Wismut

Uranbergbauunternehmen, ehem. DDR

Die „Wismut“ ist der Name eines der größten Uranbergbauunternehmen Europas und wurde von 1946 bis 1990 von der Sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG) später sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) betrieben und förderte in dieser Zeit ca. 220 000 Tonnen (t) Uranerz.

Die SAG wurde 1947 gegründet mit dem Ziel im Osten Deutschlands Uranerz für das sowjetische Atomprogramm zu fördern. Das Abbaugebiet für Uran umfasst weite Landstreiche Sachsens und Thüringens, sowie Polens. Bis 1966 wurden 84.666 Tonnen (t) Uranerz gefördert. In der Anfangszeit wurde in großem Umfang Infrastruktur aufgebaut und Arbeiter rekrutiert. Die Arbeitsbedingungen waren schlecht und Strahlenschutz wurde ab Mitte der 50er Jahre praktiziert, aber eine personendosimetrische Überwachung fand bis 1991 nicht statt.

In dieser Zeit wurden zwei Mitarbeiter, Axel Weidenberg und Georg Fieker, der SAG Wismut zu Tode verurteilt, da sie sich über die mangelnde Sicherheitstechnik und den geringen Arbeitsschutz im Uranerzbergbau beschwerten und damit an den Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) wandten. Die beiden wurden am 09.03.1951 verhaftet und im August desselben Jahres vom sowjetischen Militärtribunal wegen Spionage und Nachrichtensammelns über die Bewegungen der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland zum Tode durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde am 01.11.1951 in Moskau vollstreckt. Ein weiterer Mitarbeiter der SAG, Hans-Gerd Kirsche, wurde ebenfalls im selben Tribunalverfahren zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt, wo er nach zwei Jahren Haft im Rahmen eines Aufstandes erschossen wurde.

Nach Umwandlung der SAG in die SDAG 1954 besserten sich die Arbeitsbedingungen im Wismut-Bergbau. Die sogenannten „Wismut-Kumpel“ genossen hohe Löhne und materielle Vorzüge in der DDR. Auch die betriebliche Sozialpolitik galt nun als vorbildlich. Dennoch wissen wir heute durch eine Studie des Bundesamt für Strahlenschutz, dass Uranbergarbeiter der Wismut ein ca. 58,8 %  erhöhtes Risiko haben, an Lungenkrebs zu sterben gegenüber der Normalbevölkerung.

In den 60er und 70er Jahren erfreute sich die Wismut einer Hochphase, doch die Sowjetunion war nun weniger auf die Uranlieferungen angewiesen und die Uranförderung mit immer größeren Aufwänden verbunden. So begann die SDAG in der Grube Königstein das Gestein durch Sprengungen zu lockern und das Uranerz mit Schwefelsäure auszuwaschen.

Im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die Uranförderung eingestellt und die SDAG wurde an die Bundesregierung unentgeltlich übertragen. Damit erbte die Bundesregierung radioaktiv verstrahlten Abraum von ca. 32 Quadratkilometern, 1500 km offene Grubenbaue, 311 Mio. Kubikmeter Haldenmaterial und 160 Mio. Kubikmeter radioaktive Schlämme.

Als Nachfolgerin der SDAG kümmert sich heutzutage die Wismut GmbH und ihre ca. 4300 Angestellten um die Sanierung und Rekultivierung der betroffenen Areale.

Der Umweltschutz spielte zu Zeiten der DDR keine Rolle und so gab es keine Prävention, dennoch wurden Rücklagen für die Sanierung gebildet. Die Kosten wurden ausschließlich vom Bundeshaushalt getragen und verliefen sich in den Milliarden. Neben der Umlagerung von radioaktivem Material und Schlämmen, steht auch die Wasserbehandlung im Fokus der Sanierung.

Ein aus der Sanierung entstandenes Gebiet ist die „Neue Landschaft Ronneburg“, die im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 kreiert wurde. bs

Quellen: (Frank Uekötter, Ökologische Erinnerungsorte; Rainer Karlsch Uran für Moskau. Die Wismut-eine populäre Geschichte, 2007; Rainer Karlsch & Zbynek Zeman „Urangeheimnisse: das Erzgebirge m Brennpunkt der Weltpolitik, 1933-1960; Ch. Links Verlag, 2003; Spiegel: Brühe im Berg, Heft 26, S.59, 1996; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Geschichte des Uranerzbergbaus und Gründung der Wismut GmbH; IPPNW: Wismut-Region, Hibakusha weltweit, 2012)

Bearbeitungsstand: November 2021

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