24.01.2019: 

Weltuntergangsuhr bleibt auf zwei Minuten vor Zwölf

Am 24. Januar 2019 hat das US-amerikanische Zeitschrift Bulletin of the Atomic Scientists die „Doomsday Clock“ erneut auf zwei Minuten vor zwölf gestellt, wie im Jahr zuvor. Die jährlich aktualisierte Weltuntergangsuhr soll zeigen, wie groß das Risiko einer globalen Katastrophe, insbesondere eines Atomkrieges, ist. Mit der aktualisierten Uhrzeit wird einer historisch schweren Gefahrenlage Ausdruck verliehen, denn vor 2018 deutete der Zeiger nur einmal auf dieselbe Zeit – 1953 am Höhepunkt des Kalten Krieges, als die USA sich dazu entschlossen haben eine Wasserstoffbombe zu bauen. Als Gründe für den Verbleib der Uhr auf zwei Minuten vor Zwölf geben die Wissenschaftler*innen zwei existentielle Bedrohungen an, den Atomkrieg und den Klimawandel. Ihrer Meinung nach haben die führenden Politiker*innen diese Bedrohungen nicht deutlich erkannt oder gänzlich ignoriert. Dabei wurden sie durch einen verstärkten Einsatz von Informationskriegen verschärft, mit dem Ziel die Demokratien auf der ganzen Welt zu untergraben.

Das Auflösen des Atomabkommens der USA mit dem Iran und das wahrscheinliche Austreten der USA aus dem INF-Vertrag mit Russland fallen unter anderem unter diese Bedrohungen. Und obwohl Nordkorea und die USA sich von ihrer kriegerischen Rhetorik aus dem Jahr 2017 distanziert haben, bleibt das nordkoreanische Atomdilemma ungelöst. Währenddessen wird die Modernisierung der Waffenarsenale der führende Nuklear-Staaten weiterhin vorangetrieben.

An der Klimafront sieht es durch steigende globale Kohlendioxidemissionen nicht besser aus. Um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu stoppen müssten die Länder dieser Welt ihre Kohlendioxidemissionen bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf Null reduzieren. Danach sieht es dank Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen und der fehlenden Anerkennung des Klimareports durch Russland, den USA, Saudi Arabien und Kuwait bei der Weltklimakonferenz in Polen 2018 nicht aus.

Der Atomkrieg und der Klimawandel bedrohen die physische Infrastruktur, die Nahrung, Energie und andere erforderlichen Notwendigkeiten, die für das menschliche Leben erforderlich sind, liefert. Aber um Wohlstand und Fortschritte zu erzielen brauchen Leute zuverlässige Informationen, vor allem Sachinformationen über ihre Welt. Führende Politiker*innen nutzen das Wort „fake news“ für Informationen, die sie nicht mögen um Brüche und Wut in Gesellschaften zu erzeugen, damit diese dann ihr Vertrauen in öffentlichen und privaten Institutionen verlieren. Mit Hilfe von neuen Technologien und sozialen Netzwerken ist es im Informationskrieg leichter falsche und manipulative Nachrichten an eine große Bevölkerungsgruppe zu schicken und gleichzeitig ist es leichter spezifische Interessensgruppen durch gezielte politische Botschaften zu erreichen.

Weitere Bedrohungen im Bereichen der Künstlichen Intelligenz, der synthetischen Biologie und der Cybersabotage werden von den Wissenschaftler*innen erwähnt. Die Geschwindigkeit der Veränderungen in diesen Bereichen ist extrem hoch und die internationalen Bemühungen zur Regulierung dieser Bereiche sind bisher unzureichend.

Deshalb fordern sie sowohl die führenden Politiker*innen auf eine Veränderung herbeizuführen, als auch die Bürger auf mehr Druck auf ihre führenden Politiker*innen auszuüben, etwas zu verändern. ag (Quelle: Bulletin of the Atomic Scientists)

Bearbeitungsstand: Januar 2019

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Zitiert:

»Eine Kampagne für eine atomwaffenfreie Welt muss sich ernsthaft mit den Argumenten für und wider auseinander setzen.«

Andreas Buro, Friedens- und Konfliktforscher, Wissenschaft und Frieden, 2008