Frankreich | Überblick

Frankreichs "Force de Frappe"

Obwohl Frankreich den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat und sich damit zur Abrüstung seiner Nuklearwaffen verpflichtet hat, gibt es keine Anzeichen dafür, dass Frankreich auf sein Atomwaffenarsenal künftig verzichten will. Im Gegenteil, Frankreich ist dabei, neue Atomwaffen und U-Boote zu stationieren. Mit 300 Atomwaffen verfügt das Land über das drittgrößte nukleare Arsenal der Welt nach den USA und Russland.

Frankreich verfügt zurzeit über zwei nukleare Waffensysteme: Seegestützte ballistische Raketen (SLBM), die auf atombetriebenen U-Booten stationiert sind und Luft-Boden-Raketen mittlerer Reichweite.

Vier mit Atomwaffen bestückte U-Boote (SSBN) vom Typ Le Triomphant sind zurzeit im Betrieb, das Vierte (Le Terrible) wurde 2010 im Dienst gestellt werden. Drei U-Boote sind mit jeweils 16 Atomraketen vom Typ M45 bestückt. Jede Rakete kann bis zu sechs Sprengköpfe vom Typ TN75 mit bis zu 100 Kilotonnen Sprengkraft zum Einsatz bringen. Die Raketen haben eine Reichweite von ca. 4000 km. Ab 2010 sollte die M45 durch die M51-Rakete ersetzt werden, erst einmal auf dem U-Boot Le Terrible. Diese neue Rakete hat mit 6000 km eine größere Reichweite und trägt bis zu sechs Sprengköpfe. Am Anfang wird die M51.1. mit dem TN75 bestückt, ab 2015 wird die zweite Version (M51.2) mit einem neuen robusteren Sprengkopf bestückt werden.

Für die nahe Zukunft ist die Einführung neuer atombetriebener U-Boot (SSN) (Typbezeichnung: Barracuda-Klasse) mit speziellen Angriffsfähigkeiten geplant, um die mit Atomwaffen bestückten U-Booten zu verteidigen. Sechs U-Boote wurden 2006 für rund 8 Milliarden Euro bestellt. Das erste U-Boot soll 2016 fertig gestellt werden. Jedes zweite Jahr wird bis 2026 ein U-Boot geliefert werden.

Frankreich besitzt ca. 60 Luft-Boden-Raketen mittlerer Reichweite (ASMP=Air-Sol Moyenne Portée), die bisher von den Flugzeugtypen Mirage 2000N und Super Étendard eingesetzt werden. Ab 2009/10 sollten die Flugzeuge durch Rafale F3 Kampfflugzeuge ersetzt und mit neueren Raketen vom Typ ASMP-A bestückt werden. Jedes Flugzeug kostet ca. 100 Millionen Euro, ohne die Entwicklungskosten. Die neuen Flugzeuge sollen sowohl bei der Luftwaffe als auch bei der Marine zum Einsatz kommen. Die neuen Raketen haben eine größere Reichweite (500 km) und einen neuen Atomsprengkopf (TNA= Tête Nucléaire Aero-portée). 10 Raketen sind auf Flugzeugen an Bord des Flugzeugträgers Charles de Gaulle.

Ob die beschriebenen Neuerungen, sowohl bei den Luft-Boden-Raketen als auch bei den SLBM, tatsächlich dem Zeitplan entsprechend umgesetzt wurden, ist zur Zeit jedoch nicht bestätigt.

Im März 2008 kündigte Präsident Nicolas Sarkozy an, das französische Atomarsenal deutlich zu reduzieren. Im April 2010 meinte Sarkozy am Rande des Nukleargipfels in Washington, dass Frankreich bereits die Zahl der Sprengköpfe um ein Drittel reduziert hätte, womit die Zahl bei 300 liegen würde. "Wir behalten für uns das strikte Minimum, um die Sicherheit unseres Landes zu gewährleisten" sagte er. Er begründet die Beibehaltung von Atomwaffen mit der Terrorismusgefahr.

Frankreich und Großbritannien haben einen Kooperationsvertrag im November 2010 für die nächsten 50 Jahre abgeschlossen, in dem sie das Forschen und Testen von Atomwaffen künftig gemeinsam unternehmen werden, um Kosten zu sparen. Im März 2010 haben beide Länder auch Gespräche über gemeinsame U-Boot-Patrouillen abgehalten.

Bearbeitungsstand: Februar 2012

Französisches Arsenal 2015
Insgesamt300
Einsatzbereit300
Reserve?