IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges

engl. International Physicians for the Prevention of Nuclear War

Die Geschichte der IPPNW (auch als „Ärzte gegen Atomkrieg“ in Deutschland bekannt) reicht zurück bis 1961, als eine Gruppe US-amerikanischer Ärzt*innen die Folgen eines atomaren Angriffs untersuchte und daraus entsprechende Schlussfolgerungen und Forderungen ableitete.

Diese Gruppe - Physicians for Social Responsibility (PSR) - wurde 1979 Trägerin der Bewegung von US-amerikanischen Ärzt*innen zur Verhinderung eines Atomkriegs und gegen Atomkraftwerke unter der Leitung der aus Australien stammenden Kinderärztin Helen Caldicott. PSR wuchs innerhalb von 2 Jahren von 10 auf 11.000 Mitglieder in 85 Regionalgruppen.

Ein Jahr später 1980 gewann der Harvard-Kardiologe Prof. Bernard Lown die Unterstützung des Direktors des Nationalen Herzforschungszentrums in Moskau, Prof. Evgenij Chazov, später Gesundheitsminister der UdSSR, für die Idee, in ihren Ländern eine öffentliche Kampagne für die Reduzierung von Atomwaffen aus medizinischen Gründen durchzuführen. Zusammen mit vier weiteren US-amerikanischen und sowjetischen Kardiologen trafen sie sich in Genf vom 5.-7. Dezember und gründete eine neue weltweite Bewegung: die „International Physicians for the Prevention of Nuclear War“ (IPPNW). Die Gründungsmitglieder waren Evgenij Chazov, Eric Chivian, Leonid Iljin, Mikhail Kuzin, Bernard Lown und James E. Muller.

Der erste Kongress fand in Airlie, Virginia/USA im März 1981 statt, der 2. im März 1982 in Cambridge/England. Die internationale IPPNW organisierte seither jedes bzw. von 1993 bis 2014 jedes zweite Jahr einen Weltkongress in einem anderen Land. 2017 fand der letzten Weltkongress statt. Der erste Kongress in Afrika, der 2020 stattfinden sollte, wurde wegen Covid-19 abgesagt.

Aus den sechs Gründungsmitgliedern der IPPNW wurden nach den Auszeichnungen mit dem UNESCO Friedenspreis 1984 und dem Friedensnobelpreis 1985 zeitweise über 250.000 Mitglieder in 80 Ländern.

Im Februar 1982 hat sich unter Beteiligung verschiedener regionaler Ärzt*inneninitiativen die "Sektion Bundesrepublik Deutschland der IPPNW" gegründet. 18 Erstunterzeichner*innen setzten ihre Unterschrift unter eine Gründungsresolution. Am 8. Mai 1982 erschien die „Frankfurter Erklärung“, verabschiedet von den 150 Teilnehmenden der 1. Vollversammlung in Frankfurt - eine persönliche Willenserklärung, kriegsmedizinische Vorbereitungsmaßnahmen abzulehnen und sich nicht daran zu beteiligen. 1991 schlossen sich die beiden deutschen Sektionen der DDR und BRD zusammen. Die Sektion zählte nach dem ersten Golfkrieg 1991 über 10.000 Mitglieder. Heute hat sie 6.000.

Kongresse wurden von der bundesdeutschen Sektion beinahe jedes Jahr veranstaltet. Ein Höhepunkt war der IPPNW-Weltkongress in Köln 1986. Aus 65 Nationen kamen über 1500 Ärzt*innen.

Eines der Hauptziele der IPPNW-Aktivitäten international wie in Deutschland war die Durchsetzung eines Atomwaffenteststopps. Nach langjähriger Arbeit und Protesten wurde 1996 ein umfassender Teststoppvertrag abgeschlossen. Andere Erfolge über die Jahre für die IPPNW sind z.B. das Urteil des Internationalen Gerichtshofs über die Völkerrechtswidrigkeit von Atomwaffen sowie der „Ottawa-Vertrag“ zum Verbot von Landminen. Der Beschluss des UN-Vertrages über das Verbot von Atomwaffen am 7. Juli 2017, der am 22. Januar 2021 in Kraft tritt, ist ein Meilenstein in der Geschichte der Organisation.

IPPNW rief 2006 in Helsinki die Internationale Kampagne für die Abschaffung der Atomwaffen (ICAN) ins Leben. Ein Jahr später wurde ICAN als unabhängige Kampagne gegründet und hat inszwischen über 500 Partnerorganisationen, darunter auch die IPPNW, die auch heute eine tragende Rolle auch spielt. Das weltweite Netzwerk der ICAN-Partner wurde 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

ez/xh

Links: IPPNW Deutschland; Europäische Webseite der IPPNW

Bearbeitungsstand: Dezember 2020

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