PETROW Stanislaw

1939 - 2017

Stanislaw Petrow in seiner seiner Wohnung in Frjasino, 2016. Foto: Queery-54 / CC 4.0

Nie sei die Welt einem Atomkrieg näher gewesen als während der Kubakrise, heißt es oft. Doch es gab einen Moment, der noch deutlich heikler war: Beispielsweise als das sowjetische Frühwarnsystem 1983 US-Atomraketen bereits in der Luft wähnte, hing alles an einem einzelnen Offizier.

Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow saß 1983 vor dem sowjetischen Raketen-Frühwarnsystem im Serpukhov-Bunker nahe Moskau, als ein Spionagesatellit zweimal über dem US-Bundesstaat Montana die Startblitze von fünf US-Atomraketen meldete.

Petrow vertraute seinem Gefühl, missachtete die Vorschriften und drückte nicht auf den roten Knopf - die sowjetischen Atomraketen für den mutmaßlichen Gegenschlag blieben am Boden. Petrow meldete dem Generalstab Fehlalarm, obwohl zu diesem Zeitpunkt nicht feststand, ob es sich um Irrtum oder Ernstfall handelte.

"Ich wollte nicht schuld sein am Dritten Weltkrieg", begründete er seine Entscheidung. "Ich stand unter Schock. Das war nicht weit bis zur Panik", erinnert sich Petrow. Erst Tage nach dem Vorfall stellte sich heraus, dass die Software des Spionagesatelliten fehlerhaft war.

Niemals sei die Welt der atomaren Vernichtung näher gewesen als in jener Nacht, sagte US-Abrüstungsexperte Bruce Blair einmal. Die Geschichte Petrows kam aber erst zehn Jahre nach dem Vorfall ans Licht.

Für seinen Mut erhielt der frühere Offizier der Sowjetarmee den Dresden-Preis 2013, teilte die Organisation Friends of Dresden mit. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am 17. Februar in der Semperoper verliehen.

Seine Geschichte wurde im 2014 Dokumentarfilm "Der Mann, der die Welt rettete" erzählt, zusammen mit aktuellen Ausschnitten aus seinem Leben.

Stanislaw Petrow starb am 19. Mai 2017 in seiner Wohnung in Frasjino, Russland, an einer Lungenentzündung. Er wurde 77 Jahre alt und blieb von der globalen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Sein Tod wurde erst im September 2017 durch eine Todesanzeige von Karl Schumacher in der WAZ bekannt.

2018 lehnte die Stadt Bonn ein Bürgerantrag ab, einen Platz nach Petrow und Wassili Archipow, der vermutlich ebenfalls einen Atomkrieg verhindert hatte, in Archipov-Petrov-Platz umzubenennen. (Quellen: BBC, T-Online Nachrichten, Spiegel, WAZ)

Bearbeitungsstand. Januar 2019

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Bild oben: Stanislaw Petrow in seiner seiner Wohnung in Frjasino, 2016. Foto: Queery-54 / CC 4.0

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