Bundesregierung entscheidet für F-35 als Atomwaffenträger

Mit der Entscheidung zum Ankauf von 35 F-35 hat die Bundesregierung im März 2022 – im Zeichen des Ukraine-Krieges - einen über Jahre geführten Streit über einen Ersatz der in die Jahre gekommenen Tornado-Kampfjets für die nukleare Teilhabe beendet. Debattiert wurde in der Politik die Notwendigkeit einer weiteren Beteiligung an der nuklearen Abschreckung mit den in Büchel stationierten B-61 Atombomben und den dafür bereitgestellten Trägerflugzeugen.

Die Lockheed Martin F-35 ist ein Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug, das aus dem Joint Strike Fighter-Programm (JSF) des US-Verteidigungsministeriums hervorgegangen ist. Es soll in vielen westlichen Luftwaffen (Italien, Finnland, Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Niederlande, Belgien und Polen) ältere Flugzeuge ersetzen. Geplant sind mehrere Tausend Stück, wobei die US Air Force der mit Abstand größte Abnehmer bleibt (knapp 90 Prozent). In Deutschland soll die F-35 laut Medienberichten vom 14. März 2022 die Tornadokampfjets der Bundeswehr im rheinland-pfälzischen Fliegerhorst Büchel ablösen.

Das technisch auffälligste Merkmal der F-35 sind ihre ausgeprägten Tarnkappeneigenschaften, welche im Vergleich zu konventionellen Mehrzweckkampfflugzeugen die Reichweite feindlicher Aufklärungstechnik auf einen Bruchteil reduziert. Zur möglichen Bewaffnung zählen neben einer Vielzahl an gelenkten und ungelenkten Raketen sowie Marschflugkörpern und Bomben auch freifallende Atomwaffen.

Am 21. Februar 2022 meldete die Berliner Zeitung, dass das Flugzeug eine Zulassung für die B-61-Atombombe bekommen würde. Damit werden die Luftstreitkäfte der USA neue Atombomber bekommen. Ein umfangreiches Flugtestprogramm für die Zertifizierung der F-35 der US Air Force mit B61-12-Atombomben sei abgeschlossen worden. Nicht alle F35-Flugzeuge sollen nuklearfähig sein. Nur diejenigen Einheiten, die auch tatsächlich einen nuklearen Auftrag haben, werden mit entsprechender Hardware ausgerüstet und das Personal erhalten, das für Konfiguration und Wartung der nuklearfähigen F35-Flugzeuge erforderlich ist.

Die B61-Atombombe ist die einzige Nuklearwaffe, die von den USA offiziell auch in Drittländern stationiert wird. In Deutschland haben die USA im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe B61-Bomben mit einer Sprengkraft von bis zu 50 Kilotonnen TNT in Büchel gelagert. Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen. Die USA haben im Zuge eines langen Entwicklungsprozesses die B-61 Atombombe qualitativ aufgerüstet. Nach Verzögerungen beginnt die Produktion im Mai 2022 und die ersten Atombomben werden voraussichtlich ab 2023-2024 in Europa stationiert.

Aus Parteien und Zivilgesellschaft in Deutschland wird neben der grundsätzlichen Kritik zur Anschaffung des Flugzeugs auch die große Fehleranfälligkeit der F-35 bemängelt. rb

Quellen:
Szymanski M: Tarnkappenflugzeuge für Deutschland, Süddeutsche Zeitung,14.03.2022
Berliner Zeitung, US-Kampfflugzeug F-35A bekommt Zulassung für B61-Bombe, 21.02.2022
Bundesministerium der Verteidigung: Lockheed Martin F-35: Das Mehrzweckkampfflugzeug der neuesten Generation, 14.03.2022

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Zitiert:

»Eine Kampagne für eine atomwaffenfreie Welt muss sich ernsthaft mit den Argumenten für und wider auseinander setzen.«

Andreas Buro, Friedens- und Konfliktforscher, Wissenschaft und Frieden, 2008