24.07.2018: Atomkoffer

Neue Erkentnisse zum "roten Knopf" veröffentlicht

Wenn der Präsident im Alleingang das gesamte Atomwaffen Arsenal kontrolliert

Atomkoffer Foto: Smithsonian Institution

Die derzeitige Debatte über den sogenannten „Atom-Knopf“ während der momentanen Korea-Krise hat die Besorgnis verstärkt, in wie weit ein Präsident einen Atomkrieg auslösen kann, trotz des Widerstandes und der Zweifel oberster ziviler und militärischer Berater. Das National Security Archive veröffentlicht hierzu, das erste Mal in der Geschichte, eine Vielzahl freigegebener Dokumente, in denen die Verfahren und eine breite Palette von Fotos aus dem Weißen Haus von der Kennedy-Administration bis zur Clinton-Administration.

Als Symbol für die Realität dieser präsidialen Kontrolle ist der "nuclear Football", ein spezieller Aktenkoffer, der Informationen über US-Kriegspläne und Notfallprozeduren enthält. Dieser wird von einem militärischen Berater getragen, der stets in seiner Nähe bleibt, wenn der Präsident außerhalb des Weißen Hauses ist. Im Falle einer Krise, wie beispielsweise ein nuklearer Angriff, hat der Präsident durch den Koffer die notwendigen Informationen und Kommunikationsmaßnahmen, um eine möglichst rasche Entscheidung zu treffen.

Der Koffer wurde während der Eisenhower-Regierung eingeführt. Während den Reisen des Präsidenten wurde es zur Pflicht, eine Aktentasche mit Notfalldokumenten bei sich zu tragen. Das Entstehen einer sowjetischen ICBM-Bedrohung in den späten 1950er Jahren reduzierte die Warnzeit erheblich und erhöhte damit die Notwendigkeit schneller Entscheidungen in einer Krise zu treffen sowie Verfahren für die Einberufung von Notfallkonferenzen zwischen dem Präsidenten, dem Verteidigungsminister und den Generalstabschefs zu etablieren.

Die veröffentlichen Dokumente über die frühe Geschichte des „nuclear Football“ enthalten folgendes:

•    Das Protokoll eines Briefings im Januar 1961 von Präsident Dwight D. Eisenhower und dem Sekretär des Weißen Hauses, Andrew J. Goodpaster, an den designierten Präsidenten John F. Kennedy über den Inhalt des Notfall "Koffers" Mehr dazu
•    Fragen des Weißen Hauses vom Januar 1962, ob der Präsident im Notfall einen Atomschlag anordnen könnte, ohne das Pentagon zu konsultieren Mehr dazu
•    Ein Memorandum des Pentagons vom November 1962 über einen "Ordner für Notfallaktionen", der an das Naval Aide des Weißen Hauses weitergeleitet wurde, betreffend Aktionen, die unter verschiedenen Verteidigungsbereitschaftsbedingungen (DEFCONs) durchgeführt werden könnten. Mehr dazu
•     Dokumente aus dem Jahr 1963 über die Erstellung des "SIOP Execution Handbook", das ausdrücklich für den Einsatz des Präsidenten in einer Krise geschaffen wurde Mehr dazu
•    Dokumente aus dem Jahr 1964 über die Schaffung des "Goldbuchs" des Joint Chiefs of Staff, des umbenannten Notaktionsordners, zur Aufnahme in den Notfallapparat Mehr dazu
•    Memoranden von 1964 zu Präsident Johnsons erster Unterrichtung über die Pläne für einen nuklearen Krieg, den Single Integrated Operational Plan (SIOP), mit militärischen Helfern des Weißen Hauses unter den Zuhörern Mehr dazu
•    Ein Entwurf eines Memorandums von Anfang 1965, das darauf hinwies, dass Präsident Johnson nicht gerne von einem militärischen Berater, der den Koffer trug, "verfolgt" werden wollte und, dass er andere Arrangements wünschte Mehr dazu
•    Ein Memorandum eines Marineanwalts des Weißen Hauses vom Juni 1965, in dem ausdrücklich auf den "Atomkoffer" eingegangen wird Mehr dazu

Die Existenz des „nuklearen Fußballs“ verkörpert die präsidiale Kontrolle über Atomwaffen, die für die zivile Führung des Militärs unerlässlich ist, lässt aber auch gleichzeitig die Gefahr spürbar werden, dass eine Person allein im Besitz dieser Macht ist, schicksalhafte Entscheidungen zum Einsatz von Atomwaffen zu treffen.

Zusätzliche Recherchen könnten mehr Licht auf die Geschichte und Entwicklung des „nuklearen Knopf“ werfen. Das Memorandum, das General Goodpaster über das Briefing für den designierten Präsidenten Kennedy verfasste, ist beispielhaft für die Bereitstellung einiger Informationen über den Inhalt des "Atomkoffers". Ob vergleichbare Aufzeichnungen verwandter Briefings während nachfolgender präsidialer Übergänge vorbereitet wurden, bedarf weiterer Untersuchungen. ea (Quelle: National Security Archive)

Bild oben: Atomkoffer Foto: Smithsonian Institution

 

 

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Zitiert:

»Eine Kampagne für eine atomwaffenfreie Welt muss sich ernsthaft mit den Argumenten für und wider auseinander setzen.«

Andreas Buro, Friedens- und Konfliktforscher, Wissenschaft und Frieden, 2008