EADS

Waffenproduzent, Niederlande

Die in den Niederlanden ansässige „European Aeronautic Defence and Space Company“ (EADS) beschäftigt sich mit der Herstellung und dem Verkauf von kommerziellen Fluggeräten, zivilen und militärischen Hubschraubern, kommerziellen Trägerraketen für die Raumfahrt, Lenkflugkörpern, Militärflugzeugen, Satelliten, Verteidigungssystemen und Verteidigungselektronik.

EADS ist im französischen Nuklearwaffenprogramm involviert. Ihre Tochtergesellschaft Astrium entwickelt und produziert die neue M4-Generation ballistischer Raketen, welche mehrere Gefechtsköpfe und eine Reichweite von mehr als 4000 km besitzen. Astrium entwickelte auch eine verbesserte Version, die M45, die nukleare TN75-Gefechtsköpfe mit einer höheren Leistung trägt. Die M45 wurde 1997 an Bord des Triomphant-U-Bootes in Dienst gestellt. Astrium ist für die Instandhaltung dieser Raketen verantwortlich.

Im Dezember 2004 schloss Astrium einen Vertrag über die Herstellung der neuen M51-Atomrakete für die neuen französischen U-Boote. Dieser Auftrag hat ein geschätztes Volumen von drei Milliarden Euro. Astrium ist der Hauptvertragspartner, wobei Safran, SNPE, DCN und Thales die Hauptsubunternehmer sind. Die M51 besitzt mehrere Gefechtsköpfe mit wesentlich größerer Nutzlast und größerem Nutzvolumen als die M4. Sie bietet auch eine höhere Reichweite, wodurch U-Boote in der Lage sind, ihre Patrouillengebiete auszudehnen. Das Atom-U-Boot „Le Terrible“ wird seit Ende 2010 mit der M51 ausgerüstet.

Die Rakete wird auch an Bord der anderen U-Boote der neuen Generation – Triomphant und Téméraire – ihren Dienst nach entsprechender Umrüstung antreten. Eine zweite Version mit neuen Atomsprengköpfen wird ab 2015 in Auftrag gegeben.

EADS hält auch einen Anteil von 37,5 Prozent an MBDA, einem Jointventure mit BAE Systems und Finmeccanica. MBDA produzierte im Jahr 2010 über 3000 Raketen. Es baut für die französische Luftwaffe die ASMPA-Atomraketen, welche vom Mirage-2000-N-Kampfflugzeug und den neuen Rafale-Kampfflugzeugen abgefeuert werden können.

EADS hat zwei Hauptanteilseigner: Daimler und die französische Holdinggesellschaft Sogeade (Société de gestion de l’aéronautique, de la défense et de l’espace).
Daimler hatte bis Ende 2011 15% Anteile an EADS. Die Hälfte dieser Anteile (7,5%) mit einem Wert von 1,2 Milliarden Euro hat ein Investorenkonsortium von Finanzinstituten (inkl. KfW und Deutsche Bank) abgekauft. Das Konsortium wird sie behalten, bis ein privater Investor gefunden wird. Die Stimmrechte dieser 7,5% bleiben aber bei Daimler. (Quelle: van Gelder, Jan Willem/Spaargaren, Petra/Wright, Tim: Divestment Report. ICAN 2012)

Bearbeitungsstand: April 2012

Weitere Informationen zu Atomwaffenherstellern

 

Einsatz von Atomwaffen

Das Zeitalter der atomaren Abschreckung ist mit dem Ende des Kalten Krieges keineswegs ausgelaufen. Trotz bedeutender Einschnitte im Rüstungsverhalten hat sich die internationale Sicherheit dennoch nicht hinreichend verbessert. Eine umfassende reale Reduzierung bzw. die militärstrategische Bedeutung von Atomwaffen konnte nicht erzielt werden. Eine Vielzahl von Abkommen ist nicht in Kraft getreten bzw. wirkungslos (vgl. START I/II/III sowie SORT), die Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag im Mai 2005 blieb ergebnislos und mit Verweis auf neue Bedrohungen (u.a. Terrorismus, insbesondere seit dem 11.09.2001) wird eine Aufrechterhaltung und Modernisierung von Atomarsenalen als gerechtfertigt angesehen. Die westlichen Atommächte (insbesondere die USA) sehen sich damit in ihrem Unwillen abzurüsten, bestärkt. Dieses nutzen wiederum die restlichen Atommächte, um sich ihrerseits zu weigern, entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Inwieweit die Spekulationen um ein neues nukleares Zeitalter begründet sind, zeigt sich anhand der US-amerikanischen Politik. Im Nuclear Posture Review (NPR) wird deutlich, dass in der Nuklearstrategie der Vereinigten Staaten Atomwaffen weiterhin eine zentrale Rolle spielen. So sind dem NPR zufolge drei Situationen für einen atomaren Einsatz vorstellbar:

Einerseits gegen Ziele, die mit konventionellen Waffen nicht zu zerstören sind, weiterhin als Antwort auf einen Angriff mit Massenvernichtungswaffen und letztlich für den Fall »überraschender militärischer Entwicklungen« (vergl. Christina Hacker). Mit dem Strategiepapier »Doctrine for Joint Nuclear Operations« aus dem Jahr 2005, das die derzeitige US Doktrin hinsichtlich der Bedingungen eines Einsatzes von Nuklearwaffen darstellt, wird die Ansicht des NPR fortgeführt und weiter ausgebaut. Es fordert einen Atomwaffeneinsatz zur Abschreckung von Terroristengruppen und Staaten, die einen Einsatz von Massenvernichtungswaffen planen, notfalls auch präventiv angewandt (vergl. Florian Rötzer).

Angesichts der ungenügenden Abrüstungsfortschritte, der Aufweichung der Rüstungskontrolle und des Nichtverbreitungssystems (vgl. US-Indien Abkommen) und der erneuten starken Stellung nuklearer Waffen in der Sicherheitspolitik bleibt abzuwarten, wie die internationale Gemeinschaft (insbesondere auch die aus ihren Atomprogrammen ausgestiegenen Staaten) auf die neuen Entwicklungen reagieren. Dass es einen Ausweg gibt, hat ein Netzwerk aus Nicht-Regierungsorganisationen gezeigt, das bereits 1996 ein Model einer Nuklearwaffenkonvention vorgestellt hat. In dieser sind Maßnahmen zur endgültigen Ächtung der Nuklearwaffen sowie deren stufenweise Vernichtung aufgeführt, welche derzeit noch massiv von den Atommächten blockiert werden. Ein weiterer Hoffnungsschimmer besteht in der US-Präsidentschaftswahl: beide Kandidaten, sowohl Barack Obama als auch John McCain haben ihre Befürwortung für eine totale nukleare Abrüstung geäußert. Dennoch sind die Hürden auf dem Weg dorthin hoch und die wirkliche Umsetzung bleibt auch weiterhin fraglich. (Ina Uhlich, IPPNW)


Quellen: Christina Hacker (Umweltnachrichten, 101/2005), Florian Rötzer (Nukleare Aufrüstung, 2005)

Bearbeitungsstand: November 2008

EINSTEIN Albert

1879-1955

Am 14. März 1879 wird Albert Einstein in Ulm geboren. 1896 beginnt er ein mathematisch-physikalisches Fachlehrerstudium an der Technischen Hochschule Zürich, das er 1900 als Diplomfachlehrer für Mathematik und Physik abschließt. Von 1902-1909 arbeitet er als Technischer Vorprüfer am Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum (Patentamt) in Bern.

Einstein veröffentlicht mehrere Artikel in den "Annalen der Physik" zur Quantentheorie und zur Relativitätstheorie: Er erweitert die Quantentheorie von Max Planck um die Hypothese der Lichtquanten. Mit der Begründung der "Speziellen Relativitätstheorie" leitet er den Übergang zur Wissenschaft des 20. Jahrhunderts ein. Kurz darauf liefert er mit der Formel E=mc² einen Nachtrag zur Relativitätstheorie. Die Energie eines Körpers ist demnach das Produkt aus seiner Masse und dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit.

1907 Habilitiert er an der Berner Universität.

1909 erhält er eine außerordentliche Professur für theoretische Physik an der Universität Zürich.

1914 erhält Einstein den Ruf an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin. Hier kann er sich ausschließlich seiner Forschung widmen, da er keinerlei Lehrverpflichtungen hat. Bereits 1915 formuliert er die "Allgemeine Relativitätstheorie", die die bis dahin geltende physikalische Erklärungsansätze ersetzt.

Seine Forschungen revolutionieren die Grundlagen der Physik: Es entsteht eine neue Auffassung über das Wesen von Raum und Zeit sowie eine neue Sicht der Schwerkraft. 1921 erhält Einstein den Nobelpreis für Physik.

Am Tag der Machtübernahme (30. Januar 1933) durch die NSDAP befindet sich Einstein in Pasadena. Er protestiert gegen die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland und legt sein Amt an der Preußischen Akademie der Wissenschaften nieder, noch bevor die Nationalsozialisten ihn ausschließen können.

Einstein siedelt in die USA über, wo er in Princeton (New Jersey) eine neue Anstellung am Institute for Advanced Studies erhält.

Trotz seines grundsätzlichen Pazifismus unterzeichnet auch er eine Aufforderung an den amerikanischen Präsidenten, den Bau der Atombombe voranzutreiben. Er befürchtet das Voranschreiten der deutschen Atomforschung und deren militärische Nutzung. Nach dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki durch die US-Luftwaffe gründet Einstein das »Emergency Committee of Atomic Scientists«. Als Präsident des Komitees engagiert er sich für die friedliche Nutzung der Atomenergie.

Am 18. April 1955 stirbt Albert Einstein in Princeton (New Jersey). (Quelle: Deutsches Historisches Museum)

Bearbeitungsstand: März 2007

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Nagasaki

ELLSBERG Daniel

1931 -

1931 in Detroit geboren, trat Daniel Ellsberg nach dem Wirtschaftsstudium in Harvard und Cambridge 1954 in die US-Marine ein. Ab 1959 war er in der einflussreichen Denkfabrik »RAND Corporation« und als Berater des US-Verteidigungsministeriums tätig. 1961 ist der Analyst Ellsberg im Auftrag des Pentagon in Vietnam, 1965/66 für das Außenministerium. 1962 promovierte er in Harward und wurde 1969 Professor am Massachusetts Institute of Technology. Ab 1967 arbeitet er an der geheimen McNamara-Studie – benannt nach dem damaligen Verteidigungsminister – über die amerikanische Kriegsführung in Vietnam.

Ellsberg gab 1971 die geheimen Pentagon-Papiere, mit denen unwahre Angaben der Regierung über den Vietnam-Krieg enthüllt werden konnten, an die New York Times, die Washington Post und 17 andere Tageszeitungen weiter. Das siebentausendseitige Dokument wurde in Auszügen veröffentlicht, Ellsberg 1971 angeklagt, 1973 jedoch freigesprochen. Seinem politischen Ethos ist er bis heute treu geblieben.

In zahlreichen Vorträgen, Interviews und Artikeln kritisierte er insbesondere den Irak-Krieg und warnt vor den nuklearen Gefahren aggressiver Außenpolitik. Im November 2003 wurde ihm von der deutschen Sektion der International Association Of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) der Whistleblower-Preis verliehen. Für sein kontinuierliches politisches Engagement erhielt er am 8. Dezember 2006 im Schwedischen Parlament den Right Livelihood Award, besser bekannt als Alternativer Nobelpreis. (Quelle: Körber-Stiftung)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

EMP

engl.: electromagnetic pulse

1932 machte der bulgarische Wissenschaftler Christofv die Entdeckung, dass Sprengstoffdetonation neben Licht und Schall auch elektromagnetische Wellen freisetzen. Explosionsinduzierte elektromagnetische Impulse(EMP) von ausreichender Stärke wirken im Prinzip wie ein Blitzschlag und können elektrische Ausrüstung außer Gefecht setzen; das gilt vor allem für Computer, Funk- und Radaranlagen.

Amerikanische Militärexperten haben in den siebziger Jahren Berechnungen angestellt, wonach der elektromagnetische Impuls einiger weniger thermonuklearer Explosionen im erdnahen Weltraum über Nordamerika innerhalb von Millisekunden die gesamte Stromversorgung und das zivile Telefonnetz der USA zum Zusammenbruch brächten.

Mittlerweile wurden mehrere nicht-nukleare Verfahren entwickelt, starke elektromagnetische Impulse zu erzeugen. Am technisch ausgereiftesten ist das sogenannte Flux Compression Generator Design (FCD). E-Bomben dieses Typs wurden erstmals Ende der 1950er Jahre an den Los Alamos National Laboratories getestet und befinden sich mittlerweile auch in den Arsenalen der Streitkräfte einiger Staaten des ehemaligen Ostblocks.

E-Bomben des FCG-Typs erzeugen einen elektromagnetischen Impuls in der Größenordnung von vielen Millionen Joules, der im Zeitraum von einigen Zehntel bis hundertstel Mikrosekunden freigesetzt wird. Die Feldstärke einer großen FCG-Bombe kann die eines typischen Gewitter-Blitzes um den Faktor zehn bis tausend übertreffen.

Das Kernprinzip von Bomben des FCG-Typs besteht darin, durch eine Explosion ein elektromagnetisches Feld blitzartig zu ‚'komprimieren'’. Dabei verwandelt sich (mechanische) Explosionsenergie in elektromagnetische Energie, die von der Bombe als elektromagnetischer Impuls freigesetzt wird.

Hierzu wird unmittelbar vor dem Zünden des Sprengstoffes mittels einer Spule innerhalb der Bombe ein Ausgangsmagnetfeld aufgebaut. Die Explosion der Sprengladung, im Inneren einer Kupferröhre, die koaxial von der Spule umschlossen wird, sorgt für einen ‚'fortschreitenden Kurzschluss'’ zwischen Kupferröhre und Spule. Dabei wird das elektromagnetische Feld quasi zusammengepresst. Der entstehende ansteigende Energie-Impuls erreicht kurz vor dem Zerbersten der Bombe seinen Höhepunkt. Entscheidend für die optimale Wirkung der Waffe ist, dass das Abbrennen der Ladung kontrolliert erfolgt und eine massive Ummantelung der Bombe zuverlässig ihr vorzeitiges Platzen unterbindet.

E-Bomben zählen zu den sogenannten ‚'Non Lethal Weapons'’ (nicht-tödliche Waffen; d. Redaktion) und sollen bereits während des Golfkrieges durch die Amerikaner Anwendung gefunden haben.

Bei FCG-Modellen handelt es sich insbesondere keineswegs um eine Waffentechnologie, deren Komplexität oder Aufwendigkeit die Entwicklung oder Produktion auf einen exklusiven Kreis von High-Tech-Nationen beschränken würde. Die Pro-Stück-Produktionskosten werden auf nicht mehr als 1.000 bis 2.000 $ geschätzt.

Schutz vor dem EMP-Effekt bieten insbesondere elektromagnetische Abschirmungen nach dem Prinzip des Faradaykäfigs. Ganz oder teilweise EMP-resistent sind auch Lichtwellenleiter und im Gegensatz zur MOS-Halbleiter-Technologie die traditionelle Röhrenelektronik.

Quelle: (Daniel Gülow:http://zeus.fh-brandenburg.de)

Bearbeitungsstand: September 2009

siehe auch: EMP-Bombe

EMP-Bombe

Zur Erzeugung starker elektromagnetische Impulse wurden mehrere nicht-nukleare Verfahren entwickelt. Technisch ausgereift ist das so genannte Flux Compression Generator Design (FCD). EMP-Bomben dieses Typs wurden erstmals Ende der 50er Jahre an den Los Alamos National Laboratories getestet. EMP-Bomben des FCG-Typs erzeugen einen elektromagnetischen Impuls in der Größenordnung von zig Millionen Joules, der im Zeitraum von einigen zehntel bis hundertstel Mikrosekunden freigesetzt wird. Die Feldstärke einer großen FCG-Bombe kann die eines typischen Gewitterblitzes um den Faktor zehn bis tausend übertreffen.

Das Kernprinzip von Bomben des FCG-Typs besteht darin, durch eine Explosion ein elektromagnetisches Feld blitzartig zu ‚komprimieren’. Dabei verwandelt sich (mechanische) Explosionsenergie in elektromagnetische Energie, die von der Bombe als elektromagnetischer Impuls freigesetzt wird.

Hierzu wird unmittelbar vor dem Zünden des Sprengstoffes mittels einer Spule innerhalb der Bombe ein Ausgangsmagnetfeld aufgebaut. Die Explosion der Sprengladung im Inneren einer Kupferröhre, die koaxial von der Spule umschlossen wird, sorgt für einen ‚fortschreitenden Kurzschluss’ zwischen Kupferröhre und Spule. Dabei wird das elektromagnetische Feld quasi zusammengepresst. Der entstehende ansteigende Energieimpuls erreicht kurz vor dem Zerbersten der Bombe seinen Höhepunkt. Entscheidend für die optimale Wirkung der Waffe ist, dass das Abbrennen der Ladung kontrolliert erfolgt und eine massive Ummantelung der Bombe zuverlässig ihr vorzeitiges Platzen unterbindet.
EMP-Bomben zählen zu den so genannten »Non Lethal Weapons« (nicht-tödliche Waffen) und sollen bereits während des Golfkrieges 1991 durch das US-Militär Anwendung gefunden haben.

Bei FCG-Modellen handelt es sich keineswegs um eine Waffentechnologie, deren Komplexität oder Aufwendigkeit die Entwicklung oder Produktion auf einen exklusiven Kreis von High-Tech-Nationen beschränken würde. Die Pro-Stück-Produktionskosten werden auf nicht mehr als 1.000 bis 2.000 US$ geschätzt.

Schutz vor dem EMP-Effekt bieten insbesondere elektromagnetische Abschirmungen (Härtungen) nach dem Prinzip des Faradaykäfigs. Ganz oder teilweise EMP-resistent sind auch Lichtwellenleiter und im Gegensatz zur MOS-Halbleiter-Technologie auch die traditionelle Röhrenelektronik.

(Daniel Gülow: http://zeus.fh-brandenburg.de )

Bearbeitungsstand: Februar 2005

siehe auch: H-Bombe

Emu Field

Atomtestgelände, Großbritannien

Ort des 1. Atomtests "Totem One" in Australien, Foto: Wikipedia Commons

Nachdem das Vereinigte Königreich 1952 seine ersten Atomwaffen vor der Westküste Australiens detoniert hatte, war man bestrebt, die neuen Modelle auch an Land zu testen. Im Oktober 1953 ließen die Briten ihre zwei „Totem” Atombomben bei Emu Field explodieren und setzten damit die Lokalbevölkerung großer Mengen an Radioaktivität aus.

Hintergrund
Für die britischen Atomtests stellte die australische Regierung eine flache Hochebene namens Emu Field inmitten der Großen Victoria Wüste, im Süden Australiens zur Verfügung. Wegen eines Mangels an waffentauglichem Plutonium-239 versuchte das britische Militär, Atomsprengköpfe mit einem höheren Anteil an Plutonium-240 zu füllen. Zwar ist dieses günstiger und einfacher herzustellen als Plutonium-239, aber anfälliger für spontane Kernspaltung, so dass das Risiko einer unkontrollierten Kettenreaktion erhöht ist. Das Ziel der „Totem”-Versuche war, die zulässige Höchstmenge an Plutonium-240 in einer Atomsprengladung zu bestimmen. Eine Einwilligung in die Tests durch die indigenen Bewohner der Region, wie der Pitjantjatjara, Tjarutja und Kokatha Stämme, wurde nicht ersucht.

Am 15.Oktober 1953 wurde die Atombombe „Totem-1” über Emu Field gesprengt. Dabei entstand eine Wolke aus radioaktivem Staub, die bis zu 4.500 m hoch in den Himmel reichte. Diese Wolke wehte als „schwarzer Nebel” nach Osten und setzte die Bevölkerung der umliegenden Orte Coober Pedy, Twelve Mile, Coffin Hill, Ernabella, Kenmore Park, Granite Downs und Mabel Creek hohen Dosen ionisierender Strahlung aus. Als die radioaktive Wolke drei Tage später die australische Küste nahe Townsville erreichte, wurde in Emu Field mit „Totem-2” bereits die zweite Atombombe gesprengt, die diesmal eine 8.500 m hohe Wolke verursachte, die noch in 500 km Entfernung registriert werden konnte. Nach den Totem-Versuchen wurde Emu Field von der britischen Armee verlassen. Nachfolgende Atomversuche wurden auf den Montebello Islands und auf dem Testgelände in Maralinga durchgeführt.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Die Atomexplosionen von Emu Field verseuchten die Wohngebiete der australischen Aborigines und hatten für diese besonders gefährdete Bevölkerung konkrete medizinische, psychologische und soziale Folgen. 1985 wurde eine Königliche Kommission einberufen, die die Auswirkungen der britischen Atomversuche in Australien untersuchen sollte. Im Abschlussbericht wurde festgestellt, dass Totem-1 bewusst unter solchen Windbedingungen gesprengt wurde, die unzumutbare Mengen an radioaktivem Niederschlag verursachen würden und dabei keine Rücksicht auf die „Downwinder” genommen wurde – die Menschen, die in Windrichtung des Testgeländes lebten. Die von der Armee durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen wurden von der Komission als unzureichend erachtet. Der radioaktive Niederschlag, der in bewohnten Gebieten gemessen wurde, überstieg jegliche Grenzwerte und führte zu einer hohen radioaktiven Exposition der Aborigines.

Mindestens 45 Menschen aus dem Stamm der Yankunytjatjara zeigten Symptome der akuten Strahlenkrankheit (Erbrechen, abfallende Haut, blutige Durchfälle, Kopfschmerzen), mehr als die Hälfte verstarben akut. Ähnliche Auswirkungen des „schwarzen Nebels” wurden auch vom Stamm der Kupa Piti Kunga Tjuta gemeldet. Die Gesamtzahl an Krebs-Toten in der australischen Bevölkerung aufgrund britischer Atomwaffentests wurde in einer Studie auf 35 geschätzt - allerdings wurden in dieser Studie die zwei Gruppen nicht berücksichtigt, die am stärksten exponiert waren: die Aborigines und das Personal, welches direkt an den Tests beteiligt war.

Andere Faktoren die bei solchen statistischen Betrachtungen oft außer Acht gelassen werden sind die höhere Empfindlichkeit von Kindern gegenüber ionisierender Strahlung und der schlechte Gesundheitszustand, sowie die charakteristische Lebensweise der australischen Ureinwohner: Der Mangel an Kleidung und festem Schuhwerk, ihre typische Art an ungeschützten Orten zu kochen und zu essen und eine Ernährung, die anfällig für die Bioakkumulation von Radioaktivität ist, führen in dieser Population allesamt zu einer weitaus größeren Anfälligkeit für Radioaktivität.

Ausblick
Atomwaffentests wurden auf australischem Boden bis 1963 fortgeführt. Die Auswirkungen der radioaktiven Verseuchung großer Landstriche durch diese Tests werden nie abschließend ermittelt werden können. Die Königliche Kommission stellte fest, dass keine aussagekräftigen epidemiologischen Studien zu den Auswirkungen auf das Testpersonal, die Aborigines und die australische Bevölkerung durchgeführt wurden und dass es wenig Aussicht auf die Durchführung solcher Studien gibt. Das Leid dieser Menschen wird bis heute von der britischen Regierung ignoriert. Dabei handelt es sich bei ihnen, genau wie bei allen Opfern von Atombombenexplosionen weltweit, um Hibakusha. Sie dürfen nicht vergessen werden. (Quelle: IPPNW-Ausstellung Hibakusha weltweit)


Bearbeitungsstand: April 2014

» weitere Informationen zur Geschichte von Atomtests

Eniwetok-Atoll

engl.: Enewetak or Eniwetok Atoll

Das Eniwetok-Atoll ist eine Inselgruppe von 30 kleinen Inseln im Pazifischen Ozean und gehört zu den Marshall-Inseln. Das Gebiet wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA als Atomtestgebiet eingerichtet und benutzt. Während der Testversuche waren über 11.000 US-amerikanische Techniker, Wissenschafter und Militärangehörige auf Eniwetok stationiert.

Am 31. Oktober 1952 zündeten die USA auf dem Atoll ihre erste Wasserstoffbombe (Ivy Mike) mit einer Sprengkraft von ca. 10,4 MT (Megatonnen) TNT. Damit war der Sprengkörper 500mal stärker als die Trinity-Testbombe. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

siehe auch: Ivy Mike
siehe auch: MT (Megatonne)
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)
siehe auch: Trinity
siehe auch: Wasserstoffbombe

Enkenbach

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Enkenbach Sonderwaffenlager, Foto: DigitalGlobe 2004Die Stellung Enkenbach (49°28'02“N, 7°53'48“O) gehörte zum Einsatzbereich Sembach und lag ca. 10 km nordöstlich vom Stadtzentrum Kaiserslautern entfernt. Sie war ab 1959 die Abschussanlage Nr. 2 für den mobilen Einsatz des Mace-Marschflugkörpers. Insgesamt wurden für die Stellung 12 Flugkörper vom Typ TM-76A bereitgehalten, die über den atomaren Gefechtskopf W-28 mit einer Sprengkraft von 1,1 MT verfügten.

Weitere mobile Stellungen befanden sich in Mehlingen, Grünstadt, Wüschheim, Kirchberg und Hecken, in denen ab 1960 insgesamt 72 Mace-Marschflugkörper verfügbar waren. Jede Stellung verfügte über mindestens zwei Abschussbereiche (complex) mit je vier Abschussplätzen, wodurch mindestens acht Flugkörper individuell für den Abschuss vorbereitet werden konnten. (Bei Google Earth sind die in dieser Stellung betonierten insgesamt 12 Abschussplätze noch gut zu erkennen.)

In Ergänzung zu den mobilen Stellungen gab es zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Abschussanlagen in der Eifel bei Rittersdorf („Launch site 7“) und bei Idenheim („Launch site 8“). Diese waren mit jeweils acht Flugkörpern des modifizierten Typs TM-76B bestückt.

Ab Oktober 1966 begann die Rückverlegung der „Mace“ in die USA. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: MACE-Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Ennigerloh

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Ennigerloh (51°52'36“N, 8°00'45“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 8 km südlich der Stadt Warendorf in Nordrhein-Westfalen. Die Batterie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.
In der Stellung Ennigerloh waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht.
Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 21 befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

"Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Dezember 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Nike Herkules

Enola Gay

Name des Flugzeugs, das am 6. August 1945 die Atombombe »Little Boy« über Hiroshima abwarf. Trotz oder vielleicht auch wegen des Schreckens und des Terrors dieser Mission stellt die US Air Force den B-29-Bomber »Enola Gay« im Smithsonian's National Air and Space Museum in Washington aus. (RH)

Bearbeitungsstand: September 2004

siehe auch: Hiroshima
siehe auch: Little Boy

Enthauptungsschlag

engl.: decapitation strike

Der Begriff stammt aus der atomaren Kriegsführung. Er beschreibt einen überraschenden massiven Angriff mit Atomraketen, der den Zweck verfolgt, einem ebenfalls atomar gerüsteten Gegner die Gegenschlagmöglichkeit zu nehmen oder diese zumindest zu beschränken.

Zentrales Element eines Enthauptungsschlages ist neben der Überraschung eine hohe Zielgenauigkeit. Unter möglichster Schonung der Zivilbevölkerung sollen vorrangig Informationsstrukturen und Infrastruktur des Gegners ausgeschaltet werden, um eine mögliche Gegenreaktion auszuschließen. Obwohl der Gegner weiterhin über Atomwaffen für einen Gegenschlag verfügt, verliert er die Fähigkeit, seine Atomwaffen erfolgreich einzusetzen.

Ideales Einsatzmittel für einen Enthauptungsschlag sind Atom-U-Boote mit den darauf stationierten Atomraketen. Wenn sich die U-Boote im Küstenbereich des Gegners in Position gebracht haben, garantieren eine kurze Flugzeit in Verbindung mit einer hohen Zielgenauigkeit (für die US-Trident-Boote liegt der Streukreisradius bei ca. 90 m) einen erfolgversprechenden Überraschungseffekt.

Während der Zeit des Kalten Krieges haben die Großmächte Sowjetunion und USA sowohl Szenarien für die erfolgreiche Führung eines Enthauptungsschlages als auch geeignete Gegenmaßnahmen und Schutzmechanismen entwickelt. Dazu gehörte unter anderem die Dezentralisierung der politischen und militärischen Entscheidungszentralen beispielsweise durch die Schaffung mobiler Lage- und Gefechtszentralen. Von zentraler Bedeutung war dabei die Gewährleistung der Entscheidungsfähigkeit über den Einsatz der Nuklearwaffen, die in der Regel auf untergeordnete Entscheidungsebenen delegiert wurde. (LL)

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Streukreisradius

Bearbeitungsstand: September 2010

Entsorgung

engl.: disposal

Nach Ende des Ost-West-Konflikts wurden durch Abrüstungsverträge und Streitkräftereduzierungen große Mengen von Waffensystemen obsolet. Die Rüstungen der Vergangenheit haben enorme Summen verschlungen. Aber auch die Abrüstung und Zerstörung der überschüssigen Waffen und Materialien kostet viel Geld. Überschüssige Nuklearsprengköpfe, dekommissionierte U-Boote, chemische Waffen und konventionelle Munition enthalten oft gefährliche Substanzen, deren ökologisch vertretbare Entsorgung technologisch wie finanziell schwierig oder ungelöst ist. Hierzu gehören Raketentreibstoffe, Uran, Plutonium, chemische Kampfstoffe, Munition, Panzerungen, Schiffsreaktoren etc. Bei den Konversions- und Abrüstungsanstrengungen nach Ende des Ost-West-Konflikts fallen viele technische Herausforderungen und hohe finanzielle Kosten an bei der

  • Zerstörung von nuklearen Trägersystemen wie U-Booten oder Raketen
  • Verschrottung von konventionellen Waffen und Waffensysteme wie Panzer  und Flugzeuge
  • Vernichtung von chemischen Waffen
  • Vernichtung von Treibstoffen, Sprengmitteln etc.
  • Umwidmung von militärischer Infrastruktur
  • Beseitigung von Problemen, die durch militärische Aktivitäten verursacht wurden (z.B. Umweltverschmutzung auf Liegenschaften)
  • Verifikation.(Quelle: armscontrol.de)

Bearbeitungsstand: Februar 2009

Siehe auch: Plutonium

Entwicklung von Atomwaffen

Das Manhattan-Projekt (MED Manhattan Engineer District) der USA ist der Beginn der Entwicklung von Atomwaffen. Ab August 1942, während des Zweiten Weltkriegs, wurde das streng geheime Manhattan Projekt als Sammelbezeichnung für alle Aktivitäten zur Entwicklung einer amerikanischen Atombombe genutzt. Als im Norsk-Hydro-Werk in Rjukan im deutsch besetzten Norwegen eine deutliche Steigerung der Schwerwasserproduktion (Deuterium) festgestellt wurde (ca. 5 Tonnen), erhielt das Manhattan Projekt offiziellen Rang. Aus Gründen der Geheimhaltung wurden die Mittel dafür in Höhe von über 2,5 Milliarden US-Dollar ohne Konsultation des Kongresses bewilligt.

Am 2. Dezember 1942 wurde unter Leitung des italienischen Kernphysikers Enrico Fermi der erste Atomreaktor für eine Kettenreaktion mit dem Ziel der Herstellung einer Atombombe in Betrieb genommen. Der dabei benutzte Kernreaktor war aus Geheimhaltungsgründen unter der Tribüne des Football-Stadions der University of Chicago ("Chicago Pile-1") aufgebaut worden. Darin wurden Uran und Uranoxid mit Graphitblöcken zu einem Meiler aufgeschichtet, in den Kadmiumstäbe eingefahren wurden, die verhindern sollten, dass der Meiler schon während des Aufschichtens aktiv wurde. Beim Herausziehen der Stäbe wurden mehr Neutronen produziert, als das Kadmium auffangen konnte. Damit begann die erste nukleare Kettenreaktion, die das Material zum Bau der ersten Atombomben lieferte.

Zweitweise arbeiteten über 300.000 Personen an dem Manhattan Projekt, aber nur eine kleine Anzahl von Leuten kannte den gesamten Umfang und das letztendliche Ziel der Unternehmungen, für die drei Produktionsstätten in Oak Ridge bei Knoxville (Tennessee) und Hanford bei Pasco (Washington) und Savannah River (South Carolina) geschaffen wurden. Für den Zusammenbau der Atombombe und die Leitung der wissenschaftlichen Forschung baute man in Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico ausgedehnte Laboranlagen und Werkstätten. Leiter des Manhattan Projektes wurde der amerikanische Physiker Robert Julius Oppenheimer.

Der »Trinity«-Test, 16. Juli 1945 - Um 5.30 Uhr Ortszeit erfolgt die erste erfolgreiche Zündung einer Atombombe auf einem Versuchsgelände der Luftwaffe in der Nähe von Alamogordo bei Santa Fe im Bundesstaat New Mexico. Die Sprengwirkung entsprach 20.000 Tonnen TNT (herkömmlichen Sprengstoff) und der Blitz war noch fast 300 km weit zu sehen - der Atompilz türmte sich 12 Kilometer hoch.

Auf die Nachfrage des Kriegsminister Stimson am 31. Mai 1945, was die Atombombe zu leisten vermöge, antwortete Robert Oppenheimer: »Über eine Stadt abgeworfen, deren Menschen gewarnt und in die Bunker geflohen sind, wird sie dennoch 20.000 Menschen töten. Mindestens.«

Sechs Wochen später am 6. August 1945 wird die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: November 2008

siehe auch: Atombombe
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Manhattan-Projekt

Erdstoßwelle

engl.: ground shock wave

Die Druckwelle erzeugt beim Auftreffen auf den Boden eine Erdstoßwelle. Diese kann bei einer bestimmten Entfernung vom Nullpunkt der Druckwelle vorauseilen. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Druckwelle
siehe auch: Nullpunkt

Erklärung des öffentlichen Gewissens

engl.: declaration of public conscience

Für die Erklärung des öffentlichen Gewissens (1992) wurden rund 3 Millionen Erklärungen des öffentlichen Gewissens gesammelt und an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag als Teil des Projekts Weltgerichtshof übergeben. Die Erklärungen berufen sich auf die "De Martens-Klausel" der Haager Konvention von 1907, die niederlegt, dass das öffentliche Gewissen bei Völkerrechts-Fragen berücksichtigt werden solle.

Wortlaut der Erklärung:

"Hiermit bestätige ich vor der ganzen Welt meinen Wunsch und mein Recht, in einer Welt zu leben, die von der Drohung mit atomarer Zerstörung befreit ist. Ich glaube mich dazu verpflichtet, künftige Generationen auch vor der Vergiftung durch radioaktiven Abfall schützen zu müssen. Es ist meine feste Überzeugung, dass jeder Einsatz von Atomwaffen nicht nur eine alles Vorstellungsvermögen überschreitende Tragödie für die gesamte Menschheit wäre, sondern eine eklatante Verletzung des Völkerrechts und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Jeder Einsatz von Atomwaffen würde nicht nur den Menschen, gegen die sie gerichtet sind, grausamste Leiden zufügen, sondern auch zahllosen anderen Menschen, die gar nicht von der kriegerischen Auseinandersetzung betroffen sind. Und über Generationen hätten Kinder und Kindeskinder unter diesen Zerstörungen zu leiden. Darüber hinaus würde ein Einsatz von Atomwaffen unsere gesamte Umwelt irreparabel schädigen. Genau dies ist durch das Völkerrecht verboten.

Die Beziehungen der Völker untereinander sollten von den Prinzipien der Gerechtigkeit, gegenseitigen Respekts und friedlicher Streitbeilegung auf der Grundlage des Völkerrechts geprägt sein, nicht aber durch Gewalt und durch Drohung, im Streitfall Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Chemische und bakteriologische Waffen sind bereits durch internationale Abkommen des Völkerrechts verboten. Der Einsatz, ja sogar der Besitz von Atomwaffen ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht und ein Völkerrechtsverbrechen!" (Quelle: IPPNW)

Bearbeitungsstand: März 2007

Erlangen-Uttenreuth

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige SAS Erlangen-Uttenreuth (49°34'46“N, 11°05'58“O) lag ca. 7 km südöstlich der Stadt Erlangen in Bayern. Hier lagerten atomare Gefechtsköpfe für die Kurzstreckenrakete „Sergeant“. Dieses Raketensystem war mit dem Nuklearsprengkopf W-52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte. Der zuständige Artillerieverband war das ab 1963 in Erlangen stationierte  5th  Battalion, 73rd US Field Artillery. Das Battaillon verließ den Standort Erlangen 1973. Der bauliche Zustand des Lagers lässt darauf schließen, dass ab diesem Zeitpunkt keine Sondermunition mehr eingelagert wurde. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Erle

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die niederländischen und belgischen Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit mehreren Verbänden beteiligt. Dabei wurde die Nike Feuerstellung (Launching Area) Erle (51°44'23”N, 06°53'48”O) - ca. 22 km südöstlich der Stadt Bocholt in Nordrhein-Westfalen gelegen - zu unterschiedlichen Zeiten von beiden Nationen genutzt.

 

1.Die niederländische Luftwaffe betrieb die Feuerstellung mit der 221 Sqn von Frühjahr 1965 bis Mai 1975 und wurde dabei von dem Bravo Team 508th USAAD unterstützt.

2.Die belgische Luftwaffe betrieb die Feuerstellung mit der D-Battery des 9th Missile Battailon von 1975 bis 1989 und wurde dabei ebenfalls von dem Bravo Team 508th USAAD unterstützt. (LL)

In der Stellung Erle waren ständig atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. Es ist nicht bekannt, ob beide Nationen über die gleiche Munitionsausstattung verfügten. In der Regel waren zwei Versionen an Atomsprengköpfen in der Stellung. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Die ehemalige Feuerstellung mit ihren Gebäuden und Sicherungseinrichtungen ist heute noch gut erkennbar. Das Gelände kann nicht betreten werden. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2011


Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Hercules
siehe auch: KT (Kilotonne)

Ersteinsatz

engl.: first use

Hierunter versteht man die erste Verwendung von Atomwaffen entweder als Präventivangriff zur Verhinderung/Vermeidung eines mit konventionellen Waffen geführten Krieges oder als Antwort auf einen konventionellen Angriff.
Im Gegensatz dazu ist der »Erstschlag« mit Atomwaffen ein »präventiver« oder »präemptiver« Angriff, um die Atomwaffen des Gegners auszuschalten beziehungsweise auf eine geringe Zahl zu reduzieren (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2005

Erstschlag

engl.: first strike

Bezeichnet einen präventiven oder präemptiven nuklearen Überraschungsangriff, um vorrangig die Atomwaffen des Gegners auszuschalten, beziehungsweise das Kräfteverhältnis so zu verändern, dass Risiko und Schaden eines möglichen Vergeltungsschlages des Gegners kalkulierbar erscheinen. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2005

Erstschlagsfähigkeit

engl.: first strike capability

Erstschlagsfähigkeit ist die Fähigkeit, mit Hilfe eines nuklearen Überraschungsangriffs gegen Militäreinrichtungen (counterforce) den Gegner zu entwaffnen bzw. teilzuentwaffnen oder das Kräfteverhältnis so zu verändern, dass Risiko und Schaden eines möglichen Vergeltungsschlages des Gegners kalkuliert tragbar erscheinen. (Dieter S. Lutz: Weltkrieg wider Willen?, Hamburg 1981, S. 368.)

Bearbeitungsstand: Oktober 2006

Eschborn

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige Atomwaffenlager Eschborn (50°07'41“N, 08°33'25“O) lag ca. 7 km vom Stadtzentrum Frankfurt in Hessen entfernt. Das Lager gehörte zum Bereich der US-Kaserne „Camp Eschborn“. Hier war unter anderem das 317th US Engineerbataillon stationiert, das für den Einsatz von Atomminen (ADM) vorgesehen war. Es gab zwei unterschiedliche Versionen. Die Sprengkraft der ADMs (Atomic Demolition Munition) und deren kleinerer Version, SADM (Special Atomic Demolition Munition), betrug 0,2 bis 45 Kilotonnen. In den Jahren 1969/1970 erfolgte die Verlegung der Atomminen aus den Depots nahe der Grenze zur DDR und zur Tschechoslowakei in den weiter westlich gelegenen amerikanischen Verantwortungsbereich. Dabei handelte es sich um mehr als 200 ADMs, die bis zu ihrem endgültigen Abzug in die USA (bis 1984) in Eschborn, Aschaffenburg, Darmstadt-Breitefeld, Dexheim, Hanau, Ettlingen, auf dem Militärflugplatz Kornwestheim und Wildflecken eingelagert wurden (Bald, Politik der Verantwortung, S. 121). Über die genauen Stückzahlen sind bis heute keine Daten zugänglich. Das Gebiet wurde nach dem Abzug von der Stadt aufgekauft und zum Gewerbegebiet Camp Phönix Park umgebaut. (LL)

Bearbeitungsstand: März 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: ADM
siehe auch: Atomminengürtel

EUCOM

engl.: European Command

Das EUCOM (EUropean COMmand, dt.: europäisches Befehlszentrum) in Stuttgart-Vaihingen ist eines von weltweit fünf vom Pentagon eingerichteten Kommandozentren der US-Streitkräfte. Es ist für ein weit größeres Gebiet zuständig, als sein Name vermuten lässt: nicht nur für Europa, sondern auch für Afrika, Russland, die ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien sowie Israel, Syrien, Libanon und den Norden des Irak. Das EUCOM wurde 1967 eingerichtet; heute arbeiten rund 1200 US-Offiziere dort. Hier würde auch ein Einsatz von US-Atomwaffen koordiniert, die zwischen Grönland und Beringstraße, Nordkap und Kap der Guten Hoffnung stationiert sind.

Das EUCOM ist die wichtigste Schaltzentrale der US-amerikanischen Militärpolitik in Europa und spielt eine entscheidende Rolle in der neuen US-Militärstrategie. Mit der Befehligung der in Europa stationierten Atomwaffen und US-Militärbasen ist das EUCOM zudem in die neue US-Nuklearstrategie eingebunden, wonach Atomwaffen auch ohne direkte Bedrohung durch feindliche ABC-Waffen eingesetzt werden können.

Der von den USA und Großbritannien geführte völkerrechts- und verfassungswidrige Angriffskrieg gegen den Irak 2003 wurde im EUCOM mit organisiert. (RB)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

Weitere Informationen: www.eucom.mil ; www.gaaa.org

Europäische Organisation für Kernforschung

engl.: European Organization for Nuclear Research

Am 1.7.1953 zeichneten zwölf Staaten in Paris den Vertrag zur Schaffung des CERN (Abk.: Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) nahe Genf. Der Schweiz wurde zugesichert, dass die nukleare Forschung rein wissenschaftlicher Art sein sollte und dass alle Ergebnisse veröffentlicht würden. Das Forschungszentrum sollte sich jeglicher politischer Aktivität enthalten. Sollte es zu einer internationalen Krise kommen, so habe der Schweizer Bundesrat das Recht, alle für die Sicherheit notwendigen Maßnahmen zu treffen.

Im Okt. 1954 nahm das Forschungszentrum seine Arbeit auf. In den folgenden Jahren wurde das CERN, das offen ist für wissenschaftliche Zusammenarbeit, stetig erweitert; zurzeit zählte es 20 Teilnehmerstaaten. Das Jahresbudget beträgt nahezu 1 Mrd. Schweizer Franken, wovon die Schweiz 4 % übernimmt.

Außer Tausenden von auswärtigen Physikern, die jedes Jahr die Einrichtungen benutzen, arbeiten 3.500 Personen ständig im Zentrum. Ein riesiger Teilchenbeschleuniger mit einem Kreisumfang von 27 km, der sog. LEP (Large Electron-Positron Collider), macht aus der Genfer Forschungsstelle eines der wichtigsten Zentren physikalischer Forschung der Welt. Weitere Einrichtungen zur Erhöhung der Kapazität wurden im Jahr 2004 in Betrieb genommen. (Schweizer Gesetzestexte, Online Ausgabe 9/2004, SR 0.424.091)

Bearbeitungsstand: Juni 2006

Euskirchen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die belgische Luftwaffe betrieb zwischen 1963 und 1989 im Rahmen der NATO-Luftverteidigung insgesamt 8 Nike Feuerstellungen (Launching Area) auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland. Dabei waren dem 9th Missile Battallion die Stellungen bei Xanten, Kappeln, Hinsbeck und Erle und dem 13th Missile Battallion die Stellungen bei Nideggen, Blankenheim, Euskirchen und Bedburg unterstellt.

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Euskirchen (50°37'32“N, 06°45'48“O) der C-Battery des 13th Missile Battallion lag ca. 4 km südwestlich von Euskirchen. (LL)

In der Stellung Euskirchen waren atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Atomsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT  und zwei XL mit 40/20 KT  Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Die ehemalige Feuerstellung mit ihren Gebäuden und Sicherungseinrichtungen ist heute noch gut erkennbar. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Hercules
siehe auch: KT (Kilotonne)