SSC-8 Marschflugkörper (russ. Bezeichnung 9M729)

engl.: SSC-8 Cruise Missile

Russische seegestützter Kalibr Marschflugkörper. Foto: Vitaly V. Kuzmin / CC 4.0

Russland hat laut US-Angaben heimlich einen neuen Typ Marschflugkörper (Cruise Missile) entwickelt, der gegen den INF-Vertrag verstoße. Das sagte der Vizevorsitzende der vereinten Stabchefs der USA bereits im März 2017 gegenüber dem US-Kongress. Im Oktober 2018 kündigte Präsident Donald Trump an, den INF-Vertrag wegen dieses Verstoßes aufzulösen.

Der Marschflugkörper trägt den westlichen Codenamen „SSC-8“. US-Experten zufolge ist es eine landgestützte Version des „Kalibr“-Marschflugkörpers. Dieser wurde als seegestützte Rakete im Syrienkrieg eingesetzt. Der INF-Vertrag verbietet zwar keine seegestützte Marschflugkörper, doch alle landgestützten Kurz- und Mittelstreckenraketensystemen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometer.

Laut Angaben des NATO-Generalsekretärs Stoltenberg sei der Marschflugkörper ein Mittelstreckensystem, mobil, schwer zu erkennen und könnte atomar bewaffnet werden. Laut dem Statement des Direktors des US-Aufklärungsdienstes Daniel Coates könne der SSC-8 konventionell oder atomar bestückt werden und sei heimlich entwickelt worden. Der INF-Vertrag erlaubt Flugtests von einer festen Startvorrichtung. Allerdings nur solange keine Absicht besteht, die Rakete landgestützt zu stationieren. Coates behauptet, der SSC-8 sei absichtlich so getestet worden, dass die Wahrheit über ihre Aktivität und über die Eigenschaften der Waffe verdeckt bleiben.  Die Reichweite von über 500 km des SSC-8 sei von einer festen Startvorrichtung, die Reichweite von unter 500 km von einer mobilen Startvorrichtung getestet worden. Die Ergebnisse dieser Tests wurden dann für die Entwicklung eines Mittelstreckensystems zusammengetragen, das von einer mobilen landgestützten Plattform abgefeuert werden könne.

Russland bestätigt zwar die Existenz eines neuen Systems mit der russischen Bezeichnung „9M729“, bestreitet aber die Inkompatibilität mit dem INF-Vertrag. Laut russischen Aussagen wurden die im INF-Vertrag relevanten Reichweiten nie getestet. Das System könne auch nicht so modifiziert werden, dass sie diese erreichen würde. Sergej Ryabkow, russischer Vize-Außenminister, behauptet, der 9M729 sei eine Modifizierung des Iskander-M-Systems. Das Iskander-M-System hat weniger als 500 km Reichweite. Dieses System wird seit Jahren von Russland eingesetzt und ist im Einklang mit dem INF-Vertrag. xh (Quellen: DNI, NZZ, Russian strategic nuclear forces (1), (2), Zeit)

Bearbeitungsstand: Januar 2019

Weitere Informationen zu russischen Atomstreitkräften

Bild oben: US-Experten zufolge ist der SSC-8 eine landgestützte Version vom seegestützten Kalibr Marschflugkörper, hier abgebildet. Foto: Vitaly V. Kuzmin / CC 4.0

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