07.09.2012: Hintergrund

Das israelische Atomwaffenprogramm

Satellitenbild von der Dimona-Anlage

Israel besaß lange Zeit wohl das größte und am höchsten entwickelte nukleare Arsenal außerhalb der fünf offiziell anerkannten Atomwaffenstaaten. Mittlerweile scheinen allerdings Indien und Pakistan quantitativ und technologisch stark aufzuholen. Der Kern des Atomwaffenprogramms befindet sich im Negev Atomforschungszentrum (Negev Nuclear Research Center) in der Nähe des Wüstenortes Dimona und wird daher meistens als „Dimona“ bezeichnet. Hier werden alle Atommaterialien hergestellt. 2.700 Arbeiter sind im Dimona-Komplex in neun Gebäuden (Machon) beschäftigt. Da Israel nie dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) beigetreten ist, werden die Anlagen nicht von Safeguards der IAEO kontrolliert.

Machon-1 ist ein Reaktor mit einem 30 Meter hohen silbernem Dom, für das Kühlsystem. Es soll sich um einen Schwerwasserreaktor handeln, der sich gut für die Gewinnung von Plutonium eignet (Schätzungen gehen von Leistungskapazitäten zwischen 75 und 200 Megawatt aus). Über Machon-2 gibt es viele Informationen, weil Vanunu dort arbeitete. Die oberirdischen Gebäude scheinen harmlos zu sein: Büros, eine Kantine, Lager usw. Der unterirdische Bau allerdings hat sechs Ebenen, die eine Plutoniumwiederaufbereitungsanlage und eine Fertigungsanlagen für Bombenkomponenten enthalten. Waffenfähiges Uran und Plutonium werden hier in ihre metallische Form gebracht und zu Teilen für Waffenkerne verarbeitet. Die Anlage zur Gewinnung von Plutonium aus verbrauchtem Atombrennstoff befindet sich in einer Halle, die über vier Ebenen reicht. Eine Herstellungsphase dauert 34 Wochen und findet einmal im Jahr statt. Ansonsten bleibt die Anlage geschlossen.

In Machon-8 und -9 wird Uran mit Zentrifugentechnologie oder Laserisotopentechnologie angereichert. Die anderen Gebäude enthalten Anlagen für die Herstellung von Brennelementen, für die Konversion von natürlichem Uran zum Gas Uranhexaflorid (UF6 – nötig für die Zentrifugenanreicherung), für Müllverarbeitung, für die Herstellung von Munition mit abgereichertem Uran usw. Das Tritium für die Erhöhung der Explosivkraft der Atombombe (Boosting-Technologie) wird auch in Dimona hergestellt. Israel lieferte zwischen 1977 und 1979 30g Tritium an Südafrika.

Auch außerhalb des Forschungszentrums befinden sich Einrichtungen. In der Negev wird nahe Be'er Scheva Uranyl-Phosphat abgebaut und zum Grundstoff des Brennstoffkreislaufes (yellow cake) verarbeitet. Damit beherrscht Israel den gesamten Brennstoffkreislauf und ist somit unabhängig von ausländischer Unterstützung. Ein Schwerwassertestreaktor wird nahe Rechovot betrieben genau wie ein 5-Megawatt-Leichtwasserreaktor, der mit hochangereichertem Uran betrieben wird, bei Nahal Sorek. Dieser Reaktor dient der Forschung und der Herstellung medizinischer Radionuklide. Er wird von Safeguards der IAEO kontrolliert, eignet sich aufgrund der Technik allerdings wohl am wenigsten zur Gewinnung von Atomwaffenmaterial. In dieser Region soll sich auch eine weitere Anlage befinden, die mit Forschung und Entwicklung von Atomwaffen zu tun hat. Bei Yodfat soll eine Anlage zur Montage von Atomwaffen stehen, bei Kfar Zechariah und Eilaboun sollen jeweils Atomwaffen und Trägersysteme gelagert sein.

Genaue Informationen zu Israels Atomwaffen sind entweder Spekulationen, Annahmen oder Schätzungen aufgrund der Mengen und des Typs von Spaltmaterialien, die Israel mit seinen Kapazitäten hergestellt haben kann. So ist es unmöglich genau einzuschätzen, wie viele Atomwaffen Israel heute tatsächlich besitzt und welchen Typs sie sind. Dennoch gibt es glaubwürdige Berichte über Waffentests in der Negev-Wüste und die Beteiligung Israels an den Atomtests von Frankreich und Südafrika. (Quellen: CSIS, Nuclear Notebook, FAS)

Bearbeitungsstand: September 2012

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