein oder zwei Atomwaffen besitze und den Zeitpunkt für die Inspektionen nur hinaus schieben würde. Weitere Drohungen aus den USA, z.B. die Nennung von Nordkorea als ein Ziel für einen Atomwaffeneinsatz, bestärkte die Radikalen und eskalierte die Problematik.

Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag

So stellte sich im Oktober 2002 heraus, dass Nordkorea ein geheim gehaltenes Programm für Urananreicherung unterhielt. Ende 2003 begann Nordkorea zudem, die Überwachungskameras der IAEO zu entfernen. Am 10. Januar 2003 kündigte das Land an, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszusteigen und beendete damit jegliche Kooperation mit der IAEO.

Im August 2003 begann die erste Runde der sogenannten Sechs-Länder-Gespräche unter Beteiligung der USA, Russland, China, Südkorea, Japan und Nordkorea. Diese und alle weiteren Runden der Gespräche blieben bisher ergebnislos. Am 10. Februar 2005 behauptet Nordkorea zum ersten Mal tatsächlich im Besitz von Atomwaffen zu sein. Am 9. Oktober 2006 zündete Nordkorea seine erste Atomwaffe.

Nach dem nordkoreanischen Atomtest flammten die Spannungen in Nordostasien auf. Die USA und Japan verhängten harte Sanktionen gegen Nordkorea, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete eine Resolution mit begrenzten Strafmaßnahmen.

Nordkorea kündigte die Bereitschaft an, sich wieder an den Sechs-Länder-Gesprächen zu beteiligen. Mühsam gingen die Verhandlungen weiter. Einige Erfolge wurden im Jahr 2007 erzielt, z.B. die Ankündigung, dass der Waffenstillstand von 1953 in einem Friedensvertrag umgewandelt wird und, dass Nordkorea von der Liste von Terrorismus unterstützenden Staaten gestrichen wird. Dafür wollte Nordkorea seine Nuklearaktivitäten einstellen und die IAEO-Kontrollen wieder zulassen.

Erneute Eskalation

Im Januar 2009 erklärte Nordkorea, alle Einigungen mit Südkorea seien ab jetzt ungültig. Hintergrund dieser Entscheidung: Die USA hatten die Energiehilfe im Dezember 2008 eingestellt, Südkorea zögerte mit einer Lieferung von Stahlplatten und auch Japan war nicht mehr bereit, Öl zu liefern, bis der Streit über die entführten Japaner in den 1970er und 80er Jahren gelöst sei. Die Beziehung der beiden Staaten auf der koreanischen Halbinsel verschlechterte sich seit der Wahl des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak im Februar 2008 stetig.

Am 5. April 2009, kurz vor der historischen Rede des US-Präsidenten Obama in Prag, startete Nordkorea eine Langstreckenrakete. Sanktionen gegen einige nordkoreanischen Firmen wurden verhängt. Japan hat noch schärfere Sanktionen inklusive eines Embargo von nordkoreanischen Importgütern verhängt. Nordkorea interpretierte diese Kritik als feindlichen Akt und führte als Folge am 25. Mai 2009 einen weiteren Atomtest durch.

Seit dem Tod von Kim Jong Il 2011 übernahm sein Sohn Kim Jong Un die Macht. Im März 2012 vereinbarten die USA und Nordkorea zwar, dass Nordkorea die Entwicklung von Atomwaffen und das Raketenprogramm einfriert. Im Gegenzug sicherten die USA zu, 240.000 Tonnen Lebensmittel an Nordkorea zu liefern. Dennoch arbeitet Nordkorea systematisch weiter an seinen ballistischen Raketen und führt weitere Raketentests durch, einschließlich eines Tests einer Interkontinentalrakete am 12. Dezember 2012, mit der Nordkorea erfolgreich einen Satellit ins All geschossen hat. Daraufhin hat der UN-Sicherheitsrat am 22. Januar 2013 einstimmig weitere Sanktionen gegen Nordkorea verhängt.

Immer wieder Atomtests

Bis heute führte Nordkorea fünfAtomtests durch: in den Jahren 2006, 2009, 2013 und zweimal in 2016. Sein dritter Atomtest am 12. Februar 2013 fiel mit einer Sprengkraft von 6-9 Kilotonnen TNT-Äquivalent etwas stärker aus als die beiden bisherigen Tests, war jedoch immer noch wesentlich schwächer als die Atomwaffen, die in Hiroshima bzw. Nagasaki eingesetzt wurden. 

Die internationale Verurteilung des dritten Tests mündete in neuerlichen Sanktionen des UN-Sicherheitsrates, die auch China mit starker Rhetorik mittrug. Die Geduld des großen Nachbarn und engsten Verbündeten Nordkoreas scheint damit aufgebraucht zu sein, weswegen die neuerlichen Sanktionen auch stringenter umgesetzt werden könnten, als dies zuvor der Fall war. Ungeachtet dessen reagierte Nordkorea auf die Sanktionen sowie auf ein jährlich stattfindendes, mehrmonatiges Seemanöver Südkoreas und der USA mit der Aufkündigung „sämtlicher Nichtangriffspakte” mit dem Süden sowie mit der Androhung, atomare Erstschläge sowohl gegen die USA als auch gegen Seoul durchzuführen. Zwar verfügt Nordkorea derzeit noch über keine geeigneten Trägersysteme für derartige Angriffe, die Rhetorik aber hob den Konflikt auf eine neue Eskalationsstufe.

Im November 2014 leiteten die Vereinten Nationen erste Schritte ein, um Nordkorea wegen seiner angeblichen Menschenrechtsverletzungen vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) anzuklagen. Pjöngjang reagierte gereizt und drohte mit einem neuen Atomtest. Erst über ein Jahr später folgten diesen Worten Taten: Nordkorea behauptete am 6. Januar 2016, dass das Land erstmalig und erfolgreich eine Wasserstoffbombe gestestet habe. Wenn diese Behauptung sich bewahrheitet, könnte Nordkorea eventuell in der Lage sein, Atomwaffen auf Raketen einzusetzen. Der zweite Atomtest im September 2016 war deutlich stärker als der vorherige Test im Januar, eine Wasserstoffbombe wurde aber nicht gezündet.

Bearbeitungsstand: September 2016

Nordkoreanisches Arsenal 2016
Insgesamt<10
Einsatzbereit?
Reserve6-8?

Quelle: SIPRI

Zitiert:

Fotorealistische Zeichnung von Kim Jong Un. Bild: Wikimedia Commons, CC 4.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0»Wenn Aggressoren und Provokateure uns auch nur leicht berühren, werden wir nicht zögern, mit einem gnadenlosen heiligen Krieg für Gerechtigkeit und nationale Wiedervereinigung zu reagieren.«

Neujahrsansprache von Kim Jong Un am 1. Januar 2016

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