Belgorod (K-329)

russisches Atom-U-Boot

Mit einer Länge von 184m und einer Breite von 15m ist das U-Boot K-329 Belgorod derzeit das größte der Welt. Die Angaben zur Wasserverdrängung variieren je nach Quelle zwischen 24.000t und 30.000t, bei einem Gewicht von ca. 100t. Angetrieben von zwei OK-650 V-Reaktoren, kann das U-Boot eine Geschwindigkeit von bis zu 33 Knoten erreichen. Bei den Reaktoren handelt es sich um Druckwasserreaktoren, die mit zu 45% angereichertem Uran betrieben werden. Das U-Boot wird als Kreuzer klassifiziert – hierfür steht der Anfangsbuchstaben „K“ im Namen –, die sich dadurch charakterisieren, dass Sie einen speziellen Grad an Bewaffnung aufweisen sowie eine bestimmte Wasserverdrängung erreichen. Diese U-Boot-Klasse kann somit ein relativ großes Gewicht über längere Reichweiten transportieren. Daher sind sie unter anderem auf das Mitführen von Torpedos und bestimmten Geschützen ausgelegt.

Die Belgorod war zunächst im Jahr 1992 zur Reparatur außer Betrieb gesetzt worden. Das Schiff (Project 949A) ist eines von eigentlich elf U-Booten, die zur dritten Generation russischer Atom-U-Boote gehören, die zwischen 1982 und 1996 gebaut wurden. Im Rahmen der Reparatur, die unter dem Namen Project 0982 geführt wurde, wurde das Schiff aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten zunächst 2012 erneut verlegt. Nachdem die Reparatur zwischenzeitlich unterbrochen wurde, ist der Ausbau und die Reparatur seitdem langsam wieder aufgenommen worden. Die Arbeiten dauerten letztlich offiziell rund 30 Jahre, bis 2022 an – am 08. Juli 2022 wurde das U-Boot letztlich feierlich an die russische Marine übergeben.

Um die Ausstattung und die potenzielle Verwendung des U-Bootes gibt es widersprüchliche Informationen und Spekulationen. Die Ausstattung umfasst neben der Bewaffnung eine Vielzahl an technischen Sensoren, Messgeräten, unbemannten Unterwasserfahrzeugen und Rettungsfahrzeugen. Dadurch wird eine zivile und wissenschaftliche Nutzung möglich. Besonders sticht hervor, dass Einsätze in der arktischen See, d.h. in bisher kaum befahrbaren Gewässern möglich sind, die besonders geostrategisch relevant sind. Für eine zivile wissenschaftliche Nutzung spricht zum Teil die Missionsleitung an Bord, die der GUGI, die geheim operierende Hauptabteilung für Tiefseeforschung, die trotz der angeblichen zivilen Ausrichtung dem Marineführungsstab im Verteidigungsministerium unterstellt ist, was von wiederum für einen stärkeren militärischen Fokus spricht. Die Crew wird dabei ebenso von der russischen Marine gestellt.

Die zivile Verwendung wird unter anderem aufgrund der vermeintlichen Bewaffnung bezweifelt. Das Status-6 Oceanic Multipurpose System soll es dem U-Boot ermöglichen, sogenannte „Poseidon“ Torpedos abzufeuern. Die Poseidon Torpedos sind ungefähr doppelt so groß wie bisherige ballistische Raketen und in etwa dreißigmal so groß wie bisherige gewöhnliche „heavyweight“ Torpedos. Aufgrund der großen Reichweite von rund 10.000km und einer Tauchtiefe von bis zu 1.000m sollen sie vielfältig einsetzbar sein. So soll sowohl die Nutzung als Unterwasserdrohne – nukleare Tsunamis könnten dadurch ausgelöst werden – als auch die Nutzung als konventionelle Atomwaffe möglich sein. Zweck und Ziel könnten vor allem die Verwendung als Zweitschlagswaffe sein, die in küstennahen Gebieten eingesetzt werden könnte. eb

Quellen:

Moller S: „K-329 Belgorod“: Das ist das neue Riesen U-Boot von Russland, Augsburger Allgemeine, 11.07.2022

Euronews: Setzt Russland neues Super-U-Boot „K-329 Belgorod“ in der Ukraine ein? 13.07.2022

Forkert A und Mergener HU: „Belgorod“ - Russlands neues U-Boot mit Atomtorpedoes, Europäische Sicherheit und Technik, 29.04.2019

Mergener HU: Russland stellt Atom-U-Boot „Belgorod“ in Dienst, Europäische Sicherheit und Technik, 12.07.2022

Munk S: Russland nimmt weltweit größtes Atom-U-Boot in Betrieb - mit gewaltiger Zerstörungskraft, Merkur, 16.07.2022

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