Greenham Common

1942 wurde der Militärstützpunkt Greenham Common östlich der Gemeinde Greenham in Berkshire, England, für die britische Royal Air Force geöffnet. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung wurde die Basis formell an die 9th Air Force der United States Army Air Forces (USAAF) übergeben und diente dieser während dem Zweiten Weltkrieg als Transportfliegerstandort.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges teilten sich die britische und die US-amerikanische Armeen den Militärstützpunkt und auf die vollständige Übergabe an die britische Armee, folgte 1946 die offizielle Schließung der Basis durch die britische Regierung.


Als Folge der angespannten Lage während des Kalten Krieges wurde der Stützpunkt 1951 vom Strategic Air Command (SAC) der United States Air Force (USAF) wieder in Betrieb genommen und verschiedene Einheiten der US-Armee waren im Durchschnitt drei Monate dort stationiert. Nach einem erneuten Abzug USAF im Jahr 1964, war es 1967 die Forderung des französischen Präsident Charles de Gaulles, sämtliche US-amerikanische Militärstützpunkte in Frankreich zu schließen, die dazu führte, dass der Stützpunkt 1968 wiederholt unter US-amerikanische Kontrolle fiel. In den darauffolgenden Jahren wurde die Basis lediglich geringfügig genutzt und sorgte erst 1980 im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses erneut für Aufsehen.


Beeinflusst durch den Einsatz von Mittelstreckenraketen durch die Sowjetunion, fasste die NATO den Beschluss 464 Marschflugkörper (Cruise Missiles) in Westeuropa zu stationieren. 96 dieser Cruise Missiles des Typs BGM-109 Tomahawk lagerten daraus folgend ab 1983 im Greenham Common Militärstützpunkt. Bereits die Bekanntgabe dieses Vorhabens 1980 führte zu zahlreichen Demonstrationen der britischen Friedensbewegung und die Einrichtung eines Friedens-Camps für Frauen, die selbst nach dem Abzug der Cruise Missiles noch lange anhielten.


Am bekanntesten wurde die Menschenkette 1983, während der ca. 50.000 Aktivistinnen den Greenham Common Atomwaffen-Stützpunkt, das Aldermaston Nuklearforschungszentrum und die Atomwaffenfabrik in Burghfield verbunden haben. Das Friedenscamp bestand von 1981 bis 2000 – 19 Jahre lang – an mehreren Toren des Stützpunktes. Danach wurde vor Ort ein Gedenkplatz errichtet, der an den jahrelangen Protest der Frauen erinnern soll. Die Zustände im Camp waren sehr primitiv,  dennoch kamen viele Frauen von überall, auch aus dem Ausland, um Zeit dort zu verbringen. Sie organisierten regelmäßig Aktionen zivilen Ungehorsams, blockierten die Tore oder drangen sogar in den Stützpunkt ein. Diese Aktionen führten vermehrt zu Verhaftungen und, da sich viele Frauen weigerten die Bußgelder zu zahlen, auch zu Gefängnisaufenthalten.


Der Protest konnte es nicht schaffen, die Stationierung der Cruise Missiles zu verhindern, aber war maßgeblich – zusammen mit den Protesten in anderen westeuropäischen Ländern, darunter auch Deutschland – für die Bereitschaft Michail Gorbatschows, mit Ronald Reagan über die nukleare Abrüstung zu reden. Aus diesen Verhandlungen ging letztendlich der INF-Vertrag hervor.


Der Abzug der Cruise Missiles von Greenham Common begann 1989 in Folge der, im INF-Vertrag geschlossenen Abmachungen. Bis März 1991 waren alle 96 Cruise Missiles abgezogen und der Flugbetrieb wurde eingestellt. Die USAF übergab die Basis 1992 erneut an die britische Royal Air Force, die wiederum 1993 bekanntgab, keine weitere Verwendung für diese zu haben und die offizielle Schließung des Stützpunkts ankündigte. Das letzte Friedens-Camp fand 2000 auf dem Flugplatz statt. kk

(Quellen: greenhamtower, greenhamcommon, Greenham Commom Women’s Peace Camp)

Bild oben: Proteste vor dem Militärstützpunkt. Foto: British Journal of Photography, gemeinfrei

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