14.04.2020 USA | Modernisierung

US-Navy stationiert neuartige Atom-Sprengköpfe

Nukleare Hemmschwelle sinkt

Ein US-Navy U-Boot. Foto: gemeinfrei

Die Trump-Administration kündigte im Nuclear Posture Review (NPR) von 2018 an, das atomare Arsenal der Vereinigten Staaten modernisieren zu wollen. Unter anderem sollen alle strategischen Systeme ersetzt sowie neuartige nukleare Sprengköpfe entwickelt werden. Letzteres wurde zügig umgesetzt, sodass bereits 2019 die Produktion für neue Sprengköpfe starten konnte.

Es handelt sich hierbei um Sprengköpfe des Typs W76-2, die auf MIRV-fähige Trident-Raketen montiert werden. Sie haben eine sehr viel geringere Sprengkraft (5-7 Kilotonnen) als andere US-Atomwaffen wie bspw. die Vorgängerversion (W76-1), die eine Sprengkraft von 90 Kilotonnen besitzt. Die US-Regierung rechtfertigte die W76-2-Sprengköpfe ausdrücklich als Reaktion auf die angebliche Bereitschaft Russlands, die Schwelle für den Ersteinsatz taktischer Atomwaffen in einem begrenzten Regionalkonflikt abzusenken. Die Existenz solch einer russischen Doktrin ist jedoch umstritten.

Im Februar 2020 gab das US-amerikanische Verteidigungsministerium bekannt, die besagten Sprengköpfe der Navy übergeben und auf U-Booten stationiert zu haben. Dies zeige potenziellen Gegnern, dass es keinen wirklichen Vorteil für einen begrenzten Einsatz von Atomwaffen gebe, da die Vereinigten Staaten „glaubwürdig und entschlossen“ auf jede Bedrohung reagieren könnten.

Daraufhin gab der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow an, die Stationierung der Sprengköpfe bereite Russland große Sorgen. Zwar seien diese neuen Waffen keine direkte Bedrohung für Russlands Sicherheit – das Land sei in Sachen Verteidigung gut aufgestellt – dennoch zeige es, dass die nukleare Hemmschwelle der USA gesunken sei. Die Vereinigten Staaten sähen durch die Herstellung und Stationierung solcher Waffen die Führung eines begrenzten Atomkrieges als Möglichkeit.

Atombomben mit großer Sprengkraft sind so zerstörerisch, dass keine Atommacht sie einsetzen würde. Deswegen entwickeln viele Länder Atomwaffen mit niedriger Sprengkraft, sogenannte “low-yield nuclear weapons”. Sie besitzen weniger als 20 Kilotonnen Sprengkraft und sind somit weniger "leistungsstark" als die über Nagasaki geworfene Bombe “Fat Man”. Low-yield-Waffen haben eher das Potenzial, auch eingesetzt zu werden, warnen Experten. [pkc]

Quellen: FAS, US-Verteidigungsministerium, Reuters,
SIPRI

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