12.07.2018: SIPRI

Atomwaffenstaaten investieren mehr in Aufrüstung

Veröffentlichung des SIPRI-Jahrbuchs 2018

Test einer B61-12-Atombombe in den USA. Foto: Randy Montoya / CC 2.0

Das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) veröffentlichte am 18. Juni 2018 die Ergebnisse des SIPRI-Jahrbuchs 2018, das den aktuellen Stand der Rüstungs- und Abrüstungsindustrie sowie der internationalen Sicherheit untersucht. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören dabei, dass alle atomwaffenbesitzenden Staaten neue Atomwaffensysteme entwickeln und ihre bestehenden modernisieren.

Anfang 2018 besitzen neun Staaten –  USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea – schätzungsweise 14.465 Atomwaffen. Im Vergleich zum Anfang des Vorjahres (2017) wäre das, laut SIPRI, ein Rückgang von 470. Dieser Rückgang ist auf die Verschrottungen alter Atomwaffen in Russland und den USA zurückzuführen, die zusammen noch immer fast 92 Prozent des weltweiten Nukleararsenals besitzen.

Während die Zahl der Atomwaffen von Jahr zu Jahr abnimmt, steigen jedoch die jährlichen Investitionen in die Modernisierung bestehender nuklearer Arsenale.  Trotz der Reduzierungen ihrer Atomstreitkräfte haben sowohl Russland als auch die USA Langzeitprogramme geplant, um ihre nuklearen Sprengköpfe, Raketen- und Flugzeugträgersysteme sowie Atomwaffenproduktionsanlagen zu ersetzen und zu modernisieren. Die jüngste Atomwaffendoktrin (Nuclear Posture Review  NPR) der USA, der im Februar 2018 veröffentlicht wurde, bestätigte die Modernisierungsprogramme und darüber hinaus kündigt die Entwicklung neuer Atomwaffen an.  Die USA planen zwischen 2017 und 2026 schätzungsweise 400 Milliarden US-Dollar für den Erhalt und die Modernisierung ihrer Nuklearwaffen auszugeben.

Zwar sind die Arsenale der restlichen atombewaffneten Staaten bedeutend kleiner, dennoch planen sie alle die Entwicklung neuer Atomwaffensysteme oder die Verbesserung bereits bestehender. Indien und Pakistan bauen momentan ihre Atomwaffenbestände aus und entwickeln neue land-, see- und luftgestützte Raketenträgersysteme. China modernisiert unterdessen weiterhin seine Trägersysteme für Atomwaffen und vergrößert langsam sein Nukleararsenal. Mit einem Atomwaffenarsenal von rund 270 Sprengköpfen liegt das Land damit unter den asiatischen Ländern an der Spitze.

Nordkorea:
Im Jahr 2017 machte Nordkorea weiterhin technische Fortschritte bei der Entwicklung seiner nuklearen Waffenfähigkeit, einschließlich des Tests einer angeblich thermonuklearen Waffe im September. Nordkorea zeigte auch unerwartet schnelle Fortschritte bei der Austestung  zwei neuer Typen von Langstrecken-Raketenträgersystemen. Das kommunistische Land will Interkontinental-Raketen bauen, die amerikanischen Boden erreichen können. Während der SIPRI-Bericht es für unwahrscheinlich hält, dass Nordkorea dafür ausreichend kompakte Sprengköpfe entwickeln kann, sind Fachleute jedoch der Meinung, dass das Land dazu durchaus in der Lage wäre, einen „Miniatursprengkopf“ zu bauen, den Kurz- und Mittelstreckenraketen transportieren könnten.

Europa:

Großbritannien und Frankreich sind die einzigen zwei EU-Mitgliedstaaten die im Besitz nuklearer Waffen sind. Im Januar umfasste Londons Atomwaffenarsenal schätzungsweise 215 Sprengköpfe, von denen 120 als einsatzfähig gelten. Frankreichs Arsenal hingegen umfasst rund 300 Sprengköpfe und hat nun vor, sein Atomwaffenprogramm zu modernisieren.  In Planung ist bereits die nächste Generation von U-Booten, die bis 2035 mit Atomraketen einsatzbereit sein soll. "Das französische Verteidigungsministerium hat Studien für eine Nachfolgerakete auf den Weg gebracht. Im Mittelpunkt stehen eine verbesserte Tarnkappen- und Hyperschalltechnologie", so heißt es im SIPRI-Bericht. ea (Quellen: SIPRI, Deutsche Welle)

Bild oben: Test einer B61-12-Atombombe in den USA. Foto: Randy Montoya / CC 2.0

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Zitiert:

»Eine Kampagne für eine atomwaffenfreie Welt muss sich ernsthaft mit den Argumenten für und wider auseinander setzen.«

Andreas Buro, Friedens- und Konfliktforscher, Wissenschaft und Frieden, 2008