22.10.2019: NATO | Türkei

FAS: Abzug der US-Atombomben aus der Türkei

Kontaminationsübung auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Incirlink

Auf dem US-Luftstützpunkt Incirlik in der Türkei liegt ein Drittel des auf europäischen Grund gelagerten US-amerikanischen nuklearen Waffenarsenals. Ca. 50 B61 Atombomben sind auf dem Stützpunkt stationiert. Die Föderation der US-amerikanischen Wissenschaftler (FAS) fordert den Abzug dieser Atomwaffen. Einige hundert Kilometer vom Atomwaffenstützpunkt entfernt, befindet sich die Grenze Nordsyriens, wo die Türkei am 09. Oktober 2019 militärisch einmarschiert ist.

Am 19. Januar 2019 verkündigte Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) überraschend den Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien an. Dort hatte die USA mit ihren Verbündeten, den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien-Konflikt seit 2014 den Islamischen Staat (IS) bekämpft. In dem von der  YPG kontrolliertem Gebiet in Nordsyrien hatten diese seit 2014 eine Selbstverwaltungszone mit eigener Regierung aufgebaut.


Die Türkei stuft die YPG als eine Terrororganisation und eine Gefahr für die türkische Sicherheit ein. Der gegenwärtige völkerrechtswidrige Einmarsch in Nordsyrien wird von Recep Tayyip Erdogan, dem türkischen Präsidenten, mit dem Recht auf Selbstverteidigung begründet. Darüber hinaus hat er das Ziel, zwei Millionen syrische Flüchtlinge dort anzusiedeln, die sich derzeit in der Türkei aufhalten. Der Einmarsch der Türkei in Nordsyrien wurde von Seiten der USA scharf verurteilt und mit Sanktionen gegen zwei türkische Ministerien und Einzelpersonen der türkischen Regierung sowie mit der Drohung von Strafzöllen bestraft.


Laut der New York Times überprüfen derzeit Beamte des US-amerikanischen Außen- und des Energie-Ministeriums die Möglichkeiten der Evakuierung der in der Türkei gelagerten US- Atombomben. „Diese Waffen sind im Wesentlichen nun Erdogans Geisel“, zitiert die New York Times einen Beamten, „sie aus Incirlik hinaus zu fliegen würde das tatsächliche Ende der türkisch-amerikanischen Allianz bedeuten. Sie dort zu lassen wäre im Gegenzug jedoch ein Aufrechterhalten einer nuklearen Verwundbarkeit, die schon vor Jahren hätte beseitigt werden sollen.“


Hans M. Kristensen von der Föderation US-amerikanischer Wissenschaftler kritisiert das Versäumnis der USA, die  Atombomben nicht schon nach dem Putschversuch Erdogans 2016 aus der Türkei abgezogen zu haben. Er argumentiert, dass das Bewegen der Bomben nicht das Ende der türkisch-amerikanischen Allianz bedeuten würde, da diese bereits durch gegenwärtige Entwicklungen beeinflusst ist. Da das Atomwaffenlager sich in der Nähe eines Kriegsgebietes befindet und dies in einem Land, wo der Präsident Interesse an einem eigenen Atomwaffen-Programm öffentlich geäußert hat und sich vermehrt als unzuverlässiger NATO-Partner herausstellt, fordert Kristensen, dass die Atomwaffen so schnell wie möglich aus der Türkei abgezogen werden, bevor „sie unter Beschuss evakuiert werden müssen.“ mlo

 

(Quellen: FAS, Tagesschau, The New York Times, ZDFheute)

Bild oben: Kontaminationsübung in Incirlik. Foto: Senior Airman Krystal Ardrey , gemeinfrei

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