M51-Rakete

engl.: M-51 missile

Protestplakat gegen die M51-Rakete, Grafik: Greenpeace

Am 9. November 2006 hat Frankreich seine neue M51-Atomrakete (SLBM) erstmals getestet. Sie soll ab 2010 die älteren Typen M45 und M4 ersetzen. Sie soll sechs atomare Sprengköpfe tragen können. Entwickelt und gebaut wird die neue Waffe vom europäischen Rüstungsriesen EADS. (Quelle: www.imi-online.de)

Die tatsächliche Reichweite der M51 ist Militärgeheimnis. Schätzungen gehen von 6.000 bis 9.000 km aus. Als sicher scheint jedenfalls, dass die neue Rakete mindestens 2.000 km weiter reichen wird, als die zurzeit verwendete M45. Womit Frankreich mit den aktuellen Reichweiten der amerikanischen und russischen Interkontinentalraketen mithalten könnte.

Die M51 wiegt 56 Tonnen (50 % mehr als ihre Vorläuferin), ist 12m hoch und 2,3m breit. Für das neue » Schmuckstück « der französischen Abschreckung wird der Steuerzahler ganz schön tief in die Tasche greifen müssen: Das Verteidigungsministerium beziffert die Kosten für das M51-Programm mit stolzen 8,5 Milliarden Euro. 50-60 Raketen sollen gebaut werden, wobei eine Rakete mit 150 Millionen Euro veranschlagt wird. Noch dazu sind die Atomsprengköpfe im Preis nicht inbegriffen, der selbstverständlich ebenfalls Militärgeheimnis bleibt. Um die Rechnung ein wenig verdaulicher zu gestalten, läuft das Raketenprogramm bereits seit 1992, um 2010 dann dem gerade in Bau befindlichen Atom-U-Boot "Le Terrible" (der Schreckliche) die interkontinentale nukleare Reichweite zu verleihen. Doch der abschreckenden Ausgaben nicht genug: Die Kosten für den Bau des neuen SSBN belaufen sich ihrerseits auf 2,5 Milliarden Euro. Interessanterweise hat noch kein einziger der aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten Sparmaßnahmen beim nuklearen Verteidigungsbudget in Aussicht gestellt.

Derweilen soll die M51 ab 2010 durch ihre versprochene Präzision eine größere » operationelle Flexibilität « ermöglichen, wie es der erneuerten französischen Nukleardoktrin entspricht. Man müsse nämlich » regionale Mächte « im nuklearen Visier haben. Diese »gestaffelte Abschreckung«, wie Präsident Chirac es nannte, soll es Frankreich erlauben, » neuralgische Zentren « ins Herz zu treffen. Als »letzte Warnung« sozusagen. Die hierfür benötigte Präzision der M51 soll trotz ihrer größeren Reichweite durch ein neues Navigationssystem erreicht werden, das die Position der Rakete in Bezug auf die Position der Sterne berechnet. Jeweils 3 der 4 Atom-U-Boote der Nation werden gleichzeitig mit 16 M51 bestückt sein können, wobei jede Rakete über 4-6 » Minisprengköpfe « (TN75) zu je 150 Kilotonnen verfügen wird. Der nukleare Sprengkopf TN75 bestückt schon die jetzige M45-Rakete. Nach 2010 soll dann der brandneue Nuklearsprengkopf TNO (ozeanischer Nuklearsprengkopf) zum Einsatz kommen. (Quelle: www.heise.de)

Bearbeitungsstand: Mai 2008

Mace-Marschflugkörper

engl.: Mace Cruise Missile

Der Mace-Marschflugkörper war eine atomwaffenfähige taktische Boden-Boden-Rakete. Sie wurde als Weiterentwicklung des Matador-Flugkörpers ab 1959 unter der Bezeichnung „TM-76B Mace“  auch bei den US-Streitkräften in Deutschland stationiert. Eine verbesserte Flughöhe führte zur Verdopplung der Reichweite im Vergleich zum Matador-Flugkörper. Da eine exakte Bestimmung der Startkoordinaten erforderlich war, konnte der Mace-Flugkörper zunächst nur von stationären verbunkerten Startplätzen aus eingesetzt werden. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde auch eine mobile Variante eingesetzt.

Insgesamt gab es in der Bundesrepublik Deutschland sechs überirdische mobile Abschussanlagen. (Site 1: Mehlingen, Site 2: Enkenbach, Site 3: Grünstadt, Site 4: Wünschheim, Site 5: Kirchberg und Seite 6: Hundheim.) Jede dieser Abschussanlagen war mit 12 Flugkörpern bestückt. Hinzu kamen zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Anlagen in Rittersdorf (Site 7) und Idenheim (Site 8), die mit jeweils 8 Flugkörpern bestückt waren, so dass insgesamt 88 Mace-Flugkörper für den Einsatz bereitgehalten wurden. Alle Flugkörper waren in US-Verbänden stationiert, da sich die deutsche Politik entschieden hatte, auf die Einführung dieses Systems zu verzichten und statt dessen die Pershing 1a als Nachfolger für die Matador zu übernehmen. Der Mace-Flugkörper wurde ab 1970 aus seinem Bereitschaftstatus herausgelöst. (LL)

Technische Daten:
Länge: 13,6 m
Spannweite: 7 m
Durchmesser: 1,2 m
Gewicht: 8500 kg
Geschwindigkeit: 0,9 Mach
Gipfelhöhe: 12,2 km
Reichweite: TM-76A: 1300 km, TM-76B: 2400 km
Gefechtskopf: thermonuklearer Sprengkopf (W-28) 1,1 MT
(Quelle: Mindling/Bolton: U.S. Air Force Tactical Missiles 1949-1969)

Bearbeitungsstand: Dezember 2010

siehe auch: Matador Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Macheffekt

engl.: mach stem, mach wave, mach front

Erreicht nach einer Atombombendetonation die Stoßwelle die Erdoberfläche, so wird sie an dieser reflektiert. Durch die Tatsache, dass sich die reflektierte Stoßwelle in einer Luft bewegt, die bereits durch die direkte Stoßwelle erhitzt wurde, besitzt die reflektierte Welle eine höhere Geschwindigkeit. Damit ist sie in der Lage, der direkten Welle „nachzulaufen“, sie einzuholen und sich mit ihr zu vereinigen.

Durch die Überlagerung der beiden Stoßfronten kommt es zu einer verstärkten Wirkung im Ziel. Man spricht vom Mach-Effekt. Aus diesem Grund gibt es für die Zerstörung eine optimale Detonationspunktentfernung bzw. Detonationshöhe, wo der Schaden am größten ist.

Die beschriebene Stoßwelle kann nun die Zerstörung eines Zieles auf folgende zwei unterschiedliche Arten herbeiführen:

1. Durch den Überdruck:
Der Überdruck der Druckspitze zerquetscht gleichsam das Ziel.

2. Durch den dynamischen Druck (Sturmwind):
Infolge der vergleichsweise langen Dauer der beiden Druckphasen (Druck bzw. Sog) kommt es während deren Ausbildung zu einer starken Luftströmung - zu einem Sturmwind. Trifft dieser beispielsweise auf eine Gebäudemauer, so wird durch den entsprechenden Staudruck bzw. dynamischen Druck die Mauer zum Einstürzen gebracht.

Der Staudruck erreicht in der Regel nicht den absoluten Druck der Druckspitze. Seine zeitliche Dauer ist allerdings wesentlich größer. Besonders verheerend wirkt sich die Tatsache aus, dass der Sturmwind nach einer Zeit, die im Sekundenbereich liegt, seine Richtung umkehrt (durch die Sogphase).

Es hängt nun von der Art des Zieles ab, welche der beiden Wirkungen das Ziel überwiegend zerstört. Ein im Freien abgestelltes Flugzeug wird beispielsweise durch den Sturmwind (dynamischer Druck) zerstört. Befindet es sich jedoch in einem Schutzbunker, so ist für die Zerstörung der Überdruck ausschlaggebend. (Gerd Hartmut Lorenz: Aufbau und Wirkung Nuklearer Sprengkörper, München 2005)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

Mainbullau

ehem.Atomwaffenstandort, Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges waren auch die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, stationierten Bataillonen beteiligt. Das 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group verfügte über atomare Feuerstellungen in den Standorten Griesheim, Mainbullau, Hardheim und Dallau.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Mainbullau (49°41'40“N, 09°10'09“O) lag ca. 30 km südlich von Aschaffenburg im Odenwald in Bayern.  Die dort stationierte B-Battery, 1thMissile Battailon, 67thUS-Arty-Group bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Mainbullau waren von 1961 bis 1970 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Die NIKEs waren bis Ende der 1970er Jahre hier stationiert. Ab 1970 bis 1979 blieb die Liegenschaft militärisch ungenutzt, war jedoch Anfang der 70er Jahre übergangsweise als eine Pershingstellung vorgesehen (sog. "Interim Pershing Site 19"). Heute wird die ehemalige Feuerstellung intensiv genutzt von einer Firma, die Holzhackschnitzel herstellt. LL (Quellen:  Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT (Kilotonne)

Bearbeitungsstand: September 2010

Mainz-Lerchenberg

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

In unmittelbarer Nähe der ZDF-Sendeanstalten (Zweites Deutsches Fernsehen) befanden sich westlich der Stadt Mainz zur Zeit des Kalten Krieges auf einer Fläche von weniger als 2 km² im Bereich des Oberolmer Waldes (49°57'34”N, 8°10'11”O) insgesamt drei Atomwaffenstandorte. Dies waren im Einzelnen:

 

 

 

 

  • US Site No 31
  • US Site No 20
  • Nike Hercules Launching Area der A-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group

Die US Site No 31 war ein Sondermunitionslager vom Typ J. Die Größe des Lagers lässt darauf schließen, dass es sich um ein sogenanntes VLM (Versorgungslager Munition) handelte. Die VLM dienten zur Bevorratung und Belieferung kleinerer Sonderwaffenlager. Über die eingelagerte Munition in Site No 31 gibt es nur Vermutungen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass atomare Sprengköpfe für das Waffensystem Honest John und zeitweise auch für das Waffensystem Pershing vor Ort waren.

Die US Site No 20  war ein  Sondermunitionslager vom Typ J. Es verfügte aber nur über drei Munitionsbunker. Hier waren u.a. Atomgranaten vom Kaliber 155 mm für das 5th Howitzer Bataillon 81 der US-Army eingelagert.

In der Nike Hercules Launching Area Wackernheim (Oberolmer Wald) der A-Battery, 5thMissile Battailon, 1thUS-Arty-Group befanden sich nachweislich die Atomsprengköpfe für das Flugabwehrsystem. Dabei handelte es sich um zwei unterschiedliche Gefechtskopftypen. Die kleineren mit der Bezeichnung B-XS hatten eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größeren B-XL besaßen ursprünglich 40 kT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 kT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. LL (Quellen: Jürgen Dreifke)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: Nike Hercules
siehe auch: Honest John
siehe auch: Pershing
siehe auch: Wackernheim (Oberolmer Wald)
siehe auch: KT-Wert

Majak / Kyschtym

Die russische Atomindustrieanlage in Majak kontaminierte durch eine Serie von Unfällen und radioaktiven Lecks in den Tetscha Fluss mehr als 15.000 km mit hoch radioaktiven Abfallprodukten. Der Kyschtym-Unfall verseuchte 1957 eine große Fläche der östlichen Uralregion. Tausende Menschen mussten umgesiedelt werden. Bis heute zählt die Region um Tscheljabinsk, Swerdlowsk und Kurgan zu den am meist kontaminierten Orten der Erde.

Hintergrund
Die Produktionsgenossenschaft Majak war die erste und mit einem Gelände von mehr als 200 km auch größte Atomindustrieanlage der Sowjetunion. Zwischen 1945 und 1948 wurden an diesem Standort zwischen Jekaterinburg und Tscheljabinsk fünf Atomreaktoren gebaut, um Plutonium für das sowjetische Atomwaffenprogramm herzustellen. 1949 konnte die erste Ladung von waffenfähigem Plutonium hergestellt werden. Die Anlage wurde kontinuierlich erweitert, bis 1987 die Produktion gestoppt und der Betrieb schrittweise eingestellt wurde. Von 1949 bis 1956 wurden insgesamt 100 PBq (Peta = Billiarde) an radioaktivem Abfall in die Zuflüsse des Flusses Tetscha geleitet – unter anderem Strontium-90, Cäsium-137, Plutonium und Uran. Zum Vergleich: die radioaktive Belastung des Pazifischen Ozeans durch den Super-GAU von Fukushima schätzt man auf etwa 78 PBq (hauptsächlich Jod-131 und Cäsium-137). Zudem kam es in Majak bis 1968 zu mindestens acht kritischen Unfällen. So führte die Ausbreitung von radioaktivem Staub aus der Atommülldeponie in Karatschai 1967 beispielsweise zu einer Kontamination von über 1.800 km mit Cäsium-137. Der wohl folgenschwerste Unfall ereignete sich allerdings 1957 im 15 km entfernt gelegenen Kyschtym, als ein Container mit 740 PBq an radioaktivem Abfall explodierte und eine Fläche von mehr als 15.000 km verseuchte. Nach Tschernobyl und Fukushima gilt der Kyschtym-Unfall als drittschwerstes Atomunglück der Geschichte (Stufe sechs auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse INES). Bleibende Folge der Katastrophe ist die mehr als 200 km lange radioaktiv verseuchte 'Osturalspur', in der allein der Leukämie verursachende Stoff Strontium-90 Konzentrationen von bis zu 7,4 Mbq/m (Mega = Million) erreicht. Zum Vergleich: nach Tschernobyl wurden alle Gebiete mit mehr als 0,5 Mbq/m Strahlenbelastung zur permanenten Sperrzone erklärt.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Knapp 19.000 Arbeiter waren bis 1973 in Majak angestellt. Sie erhielten die höchste Strahlenbelastung durch die zahlreichen Unfälle. Die rund 10.000 Beschäftigten, die bereits vor 1959 in der Anlage arbeiteten erhielten im Durchschnitt eine kumulative äußere Strahlendosis von 1.200 mSv. Diese Dosis entspricht in etwa der Strahlenbelastung durch 12.000 Röntgenuntersuchungen. Allein durch die externe Verstrahlung ist daher bei etwa zwölf Prozent der Beschäftigten mit der Entwicklung einer Krebserkrankung zu rechnen. Die Zahl wird jedoch vermutlich noch höher liegen, da die interne Verstrahlung ebenfalls einen Einfluss auf das Krebsrisiko hat. So nahmen beispielsweise etwa 1.000 Arbeiter Plutonium in Größenordnungen von 1.500 bis 172.000 Bq auf. Das relative Risiko für Knochenkrebs liegt in dieser Bevölkerung einer russischen Studie zu Folge entsprechend acht mal höher als in der Allgemeinbevölkerung, das relative Risiko für Leberkrebs sogar 17 mal höher. Neben den Beschäftigten der Anlage bilden die knapp 300.000 Bewohner der kontaminierten Regionen die am stärksten betroffene Gruppe. Die geschätzte Kollektivdosis dieser Bevölkerung beträgt etwa 4.500 Personen-Sievert, etwa 60% der Kollektivdosis des Super-GAUs von Tschernobyl. Menschen, die in der Nähe von Majak oder dem Fluss Tetscha lebten, waren aufgrund der radioaktiven Verseuchung ihrer Umwelt einer durchschnittlichen Lebenszeitdosis von 1.700 mSv ausgesetzt. Diese Lebenszeitdosis setzt sich zusammen aus externer Bestrahlung, der Aufnahme von kontaminiertem Trinkwasser und dem Verzehr von Nahrung, die auf kontaminierten Feldern angebaut wurde. Voraussichtlich 17% der Bevölkerung werden somit eine Krebserkrankung entwickeln, die sie ohne die Kontamination durch Majak nicht entwickelt hätten. Chronische Strahlenkrankheit und ein Anstieg der Fälle von Leukämien, Lungen-, Leber- und Knochentumoren konnten in der betroffenen Bevölkerung nachgewiesen werden. Weiterhin zeigte sich in zwei- bis fünf-facher Anstieg in der Häufigkeit von Knochenmarksuppressionen, Chromosomenaberrationen sowie Tot- und Fehlgeburten. Aufgrund militärischer Geheimhaltung wurden die Menschen in der Region nicht über die Gefahren der hohen Radioaktivität informiert. Aus dem gleichen Grund wurde das wahre Ausmaß der radioaktiven Kontamination und der gesundheitlichen Auswirkungen auf die Lokalbevölkerung nie vollständig dokumentiert oder untersucht.

Ausblick
Bis heute sind ca. 14.000 Arbeiter in der Atomanlage von Majak beschäftigt, um Plutonium, Uran und andere Spaltprodukte für die Atomindustrie herzustellen. Majak beherbergt zudem Russlands einzige atomare Wiederaufbereitungs- und Müllverarbeitungsanlage. Der Großteil der abgerüsteten russischen Atomsprengköpfe landet irgendwann in Majak. Obwohl die Kontamination der Umgebung in den letzten Jahrzehnten auf etwa ein Drittel zurückgegangen ist, wird das Umland von Majak auch weiterhin noch als eine der am schlimmsten radioaktiv verseuchten Orte der Welt angesehen. Speicherseen des
Tetscha Flusses werden noch immer als Deponien für radioaktiven Müll benutzt. So wird das belastete Flusssystem weiter kontaminiert und die Menschen vor Ort andauernder Radioaktivität ausgesetzt. Groß angelegte epidemiologische Studien und weitere Dekontaminationsprojekte sind dringend erforderlich, um die Hibakusha von Majak, die bereits so viel unter der rücksichtslosen russischen Atompolitik gelitten haben, in Zukunft adäquat schützen zu können. (Quelle: Ausstellung „Hibakusha weltweit“)
Bearbeitungsstand: März 2014

Malden Insel

Die Malden Insel ist ein unbewohntes Atoll von ca. 39 km² Größe. Sie gehört zur Republik Kiribati im Zentralpazifik. In den Jahren 1946 bis 1963 führte Großbritannien auf dem Malden-Atoll in Kiribati insgesamt drei Atomtests durch. Zu dieser Zeit war der heute unabhängige Staat Kiribati noch Bestandteil der britischen Überseekolonien. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: Kiribati

Manhattan-Projekt

engl.: Manhattan Project

Fat Man-Bombe wird auf B29-Flugzeug aufgeladen. Foto: US Army

Unter diesem Decknamen entwickelten hochrangige Wissenschaftler und ein Heer von Ingenieuren und Arbeitern in den geheimen Forschungslabors von Los Alamos und in vielen anderen über die USA verstreuten Laboratorien und Industrieanlagen die ersten Atombomben. Das Manhattan-Projekt zählt zu den größten technischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Menschheitsgeschichte. Es wurde in den Jahren 1942 bis 1945 mit dem Ziel der Entwicklung von Atombomben durchgeführt.

Zur Vorgeschichte: Seit 1939 sondierte eine Reihe von Wissenschaftlern in verschiedenen Ländern der Erde die militärische Nutzung der ungeheuren, durch Kernspaltung freisetzbaren Energien. In den USA war es vor allem die Elite von Emigranten aus den europäischen Ländern unter faschistischer Herrschaft.

Nach zögerlichem Anfang begann nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und dem Kriegseintritt der USA eine intensive Nuklearforschung mit Schwerpunkt in Los Alamos. Die gesamten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wurden dem US-Kriegsministerium unterstellt. Die militärische Leitung ging an General Leslie Groves, die wissenschaftliche Leitung übernahm der Quantentheoretiker Robert Oppenheimer.

Ab 1. Juli 1944 bekam das Manhattan Projekt Vorrang vor jedem anderen Projekt der Vereinigten Staaten. Das Laboratorium in Los Alamos musste umstrukturiert werden, da die geplante Atomwaffe innerhalb der kommenden 12 Monate einsatzbereit sein sollte.

Im August 1944 gab es auf Grund der Forschungsergebnisse die erste Schätzung für einen realistischen Bombeneinsatz; und zwar für Mitte Frühling 1945. In diesem Monat begann auch die Air Force den Bomber B-29 für den Einsatz mit Atomwaffen umzurüsten.

Am 16. Juli um 5:29:45 Uhr wurde die erste Atomexplosion der Geschichte ausgelöst. Die Sprengkraft entsprach 20-22 Kilotonnen TNT und verdampfte den Stahlturm. Dies war der endgültige Beweis für den Erfolg des Manhattan Projekts. Die Uranbombe Little Boy und die Plutoniumbombe Fat Man wurden mit fatalem Erfolg über Japan gezündet. (Quellen: 1.) Eugen Eichhorn: Manhattan-Projekt-Abstrakt, TFH Berlin 2005. 2.) www.lgl.lu)

»Weitere Informationen über die Entwicklung der Atombombe

Bearbeitungsstand: November 2006

Siehe auch:
»Atombombe

»Fat Man
»GROVES, General Leslie
»KT (Kilotonne)
»Little Boy
»Los Alamos
»Manhattan-Projekt
»OPPENHEIMER, J. Robert
»TNT (Trinitrotoluol)

Maralinga

britisches Atomtestgelände, Australien

Zwischen 1952 und 1967 unternahm Großbritannien sieben große und hunderte kleinerer Atomwaffentests im südaustralischen Maralinga. Das gesamte Gebiet wurde dadurch nachhaltig radioaktiv verseucht, viele Menschen hoher Strahlung ausgesetzt. Den Opfern wird bis heute die ihnen zustehende Anerkennung, medizinische Versorgung oder Entschädigung vorenthalten.

Hintergrund
Australiens Premierminister Robert Menzies gestatte Großbritannien 1952 ohne Abstimmung mit dem Parlament die Durchführung von Atomwaffentests auf australischem Boden. Nach den ersten britischen Atomwaffentests auf den Montebello-Inseln und in der Wüste um Emu Field, wurde im Mai 1955 der Ort Maralinga zum Britisch-Australischen Atomtestgebiet erklärt. In den darauf folgenden Jahren wurden hier sieben große Detonationen von Atombomben mit 1 bis 60 Kilotonnen TNT-Äquivalent durchgeführt. Zum Vergleich: Die Sprengkraft der Hiroshimabombe betrug etwa 14 Kilotonnen TNT-Äquivalent.

Im Rahmen der Operation 'Buffalo' wurden 1956 vier Atombomben gezündet und Tiere, Soldaten und Zivilisten der Strahlung ausgesetzt. 1957 folgten die drei Detonationen der Operation 'Antler'. Diese großen Tests erzeugten verschiedene Muster von radioaktivem Niederschlag, der große Teile des australischen Kontinents kontaminierte. Die offiziellen Strahlenmessungen waren unvollständig und wurden vor der Öffentlichkeit und teilweise sogar vor der australischen Regierung geheim gehalten.

Zusätzlich müssen etwa 600 kleinere Tests von Atomwaffenbestandteilen, die Verkippung überschüssiger radioaktiver Materialien, sowie die Folgen zahlreicher Unfälle mit in die Bilanz der Atomwaffentests einbezogen werden. Insgesamt wurden etwa 24,4 kg Plutonium, 101 kg Beryllium und 8.083 kg Uran bis zu 100 km mit dem Wind verstreut und verseuchten dabei eine Fläche von etwa 450 km2. 1967 wurden die Atomtests in Maralinga schließlich komplett eingestellt. Das Gelände konnte trotz zweier Sanierungsoperationen nicht ausreichend dekontaminiert werden. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren.

Folgen für Umwelt und Gesundheit
Wie schon während der Atomwaffentests in Emu Field waren vor allem die australischen Aborigines der stärksten Strahlung ausgesetzt. Vor den Atomexplosionen wurde die Region von Pitjantjatjara und Yankunytjatjara bewohnt und von anderen Stämmen häufig durchquert. Im Rahmen der Atombombentests kamen viele von ihnen mit radioaktivem Niederschlag in Form von 'Schwarzem Nebel' in Kontakt. Warnschilder auf Englisch konnten die Aborigines gewöhnlich nicht verstehen. Untersuchungen über die gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlung auf die indigene Bevölkerung scheiterten, da die untersuchten Personen nicht hinreichend identifiziert oder nachverfolgt wurden. Ein Dekontaminationseinsatz im Jahr 1990 versuchte, verseuchte Erde unter die Oberfläche zu graben, wirbelte dabei allerdings Tausende Tonnen radioaktiven Staub auf, der erneut verweht wurde. Die zusätzliche Strahlendosis durch den radioaktiven Niederschlag wird für die Aborigines auf etwa 5 mSv pro Jahr geschätzt – in den am schwersten betroffenen 120 km2 sogar auf bis zu 65 mSv pro Jahr. Aufgrund der Erkenntnisse des BEIR VII Berichts weiß man mittlerweile, dass solche Strahlendosen zu etwa 5, bzw. 65 zusätzlichen Krebsfällen pro 10.000 Menschen führen dürften. Auch Soldaten wurden erhöhten Strahlendosen ausgesetzt. In den 1970er Jahren deckten Veteranen der Atomwaffentests auf, dass sie damals keine adäquate Schutzausrüstung hatten und in Flugzeugen ohne Druckkabinen die radioaktiven Wolken durchflogen. Ein Veteranenverband ermittelte unter den Teilnehmern der Testreihen zwischen 1982 und 2001 etwa 23% höhere Krebsraten und eine 18% höhere Krebssterblichkeit im Vergleich zur Normalbevölkerung.

Ausblick
Im Jahr 2009 wurde das unbewohnbare, kontaminierte Land rund um Maralinga symbolisch an das Tjarutja-Volk zurückgegeben. Eine Entschädigung ist für die meisten Betroffenen weiterhin nicht einklagbar, auch da sich die hohe bürokratische Beweislast zu ihren Ungunsten auswirkt. Krankenhausakten existieren oft nicht mehr und Aufzeichnungen über Strahlendosen unter den Veteranen sind unvollständig oder wurden aus den Archiven gelöscht. Für die indigene Bevölkerung sind die Hürden noch um ein vielfaches höher. Es wurden bis heute keine epidemiologischen Untersuchungen an den betroffenen Bevölkerungsgruppen durchgeführt und die britische wie die australische Regierung tun sich schwer, Verantwortung zu übernehmen für die gesundheitlichen Folgen ihrer Atomwaffentests. Die australische Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs fand in einer Stellungnahme vor dem australischen Senat die richtigen Worte: „Wo Gerechtigkeit hinausgezögert wird, da wird sie verleugnet.“5 Diese simple Wahrheit gilt für Hibakusha weltweit – auch für die Aborigines und Veteranen von Maralinga. (Quelle: Ausstellung “Hibakusha weltweit”)

Bearbeitungsstand: August 2013

» weitere Informationen zur Geschichte von Atomtests

Marienheide

ehem. Atomwaffenlager in Deutschland

Link zum GroßansichtDie Nike-Feuerstellung (Launching Area) Marienheide (51°05’43“N, 07°33’17“O) der 4. Batterie des FlaRakBtl 22 lag 7 km nördlich der Stadt Gummersbach im Bergischen Land. Die Batterie wurde im Sommer 1962 von Köln-Wahn nach Marienheide verlegt. Sie bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Marienheide waren von 1963 bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen (KT). Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 22 [mit den Feuerstellungen Ödingen, Burbach, Waldbröl und Marienheide] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Nike Herkules

Marschflugkörper

engl.: cruise missile

Unter dem Begriff Marschflugkörper (Cruise Missile) versteht man grundsätzlich einen land-, luft- oder seegestützten Flugkörper, der über einen eigenen Antrieb verfügt und sich auf einer aerodynamisch stabilisierten Flugbahn bewegt. Er ist in der Lage, nach dem Abfeuern ein zuvor ohne direkte Line-of-Sight-Zielzuweisung programmiertes Ziel ohne weitere Einwirkung der Abschussplattform und ohne aktive Handlungen des Gegners (z.B. Abstrahlung von elektromagnetischen Wellen) zu finden und zu treffen. Seine Reichweite liegt dabei im mittleren bis großen Bereich von ca. 30 über 2800 km.

Gemäß dieser Definition kann man heute zwei verschiedene Kategorien von Lenkwaffen unterscheiden, welche allgemein unter dem Sammelbegriff Cruise Missile zusammengefasst werden. Es sind dies einerseits die » Land Attack Cruise Missiles« (LACM), die sich zur Bekämpfung von Landzielen in einer komplexem Umgebung eignen und andererseits die primär zur Schiffsbekämpfung verwendeten »Anti-Ship Missiles« (AShM). Als vermeintliche dritte Kategorie werden immer wieder Drohnen (Unmanned Aerial Vehicles) erwähnt. Diese Fluggeräte haben zwar zahlreiche Eigenschaften mit den Cruise Missiles gemeinsam, unterscheiden sich aber bezüglich gewisser technischer Faktoren und einsatzspezifischer Parameter grundsätzlich von diesen.

Marschflugkörper wurden erstmals von den USA im Golfkrieg von 1991 eingesetzt. Dabei bewiesen sie, dass sie wirkungsvoll für die Bekämpfung von zuvor aufgeklärten statischen Landzielen eingesetzt werden konnten. Inzwischen wird die weltweit verfügbare Zahl an Cruise Missiles auf rund 75.000 Stück geschätzt, die Zahl der Betreiberstaaten hat sich auf über 70 erhöht. Hauptsächlich wegen ihrer hohen Durchschlagskraft und Treffgenauigkeit ist die Proliferation dieser Waffensysteme schon sehr weit fortgeschritten.  (Quelle: Thomas S. Bättig: Marschflugkörper: Kategorien, Technologie, Leistungsfähigkeit, Proliferation, Bedrohung, Abwehr, in Air Power Revue der Luftwaffe Nr. 4, 2005.)

Bearbeitungsstand: Mai 2008

siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: Detonationswert
siehe auch: SALT-II-Abkommen
siehe auch: Taktische Atomwaffen

Marshall-Inseln

engl.: Marshall Islands

Betonsarkophag auf dem Runit-Insel. Foto: US Defense Special Weapons Agency

Atomwaffentests auf den Bikini- und Eniwetok-Atollen auf den Marshall-Inseln machten ganze Inselgruppen unbewohnbar. Tausende von Menschen in der Umgebung wurden hohen Dosen von Radioaktivität ausgesetzt.

Die Marshallinseln sind eine Gruppe von fünf Inseln, 31 weit auseinander liegenden Korallenatollen und über 1000 kleineren Inseln und Riffen. Der Name der Inseln geht zurück auf den britischen Kommandanten der »Scarborough«, Kapitän John Marshall, der 1788 die Inseln erstmals kartographisch erfasste.

Die USA haben zwischen 1946 und 1962 insgesamt 106 Atomtests auf den Marshall-Inseln im Pazifik durchgeführt. Im Jahre 1946 wurden die ersten Tests auf dem Bikini-Atoll durchgeführt. Im Vorfeld der Tests musste die Bevölkerung das Atoll verlassen und wurde in dem Glauben gelassen, nach Beendigung der Tests wieder auf ihre Heimatinseln zurückkehren zu können.

Nach zwei Explosionen auf dem Bikini-Atoll wurden auch auf anderen Inseln in der Umgebung Atomtests durchgeführt. Als sicher kann heute gelten, dass die Tests zu erheblichen Umweltschäden auf den Inseln, Lagunen und Atollen geführt haben. Im Eniwetok soll sogar eine kleinere Insel infolge eines Atomtests regelrecht "verdampft" und damit für alle Zeiten verschwunden sein. Nach dem Ende der Atomwaffentests wurde ein Teil der hoch kontaminierten Runit-Inseln im Eniwetok-Atoll mit einem 8 m hohen Betonsarg versiegelt.

Die Fallouts nach den Atomexplosionen verseuchten die Bewohner der umliegenden Inseln und Atolle, vor allem bei ungünstigen Windverhältnissen. In einigen Fällen war die Verstrahlung der Bevölkerung so groß, dass diese evakuiert werden musste. Die Langzeitfolgen für die Gesundheit der Bewohner waren immens: Viele Menschen starben nach einigen Jahren an Krebs und Leukämie.

Ende der 60er Jahre forderten die Bewohner des Bikini-Atolls, die seit 1946 im Exil lebten, die Rückkehr auf ihre Heimatinsel. Die US-Regierung gab daraufhin die Anweisung, das Atoll wieder bewohnbar zu machen. Die Sicherheit der Bewohner konnte jedoch nicht gewährleistet werden.

1972 konnten die Mikronesier nur unter großen Belastungen zurückkehren. U.a. mussten die Bewohner in den nächsten Jahren zu einem Großteil mit importierten Lebensmitteln versorgt werden, weil sie auf die Produkte vor Ort aufgrund der hohen Strahlenbelastung nicht zurückgreifen konnten. Im Jahre 1978 war es notwendig geworden, die Bewohner erneut zu evakuieren.

Eine groß angelegte Dekontaminierungsmaßnahme wurde angekündigt und in die Wege geleitet. Nach heutigen Erkenntnissen wird das Gebiet frühestens 2010 bis 2040 wieder bewohnbar sein. Einige Gebiete sind für 24.000 Jahre zum Sperrgebiet erklärt worden.

Im Jahre 1986 wurde eine mit 150 Millionen US-Dollar ausgestattete Stiftung gegründet, um die Bewohner der Marshall-Inseln zu entschädigen, die aufgrund der Atomwaffentests radioaktivem Niederschlag ausgesetzt waren. Etwa 40% der Betroffenen starben allerdings, ohne eine volle Entschädigung erhalten zu haben. Dies war der Anlass für eine Petition des Präsidenten der Marshall-Inseln an den US-Kongress im Jahre 2000, in der er weitere Projekte zur Dekontaminierung, ein umfassenderes Entschädigungsprogramm und eine bessere Gesundheitsüberwachung forderte. Die Petition traf jedoch auf taube Ohren, sodass viele Betroffene, insbesondere die vertriebene Bevölkerung des Bikini-Atolls, den Rechtsweg beschritten. Ihre Klagen wurden jedoch im Jahre 2010 vom Obersten Gerichtshof der USA abgewiesen.

Der Kampf um Anerkennung für die Hibakusha der Marschall-Inseln geht weiter. Präsident der Marshall-Inseln Christopher Loeak rief die USA am 60. Jahrestag vom Atomtest »Bravo« dazu auf, ihre unerledigten Aufgaben aus der Atomtest-Ära zu Ende zu bringen. Er forderte eine gerechte Entschädigung für die Schäden. xh (Quellen: IPPNW-Ausstellung Hibakusha-Weltweit; www.glasnost.de)

Bearbeitungsstand: Februar 2014

»Weitere Informationen zur Geschichte von Atomtests

MARV

Maneuvering Re-Entry Vehicle

Bei MARV (Maneuvering Re-Entry Vehicle) handelt es sich um eine Weiterentwicklung von MIRV. Jeder Sprengkopf ist manövrierfähig, also hängt seine Flugbahn nicht nur von den Gesetzen der Ballistik ab. Dadurch wird die Raketenabwehr weniger wirksam. Das MARV-System war ursprünglich für die Pershing-II-Rakete und die Trident (SLBM) vorgesehen, wurde aber nur bei der Pershing-Rakete in Dienst gestellt.

Eine Interkontinentalrakete kann zwischen drei und sechzehn (Trident (SLBM)) Atomsprengköpfe tragen, die sich nach dem Wiedereintritt von der Trägerrakete trennen und unabhängig auf einzelne Ziele gelenkt werden können. Gegenmaßnahmen werden dadurch nahezu unmöglich gemacht, da jeder Angriff mit vielen Abwehrraketen beantwortet werden müsste. Die große Zahl von anfliegenden Sprengköpfen überfordert nahezu jedes Verteidigungssystem.(Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: MIRV
Siehe auch: Pershing-II-Rakete
Siehe auch: Trident

Massenvernichtungswaffe (MVW)

engl.: weapon of mass destruction(WMD)

Als „klassische“ Massenvernichtungswaffen werden aufgrund ihrer inhärenten Zerstörungskraft in erster Linie nukleare, biologische und chemische Waffen (NBC-Waffen) verstanden. Diese drei Typen besitzen drei wesentliche Charakteristiken, die sie so gefährlich machen, wenn sie zur Anwendung kommen: Ihre Zerstörungswirkung, ihre Transportierbarkeit und die eigenständige Herstellung der betreffenden Substanzen. Nach dem Verständnis der amerikanischen Regierung werden auch Trägersysteme wie Raketen und Marschflugkörper zu den MVW gerechnet. (Quelle: www.armscontol.de)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

Massive Vergeltung

engl.: massive retaliation

Von 1950 bis 1960 galt das Prinzip der massiven Vergeltung und Präemption. (Präemption bedeutet, dass der gegnerische erste Schlag schon unterwegs ist oder unwiderruflich angeordnet ist. Präventiv ist ein Schlag, wenn der gegnerische Angriff nur geplant oder wahrscheinlich ist). US-Kriegsplanungen sahen bereits 1950 neben der Zerstörung von Städten auch die Vernichtung sowjetischer Produktionsanlagen von Atomwaffen vor. Ein unprovozierter Erstschlag gegen die UdSSR wurde jedoch vom Nationalen Verteidigungsrat der USA abgelehnt. Im Falle eines eindeutig bevorstehenden Angriffs wurde der präemptive Einsatz von Atomwaffen nicht ausgeschlossen. Die NATO übernahm die Strategie der massiven Vergeltung im Dezember 1954. Das NATO-Dokument MC 14/2 vom März 1957 sah einen raschen Rückgriff auf Atomwaffen bei nahezu jeder militärischen Auseinandersetzung mit der Sowjetunion vor. Ab Ende 1953 wurde dafür eine beträchtliche Anzahl taktischer Atomwaffen (Artilleriemunition, Bomben, Kurzstreckenraketen, Atomminen) in Europa stationiert, die Mitte der sechziger Jahre mit etwa 7000 Gefechtsköpfen ihren Höhepunkt erreichte. Die Aussage des stellvertretenden NATO-Oberbefehlshabers, General Bernard Montgomery, Ende 1954 lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Drohung, Atomwaffen einzusetzen: "Ich möchte absolut klarstellen, dass wir im NATO-Hauptquartier alle unsere Einsatzpläne auf die Verwendung von atomaren und thermonuklearen Waffen zu unserer Verteidigung stützen. Bei uns heißt es nicht: ‚Sie werden vielleicht eingesetzt’, sondern es heißt sehr bestimmt: ‚Sie werden eingesetzt, wenn wir angegriffen werden’".

Seit Mitte der 1950er Jahre gab es auch auf sowjetischer Seite Überlegungen, im Falle eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs durch die USA, Atomwaffen präemptiv einzusetzen. Die sowjetische Militärdoktrin ging bis Mitte der sechziger Jahre von der Annahme aus, dass ein Krieg zwischen den Großmächten den Einsatz von Atomwaffen einschließen würde. Wie die USA, ging auch die UdSSR davon aus, in einer solchen kriegerischen Auseinandersetzung die Oberhand zu behalten und zu siegen. In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre, angesichts einer gesicherten Zweitschlagskapazität, setzte sich in der UdSSR offenbar die Auffassung durch, dass ein Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion nicht in jedem Fall zu einem Nuklearschlag gegen die UdSSR führen müsste. Zielorientierung war nicht mehr die Zerstörung Nordamerikas, sondern die Abschreckung eines Einsatzes der US-amerikanischen strategischen Nuklearwaffen. (Quelle nicht bekannt)

Bearbeitungsstand: Mai 2006

siehe auch: Abschreckung
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: NATO
siehe auch: Kurzstreckenrakete
siehe auch: Zweitschlagsfähigkeit

Maßweiler

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige US-Sondermunitionslager Maßweiler (Massweiler Ordnance Depot) (49°16'14“N, 7°32'11“O) lag ca. 9 km nordwestlich der Stadt Pirmasens in Rheinland-Pfalz. Hierbei handelte es sich um einen ehemaligen unterirdischen Westwall-Regimentsgefechtsstand aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Es war das einzige unterirdische Sonderwaffenlager auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland.

Bereits Ende 1955 wurde das 12th US-Ordnance Btn (Versorgungsbataillon für Sonderwaffen) nach Maßweiler verlegt und betrieb hier ein Sonderwaffenlager für die US Army Europe.

Zu den eingelagerten atomaren Sprengköpfen gehörten unter anderem Gefechtsköpfe für die Kurzstreckenrakete Honest John, Granaten für die Geschützkaliber 280 mm und 203 mm sowie ADM (Atomminen) vom Typ W7/T4. Das Lager wurde bereits in den 1960er Jahren wieder geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest John-Rakete
siehe auch: Atomgeschütze
siehe auch: ADM

Matador-Marschflugkörper

engl.: Matador Cruise Missile

Martin Matador cruise missile, Warner-Robbins Air Museum, Georgia, Foto: Greg Goebel

Der Matador-Marschflugkörper war das erste atomwaffenfähige System dieser Art, das die US-Streitkräfte beginnend ab 1958 in Deutschland stationierten. Der Flugkörper ähnelte einem unbemannten, mit Stahlturbinen ausgerüsteten Flugzeug und konnte sowohl mit einem konventionellen als auch mit einem nuklearen Gefechtskopf eingesetzt werden. Die konventionelle Version war wegen unzureichender Treffgenauigkeit jedoch nicht sinnvoll. Das System war mit einem Kommandolenkverfahren ausgerüstet, das eine Radar-Sichtverbindung voraussetzte, wodurch die Einsatzmöglichkeiten eingeschränkt wurden. Der Flugkörper wurde von einem Transportanhänger mit Unterstützung einer Starthilfsrakete (Booster) gestartet. Der Flugkörper bewegte sich mit einer konstanten Fluggeschwindigkeit. Erst bei Annäherung an das geplante Ziel erfolgte eine Aktivierung der Zündsysteme des Gefechtskopfes. Das Waffensystem war mit dem Nukleargefechtskopf W5 bestückt, der über eine Sprengkraft von 50 KT verfügte.

Im Mai 1954 wurde die erste Matador in Bitburg stationiert, später auch in Sembach und Hahn (Rheinland-Pfalz). Bis einschließlich 1962 waren insgesamt 72 Matador-Flugkörper in ständiger Gefechtsbereichtschaft. Ab 1962 begann die Ausmusterung der Matador, die durch die Pershing-I-Rakete ersetzt wurde.

Technische Daten:

Länge: 12,1 m

Durchmesser: 120 cm

Spannweite: 8,7 m

Gewicht: 5.400 kg

Geschwindigkeit: 0,9 Mach

Gipfelhöhe: 10,6 km

Reichweite: max. 1.000 km

Sprengkopf: konventionell möglich, in der Regel W5 mit 50 KT

(Quelle: Mindling/Bolton: U.S. Air Force Tactical Missiles 1949-1969)

Bearbeitungsstand: November 2010

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Marschflugkörper
siehe auch: Treffgenauigkeit

MBFR

engl.: Mutual Balanced Force Reduction

dt.: beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung

Die MBFR-Gespräche, bei denen es um die Begrenzung konventioneller Streitkräfte in Mitteleuropa ging, wurden am 31. Januar 1973 in der Wiener Hofburg eröffnet und im Februar 1989 ohne nennenswerten Erfolg beendet. Schon bei der Bestandsaufnahme der in Europa vorhandenen Rüstungen ging es jahrelang nicht voran. Und auch über mögliche Reduzierungsmodelle konnte man sich nicht einigen, weil die unterschiedliche Streitkräftestruktur und die stark voneinander abweichenden Streitkräftezahlen einen Kompromiss nicht zuließen.

Erst die Nachfolgekonferenz, die seit dem 9. März 1989 unter Beteiligung von 16 NATO- und sechs Warschauer-Pakt-Staaten unter dem Titel "Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa" (VKSE) ebenfalls in Wien tagte, brachte nach weiteren 20 Monaten Verhandlungen einen Vertrag über konventionelle Abrüstung in Europa zustande, der am 19. November 1990 auf einem KSZE-Sondergipfel in Paris von den Staats- und Regierungschefs unterzeichnet wurde und Obergrenzen für Personal und Ausrüstung der Streitkräfte vom Atlantik bis zum Ural sowie ein komplexes Informations- und Verifizierungssystem vorsah.(Quelle: Informationen zur politischen Bildung, Heft 245: Entspannung und Neue Ostpolitik 1969-1975).

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: NATO
Siehe auch: Warschauer Pakt

McCloy-Sorin-Abkommen

Gemeinsame Erklärung über die Grundsätze der Abrüstungsverhandlungen sog. McCloy-Sorin-Abkommen vom 20. September 1961, einstimmig angenommen von der Vollversammlung der UN am 20.12.1961:

»Die Vereinigten Staaten von Amerika und die UdSSR sind, nach einem regen Meinungsaustausch über die Abrüstung anschließend an die übereinstimmende Erklärung, die sie am 30. März 1961 während der Generalversammlung abgegeben haben, mit Sorge feststellend, dass der andauernde Rüstungswettlauf der Menschheit eine schwere Bürde auferlegt und Gefahren für die Sache des Weltfriedens in sich birgt, noch einmal bekräftigend, dass sie sich an sämtliche Bestimmungen der Resolution 1378 (XIV) der Generalversammlung vom 20 November 1959 halten wollen, versichernd, dass es notwendig ist, um die allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt zu ermöglichen, dass alle Staaten an den bestehenden internationalen Vereinbarungen festhalten, Handlungen die dazu geeignet sind, die internationalen Spannungen zu erhöhen, vermeiden und die Beilegung aller zwischenstaatlichen Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln anstreben, überein gekommen, die folgenden Gründsätze als Basis für zukünftige multilaterale Verhandlungen über Abrüstung zu empfehlen und die Staaten aufzurufen, zusammen zu arbeiten, um möglichst bald ein Abkommen über allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt, in Übereinstimmung mit diesen Grundsätzen zu erreichen.

1. Verhandlungsziel ist das Einvernehmen über ein Programm, das sicherstellt,

  • dass die Abrüstung allgemein und vollständig und der Krieg kein Mittel zur Erledigung internationaler Streitigkeiten mehr ist,
  • dass eine solche Abrüstung mit dem Aufbau verlässlicher Verfahren zur friedlichen Streiterledigung und wirksamen Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung des Friedens in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der UNO-Charta Hand in Hand geht.

2. Das Programm einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung soll sicherstellen, dass den Staaten lediglich solche Nichtnuklearen Rüstungen, Streitkräfte, Einrichtungen und Vorkehrungen zur Verfügung stehen, die im gegenseitigen Einvernehmen zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und zum Schutz der persönlichen Sicherheit der Bürger erforderlich sind und dass die Staaten geeignete Einsatzkräfte (manpower) für eine UNO-Friedenstruppe unterhalten und zur Verfügung stellen.

3. Zu diesem Zweck soll das Programm einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung hinsichtlich der militärischen Ausrüstung der einzelnen Staaten Bestimmungen folgenden Inhalts enthalten:

  • die Auflösung der bewaffneten Streitkräfte, die Auflösung militärischer Einrichtungen einschließlich aller Stützpunkte, die Einstellung der Herstellung von Rüstungsgütern sowie ihre Beseitigung bzw. Konversion für die friedliche Nutzung;
  • die Beseitigung sämtlicher Vorräte an Atom-, chemischen, bakteriologischen oder anderen, zur Massenvernichtung geeigneten Waffen und die Einstellung ihrer Herstellung;
  • die Beseitigung aller zum Abschuss und Transport von Massenvernichtungswaffen geeigneten Systeme,
  • die Auflösung jeglicher für die militärischen Anstrengungen der Staaten bestimmten Organisation bzw. all ihrer Einrichtungen, die Abschaffung der militärischen Ausbildung und die Schließung aller militärischen Ausbildungsstätten;
  • Streichung sämtlicher, für militärische Zwecke bestimmten Haushaltsmittel.

4. Die Durchführung des Abrüstungsprogramms sollte in einvernehmlich festgelegten Stufen und einvernehmlich festgelegter Zeitfolge durchgeführt werden. Der Übergang in eine nächstfolgende Stufe sollte aufgrund einer Prüfung erfolgen, ob die für die vorhergehende Stufe vereinbarten Maßnahmen durchgeführt sind, was ausdrücklich bestätigt werden muss; etwaige zusätzliche Einrichtungen zur Beaufsichtigung von Maßnahmen der nächsten Stufe müssen, soweit erforderlich, arbeitsbereit sein.

5. Alle Maßnahmen zur Herbeiführung der allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollten in der Weise gegeneinander ausgewogen werden, dass kein Staat und keine Staatengruppe auf irgendeiner Durchführungsstufe in eine, für ihn militärisch vorteilhafte Lage gelangt und die Sicherheit gleichmäßig für alle Staaten gewährleistet ist.

6. Alle Abrüstungsmaßnahmen sollten von Anfang bis zum Schluss so genau und wirksam beaufsichtigt werden, dass über ihre genaue Einhaltung kein Zweifel obwalten kann. Während und nach der Durchführung der allgemeinen und vollständigen Abrüstung muss eine durchgreifende Beaufsichtigung gesichert sein, deren Art und Maß von den, auf jeder Stufe zu beaufsichtigenden Durchführungsmaßnahmen abhängt. Zu diesem Zweck ist unter Beteiligung aller Vertragsteile eine internationale Abrüstungsbehörde im Rahmen der UNO zu errichten. Dieser Behörde und ihren Aufsichtspersonen sollte, soweit zur Durchführung einer wirkungsvollen Beaufsichtigung erforderlich, freier Zugang zu allen Plätzen ohne jede Einschränkung (without veto) gewährleistet sein.

7. Dem Fortgang der Abrüstung sollten Maßnahmen zur Stärkung der zur Aufrechterhaltung des Friedens und zur Erledigung internationaler Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln zuständigen Einrichtungen entsprechen. Während und nach der Durchführung des Programms der allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollten in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der UNO-Satzung die zur Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, einschließlich der Pflicht der Staaten, geeignete Einsatzkräfte (manpower) für eine UNO-Friedenstruppe zur Verfügung zu stellen, die gemäß vorheriger Abmachung mit bestimmten Waffenarten auszustatten sind. Abmachungen über den Einsatz dieser Truppe sollten sicherstellen, dass die UNO in der Lage ist, jeder Bedrohung mit oder Anwendung von Waffengewalt, soweit es sich dabei um eine Verletzung der Grundlagen und Zwecke der UNO handelt, wirksam vorzubeugen bzw. ihr wirksam zu begegnen.

8. Die an den Verhandlungen teilnehmenden Staaten sollten danach trachten, möglichst rasch zu einem möglichst weit reichenden Einvernehmen zu gelangen. Hierauf gerichtete Bemühungen sollten ununterbrochen solange fortgeführt werden, bis eine Einigung über das Gesamtprogramm erzielt ist, und Bemühungen um eine baldige Einigung über, sowie die Durchführung von, Abrüstungsmaßnahmen sollten unbeschadet des Fortgangs der Verhandlungen über das Gesamtprogramm und auf solche Weise unternommen werden, dass die zu vereinbarenden Maßnahmen jenes Programm erleichtern und sich in dasselbe einfügen«. (Quelle: www.ne.jp)

Bearbeitungsstand: Juni 2007

Meeresbodenvertrag

Der Meeresbodenvertrag zum Verbot der Stationierung von Nuklearwaffen und anderer Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden oder dessen Untergrund trat am 18. Mai 1972 in Kraft. Darin werden der Meeresboden und dessen Untergrund vom Wettrüsten ausgeschlossen „als ein Schritt hin zur Abrüstung, zum Abbau internationaler Spannungen und zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens“. Der Vertrag verbietet die Stationierung von Nuklear- oder von Massenvernichtungswaffen ebenso wie Errichtung von Abschussvorrichtungen oder Lagerung, Testversuche und Einsatz derartiger Waffen auf dem Meeresgrund oder dessen Untergrund. Innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone gilt diese Verpflichtung nicht für die Küstenstaaten.
Der Vertrag beschränkt nicht die militärisch-nukleare Nutzung des Wassers über dem Meeresboden. Mit Nuklearwaffen ausgerüstete U-Boote werden wie andere Schiffe behandelt und sind von vertraglichen Beschränkungen nicht betroffen. (LL) (Quelle: www.admin.ch)

Bearbeitungsstand: September 2007

Mehlingen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Die Stellung Mehlingen (49°28'17“N, 7°50'55“O) gehörte zum Einsatzbereich Sembach und lag ca. 6 km nordöstlich vom Stadtzentrum Kaiserslautern entfernt. Sie war ab 1959 die Abschussanlage Nr. 1 für den mobilen Einsatz des Mace-Marschflugkörpers. Insgesamt wurden für die Stellung 12 Flugkörper vom Typ TM-76A bereitgehalten, die über den atomaren Gefechtskopf W-28 mit einer Sprengkraft von 1,1 MT verfügten.

Weitere mobile Stellungen befanden sich in Enkenbach, Grünstadt, Wüschheim, Kirchberg und Hecken, in denen ab 1960 insgesamt 72 Mace-Marschflugkörper verfügbar waren. Jede Stellung verfügte über mindestens zwei Abschussbereiche (complex) mit je vier Abschussplätzen, wodurch mindestens acht Flugkörper individuell für den Abschuss vorbereitet werden konnten.
In Ergänzung zu den mobilen Stellungen gab es zwei stationäre unterirdisch verbunkerte Abschussanlagen in der Eifel bei Rittersdorf („Launch site 7“) und bei Idenheim („Launch site 8“). Diese waren mit jeweils acht Flugkörpern des modifizierten Typs TM-76B bestückt.

Ab Oktober 1966 begann die Rückverlegung der „Mace“ in die USA. Heute befindet sich in der ehemaligen Stellung Mehlingen ein Sport- und Freizeitpark. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: MACE-Marschflugkörper
siehe auch: MT (Megatonne)

Mehrfachvernichtungskapazität

engl.: Overkill

Die Atommächte waren und sind, durch ihre Unmengen von Atomwaffen, in der Lage die Welt mehrfach zu zerstören. Dieses Übermaß an Atomwaffen wird mit dem englischen Begriff »Overkill« (Mehrfachvernichtungskapazität) beschrieben.
Um das Ausmaß der nuklearen Bedrohung zu veranschaulichen, stellte die Theologin Uta Ranke-Heinemann, in einer Rede im Oktober 1981, die Frage, woher man denn die 100 Milliarden Menschen bekommen würde, die durch die Sprengkraft vernichtet werden könnten. Es bestünde ja kein Mangel an Waffen mehr, vielmehr reichen die Menschen, die durch Atomwaffen vernichtet werden könnten, nicht mehr aus. Statistisch gesprochen klaffe die Schere zwischen aktivem und passivem Vernichtungspotential immer weiter auseinander, so Ranke-Heinemann. (LL)

Bearbeitungsstand: August 2005

Weitere Infos zum »Overkill«

Mehrfachwiedereintrittsflugkörper

engl.: Mulitple Reentry Vehicle (MRV)

Bezeichnung für zwei oder mehr mit einem ballistischen Flugkörper eingesetzte Wiedereintrittskörper, die über einen atomaren Gefechtskopf verfügen und in einem »BUS« von einem Flugkörper transportiert werden. Anders als bei MIRV werden die MRV gemeinsam ausgestoßen und folgen einer ballistischen Flugbahn. Dadurch können sie wirksamer auf ein großes Flächenziel verteilt werden. Die USA führten Ende der sechziger Jahre mit dem SLBM Polaris AkDS-3 den ersten einsatzfähigen ballistischen Flugkörper mit MRV ein. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 96)

Bearbeitungsstand: September 2007.

Siehe auch: Ballistischer Flugkörper
Siehe auch: BUS
Siehe auch: MIRV
Siehe auch: SRBM

Mehrstufenrakete

engl.: multistage rocket

Eine Mehrstufenrakete besteht aus mehreren einzelnen und aufeinander montierten Teilen, sogenannten Raketenstufen. Jede Raketenstufe besitzt ihr eigenes Raketentriebwerk und einen Treibstoffvorrat. Die Raketenstufen werden nacheinander gezündet und treiben somit jeweils für eine bestimmte Zeit allein die gesamte Mehrstufenrakete an. Ist der Treibstoff einer Raketenstufe aufgebraucht, so wird sie abgeworfen und die nächste Stufe wird gezündet. Dies erlaubt größere Reichweiten und höhere Geschwindigkeiten der Raketen, da durch das Abwerfen der einzelnen Stufen, das Gesamtgewicht reduziert wird. ez (Quelle: Valkyrie Report)

Bearbeitungsstand: Juni 2017




MEITNER Lise

1878 - 1968

Lise Meitner wurde am 17. November 1878 in Wien geboren. Von 1901-1906 absolvierte sie ein Studium der Physik und Mathematik an der philosophischen Fakultät der k.k. Universität zu Wien. 1906 ist sie grade mal die vierte weibliche Doktorandin an der Wiener Universität. In ganz Deutschland waren bis 1900, in Berlin sogar noch bis 1907, Frauen nicht zum Studium zugelassen.

Von 1907-1912 folgen Studium und wissenschaftliche Mitarbeit am Institut für theoretische Physik der Universität Berlin. Lise Meitner durfte sich nur ausnahmsweise an der Berliner Universität immatrikulieren und später am Institut forschen mit der Auflage, nur in einem Zimmerchen im Untergeschoß zu arbeiten, das sie zudem durch einen separaten Eingang zu betreten hatte! Frauen war es erst nach 1920 möglich, zu habilitieren. 1922 erhielt Lise Meitner die Lehrberechtigung im Alter von 43 Jahren sehr viel später als die meisten männlichen Kollegen. 1926 wurde sie zur Professorin ernannt - eine der ersten in Deutschland. 1933 wurde ihr die Lehrerlaubnis von den Nationalsozialisten wieder entzogen.

Kurz bevor Otto Hahn 1938 die Kernspaltung entdeckte, musste die jüdische Physikerin Lise Meitner aus Berlin fliehen. Das entscheidende, historische Experiment konnte sie so leider nicht mehr mit ihrem Kollegen Hahn zusammen durchführen, aber sie überprüfte und interpretierte die Ergebnisse aus ihrem Exil in Stockholm. Gemeinsam mit ihrem Neffen publizierte sie daraufhin über die Atomspaltung. Während Hahn für die Entdeckung der Kernspaltung 1944 den Nobelpreis erhielt, wurde Meitners wesentlicher Anteil an dieser Arbeit nicht gewürdigt.

Von 1945-1953 forschte und lehrte sie an der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm. 1948 erhielt sie die schwedische Staatsbürgerschaft. In späteren Jahren setzte sich Lise Meitner mit der Gleichberechtigung der Frau in der Wissenschaft und in Führungspositionen auseinander. Sie trat auch stark für eine friedliche Nutzung der Kernenergie ein. Im Alter von 82 Jahren zieht sie 1960 nach Cambridge, wo sie am 27.10.1968 fast neunzigjährig stirbt. (Quelle: hausfrauenseite.de)

Bearbeitungsstand: September 2007

Memmingen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Cockpit des F-104, Foto: Wikipedia commons

Am Fliegerhorst Memmingen war das Jagdbombergeschwader 34 stationiert. Es wurde am 05. Mai 1959 in Dienst gestellt und flog zunächst die F-84F "Thunderstreak"; ab 1964 die F-104 "Starfighter" und ab 1987 die PA 200 "Tornado". Während der Zeit des Kalten Krieges hatte das Geschwader einen doppelten Einsatzauftrag, konventionell und atomar. Die atomare Abschreckung war Teil der NATO-Konzeption. Der Auftrag war aufwendig. Eine besondere Staffel, die Sicherungsstaffel “S”, war für die Bewachung des atomaren Waffenlagers und der sofort startbereiten, beladenen Alarmflugzeuge in der QRA (Quick Reaction Alert) erforderlich. Eine Staffel der USAF, die 7261st MUNSS, war mit über 100 Soldaten für die Waffen verantwortlich. Für sie gab es eine eigene Kaserne, eigene Wohnsiedlung, eigene Betreuungseinrichtungen und eine eigene Schule. (Quelle: echo34allgaeu.de)

In jedem Jagdbombergeschwader standen jeweils zwei Alarmrotten mit Atombomben startklar. Diese Maschinen waren betankt und bewaffnet in einem besonders gesicherten Bereich des Flugplatzes am Rande der Startbahn positioniert. Der Sicherheitsbereich war durch eine weiße Linie markiert und wurde durch US-amerikanische Soldaten; die auf jeden Unbefugten, der die Linie überschritt, sofort zu schießen hatten, bewacht. US-Offiziere hatten die Schlüsselgewalt und verfügten über die Codes zur Schärfung der Bomben. Die deutschen Piloten befanden sich in unmittelbarer Nähe ihrer Flugzeuge. Bei Alarmierung mussten sie innerhalb von fünf Minuten mit ihren Maschinen in der Luft sein. In versiegelten Umschlägen befanden sich die anzufliegenden Zielkoordinaten.

Der Standort Memmingen verfügte zu unterschiedlichen Zeiten über insgesamt  drei räumlich getrennte Atomwaffenlagerorte. Bis Ende 1989 wurde auf jenen Haupteinsatzflugplätzen, die in das NATO System der Sofort-Reaktion, des Quick Reaction Alert (QRA), eingebunden waren, so auch in Memmingen, eine kleine Anzahl von Atomwaffen in einem verbunkerten Sondermunitionslager (47°58'43“N, 10°14'11“O) auf dem Gelände des Flugplatzes selbst bereitgehalten. Die große Mehrzahl der Atombomben für den Fliegerhorst wurde in einem abseits davon gelegenen, getrennten Atomwaffenlager (47°58'15“N, 10°13'41“O) aufbewahrt.  Der Transport der Atomwaffen zu den Flugzeugen erforderte "Konvois mit starken Sicherungskräften, die durch öffentlich zugängliche Gebiete fahren mussten". Schon das Vorhandensein der Konvois zog Aufmerksamkeit auf sich und war für Sabotageakte anfällig.

1990 wurden im Rahmen eines NATO-Bauprogrammes moderne Atomwaffenlager unter anderem auf drei deutschen Flugplätzen (Büchel, Memmingen und Nörvenich) in Betrieb genommen. Dieses System ermöglichte die Lagerung der Atomwaffen in den Flugzeugschutzbauten unmittelbar unter den Flugzeugen. Am Fliegerhorst  Memmingen  befand sich das neue Lager (47°58'35“N, 10°13'45“O) unmittelbar am südwestlichen Ende der Rollbahn.  Mit der Umrüstung wurden die zu den betreffenden Flugplätzen gehörigen "Sonderwaffenlager", d.h. spezielle Munitionsbunker für Atomwaffen, außer Betrieb genommen. (Otfried Nassauer: Amerikanische Nuklearwaffen in Europa 1996-97)

Die atomare Bewaffnung der F-84F Thunderstreak bestand aus einer freifallenden Fliegerbombe mit einer Sprenkkraft von 8 Kilotonnen.

Der Starfighter F-104G war anfangs mit einer Mk.28 Atombombe ausgerüstet.. Es handelte sich dabei um die erste amerikanische Waffe dieser Art. Nach einem Baukastenprinzip konnte diese Waffe in 5 verschiedenen Abwurfvarianten zusammengesetzt werden, um verschiedenen Trägersystemen gerecht zu werden. Bei der Version für die F-104G handelte es sich um die Version Mk.28 FUFO, die den gebremsten Abwurf von schnellen Jet's im Tiefflug erlaubte und weiter über eine Sprengkraft von 1100 Kilotonnen (KT) verfügte. Die Abwurfhöhe lag zwischen 91 und 183 Metern.

Diese Version wurde ab 1968 von der Mk.43 Atombombe des Tactical Air Command abgelöst. Die Waffe verfügte über ein Gewicht von knapp 1000 kg und einer unveränderlichen Sprengwirkung von 1 Megatonne (MT). Sie war als Außenlast speziell für den Abwurf von schnell und tieffliegenden Jagdbombern entwickelt worden.

Die Ausbildung in den einzelnen Abwurfverfahren erfolgte mit der Übungsbombe MK-106, die von den Abwurfbehältern / Übungsbombenträgern getragen wurden. Diese amerikanische Übungsbombe wurde etwa ab 1975 von der DM18 aus deutscher Produktion abgelöst. Erst wenn der Pilot sich in allen Verfahren qualifiziert hatte, erhielt er die Möglichkeit die Profilübungsbombe BDU-8/B/BDU-12B (Bomb Dummy Unit) bei einem Übungseinsatz auf dem NATO-Schießplatz Decimomannu (Deci) abzuwerfen.

Ständige Weiterentwicklungen und Erprobungen fügte als Ergänzung ab 1968 die Mk.57 Atombombe mit einer vergleichsweise minimalen Sprengkraft von 5-20 KT dem A-Waffenarsenal der deutschen "F-104" hinzu.

Ab dem Jahr 1975 wurde die Version Mk.43 von der Mk/B 61 Abwurfwaffe abgelöst. Dies war eine optimierte und fortschrittlichere Bombe für den Abwurf von schnell und unter 90 Metern fliegenden Kampfflugzeugen, zu denen die F-104G gehörte, und als Mehrzweckwaffe für taktische und strategische Einsätze gedacht.

Der Einsatz der mit A-Waffen beladenen Starfighter war nur möglich, wenn die Bomben zuvor vom amerikanischen Personal geschärft worden waren. Das geschah erst unmittelbar vor dem befohlenen Einsatz. War der Kode an der Bombe von den Amerikanern nicht korrekt eingestellt, konnte diese nicht zum Einsatz gebracht werden.(Rolf Ferch: www.rolfferch.de/F104G/html/strikebeladeschema.html)

Ab 1968 wurde bei den Jagdbombergeschwadern die Wasserstoffbombe vom Typ B-61 für den Einsatz bereitgehalten. Dabei handelte es sich um eine frei fallende Fliegerbombe, von der fünf verschiedenen Modelle existierten (B-61-3, -4, -7, -10 und -11). Die B-61-11 ist auch als nuklearer "Bunker Buster" bekannt. Alle Modelle besaßen eine variable Sprengkraft: Modell 3 bis zu 45 Kilotonnen, Modell 4 bis zu 170 Kilotonnen, bis hin zu maximal 340 Kilotonnen, was mehr als der 26-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe  entspricht. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: B-61-Bombe
siehe auch: Büchel
siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: NATO
siehe auch: Sondermunitionslager
siehe auch: Starfighter-F104

Menden

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Die britische Armee hatte, so weit bekannt, zwischen 1960 und 1986 mehrere auf deutschem Boden stationierte Artillerieverbände mit atomarer Munition ausgestattet. Die Munition wurde von den US-Streitkräften bereitgestellt und stand auch unter deren Kontrolle. Die britischen Einheiten waren an den Standorten Hohne, Lippstadt, Menden, Paderborn und Sennelager stationiert.

Das Sondermunitionslager Menden (51°25'48”N, 7°56'08”O) lag ca. 10 km östlich der gleichnamigen Stadt Menden im Sauerland. Die britischen Verbände wurden vor Ort unterstützt durch das 69. (US)Field Artillery Detachment. Im Depot befanden sich:

von 1960-1976 Honest John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 2.000 t
Version Mod.0 Y2: 40.000 t
Version Mod.3 Y3: 20.000 t

von 1977-1992 Lance Gefechtsköpfe vom Typ W-70 mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t

von 1960-1971 Gefechtsköpfe vom Typ W-33 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 500 t
Version Mod.1 Y2: 40.000 t
Version Mod.1 Y3: 10.000 t
Version Mod.1 Y4: 5.000 t

und vermutlich Gefechtsköpfe vom Typ W-29 für die Haubitze 203 mm mit folgender Sprengkraft:

Version Mod.0 Y1: 100 t
Version Mod.0 Y2: 700 t
Version Mod.0 Y3: 1.100 t
Version Mod.1: 800 t

Über die Anzahl der eingelagerten Gefechtsköpfe gibt es keine konkreten Angaben. (LL)

Bearbeitungsstand: Juli 2011

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Mengen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während des Kalten Krieges waren auch die französischen Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Süddeutschland gelegenen Feuerstellungen beteiligt. Dabei handelte es sich um die Standorte Böttingen, Friedrichshafen, Mengen, Münsingen, Stetten und Inneringen.

Die ehemalige Nike Stellung (Launching Area) Mengen (48°02'56“N, 09°21'55“O) lag auf einem Flugplatz unmittelbar östlich der Stadt Mengen in Baden-Württemberg. Die dort stationierte 3./521 war in drei getrennten Bereichen untergliedert: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Mengen waren von 1965 bis 1966 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß 40 kT Sprengkraft. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde die Stellung von den französischen Truppen geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2012

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert

Merseburg

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Merseburg. Bild: Digital GlobeWährend des Kalten Krieges unterhielten die sowjetische Luftstreitkräfte in Ergänzung zu ihren aktiven Kernwaffenlagern auf den Flugplätzen (Altenburg, Brand, Finsterwalde, Groß Dölln, Großenhain, Lärz und Werneuchen) auch sogenannte “temporäre Kernwaffenlager” vermutlich in Falkenberg-Elster, Jüterbog, Köthen, Merseburg, Neuruppin, Parchim, Ribnitz-Damgarten und Wittstock.

 
Das temporäre Kernwaffenlager Merseburg (51°21'34"N, 11°57'53"O) vom Typ Granit lag ca. 13 km südlich von Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Auf dem Flugplatz war das 85. sowjetische Garde-Jagdfliegerregiment mit atomwaffenfähigen MiG-29 stationiert. Der Einsatz von atomaren Fliegerbomben des Typs  RN-42 wäre möglich gewesen. Zu welchen Zeiten und ob überhaupt Kernwaffen vor Ort bereitgehalten wurden, lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen. (LL)

Bearbeitungsstand: Dezember 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

Meyn

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das Sondermunitionslager Meyen (54°44’37“N, 09°14’30“O) lag ca. 13 km west südwestlich von der Stadt Flensburg in Schleswig-Holstein. In diesem Lager waren die atomaren Sprengköpfe für das seit April 1973 in Flensburg-Weiche stationierte Raketenartilleriebataillon 650 gelagert. Dabei handelte es sich zunächst ab 1965 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Sergeant« und ab 1977 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Lance«.

Die Sergeant war mit dem Nukleargefechtskopf W52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte.

Die Lance war mit dem Nukleargefechtskopf W70 ausgerüstet, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügte.

Das Lager wurde vermutlich im Jahr 1991 geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Sondermunitionslager

Middle Powers Initiative

Logo der MPI

Die Middle Powers Initiative (MPI) wurde im März 1998 von einem Netzwerk internationaler Nichtregierungsorganisationen* gegründet und wählte den ehemaligen Diplomaten und Senator Douglas Roche aus Kanada zu ihrem Vorsitzenden. Sie versteht sich als eine weltweite Kampagne, die die führenden Politiker der Atomwaffenstaaten dazu drängen will, aus den Denkmustern des Kalten Krieges auszubrechen und den existenziellen Gefahren der atomaren Selbstvernichtung auf neue Art zu begegnen. Angestrebt werden beispielsweise ein Verzicht auf den Ersteinsatz, die Aufhebung der Alarmbereitschaft sämtlicher Nuklearstreitkräfte und Verhandlungen zur vollständigen Abschaffung der Atomwaffen.

Die Geschäftsstelle befindet sich beim Global Security Institute in New York. Aber aktiv sind die Mitstreiter in der ganzen Welt. Sie helfen bei der Mobilisierung einflussreicher Mittelmacht-Staaten, um deren politischen Willen für die Schaffung einer atomwaffenfreien Welt zu fördern. Zur Aufklärungskampagne gehören Seminare, Publikationen und Beratungen mit Regierungen, Parlamentariern wie auch Bürgerorganisationen.

Als Bündnispartner auf staatlicher Seite haben sie die aus sieben Ländern bestehende "New Agenda Coalition" gewonnen. Ägypten, Brasilien, Irland, Neuseeland, Mexiko, Slowenien, Südafrika und Schweden üben in internationalen Foren gebündelten politischen Druck auf die Atomwaffenmächte aus, damit diese ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung zur nuklearen Abrüstung endlich nachkommen. Im Artikel VI des seit 1970 geltenden Atomwaffensperrvertrages haben sich diese nämlich zu Verhandlungen über die nukleare wie auch die allgemeine und vollständige Abrüstung verpflichtet.

Einen Erfolg erlangte die "New Agenda Coalition" und die sie unterstützende "Middle Powers Initiative" durch intensive Lobbyarbeit auf der Überprüfungskonferenz im Jahre 2000. In einer dramatischen Schlussdebatte einigten sich die Teilnehmer damals auf ein Aktionsprogramm von 13 konkreten Schritte der atomaren Abrüstung. Die Zusicherung der Nuklearmächte, ihre Arsenale vollständig abzurüsten, ohne dies wie bis dahin lediglich als "Fernziel" zu bezeichnen, war ein bemerkenswerter diplomatischer Sieg.

Im Jahr 2005 scheiterte die Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags. Um ein erneutes Scheitern in 2010 zu verhindern und die nukleare Abrüstung endlich in Gang zu bringen, iniierte die "Middle Powers Initiative" 2005 das sogenannte Artikel-VI-Forum. Die Aktivisten wollen gleich gesinnte Länder zusammenbringen, um gemeinsam juristische, technische und politische Elemente für eine atomwaffenfreie Welt zu erarbeiten. Bisher traf sich das Forum in New York (2005), Den Haag (2006), Ottawa (2006), Wien (2007), Dublin (2008) und Berlin (2009). Das letzte Strategietreffen fand im Carter Center in Atlanta im Januar 2010 statt. 2009 übernahm der schwedische Botschafter Henrik Salander den Vorsitz der MPI. (Quelle: Wolfgang Kötter)

*Die "Middle Powers Initiative" wird von acht Nichtregierungsorganisationen gesponsert: Albert Schweitzer Institute; Global Security Institute (GSI); International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA); International Network of Engineers and Scientists (INES); International Peace Bureau (IPB); International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW); Nuclear Age Peace Foundation; Women's International League for Peace and Freedom (WILPF).

Webseite der MPI (in englischer Sprache)

Im Wortlaut: Die 13 Schritte (Abschlussdokument der NVV-Überprüfungskonferenz 2000)

Bearbeitungsstand: März 2010

siehe auch: Atomwaffensperrvertrag
siehe auch: Ersteinsatz
siehe auch: Launch-on-Warning
siehe auch: New Agenda Coalition (NAC)
siehe auch: Nuklearwaffenkonvention

Miesau

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

ehem. Atomwaffenstandort Miesau. Bild: Digital GlobeDas ehemalige atomare „Versorgungslager Munition“ (VLM) Miesau (49°23'15“N, 7°23'53“O) bei Ramstein lag ca. 15 km nördlich der Stadt Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Es gab in Westdeutschland während des Kalten Krieges insgesamt 10 große Hauptlager für Nuklearwaffen. Das wichtigste und größte Depot war Miesau in der Pfalz. Von hier aus wurden die Atomsprengköpfe an die Corpslager weiterverteilt.

Die Transporte von Atomwaffen zwischen den einzelnen Sonderwaffenlagern sind ausschließlich von der US Army durchgeführt worden. Fast immer wurde der Transport mit Hubschraubern gewählt, die sogenannte "Air Mission". Dabei landeten große Transporthubschrauber vom Typ Chinook innerhalb der Depots direkt vor den Bunkern, um die Munition auf kürzesten Wegen umzuschlagen.
Nach dem Fall der Mauer und der beginnenden Abrüstung ist Anfang der 1990er Jahre die Ausstattung der NATO-Heeresverbände mit taktischen nuklearen Gefechtsköpfen aufgegeben worden. Damit entfielen auch Sinn und Zweck des Sonderwaffenlagers Miesau und der dort eingesetzten spezialisierten Verbände. Das Lager wurde aufgegeben. (Manfred Tegge)

Zu unterschiedlichen Zeiten waren im Sonderwaffenlager Miesau für folgende Waffensysteme atomare Sprengköpfe eingelagert:

  • Kurzstreckenrakete Lance: Nukleargefechtskopf W70, Sprengkraft: 1-100 KT
  • Kurtstreckenrakete Sergeant: Nukleargefechtskopf W52, Sprengkraft: 200 KT
  • Kurzstreckenrakete Honest John: Nukleargefechtskopf W31 mit folgender Sprengkraft:
    • Version Mod.0 Y1: 2KT
    • Version Mod.0 Y2: 40KT
    • Version Mod.3 Y3: 20KT
  • Panzerhaubitze M 109:  Nukleargefechtskopf W48 und W33 mit 0,1-12 KT
  • Panzerhaubitze M 110: Nukleargefechtskopf W48 und W33 mit 0,1-12 KT

Die genauen Stückzahlen der eingelagerten Nukleargefechtsköpfe sind nicht bekannt. Ob vorübergehend auch Atomminen in Miesau gelagert wurden, ist ungeklärt. (LL)

Bearbeitungsstand: Mai 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Honest-John-Rakete
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Panzerhaubitze M 109
siehe auch: Panzerhaubitze M 110
siehe auch: Sondermunitionslager

Mininuke

Eine Mininuke (Atomwaffen mit geringer Sprengkraft) ist eine Atomwaffe mit einer Sprengkraft unter fünf Kilotonnen (eine Kilotonne entspricht der Explosivkraft von 1000 Tonnen TNT). Es gibt im US-Arsenal bereits fünf verschiedene Modifikationen der B-61-Bomben, die als Mininukes einsetzbar sind.

Diese Bomben können mit einer auswählbaren Sprengkraft von 0,3 bis zu 340 Kilotonnen (Typ B-61-11) konfiguriert werden. (Quelle IPPNW-Aktuell 10/03 (XH))

Die Bomben vom Typ B-61 wurden zwar schon in den sechziger und siebziger Jahren entwickelt, verfügen aber über relativ moderne Sicherungs- und Freigabesysteme (Permissive Action Links der Kategorie F), da sie immer wieder modernisiert wurden. Die elektronischen Sicherheitsvorrichtungen wurden zuletzt 2002 aktualisiert. Die Sprengkraft der Waffen ist unterschiedlich variabel, von 0,3 Kilotonnen bis zu 45 Kilotonnen (Modell B-61-4) oder bis zu 170 Kilotonnen (Modell B-61-3). Letzteres entspricht mehr als der 13-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe. (Quelle: http://www.bits.de)

Bearbeitungsstand: August 2007

Siehe auch: KT
Siehe auch: PAL
Siehe auch: Sprengkraft

Minuteman

Minuteman III im Raketen-Silo. Copyright:  U.S. federal government, via Wikimedia Commons

US-amerikanische Interkontinentalrakete (ICBM), die in der modernsten Version (Minuteman III) über drei einzeln lenkbare Atomsprengköpfe von 170 KT (Typ W-62/MK 12, neuerdings ersetzt durch W-87/SERV) oder 335 KT (Typ W-78/MK 12A), Vernichtungsenergie verfügt. Bei Ausfall der Startkontrollzentren am Boden, können die Raketen auch von einem Kontrollzentrum aus der Luft gestartet werden. Die Zielgenauigkeit (CEP) der Sprengköpfe liegt bei einer Reichweite von mindestens 13.000 km über das Satellitennavigationssystem Navstar bei weniger als 30 Meter. (LL) 

Die Atomraketen der Air Force stehen seit mehr als 50 Jahren für überraschende Kriege bereit. Um für den finalen Atomkrieg gegen Russland und China gerüstet zu sein, wollen die USA ihre Interkontinentalraketen vom Typs Minuteman III modernisieren.

Die Raketen

Die landgestützten Atomraketen der US Air Force sind alle vom gleichen Typ Minuteman III. Es sind Intercontinental Ballsitic Missiles / ICBMs (interkontinentale ballistische Raketen). Aus ihrem Namen geht hervor, dass sie eine globale Reichweite und eine dreistufige Flugbahn haben: Die erste Stufe befördert sie durch die Erdatmosphäre, die zweite durch den Weltraum und die dritte zurück durch die Erdatmosphäre auf ihr Ziel.

Die USA haben 450 dieser Raketen, die jeweils bis zu drei Atomsprengköpfe tragen können. Sie werden durch ein unabhängiges Navigationssystem über sich selbst regulierende Bewegungs- und Rotationssensoren zu ihren Zielen geführt. Jede Minuteman III ist in einem eigenen unterirdischen Silo aus "gehärtetem Beton" untergebracht, und soll einen gegnerischen Atomschlag unbeschädigt überstehen können. Der Raketensilo ist über ein Kommunikationskabel mit einem separaten, ebenfalls unterirdischen Start-Kontrollzentrum verbunden. 

Die Bedienungsmannschaften

Die Besatzung eines unterirdischen Start-Kontrollzentrums besteht aus jeweils zwei Raketenschützen, die für 10 Raketen verantwortlich sind. Die beiden Raketenschützen werden nach einem "24-stündigen Wachdienst" von zwei anderen abgelöst. Weil die Raketen jederzeit einsatzbereit sein müssen, sind die Start-Kontrollzentren an allen 365 Tagen eines Jahres rund um die Uhr besetzt.

Die Raketenbasen

Die Interkontinentalraketen sind auf drei Basen der Air Force verteilt: auf die Air Bases Malmstrom in Montana, F.E. Warren in Wyoming und Minot in North Dakota. Auf jeder dieser Basen sind jeweils 150 Minuteman III und drei Squadrons (Staffeln) als Bedienungsmannschaften stationiert; eine Squadron ist also für 50 Raketen zuständig. Die Start-Silos sind mindesten 3 Meilen (4,8 km) voneinander und von den Start-Kontrollzentren entfernt, damit möglichst viele einen gegnerischen Atomangriff unversehrt überstehen.

Die Raketeneinheit untersteht einem Zweisterne-General, dem Chef der 20th Air Force. Dieser erhält seine Befehle von einem Dreisterne-General, der das Air Force Global Strike Command auf der Barksdale Air Force Base in Louisiana befehligt und dem neben den ICBMs auch die Atombomber der Typen B-2 und B-52 unterstehen.

Zur Geschichte

Die ersten Minuteman III wurde 1970 aufgestellt. Sie gehören zur dritten Minuteman-Generation. Die erste Generation wurde im Oktober 1962 während der Kubakrise in Dienst gestellt. Die Minuteman II war ab 1966 einsatzbereit, und die gegenwärtige Version wurde nach offiziellen Angaben der Air Force zur ICBM-Geschichte ab Dezember 1970 auf der Minot Air Base installiert.

ICBMs wurden bisher nur zu Testzwecken gestartet. 

Die Zukunft

Die Obama-Regierung hat sich dafür entschieden, 50 der 450 Minuteman-Raketen bis Februar 2018 auszumustern; die verbleibenden (400 Raketen) bilden auch weiterhin eine Säule der "Triade" der strategischen Atomstreitkräfte der USA – neben den Atombombern und den atomar bewaffneten U-Booten mit Atomantrieb. 

Weil die Raketen schon lange ihre ursprünglich geplante 10-jährige Einsatzfähigkeit überschritten haben und dringend modernisiert werden müssen, plant die Air Force bereits eine ganze Reihe von "Upgrades", um das Waffensystem für mindestens 40 weitere Jahre funktionsfähig zu halten.

(Quelle: Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein, LP 111/14 – 30.07.14)

Bearbeitungsstand: August 2014 

MIRV

engl.: Multiple Independently targetable Re-entry Vehicle

MIRV ist die Bezeichnung für nukleare Mehrfachsprengköpfe für Interkontinentalraketen. MIRVs ermöglichen es, mit einer einzigen Trägerrakete mehrere Ziele gleichzeitig anzugreifen und gleichzeitig Abwehrmaßnahmen gegen den Angriff zu erschweren. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr online)

Das System der mehrfach unabhängig zielprogrammierbaren Wiedereintrittskörper (MIRV) wurde von den USA in den späten sechziger Jahren entwickelt und später auch von der Sowjetunion eingeführt. In einem mit MIRV ausgestattetem System werden die einzelnen Wiedereintrittskörper (RV = re-entry vehicle) gewöhnlich in einem Muttergefechtskopf befördert, der die RVs einzeln »aussteigen« lässt nach vorprogrammierten Wechseln der Geschwindigkeit und der Richtung, so dass die RVs auf Bahnen gebracht werden, auf denen sie ihre jeweiligen Einzelziele erreichen können. (Quelle: Die UNO-Studie »Kernwaffen«, München 1982, S. 24)

Das stärkste von den USA entwickelte MIRV-System war die LG 118A (Peacekeeper), die bis zu zehn Sprengköpfe mit je einer Sprengkraft von bis zu 300 KT TNT-Äquivalent tragen konnte. Auf russischer Seite war es die SS-18 (Natobezeichnung: Satan) mit bis zu zehn Sprengköpfen mit jeweils 550KT, aber mit einer geringeren Zielgenauigkeit als die Peacekeeper. Die SS-18 konnte eine Fläche von 60.000 km2 verwüsten. (Quelle: militaer.wisotoday.de, Seite nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: September 2007

Siehe auch: KT
Siehe auch: Interkontinentalrakete
Siehe auch: Peacekeeper-Rakete
Siehe auch: Wiedereintrittskörper

Mischoxid (MOX)

engl.: mixed oxide

Ein Mischoxid (kurz MOX) ist ein Stoff, der sich aus mehreren Oxidenen zusammensetzt. Ein Beispiel aus der Kerntechnik sind die MOX-Brennelemente, die aus Urandioxid UO2 und Plutoniumdioxid PuO2 besteht. Sie werden heute in verschiedenen Ländern (vor allem Frankreich und Deutschland, aber auch Schweiz, Belgien) in Kernreaktoren eingesetzt, um das bei der Wiederaufarbeitung abgetrennte Plutonium zu verwerten und dabei gleichzeitig für Kernwaffen weitgehend unbrauchbar zu machen.

Auch wenn häufig der Begriff Mischoxid mit dem Uran-Plutonium-Gemisch gleichgesetzt wird, gibt es noch viele weitere Mischoxide. (Quelle: mox.lexikona.de/art/MOX.html, Seite nicht mehr vorhanden)

Bearbeitungsstand: April 2007

siehe auch: MOX-Anlage
siehe auch: Plutonium

Missile gap

dt.: Raketenlücke

Am 04.10.1957 startete die Sowjetunion den Sputnik-1. Dies löste in der westlichen Welt einen „Sputnik-Schock“ aus. In der Folge sprach man im Westen von einer Raketenlücke, die USA hätten zu wenige Interkontinentalraketen. Dazu gab es Geheimdienstberichte, Zeitungsartikel und Senatsdebatten. Das alles hielt eine Atmosphäre der Hysterie aufrecht, die sogar zu Kapitulationsdebatten im US-Senat führte und in Hamsterkäufen zur Zeit der Kubakrise gipfelte.
Es war John F. Kennedy, der während der Präsidentschaftswahlen die "Raketenlücke" (missile gap) beschwor. Allein in der Wahlkampfbroschüre des Präsidentschaftskandidaten stand zweimal das Wort Raketenlücke (missile gap).

Die Raketenlücke stand keinesfalls mit den Realitäten im Einklang. Über die Wirklichkeit hätte John F. Kennedy sehr wohl unterrichtet sein können. Im Sommer 1957 lagen die ersten Fotos von Startrampen für Interkontinentalraketen vor. Zuerst Spionageflüge mit der U-2, dann Spionagesatelliten lieferten die Information über die strategischen Kapazitäten der UdSSR. Gerade einmal 25 Startrampen gab es im Juni 1964! Der Verrat von militärischen Geheimnissen durch Oleg Penkowskij lieferte weitere Daten. Als Verteidigungsminister McNamara am 07.02.1961 die Katze aus dem Sack ließ wurde klar, dass die Unwahrheit gesagt worden war.

Es hat also nie eine Raketenlücke seitens der USA gegeben. Die Raketenlücke erwies sich als ein Beispiel von Meinungsmanipulation mit weit reichenden Folgen - vor allem eines erheblichen Wettrüstungsschubes. (Quelle: www.peterhall.de)

Bearbeitungsstand: Mai 2007

Siehe auch: Interkontinentalrakete

Mittelstreckenmarschflugkörper

engl.: Medium Range Cruise Missile (MRCM)

Die US-amerikanischen Tomahawk Marschflugkörper werden in Verbindung mit dem NATO-Doppelbeschluss von 1979 den Mittelstreckenraketen zugeordnet.

Im Gegensatz zu den Mittelstreckenraketen verfügen sie aber über keinen Raketenantrieb und fliegen auch nicht auf ballistischen Bahnen. Die Tomahawk Marschflugkörper haben jedoch vergleichbare Reaktionszeiten, eine entsprechende Treffgenauigkeit sowie vergleichbare Angriffsreichweiten. In den 1980er Jahren waren diese Waffensysteme vorübergehend auch in der Bundesrepublik Deutschland stationiert.

Mittelstreckenmarschflugkörper werden auch von anderen Staaten entwickelt und einsatzbereit gehalten. So gab Pakistan im Dezember 2007 den erfolgreichen Test einer »medium-range Cruise Missile« bekannt. Die neue Version der »Babur Missile« verfügt über eine Reichweite von ca. 700 km und kann mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden. Damit kann Pakistan strategische Ziele bis tief im Inneren Indiens erreichen. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss

Mittelstreckenrakete

engl.: Medium Range Ballistic Missile (MRBM)

Hierbei handelt es sich um eine ballistische Rakete von mittlerer Reichweite, die in der Lage ist, ABC-Gefechtsköpfe auf eine Entfernung zwischen 1000 und 2700 km ins Ziel zu tragen. Ihre Startvorrichtungen können stationär (Silo) oder beweglich (Fahrzeug, Schiff, Flugzeug) sein. (LL)

Bearbeitungsstand: Februar 2005

Montabaur

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Das Sondermunitionslager Montabaur befand sich ca. 5 km südwestlich von der Stadt Montabauer in Rheinland Pfalz (50°24’55“N, 07°46’12“O ). In diesem Lager waren ausschließlich die atomaren Sprengköpfe für das in Montabaur stationierte Raketenartilleriebataillon 350 gelagert. Dabei handelte es sich zunächst ab 1965 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Sergeant« und ab 1977 um Sprengköpfe für die Kurzstreckenrakete »Lance«.

Die Sergeant war mit dem Nukleargefechtskopf W52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte.

Die Lance war mit dem Nukleargefechtskopf W70 ausgerüstet, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügte.

Das Lager wurde vermutlich im Jahr 1991 geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
siehe auch: Sondermunitionslager

Monte Bello

Die Montebello-Inseln liegen etwa 80 km nordwestlich vor der australischen Küste. Hier führte Großbritannien im Jahr 1952 insgesamt 3 Atomtests durch. Die erste britische Atombombe vom Typ »Hurricane« explodierte am 10. März 1952. Weitere Tests folgten im Mai und Juni mit größeren Bomben (ca. 60 KT). Nach den Tests stieg die Belastung mit radioaktivem Jod durch den Fallout an einem Messpunkt in über 3200 km Entfernung auf mehr als das Vierhundertfache.(Quelle: www.maraba.de)

Bearbeitungsstand: Oktober 2008

siehe auch: Fallout
siehe auch: KT (Kilotonne)

Montebello-Beschluss

engl.: Montebello Decision on reductions of Nuclear Forces

Im Oktober 1983 fand eine Ministersitzung der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO in Montebello statt. Der während der Tagung gefasste Beschluss (Montebello-Beschluss) sah eine weitere drastische Reduzierung der nuklearen Gefechtsköpfe der NATO in Europa vor, und zwar um 1400 Gefechtsköpfe spätestens bis Ende 1989. Die in Europa gelagerten Atomminen (ADM) und das atomare Luftverteidigungssystem Nike wurden in Folge des Beschlusses vollständig abgezogen. Zusammen mit den 1000 nuklearen Gefechtsköpfen, die bereits 1980 aus Europa abgezogen worden waren, verringerte sich das Nuklearpotential der NATO in Europa um ca. 30 % und erreichte damit den niedrigsten Stand seit den 1960er Jahren.

Im Kommunique der NATO-Ratstagung vom 27./28.10.83 heißt es aber auch: »Damit dieser auf ein Mindestmaß zurückgeführte Bestand [an Nuklearwaffen] den bestmöglichen Beitrag zur Abschreckung leisten kann, müssen sowohl die Trägersysteme als auch die Gefechtsköpfe überlebensfähig, reaktionsfähig und wirksam sein. In dieser Erkenntnis haben die Minister sich über eine Reihe von möglichen Verbesserungen verständigt«. (Bulletin, 3. November 1983, Nr. 115, S. 1047).

In Montebello wurde also nicht nur der Abzug von 1400 veralteten Atomsprengköpfen festgelegt, sondern auch die weit reichende Modernisierung des verbleibenden Bestandes beschlossen. (LL)

Bearbeitungsbestand: März 2009

Moorriem

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Moorriem (53°12’32“N, 08°22’00“O) der 1. Batterie des FlaRakBtl 24 lag ca. 12 km nordöstlich der Stadt Oldenburg in  Niedersachsen. Die dort ab April 1964 stationierte Batterie war zuvor vom Fliegerhorst Oldenburg nach Moorriem verlegt worden. Die Stellung bestand aus drei getrennten Bereichen: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe. Während die Raketen in Montagebunkern oder auf durch Erdwälle geschützten  Abschussschienen bereit gehalten wurden, lagen die Radaranlagen in exponierter Stellung und konnten nur mit Sandsäcken oder Konturen verwischender Tarnung ungenügend geschützt werden. Zum Eigenschutz vor allem gegen angreifende Tiefflieger, wurden die Stellungen später zusätzlich mit 20mm Zwillingsgeschützen ausgestattet.

In der Stellung Mooriem waren von 1964 bis 1988 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht.

Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 KT und zwei XL mit 40/20 KT Sprengkraft. (Quelle: Jürgen Dreifke)

Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Die vier Batterien des FlaRakBtls 24 [mit den Feuerstellungen Moorriem, Schönemoor, Westerscheps und Ristedt] befanden sich in unterschiedlichen Bereitschaftsstufen mit einer Reaktionszeit von maximal 30 Minuten, maximal 3 Stunden, maximal 12 Stunden und mehr als 12 Stunden. Innerhalb einer Batterie hatten mindestens zwei Abschussplätze den selben Bereitschaftsgrad. Konnte eine der Batterien aus technischen Gründen den Bereitschaftsgrad nicht einhalten, dann rückten die anderen Batterien eine Einsatzstufe nach oben. Abhängig vom Bereitschaftsgrad war die Stellung im Schichtbetrieb ständig besetzt und einsatzbereit. Dazu gab es in der Batterie drei Kampfbesatzungen für den Feuerleit- und Abschussbereich, die sich in einem System von 48-Std-Schichten während der Woche und 72-Std-Schichten am Wochenende abwechselten.

Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve.

Soweit mir bekannt, befanden sich in allen Nike-Stellungen der Bundesluftwaffe atomare Gefechtsköpfe.“ (Michael Juhls)

Bearbeitungsstand: Januar 2010

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: KT (Kilotonne)

siehe auch: Nike Hercules

Moratorium

engl.: moratorium

Moratorium (lat. mora, der „Verzug“) bezeichnet allgemein die Übereinkunft, eine bestimmte Sache aufzuschieben oder vorläufig zu unterlassen. Im Zusammenhang mit Nuklearwaffen versteht man unter einem Moratorium die vorübergehende oder unbefristete Aussetzung von atomaren Testversuchen. Bereits 1985 erklärte die damalige Sowjetunion ein einseitiges sechsmonatiges Atomtest-Moratorium, setzten ihre Tests später aber fort.

Ein erster Versuch die Testserien zu stoppen erfolgte im Jahre 1966. Allerdings ist diese Moratorium von den Franzosen (Moruroa 1966–1974 und wieder  1986-1995) nicht eingehalten worden. Aber auch die Amerikaner und die Russen führten während des Moratoriums weitere unterirdische Tests durch, mit der Begründung, diese Tests seien von dem Verbot nicht betroffen.

Seit 1992 halten die USA ein entsprechendes Atomtest-Moratorium ein. Die Sowjetunion bzw. Russland testete zuletzt 1990, Großbritannien 1991. Der bislang nicht in Kraft getretene Atomteststoppvertrag von 1996 führte zu einem allgemein anerkannten Atomtest-Moratorium. Allerdings verstießen nach Indien und Pakistan 1998 auch Nordkorea 2006 und 2009 gegen dieses weltweite Moratorium. Eine Ratifizierung des Atomteststoppvertrages ist wegen dieser Ereignisse bis auf weiteres nicht in Sicht. (LL)

Bearbeitungsstand: November 2009

siehe auch Atomteststopp

MORRISON Philip

1915 - 2005

Philip Morrison wurde am 7. November 1915 in Somerville im US-Bundesstaat New Jersey geboren. Wegen einer Erkrankung an Kinderlähmung benötigte er zeitlebens einen Stock als Stütze. Er studierte Physik und promovierte 1940 bei Robert Oppenheimer. Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde er zur Mitarbeit am Manhattan-Projekt verpflichtet. Er war der Mann für die heikelsten Experimente beim Atombombenbau in Los Alamos. Beim ersten Test in der Wüste von New Mexico transportierte er eigenhändig den Plutoniumkern zum Versuchsgebiet. Und Hand legte er auch an die Bombe »Fat Man«, die wenige Wochen später über Nagasaki explodierte. Die atomare Wüstenei, die der US-Physiker kurz darauf vor Ort begutachten musste, verschaffte ihm den »Schock meines Lebens«. Wie so viele seiner Kollegen wurde auch Morrison, der als Student an der Universität in Berkeley nicht zuletzt wegen seines Flirts mit der kommunistischen Partei als Unruhestifter bekannt war, fortan zum heftigen Kritiker atomarer Rüstung und widmete sich nur noch der Forschung und Lehre. Philip Morrison starb am 22. April 2005 in Cambridge, Massachusetts im Alter von 89 Jahren. (Quelle: Der Spiegel, 18/2005 vom 2.5.2005, S. 186)

Bearbeitungsstand: September 2008

Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe

siehe auch: Fat Man
siehe auch: Los Alamos
siehe auch: Manhattan-Projekt
siehe auch: Nagasaki
siehe auch: OPPENHEIMER J. Robert

Moruroa und Fangataufa

Moruroa-Atoll

Auf den Atollen Fangataufa und Moruroa fanden insgesamt 197 Atomwaffentests statt, welche die Umwelt des Archipels radioaktiv versuchten und seine Bevölkerung gefährlichen Strahlendosen aussetzten.


Hintergrund
Zwischen 1966 und 1996 führte die französische Regierung trotz internationaler Kritik 197 Atomwaffentests auf Atollen in Französisch-Polynesien durch: 42 atmosphärische und 141 unterirdische Tests auf Moruroa, 5 atmosphärische und 9 unterirdische Tests auf Fangataufa. Während man anfangs die Bomben noch auf Booten in der Lagune zur Detonation gebracht hatte, wurden spätere Tests aufgrund der erheblichen Mengen an radioaktivem Niederschlag, die dabei entstanden waren, mit Sprengköpfen durchgeführt, die unter Ballons hingen. Zudem ging man ab 1975 zu Detonationen in Bohrschächten über, die tief in das Basaltgestein der Atolle getrieben wurden. Während der dreißigjährigen Ära der Atomwaffentests auf den Atollen lebten im Umkreis etwa 5.000 Menschen. Am stärksten von den Tests betroffen waren die nur 100 km entfernten Inseln Mangareva und Tureia, welche 1968 wegen des hohen radioaktiven Niederschlags evakuiert werden
mussten. Mehrere Unfälle erhöhten zudem die Exposition der Bevölkerung: Im Juli 1966 brach eine Atombombe auf der Oberfläche des Moruroa-Atolls auseinander und setzte große Mengen Plutonium-239 frei.
Die Explosion einer 120 Kilotonnen-Bombe im Juli 1979 auf Moruroa verursachte einen Erdrutsch, setzte große Mengen an Strahlung in den Ozean frei und löste einen gigantischen Tsunami aus, der viele Inseln des Archipels schwer verwüstete. Im Frühling 1981 wurde Moruroa zudem von Wirbelstürmen heimgesucht, die radioaktiven Müll und einen Großteil des 1966 freigesetzten Plutoniums ins Meer spülten.


Folgen für Umwelt und Gesundheit

Moruroa und Fangataufa wurden durch die Atomwaffentests mit hoch radioaktivem Niederschlag überzogen, dem sogenannten 'Fallout'. Auch umliegende Inseln wurden davon schwer in Mitleidenschaft gezogen. Wissenschaftler des französischen Militärs fanden auf Mangareva hohe Strahlenwerte in Fischbeständen, sowie Wasser-, Luft- und Bodenproben. Auf der Insel kultivierter Salat wies eine Radioaktivität von bis zu 650.000 Bq/kg auf. Je nach vorherrschender Isotope würde ein Erwachsener durch den Verzehr eines Kilo dieses Salats eine interne Strahlendosis von etwa 40-70 mSv aufnehmen, also mehr als das 100- bis 200-fache der normalen Strahlendosis, die ein Mensch pro Jahr durch Nahrungsmittel zu sich nimmt (ca. 0,3 mSv/a). Ein Kind würde durch die selbe Menge Salat etwa die doppelte interne Strahlendosis erhalten.Zwischen 1966 und 1975 wurde zudem
an allen Strahlenmesstationen in Neuseeland, Fiji, Samoa, Tonga und Tahiti und bis nach Peru und Mexiko erhöhte Werte an Radioaktivität gemessen.
Nach der Detonation einer 120 Kilotonnen-Bombe auf Moruroa im Jahr 1966 fiel zudem radioaktiver Niederschlag auf Samoa, was kurzfristig zu einer Erhöhung der dortigen Strahlenkonzentration auf das 1.850-fache führte (von 0,2 Gbq/km2 auf 370 GBq/km2).
Ein ähnlicher radioaktiver Niederschlag ereignete sich 1974 auf Tahiti. Dennoch wurden aufgrund strikter militärischer Sperrmaßnahmen kaum Gesundheitsdaten erhoben oder publiziert. Nur vier wissenschaftliche Studien geringen Umfangs wurden in den letzten Jahren genehmigt. Diese fanden hohe Mengen der radioaktiven Stoffe Tritium, Jod-131 und Cäsium-134 in Sediment- und Wasserproben und sogar noch höhere Werte im Plankton, so dass eine Anreicherung in der marinen Nahrungskette zu befürchten ist.
Während schwere Stoffe wie Uran oder Plutonium in unmittelbarer Nähe zum Ort der Detonation gefunden wurden, waren leichte Radionuklide wie Tritium, Cäsium-137 und Strontium-90 mit der Strömung aufs offene Meer verteilt worden. Eine Studie der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) fand im Sediment der beiden Lagunen allein für Plutonium eine Gesamtaktivität von 30.000 GBq (Giga = Milliarde), also schätzungsweise eine Menge von 15 kg.
Bereits einige Milligramm sind für den Menschen tödlich, ein Mikogram kann zu Nierenschäden, Lungen- und Leberkrebs führen. Mit der Zeit wurde ein graduelles Absinken der Strahlenkonzentration gezeigt. Dies legt nahe, dass über unterirdische Erdspalte ein Verteilungseffekt in den Ozean stattfindet. Es wird geschätzt, dass ca. 20 GBq Plutonium (etwa 10 g) pro Jahr ins Meer gelangen - gute Nachrichten für Moruroa und Fangataufa, aber böse Vorboten für den Rest der Region.


Ausblick
Im Jahr 1996 wurden die Atomwaffentests auf Moruroa und Fangataufa nach großen internationalem Druck eingestellt. Beide Atolle gelten bis heute als militärisches Sperrgebiet. Aufgrund ihrer langen Halbwertszeit von etwa 30 Jahren befindet sich noch immer mehr als die Hälfte des freigesetzten Strontium-90 und Cäsium-137, sowie fast das gesamte Plutonium in der Umgebung der Atolle. Auch lagert eine noch unbekannte Menge an radioaktivem Material in den Bohrschächten. 1998 gab der damalige französische Gesundheitsminister zu, dass die Bevölkerung der Inseln Tureia, Reao, Pukarua, Mangareva und Tahiti von radioaktivem Niederschlag der Atomtests betroffen waren.
Infolgedessen verabschiedete das französische Parlament im Juni 2010 ein Gesetz zur Kompensation von Inselbewohnern, bei denen Krebserkrankungen aufgetreten waren. An aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien mangelt es jedoch weiterhin. Nur unabhängige epidemiologische Untersuchungen bei uneingeschränktem Zugang zu bislang geheimen Dokumenten, sowie die Entnahme von Luft-, Wasser- und Bodenproben auf Moruroa und Fangataufa könnten dazu beitragen, die tatsächlichen Folgen der Atomwaffentests für die Umwelt und die Menschen des Archipels festzustellen. Auch diese Menschen sind Hibakusha an – auch sie sind Opfer von Atombomben. (Quelle: Ausstellung “Hibakusha weltweit”)
Bearbeitungsstand: April 2014

Moskauer Vertrag

engl.: Strategic Offensive Reductions Treaty (Abk.: SORT)

Putin und Bush unterzeichnen den Moskauer Vertrag, 2002, Foto: White House

Im Mai 2002 unterzeichneten die Präsidenten der USA und Russlands, George W. Bush und Vladimir Putin, als Ersatz für das gescheiterte START-II-Abkommen, den SORT-Vertrag, auch Bush-Putin-Abkommen genannt. Gemäß diesem Vertrag müssen die beiden Länder die stationierten strategischen Atomwaffen bis zum Jahr 2012 auf jeweils höchstens 1.700 bis 2.200 reduzieren. Der Vertrag ist für viele Experten das Papier nicht Wert, auf das er geschrieben wurde. So enthält er keinen Zeitplan für die Abrüstung, sieht keinerlei Verifikationsmaßnahmen vor und endet am selben Tag, an dem er erfüllt werden muss, also am 31. Dezember 2012. Die "abgerüsteten" Systeme brauchen nicht verschrottet sondern lediglich in ein Lager verbracht zu werden. Überdies kann der Vertrag jederzeit mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden. (RH)

Bearbeitungsstand: Dezember 2005

siehe auch: START-II-Vertrag
siehe auch: Strategische Atomwaffen
siehe auch: Verifikation

MOX

engl.: mixed oxide

Ein Mischoxid (kurz MOX) ist ein Stoff, der sich aus mehreren Oxidenen zusammensetzt. Ein Beispiel aus der Kerntechnik sind die MOX-Brennelemente, die aus Urandioxid UO2 und Plutoniumdioxid PuO2 besteht. Sie werden heute in verschiedenen Ländern (vor allem Frankreich und Deutschland, aber auch Schweiz, Belgien) in Kernreaktoren eingesetzt, um das bei der Wiederaufarbeitung abgetrennte Plutonium zu verwerten und dabei gleichzeitig für Kernwaffen weitgehend unbrauchbar zu machen.

Auch wenn häufig der Begriff Mischoxid mit dem Uran-Plutonium-Gemisch gleichgesetzt wird, gibt es noch viele weitere Mischoxide. (Quelle: mox.lexikona.de, Seite nicht mehr online)

Bearbeitungsstand: April 2007

siehe auch: MOX-Anlage
siehe auch: Plutonium

MOX-Anlage

Dient der Herstellung von Mischoxid- (MOX-) Brennstoff. Er besteht aus einer Mischung von Uranoxid und Plutoniumoxid. Zur Herstellung von MOX muss zunächst Plutonium in einer Wiederaufarbeitungsanlage aus abgebrannten Brennelementen herausgetrennt werden. Das Plutonium wird in der MOX-Fabrik zunächst gemahlen, danach mit Uran gemischt, zu Tabletten gepresst und in einem Sinterofen gebrannt. Anschließend werden die Tabletten (Pellets) auf eine bestimmte Größe geschliffen und in Brennstäbe gefüllt. Mehrere Brennstäbe werden zu einem Brennelement zusammen montiert.

Die Gewinnung von Plutonium durch Wiederaufarbeitung mit anschließender Fertigung von Plutonium-Brennstoff in MOX-Anlagen und dem Einsatz in Schnellen Brütern oder Leichtwasserreaktoren wird als „Plutoniumwirtschaft“bezeichnet. Wichtig ist, dass es keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen „zivilem“ und „militärischem“ Plutonium gibt. Während in der zivilen Plutoniumwirtschaft tonnenweise Plutonium anfällt, wird im militärischen Bereich für den Bau einer Atombombe nur eine Menge von 10 Kilogramm Plutonium oder weniger benötigt. Daraus folgt, dass der Besitz einer MOX-Anlage und deren missbräuchliche Verwendung jeden Staat in die Lage versetzen, sich das für den Atombombenbau notwendige Plutonium in beliebigen Mengen zu beschaffen. (Günther/Heidel/Wollenteit/Hack: „Expertise: Export der Hanauer MOX-Brennelementefabrik nach China“, Hamburg 2003.)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

siehe auch: Plutonium

MRBM

engl.: Medium Range Ballistic Missile

Hierbei handelt es sich um eine ballistische Mittelstreckenrakete von mittlerer Reichweite, die in der Lage ist, ABC-Gefechtsköpfe auf eine Entfernung zwischen 1000 und 2700 km ins Ziel zu tragen. Ihre Startvorrichtungen können stationär (Silo) oder beweglich (Fahrzeug, Schiff, Flugzeug) sein. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2006

siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss

MRCM

engl.: Medium Range Cruise Missile (MRCM)

Die US-amerikanischen Tomahawk Marschflugkörper werden in Verbindung mit dem NATO-Doppelbeschluss von 1979 den Mittelstreckenraketen zugeordnet.
Im Gegensatz zu den Mittelstreckenraketen verfügen sie aber über keinen Raketenantrieb und fliegen auch nicht auf ballistischen Bahnen. Die Tomahawk Marschflugkörper haben jedoch vergleichbare Reaktionszeiten, eine entsprechende Treffgenauigkeit sowie vergleichbare Angriffsreichweiten. In den 1980er Jahren waren diese Waffensysteme vorübergehend auch in der Bundesrepublik Deutschland stationiert.

Mittelstreckenmarschflugkörper werden auch von anderen Staaten entwickelt und einsatzbereit gehalten. So gab Pakistan im Dezember 2007 den erfolgreichen Test einer »medium-range Cruise Missile« bekannt. Die neue Version der »Babur Missile« verfügt über eine Reichweite von ca. 700 km und kann mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden. Damit kann Pakistan strategische Ziele bis tief im Inneren Indiens erreichen. (LL)

Bearbeitungsstand: September 2008

siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss

MRTNF

engl.: Abk. für: Medium Range Theater Nuclear Forces

Nukleare Gefechtsfeldwaffen können entsprechend ihrer Reichweite in drei Kategorien unterteilt werden:

  • Weit reichende Atomwaffen in und für Europa (LRTNF) sind Kernwaffen mit einer maximalen Reichweite von mehr als 100 km, aber weniger als 5500 km (=interkontinentale Reichweite).
  • Atomwaffen in und für Europa mit mittlerer Reichweite (MRTNF) haben eine Reichweite zwischen 200 und 1000 km.
  • Kurzstreckenatomwaffen in und für Europa (SRTNF) haben eine Reichweite bis zu 200 km.

Während des Kalten Krieges waren MRTNF Waffen in Europa zur Unterstützung von militärischen Operationen der NATO auf der Ebene von Armeekorps oder im Falle der Sowjetunion auf der Ebene der Front vorgesehen. (SIPRI Atomwaffen in Europa, Rüstungsjahrbuch '82/83, S. 39f.)

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: LRTNF
siehe auch: SRTNF

MRV

engl.: Multiple Reentry Vehicle

Bezeichnung für zwei oder mehr mit einem ballistischen Flugkörper eingesetzte Wiedereintrittskörper, die über einen atomaren Gefechtskopf verfügen und in einem „Bus“ von einem Flugkörper transportiert werden. Anders als bei MIRV werden die MRV gemeinsam ausgestoßen und folgen einer ballistischen Flugbahn. Dadurch können sie wirksamer auf ein großes Flächenziel verteilt werden. Die USA führten Ende der sechziger Jahre mit dem SLBM Polaris AkDS-3 den ersten einsatzfähigen ballistischen Flugkörper mit MRV ein. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 96.)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004.

Siehe auch: Ballistischer Flugkörper
Siehe auch: BUS
Siehe auch: MIRV

MT (Megatonne)

Die Explosionsenergie (Detonationswert) wird in den Maßeinheiten Kilotonne (KT) und Megatonne (MT) angegeben. Eine Megatonne bezeichnet die Energie, die von 1. Million Tonnen TNT (Trinitrotoluol) freigesetzt wird. Die über Hiroshima abgeworfene Atombombe hatte einen Detonationswert von 12,5 KT (0,0125 MT). Die Nagasaki-Bombe hatte einen Detonationswert von 22 KT (0,022 MT). (Anmerkung: 200 g TNT reichen aus, um einen Menschen zu töten!) (LL)

Bearbeitungsstand: Oktober 2004

siehe auch: KT (Kilotonne)
siehe auch: TNT (Trinitrotoluol)

MTCR (Raketentechnologie-Kontrollregime)

engl. Abkürzung für Missile Technology Control Regime

https://2009-2017.state.gov/t/isn/

Das MTCR ist ein informeller politischer Zusammenschluss von Staaten, mit dem Ziel, die Verbreitung von Raketen und Raketentechnologie zu verhindern. Die Organisation wurde 1987 von den G7 Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und USA) gegründet und hat heute 35 Mitglieder (Stand Juni 2017). Da es sich um eine freiwillige Vereinbarung handelt, werden den Staaten keine rechtlichen Verpflichtungen auferlegt.

Ursprünglich lag der Fokus auf der Kontrolle von Raketen für die Lieferung von Atomwaffen, wurde aber später auf Trägersysteme für alle Massenvernichtungswaffen (MVW) erweitert. Die teilnehmenden Staaten erkennen die Verbreitung solcher Waffen als eine Gefährdung für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit an. Durch Exportkontrollen, regelmäßige Treffen und Dialoge auch mit Staaten, die keine Mitglieder des MTCRs sind, soll der Verbreitung von Waffen entgegengewirkt werden.  

Auch wenn es kein rechtlich bindendes Abkommen zwischen dem MTCR und den Vereinten Nationen gibt, steht die Arbeit des MTCRs mit den Bemühungen um ein international wirksames Regime zur Nichtverbreitung und zur Waffenexportkontrolle im Einklang. ez (Quelle: MTCR)

Bearbeitungsstand: Juni 2017



Multilaterale Nuklearflotte

engl.: Multilateral Force (MLF)

Die Multilaterale Nuklearflotte war ein US-amerikanischer Vorschlag aus dem Jahr 1963, wonach eine Reihe von U-Booten und ca. 25 Kriegsschiffe der NATO mit Atomraketen ausgerüstet werden sollten. Bei den Raketen handelte es sich um Polaris-Raketen mit einer Reichweite von maximal 4500 km. Dadurch sollten die Nato-Staaten, die über keine eigenen Atomwaffen verfügten, die Möglichkeit erhalten, Zugriff auf Massenvernichtungswaffen zu bekommen. Es war vorgesehen, Raketen und Sprengköpfe in den gemeinsamen Besitz der beteiligten NATO-Staaten zu überführen und unter ein integriertes Kommando zu stellen. Der Vorschlag der USA scheiterte letztlich an der Kostenfrage, da sich nur die USA und die Bundesrepublik Deutschland bereiterklärten, einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Als Frankreich ab 1964 mit dem Aufbau einer eigenen NATO-unabhängigen Atomstreitmacht (Force de Frappe) begann und 1966 die militärischen Strukturen der NATO verließ, war das MLF-Projekt endgültig gescheitert. Obwohl der Aufbau einer NATO-Atomstreitmacht scheiterte, gelang es den NATO-Mitgliedern zumindest ab 1967 eine Nukleare Planungsgruppe (NPG) ins Leben zu rufen, allerdings ohne französische Beteiligung. Damit wurde deutlich, dass die NATO auf Dauer von den Atomwaffen der USA abhängig sein würde. (LL)

Bearbeitungsstand: April 2008

München-Hochbrück

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige Atomwaffenlager München-Hochbrück (48°13'57”N, 11°36'37”O) lag unmittelbar am nördlichen Stadtrand von München. In diesem SAS war bis 1968 die atomare Munition für die Honest John Einheiten der 24th US InfDiv. eingelagert. Dabei handelte es sich um Honest John Gefechtsköpfe vom Typ W-31 mit folgender Sprengkraft:
Version Mod.0 Y1: 2 KT
Version Mod.0 Y2: 40 KT
Version Mod.3 Y3: 20 KT

Über die Anzahl der eingelagerten Gefechtsköpfe sind keine Angaben verfügbar (LL)

Bearbeitungsstand: September 2012

siehe auch: Honest John Rakete

siehe auch: KT-Wert

 

Münsingen

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während des Kalten Krieges waren auch die französischen Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs in Süddeutschland gelegenen Feuerstellungen beteiligt. Dabei handelte es sich um die Standorte Böttingen, Friedrichshafen, Mengen, Münsingen, Stetten und Inneringen.

Die ehemalige Nike Stellung (Launching Area) Münsingen (48°25'27“N, 09°32'19“O) lag ca. 3 km nordöstlich von Münsingen in Baden-Württemberg. Die dort stationierte 4./521 SQN France war in drei getrennten Bereichen untergliedert: der Unterkunft, dem Feuerleitbereich in günstiger topografischer Lage mit bis zu 5 Radargeräten für Überwachung, Zielerfassung, Zielverfolgung und Flugkörperverfolgung und dem Abschussbereich mit jeweils 3 Abschussflächen und dazugehörigen Bunkern. In diesem Bereich befanden sich auch die Atomsprengköpfe.

In der Stellung Münsingen waren von 1965 bis 1966 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß 40 kT Sprengkraft. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. Für den Einsatz der Gefechtsköpfe gab es genau festgelegte Prioritäten. Beim Anflug eines einzelnen feindlichen Zielobjektes wurde ein kleiner atomarer Gefechtskopf (B-XS) eingesetzt. Beim Anflug mehrerer feindlicher Zielobjekte wurde soweit verfügbar ein großer atomarer Gefechtskopf (B-XL) eingesetzt. Die ebenfalls vorhandenen konventionellen Gefechtsköpfe dienten lediglich als Munitionsreserve. (Quellen: Jürgen Dreifke, Michael Juhls)

Mit dem Austritt Frankreichs aus der integrierten Befehlsstruktur der NATO am 1. Juli 1966 wurde die Stellung von den französischen Truppen geräumt. (LL)

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike Herkules
siehe auch: KT-Wert

Münster-Dieburg

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Das ehemalige atomare “Versorgungslager Munition” (VLM) Münster-Dieburg (49°55'57“N, 8°48'41“O) lag ca. 13 km nordöstlich der Stadt Darmstadt in Hessen. Während des Kalten Krieges gehörte es zu den 10 US-Hauptlagern für Atomwaffen in der Bundesrepublik Deutschland.

Neben NATO Site 4 und 5 war es das wichtigste und zugleich größte Nachschubdepot für Sonderwaffen im Bereich des “Fulda-GAP”. Hier lagerten unterschiedliche Gefechtsköpfe, angefangen von ADM's verschiedener Größe bis zu nuklearer Munition für die Rohrartillerie. Die Munition wurde anfangs in speziellen Bereichen und Bunkern gelagert, die bereits in der Zeit des 2. Weltkrieges genutzt wurden. Ende der 1970er begannen dann hier wie auch an anderen Standorten die Planungen, Sonderwaffen künftig nur noch in speziell gesicherten Depots zu lagern. So wurde Anfang der 1980er Jahre innerhalb des bereits vorhandenen Munitionslagers das Special Weapons Depot eingerichtet.
(Quelle: Entwicklungsgesellschaft Fulda-GAP e.V. (EFG e.V.))

Bearbeitungsstand: Januar 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Fulda Gap
siehe auch: ADM

Münster-Handorf

ehem. Atomwaffenstandort Deutschland

Im Rahmen der großräumigen Luftverteidigung Europas während der Zeit des Kalten Krieges, waren auch die niederländischen Streitkräfte mit mehreren Verbänden an dem, quer durch Deutschland verlaufenden, Nike-Herkules Flugabwehrgürtel beteiligt. Dieses Waffensystem hätte im Ernstfall, zur Abwehr der östlichen Bomberflotten, über dem eigenen Territorium in großer Höhe Nuklearexplosionen ausgelöst. 1988 kam das Ende dieser Phase – aufgrund eines NATO-Beschlusses hat man die zugeordneten Nuklearwaffen abgezogen.

ehem. Atomwaffenstandort Münster-Handorf. Bild: Digital GlobeDie ehemalige niederländische Nike Feuerstellung (Launching Area) Münster-Handorf (51°59'49“N, 07°44'06“O) lag auf einem ehemaligen Fliegerhorst ca. 8 km nordöstlich der Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen. Hier war ab 1959 die B-Battery des 119. Squadrons stationiert, die vom  Alpha-Team der 509th Artillery Detachment/USAAD unterstützt wurde. (LL)

In der Stellung waren ständig atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. In der Regel  waren zwei Versionen von Atomsprengköpfen in der Stellung vorhanden. Die kleinere, mit der Bezeichnung B-XS, hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklearsprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft. (Jürgen Dreifke)

Die Raketenbatterie war bis 1975 aktiv. Im Rahmen einer Umstrukturierung wurde die Nike-Batterie aus Handorf abgezogen. Heute wird das Gelände von der Bundeswehr als Standortübungsplatz genutzt. (LL)

Bearbeitungsstand: Juni 2012

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Nike-Herkules
siehe auch: KT-Wert


Mutlangen

ehem. Atomwaffenstandort, Deutschland

Blockade in Mutlangen

Das US-Sonderwaffenlager Mutlanger Heide (48°48’54”N, 09°48’22”O) unmittelbar am südlichen Ortsrand von Mutlangen gelegen, befand sich nur knapp 2 km nördlich der Stadt Schwäbisch Gemünd in Baden-Württemberg. Als am 25. November 1983 als Folge des NATO-Doppelbeschlusses die ersten Pershing-II-Raketen in Deutschland eintrafen, wurden diese unverzüglich in das Depot (MSA, Mutlangen Storage Area) gebracht.

Insgesamt kamen 108 Pershing-II-Raketen mit den dazugehörigen Gefechtsköpfen nach Deutschland. Ferner wurde 12 Trainingsraketen (nicht einsetzbar und ohne atomare Gefechtsköpfe) für Ausbildungs- und Übungszwecke der zuständigen Artillerieeinheiten geliefert.

Von Mutlangen aus wurden die Pershing-II-Raketen (jeweils 36 Stück) an die drei Einsatzorte: Inneringen (48°10’39”N, 09°17’14”O), Kettershausen (48°12’36”N, 10°14’36”O) und Waldheide-Heilbronn (49°07’44”N, 09°16’30”O) weitergeleitet.

Die Stationierung der Pershing-II-Raketen führte zu heftigen Protesten und Blockaden durch die Friedensbewegung. In Mutlangen blockierten Demonstranten wiederholt die Zufahrt zu den US-Einrichtungen. Unter den Demonstranten waren auch zahlreiche bekannte Namen wie Oskar Lafontaine, Walter Jens sowie Petra Kelly. Sie alle versammelten sich unter dem Slogan „Unser Mut wird langen – nicht nur in Mutlangen“.

Nach Ende des Kalten Krieges wurde das Lager geräumt und das Gelände an die Gemeinde Mutlangen übergeben. (LL)

Beabeitungsstand: November 2009

Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland

siehe auch: Kalter Krieg
siehe auch: NATO-Doppelbeschluss
siehe auch: Pershing-II-Rakete

Mutlanger Manifest

engl.: Mutlangen Manifesto

Der Bürgermeister von Mutlangen Peter Seyfried (CDU), der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd Wolfgang Leidig (SPD) und der Landrat des Ostalbkreises Klaus Pavel (CDU) haben im Dezember 2007 mit dem Mutlanger Manifest den INF-Vertrag gewürdigt. Sie fordern darin, den Erhalt des Abrüstungsvertrages und weitergehend den Abzug der letzten US-amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland.

Dokument als pdf-Datei

Bearbeitungsstand: April 2008

siehe auch: INF-Vertrag

MX-Rakete

engl.: MX missile, Peacekeeper missile

Die MX-Rakete, auch Peacekeeper-Rakete genannt, war eine vierstufige Interkontinentalrakete, die aus unterirdischen Silos abgefeuert wurde. Sie konnte bis zu elf Wiedereintrittskörper (Re-entry Vehicle) vom Typs Avco MK 21 tragen, in denen sich bis zu zehn Atomsprengkörper befanden. Mit der Peacekeeper konnten individuelle Ziele angegriffen werden. Diese Rakete verfügte über die höchste Treffgenauigkeit aller US-amerikanischen Interkontinentalwaffen.

Die einzelnen Atomsprengkörper wurden während des Fluges in einem speziellen Wiedereintrittskörperträger transportiert. Im Zielgebiet konnten die Wiedereintrittskörper einzeln auf ihre jeweilige ballistische Flugbahn eingesetzt werden.

In Zeiten des Kalten Krieges zielten diese Raketen vorrangig auf Ziele in der ehemaligen Sowjetunion. Weil ihr Standort an Land dem potentiellen Gegner bekannt war, waren sie selbst Ziele für sowjetische Interkontinentalraketen. Daher stationierten die US-Streitkräfte einen Teil ihrer Nuklearraketen an Bord von U-Booten der Ohio-Klasse, die versteckt durch die Weltmeere tauchten.

Die Peacekeeper war Teil des Abrüstungsprogramms von strategischen Nuklearwaffen im Rahmen des START-II-Vertrags (Strategic Arms Reduction Treaty). Im Oktober 2002 begann die US-Air Force mit der Reduzierung des Waffensystems. Im September 2005 wurde die letzte Peacekeeper deaktiviert.


Technische Daten

Antrieb: Stufe 1-3: Festbrennstoff
Stufe 4: lagerfähiger Flüssigtreibstoff
Maße: Länge gesamt: 21,8 m
Durchmesser: 2,3 m
Gewichte: Gesamtgewicht: ca. 88.450 kg
Reichweite: 9700 km
Geschwindigkeit: 15.000 Meilen pro Stunde (ca. 20fache Schallgeschwindigkeit)
Flughöhe: ca. 215 km (700.000 Fuß)
Zielgenauigkeit: 120 m (Circular Error Probable)
Sprengköpfe: W-87 Sprengkopf 300KT

Bearbeitungsstand: Februar 2007

siehe auch: CEP-Wert

Myanmar

(Umgangssprachlich: Burma, Birma, engl. Myanmar)

Flagge von Myanmar Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Flag_of_Myanmar.svg

Myanmar ist Unterzeichner des Abkommens über eine atomwaffenfreie Zone in Südostasien. 1992 wurde es außerdem Vertragsstaat des Atomwaffensperrvertrages und 1995 trat es dem „Small Quantities Protocol“ der IAEO bei. Das Zusatzprotokoll der IAEO zum Atomwaffensperrvertrag, welches als wirksames Mittel zur Überprüfung der Implementierung des Vertrages dienen soll und die IAEO mit weitergehenden Rechten ausstattet, wurde von Myanmar schließlich im September 2013 unterzeichnet. Ratifiziert wurde das Zusatzprotokoll bis heute nicht. Am 7. Juli 2017 stimmte Myanmar dem Vertragsentwurf des Atomwaffenverbotsvertrages zu.

Trotz der Bekennung Myanmars zu diversen Verträgen über die Abrüstung von Atomwaffen hat es immer wieder Gerüchte über ein angebliches Nuklearprogramm Myanmars gegeben, besonders im Jahre 2010, als die in Norwegen ansässige oppositionelle Organisation „Democratic Voice of Myanmar“ behauptete, Myanmars Militärjunta arbeite an der Entwicklung von Atomwaffen. Auch die militärischen Verbindungen zu Nordkorea, auf die damals eine Vielzahl von Berichten hindeuteten, bestärkten den Verdacht, den die internationale Presse und Regierungen ebenfalls teilten. Nordkorea und Myanmar bestritten jedoch beide die Existenz einer militärischen Zusammenarbeit.
Weiterhin sorgten auch Verbindungen zu Russland für Misstrauen. Einzelne Nichtregierungsorganisationen berichteten, dass myanmarisches Militär an russischen Eliteinstituten über Atom- und Raketentechnologie ausgebildet wurden.

Berichte zur genaueren Überprüfung der Vorwürfe lieferten das Ergebnis, dass Myanmar noch weit vom Bau einer Atombombe entfernt war und es fraglich blieb, ob das Land tatsächlich ernsthaftes Interesse an Atomwaffen hatte.

Dass Myanmar in der Lage sein könnte, eine Atombombe zu bauen, ist allerdings angesichts der wenig entwickelten technischen und wissenschaftlichen Infrastruktur des Landes unwahrscheinlich. Weiterhin sprechen die nachlassenden Vorwürfe der letzten Jahre sowie Myanmars positive Einstellung gegenüber dem Atomwaffenverbotsvertrag nicht für ein solches Vorhaben.

Bearbeitungsstand: Juli 2017

siehe auch: Burma