Überblick | Indien

Die Zahl der indischen Atomwaffen ist nicht bekannt. Es wird vom Bulletin of Atomic Scientists und SIPRI geschätzt, dass Indien zwischen 80-100 Atomsprengköpfe besitzt, und genug spaltbare Materialien um bis zu 130 Atomwaffen produzieren zu können. Auch über die Stationierung der Atomwaffen gibt es keine offiziellen Informationen.

Indien testete gerade Raketen mit über 5.000 km Reichweite, die das gesamte Territorium seines Erzrivalen Pakistans und auch China erreichen könnten. Indien baut sein Arsenal kontinuierlich aus, besitzt atomwaffenfähige Kampfflugzeuge vom Typ Mirage und Jaguar, und entwickelt seegestützte Raketen mit kurzer Reichweite.

Laut IPFM (2011) hat Indien bis zu 520 kg waffenfähiges Plutonium, genug für 100-130 Atomwaffen. Noch nicht all dieses Plutonium wurde bereits in Atomwaffen verwendet. Indien ist in der Lage ca. 140 kg waffenfähiges Plutonium pro Jahr herzustellen und plant vier weitere Brüterreaktoren zu bauen. Weitere 4,2 Tonnen reaktorfähiges Plutonium wurden aus den Brennstoffen abgetrennt und ca. 6 Tonnen bestehen in abgebrannten Brennstäben.

1999 verfasste Indien seine Atomwaffendoktrin. Sie basierte auf der Doktrin der offiziellen Atomwaffenstaaten: "Indien verfolgt eine Doktrin der glaubwürdigen Minimalabschreckung". Diese besteht aus:

  1. ausreichenden, überlebensfähigen und einsatzbereiten Atomstreitkräften
  2. robusten Kommando- und Kontrollsystemen
  3. effektiven Aufklärungs- und Frühwarnungspotentialen
  4. Planung und Training für atomaren Operationen
  5. dem Willen, Atomwaffen einzusetzen.


Die Atomstreitkräfte sollen auf Basis einer Dreiergruppe aus Luftwaffe, landgestützten und seegestützten Raketen operieren, die dem Angreifer bei einem Vergeltungsschlag "inakzeptablen Schaden zufügt". Volle Stationierung in kürzester Zeit ist erklärtes Ziel. Pläne zur Entwicklung von Marschflugkörpern mit atomaren Sprengköpfen und Raketen mit mehreren Sprengköpfen befinden sich noch in der Anfangsphase.

2003 wurde die offizielle und kürzere Version der Doktrin veröffentlicht: "Nukleare Vergeltung auf einen Ersteinsatz hin wird massiv sein und inakzeptablen Schaden verursachen". Aber: "Minimal" wird nicht auf eine kleine Streitkraft begrenzt, sondern lässt die Möglichkeit für eine Expansion offen.

Bisher galt eine Politik des Nichtersteinsatzes, jedoch behält sich Indien nun das Recht auf Vergeltung bei einem Angriff mit C- oder B-Waffen vor (Beispiel USA).

Die Befürchtung ist, dass Indien einen automatisierten Raketenstart einführt (d.h. die Raketen werden durch Signale des Frühwarnsystems gestartet) und damit ein Atomkrieg "aus Versehen" ausgelöst wird. Problematisch ist außerdem, dass alle indischen nuklearen Trägersysteme auch mit konventionellen Sprengköpfen bestückt werden können. Während eines Konflikts kann das schwerwiegende Folgen haben, da der Gegner nicht klar sehen kann, ob ein konventioneller oder ein atomarer Angegriff vorliegt.

Bearbeitungsstand: August 2012

Die indischen Atomstreitkräfte

Indische Atomstreitkräfte 2012
TypReichweite
(km)
Tragkraft
(kg)
Bemerkungen
Flugzeuge
Mirage 2000H/Vajra1.8006.300Gwalior Luftwaffenbasis
Jaguar IS/IB/Shamsher1.6004.775Ambala Luftwaffenbasis
landgestützte
Raketen
Privthi I1501.000ab 1998 stationiert
Agni I700+1.000stationiert 2004
Agni II2.0001.000in Entwicklung, 1. Test Sep 2011
Agni II+2.000+1.000in Entwicklung, Test versagt Dez 2010

Agni III

3.000+1.500

in Entwicklung, 4. Test Feb 2010

Agni IV3.5001.500in Entwicklung, 1. Test Nov 2011
Agni V5.0001.500in Entwicklung, 1. Test April 2012
seegestützte
Raketen
Dhanush350500in Entwicklung, seegestützte Version der Privthi II, 7. Test März 2011
Sagarika/K-15300-700300-700in Entwicklung, Test Feb 2008, wird evtl. auf Arihant stationiert

Quelle: Norris, R./Kristensen, H.: Nuclear Notebook, in: Bulletin of the Atomic Scientists, 2012

Indisches Arsenal 2012
Insgesamtca. 100
Atomsprengköpfe80-100
Ausreichend Stoff für100-130
P.K. Iyangar, ehem. Vorsitzender der indischen Atomenergiekommission

«Ich hoffe, dass die Öffentlichkeit in beiden Ländern [Indien und Pakistan] ihren Regierungen bewusst machen wird, dass eine erhöhte Zahl an Atomwaffen unnötig und eine Verschwendung von Ressourcen ist, die für die Entwicklung der jeweiligen Länder gebraucht werden».

Ehem. Vorsitzender der indischen Atomenergiekommission, P.K. Iyengar, in der Zeitung Asian Scientist, 28. Juli 2011

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