SHULTZ, George

Politiker, Ökonom, ehem. US-Außenminister

George Pratt Shultz war einer der engsten Berater von US-Präsident Ronald Reagan und eine Schlüsselperson im Kalten Krieg sowie bei der nuklearen Rüstungskontrolle. Er wurde am 13. Dezember 1920 in New York City geboren und starb mit Alter von 100 Jahren am 6. Februar 2021 in Stanford, Kalifornien. Er gehörte der Republikanischen Partei an.

Shultz studierte in Princeton Ökonomie und promovierte am Massachussetts Institute of Technology (MIT). Später lehrte er am MIT und an der Chicago University. Im Zweiten Weltkrieg diente er im Marinekorps.

Bevor Shultz 1982 Außenminister in der Administration von Ronald Reagan wurde, war er in der Nixon-Administration Arbeitsminister (1969-1970) und Finanzminister (1972-1974). 1989 verließ er das Außenministerium und kehrte als Professor der Stanford University in die akademische Forschung und Lehre zurück. Im Jahr 2000 beriet er George W. Bush bei seinem Präsidentschaftswahlkampf; die Kandidatur von Donald Trump 2016 unterstützte er nicht.

Shultz wechselte in seinem Arbeitsleben mehrfach zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik und war auch zwischen seinen politischen Ämtern in der Nixon- und der Reagan-Administrationen in der Privatwirtschaft tätig. Acht Jahre lang (1974-1982) war er Vorstandsvorsitzender, später (1989-2006) Mitglied des Verwaltungsrates von Bechtel Group, dem größten Bau-Unternehmen der USA.

1983 trat der Realpolitiker Shultz nach der Ausstrahlung des Fernsehdramas „The Day After“ im US-Fernsehen auf und verteidigte die massive atomare Aufrüstung der USA, vor allem mit in Europa stationierten Mittelstreckenraketen, und den NATO-Doppelbeschluss. Er glaubte, die Sowjetunion wäre nur zu Abrüstungsverhandlungen bereit, wenn die NATO aufrüstet und damit beweist, dass die Mitglieder des Verteidigungsbündnisses in diesem Punkt einig sind.

George Shultz wurde hauptsächlich für seine Arbeit zur Rüstungskontrolle bekannt. Er ermutigte Reagan, mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow einen Dialog zu führen, der zur Entspannung zwischen den USA und der Sowjetunion führte. Shultz erkannte, dass Gorbatschow Reformabsichten für die Sowjetunion hatte. Beim berühmten Treffen von Reagan und Gorbatschow in Reykjavik am 11. und 12. Oktober 1986 war er dabei und spielte eine wichtige Rolle. Er riet Reagan jedoch, das Angebot Gorbatschows, Atomwaffen gänzlich abzuschaffen, abzulehnen, weil Reagans „Space Defense Initiative“ dann beendet werden müsste.

Zwischen 1985 und 1988 traf sich Shultz mehr als 30 Mal mit dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse. Unter anderem bereiteten sie den Mittelstreckenvertrag (Intermediate-range Nuclear Forces Treaty) vor, der 1987 von Reagan und Gorbatschow unterzeichnet wurde. Damit schafften sie eine ganze Klasse von Atomraketen ab, was einen Meilenstein im Kalten Krieg darstellte und zu seiner Beendigung beitrug.

Mit William Perry (ehem. US-Verteidigungsminister), Henry Kissinger (ehem. US-Außenminister) und Sam Nunn (ehem. US-Senator) veröffentlichte Shultz 2007 einen Kommentar im Wall Street Journal, in dem sie sich für eine atomwaffenfreie Welt aussprachen. Die Gruppe wurde „die vier Reiter der nuklearen Apokalypse“ genannt. Ein Jahr später bekräftigten die erfahrenen Außenpolitiker diese Aussage mit einem weiteren Gastbeitrag.

Shultz gilt allerdings auch als „Vater“ der Doktrin der präventiven Kriegsführung, die George W. Bush mit seinem „Krieg gegen den Terror“ 2001 erst gegen Afghanistan und dann mit einer „Koalition der Willigen“ 2003 gegen Irak umsetzte.

xh (Quellen: Bulletin of Atomic Scientists, Süddeutsche Zeitung)

Bearbeitungsstand: März 2021

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