Chronik des iranischen Atomprogramms

1957 bis 2020

1957
Die USA und Iran unterzeichnen ein Abkommen über die Zusammenarbeit in Fragen der zivilen Nutzung von Nukleartechnologie. [Kordesman/Al-Rhodan, Seite 100 ff.]

1959
Präsident Dwight D. Eisenhower schenkt der Universität Teheran im Rahmen des „Atoms for Peace“-Programms einen Forschungsreaktor. [Kordesman/Al-Rhodan, Seite 100 ff.]

1967
Die USA liefern einen Fünf-Megawatt-Forschungsreaktor (Leichtwasserreaktor) und nuklearen Brennstoff an Iran. Der Reaktor wird im Teheran Nuclear Research Center (TNRC) in Betrieb genommen. [NTI]

1968
01.07. Der Iran unterzeichnet den Atomwaffensperrvertrag (NPT) als einer der ersten Nichtatomwaffenstaaten. [NTI]

1970
Iran ratifiziert den NPT; der Vertrag tritt in Kraft. [NTI]

1974
21.03. Mohammad Reza Schah erklärt: „Wir werden so rasch wie möglich die Atomenergie und alternative Energiequellen nutzen, um Öl für die Herstellung chemischer und petrochemischer Produkte zu reservieren. Wir sollten Öl, diese kostbare Substanz, nicht einfach als gewöhnlichen Brennstoff verwenden.“[Gholam Reza Afkani, Seite 346]

Die zivile Atomenergieorganisation Irans (AEIO) wird gegründet.[NTI]

Der Iran stellt die Zahlung von einer Milliarde US-Dollar für den Bau der europäischen Anreicherungsanlage (Eurodif) zur Verfügung (der Betrag wurde 1977 nach dem Anstieg der Baukosten um weitere 180 Millionen US-Dollar erhöht; nach der islamischen Revolution 1979 stellte der Iran seine Zahlungen ein) und sichert sich damit das Vorkaufsrecht für 10 % der späteren Produktion. [Gholam Reza Afkani, Seite 355]

1975
Der US-amerikanische Außenminister Henry Kissinger unterzeichnet das „National Security Decision Memorandum 292“ zur US-amerikanisch-iranischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Nukleartechnologie. Es erläutert die Details des geplanten Verkaufs von Nukleartechnik im Wert von über 6 Milliarden US-Dollar an den Iran.[Gholam Reza Afkani, Seite 354]

Deutsche Ingenieure von der Kraftwerk Union (Siemens) AG beginnen mit dem Bau der Buschehr-Reaktoren.[Kordesman/Al-Rhodan, Seite 104]

1976

Iran trifft Vereinbarungen mit Frankreich über den Kauf französischer Reaktoren. [Kordesman/Al-Rhodan, Seite 105 ff.] Um die Versorgung der iranischen Reaktoren mit angereichertem Uran sicherzustellen bekam der Iran als Ergebnis von französisch-iranischen Verhandlungen einen zehnprozentigen Anteil an Eurodif, einem europäischen Unternehmen für Urananreicherung. [armscontrol]

Das Kooperationsabkommen mit der Bundesrepublik Deutschlands wird geschlossen.[Kordesman/Al-Rhodan, Seite 105]

Iran erwirbt Anteile an einer neu entdeckten Uranmine in Südwestafrika, heute Namibia, die von der britischen Rio Tinto Group und der deutschen Urangesellschaft betrieben wird. [Gholam Reza Afkani, Seite 355]

1979

Wegen der islamischen Revolution unter Ayatollah Chomeini und dessen Desinteresse der Kernenergie widerruft Teheran die Vereinbarung mit Eurodif und stellte seine Zahlungen ein. [armscontrol] Auch der Bau der Reaktoren bei Buschehr wird unterbrochen. [NTI]

Es wird angenommen, dass der irakische Einsatz von Chemiewaffen die Position des Ayatollah veränderten. Trotz der weiterhin verbreiteten Behauptung, dass Iran keine nuklearen Waffen bräuchte, setzte sich in bestimmten Kreisen die Notwendigkeit auf ein Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie durch. [Kordesman/Al-Rhodan, Seite 107]

1984
Der Iran beginnt mit der Inbetriebnahme eines neuen Forschungszentrums nahe Isfahan. [Kordesman/Al-Rhodan, Seite 108]

1987/88
Die Buschehr-Reaktoren werden durch irakische Luftangriffe schwer beschädigt. [Kordesman/Al-Rhodan, Seite 108 ff.]

1991
Es wird eine Einigung mit der französischen Regierung über die Rückzahlung der geleisteten Anzahlung an Eurodif und die Aufhebung der iranischen Rechte auf Lieferung angereicherten Urans erreicht: Frankreich erstattet dem Iran 1,6 Milliarden US-Dollar, umgekehrt verzichtet der Iran auf jegliche Lieferung angereicherten Urans. [armscontrol]

21.01. Der Iran unterzeichnet mit China einen Vertrag zum Bau eines weiteren kleinen 27-Kilowatt-Forschungsreaktors in Isfahan.[Kordesman/Al-Rhodan, Seite 110]

Iran bestätigt erst im Februar 2003, dass es 1991 eine Lieferung Natururan in Form von UF6, UF4 und UO2 bekommen hat. [IAEA Bericht GOV/2003/40]

1992

Russland und der Iran unterzeichnen ein bilaterales nukleares Kooperationsabkommen.[NTI]

1995
Iran und Russland schließen einen Vertrag über die Fertigstellung des Buschehr-Reaktors. [NTI]

1996

24. 09. Der Iran unterzeichnet den Kernwaffenteststopp-Vertrag. [CTBTO]

2002
Russische Techniker beginnen mit der Fertigstellung der Buschehr-Reaktoren. [Kordesman/Al-Rhodan, Seite 124]

Die kerntechnische Anlage zur Anreicherung von Uran in Natanz wird entdeckt und ihre Existenz von offizieller iranischer Seite bestätigt. [NTI]

Die Existenz der Anlage in Arak wird offiziell bestätigt. [NTI]

2003

Inspektion iranischer Atomanlagen durch die IAEA. [NTI] Mehr Infos unter „Chronik des Konfliktes“.

18.12. Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag. [NTI]

2005

01.08. Iran kündigt die Wiederaufnahme der Uranreicherung in Isfahan an. [NTI]

2006

28.06. Ahmadineschad weiht Fabrik zur Herstellung von schwerem Wasser in Arak ein. [NTI]

In Natanz wird die zweite Kaskade von 168 Gaszentrifugen in Betrieb genommen. [UNSC-Resolution 1737]

2009

September. Iran informiert über die Existenz einer weiteren Anage zur Urananreicherung in Fordo/Qom. [NTI]

2010

08.02. Iran kündigt in einem Brief an die IEAO die Anreicherung von Uran in der Anlage von Natans an. [IAEA]

17.05. Der Iran unterzeichnet mit der Türkei und Brasilien eine gemeinsame Erklärung, schwach angereichertes Uran in der Türkei gegen Brennstäbe mit auf 20 % angereichertem Uran zu tauschen. [NTI]

2011

Januar. Der Chef des iranischen Aromprogramms, Ali Akbar Salehi, gibt bekannt, dass der Iran in der Lage sei, Brennstäbe selber zu produzieren. [Spiegel]

April: Iran gibt die baldige Fertigstellung einer weiteren Anlage zur Urananreicherung in Fordo / Qom bekannt. Die IAEO werde rechtzeitige über die tatsächliche Inbetriebnahme informiert. [faz]

September. Das Kernkraftwerk Buschehr wird erstmalig an das Stromnetz angeschlossen. [IAEA]

2012

Januar. Der Chef der iranischen Atomenergiebehörde kündigt die baldige Inbetriebnahme der Anlage in Fordo an.  [NTI]

Das iranische Atomprogramm ist wiederholt Angriffen durch Computerviren [SZ] und anderen Sabotageversuchen ausgesetzt. [SZ]

2015

14.07. Die UN Vetomächte + Deutschland (P5+1) und Iran einigen sich im jahrelange währenden Streit um das iranische Atomprogramm und verkünden die Einigung eines Atomabkommens. [Zeit]

2016

11.01. Der Kern des Arak Reaktors wird deaktiviert. [armscontrol]

2018

08.05. US-Präsident Trump kündigt den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen an. [Zeit online] [zum Artikel vom 09.05.2018]

06.06. Der Iran eröffnet eine neue Produktionsstätte für Zentrifugen. Dies verstößt nicht gegen das Atomabkommen. [armscontrol]

2019

08.05. Der Iran kündigt Teile des Atomabkommens auf. Damit einher geht die Aufhebung der Beschränkung zur Lagerungsbegrenzung des angereicherten Urans und die Beschränkung bezüglich der Produkte aus dem Arak-Schwerwasserreaktors. [armscontrol]
Zusätzlich wird die 3,67% Begrenzung für Urananreicherung aufgehoben. [armscontrol]

20.05. Der Iran erhöht die Uran-Produktion in der Atomanlage Natans um das Vierfache. [DW]

01.07. Der Iran teilt mit, dass er gegen die im JCPOA festgelegte 300 Kilogramm Limitierung von niedrig angereichertem Uran verstößt. [armscontrol]

05.09. Der Iran teilt mit, dass die Verpflichtungen für Forschung und Entwicklung im Rahmen des Atomabkommens aufgehoben werden. [IAEA]

07.09. Der Iran teilte der IAEA mit, dass weitere moderne Zentrifugen in dem Pilot Fuel Enrichment Plant (PFEP) in Natans mit natürlichem Uran installiert und getestet werden. Die IAEA überprüfte am gleichen Tag die Angaben und stellte fest, dass 22 IR-4, ein IR-5, 30 IR-6 und drei IR-6s Zentrifugen installiert worden sind. [IAEA]

2020

05.01. Iran setzt weitere Teile des Atomabkommens aus. Laut des iranischen Staatsfernsehens halten sie sich nicht weiter an die Auflagen zur Urananreicherung sowie zur Forschung und Entwicklung des Atomabkommens. Zudem würde der Iran ab sofort so viel Uran anreichern, wie technisch nötig sei. [Zeit online] [zum Artikel vom 06.01.2020]

xh/jt/mf

Bearbeitungsstand: Januar 2020

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