Chronik der Atomteststoppverträge

02.04.1954 Jawaharlal Nehru, Indiens Premierminister, fordert eine Vereinbarung über eine "Stillstandszeit" für Atomtests. Diese ist die allererste Initiative für ein Atomteststopp.

21.08.1957 Die USA kündigen an, für zwei Jahre auf Atomtests zu verzichten, wenn die Sowjetunion (SU) auf die Produktion von Spaltmaterial verzichtet.

31.03.1958 Die Sowjetunion erkärt ein Atomtestmoratorium, wenn alle westliche Staaten ebenfalls ihre Tests einstellen.

01.04.1958 In Reaktion auf die sowjetische Ankündigung über die Einstellung von Atomtests vom 31. März erklärt US-Außenminister John Foster Dulles sein Land wolle Versuche zur Entwicklung einer “sauberen” Atomwaffe fortsetzen. – Großbritanniens Premierminister Harold Macmillan betont in einer Stellungnahme, der Westen sei bereit, im Rahmen eines Abrüstungsabkommens auch die Atomtests bei ausreichender Kontrolle einzustellen.

08.04.1958 President Eisenhower schlägt eine Expertenkonferenz über ein Atomteststopp vor.

01.07.1958 Eine Expertenkonferenz beginnt in Genf. An ihr nehmen Wissenschaftler*innen aus den USA, Großbritannien, der Sowjetunion, Frankreich, Kanada, Tschechoslowakei, Rumänien und Polen.

21.08.1958 Die Expertenkonferenz veröffentlicht ihren Bericht, in dem sie aussagt, dass ein umfassender Teststopp durch ein Netz von 160 Überwachungsstationen verifiziert werden könnte. Aktuelle Technologie könnte Verifikation im Weltraum bis zu 50 Kilometer von der Erde entfernt ermöglichen, aber nicht in den Tiefen des Alls. 

22.08.1958 US-Präsident Dwight D. Eisenhower kündigt an, sein Land sei aufgrund der in Genf erzielten Ergebnisse bereit, Atomwaffentests für zunächst ein Jahr einzustellen, sobald eine Konferenz über die kontrollierte Einstellung aller Atomwaffentests zusammengetreten ist.

08.09.1958 Die Vereinigten Staaten beenden ihre diesjährige Atomtestserie im Pazifik, die am 28. April begonnen hat. – Ab 15. September sollen in der Wüste von Nevada noch einmal zehn Kernwaffenversuche durchgeführt werden.

29.09.1958 Die Sowjetunion nimmt ihre am 31. März eingestellten Atomwaffentests wieder auf. Die US-Regierung stellt daraufhin fest, dass es sich bei der Einstellung in erster Linie um ein Propagandamanöver gehandelt habe.

30.10.1958 Die Sowjetunion lehnt den Vorschlag der Vereinigten Staaten und Großbritanniens ab, die Atomtests für ein Jahr einzustellen. Beiden Mächten wird vorgeworfen, sie machten diesen Vorschlag erst, nachdem sie selbst die bislang größten Testserien durchgeführt hätten.

31.10.1958 Die ersten Verhandlungen zum Atomwaffenteststopp zwischen den USA, Großbritannien (GB) und der SU beginnen in Genf. Alle drei Staaten erklären ein Testmoratorium.

11.11.1958 Die britische Regierung erklärt sich nicht bereit, den sowjetischen Plan einer sofortigen Einstellung der Atomwaffentests ohne ein gleichzeitiges Abkommen über ein Kontrollsystem anzunehmen.

13.04.1959 In einem Brief an Nikita Khruschchow, bietet US-Präsident Eisenhower einen alternativen gestuften Weg zum Atomtestverbot an: Falls die Sowjetunion auf seiner Ablehnung der Vor-Ort-Inspektionen besteht, könnten beide Parteien in Schritten vorankommen. Als erstes könnten sie atmosphärischen Atomtests bis in 50 Kilometer Höhe verbieten. Danach könnten sie durch weitere Verhandlungen die politischen und technischen Probleme lösen, die mit der Kontrolle über unterirdische Tests und Atomtests im Weltraum verbunden sind. Aber Kruschchow lehnt diesen Vorschlag ab und schlägt stattdessen vor, ein Verbot von Atomtests mit einer vorvereinbarten Zahl von Vor-Ort-Inspektionen.

26.08.1959 US-Präsident Eisenhower verlängert das freiwillige Moratorium der Atomtests der Vereinigten Staaten bis zum 31. Dezember 1959. Zwei Tage später erklärt die Sowjetunion, sie testet keine Atomwaffen mehr, solange die westlichen Atomwaffenstaaten die Einstellung der Tests weiterhin achten.

13.02.1960 Frankreich testet erstmals eine Atombombe.

21.03.1961 Die CTBT Gespräche zwischen den USA, Großbritannien und der SU werden wieder aufgenommen. Differenzen gibt es allerdings bei der Frage der Vor-Ort-Inspektionen.

01.09.1961 Die SU nimmt ihre Atomtests wieder auf. Als Begründung werden internationale Spannungen und Frankreichs Atomtest angeführt.

15.07.-05.08 1963 Die USA, GB und die SU unterzeichnen den begrenzten Atomteststoppvertrag (LTBT). Dieser Vertrag verbietet atomare Testexplosionen in der Atmosphäre, dem Weltraum und unter Wasser.

16.10.1964 China testet zum ersten Mal eine Atombombe.

24.08.1968 Frankreich testet eine Wasserstoffbombe.

März-April 1974 Die USA und die SU nehmen die Verhandlungen zum begrenzten Teststoppvertrag (LTBT) und zum Vertrag über friedliche Atomexplosionen (PNET) auf.

18.05.1974 Indien testet einen atomare Sprengsatz.

03.07.1974 Der Schwellenteststoppvertrag wird von den USA und der SU unterzeichnet. Der Vertrag verbietet Untergrundexplosionen die eine Sprengkraft von mehr als 150 kt entwickeln.

03.10.1977 Trilaterale Gespräche zum CTBT. Die USA, GB und die SU machen wesentliche Fortschritte bei den Verhandlungen. Dennoch bleiben Streitigkeiten bei der Verifikation und der Frage der Definition von Atomtests.

30.07.1985 Generalsekretär Gorbatschow kündigt ein Testmoratorium an bis Ende des Jahres an. Sollten die USA ebenfalls ihre Atomtests suspendieren, würde das Moratorium verlängert.  

05.02.1987 Weil die USA ihre Tests nicht ausgesetzt haben, nimmt die SU am 26.02. ihre Atomtests wieder auf.

25.09./09.10. 1990 Der US-Senat und der Oberste Sowjet ratifizieren den TTBT und den PNET.  

15.07.1991 Frankreich beginnt ein Testmoratorium.

10.08.1993 UN-Mitgliedsstaaten beschließen, Verhandlungen über einen umfassenden Atomteststoppvertrag (CTBT) aufzunehmen. Das Mandat erhält das Ad-Hoc-Komitee zum Atomtestverbot, über die Struktur der Verhandlungen zu beraten. 

03.02.1994 Die CTBT Verhandlungen beginnen in Genf unter dem Vorsitz vom mexikanischen Abrüstungsbotschafter Miguel Marin-Bosch.

13.06.1995 Frankreich beginnt erneut mit Atomtests. Es gibt weltweite Proteste darüber, bis das Land im Januar 1996 die Testreihe beendet.

11.08.1995 Die USA streben unter der Clinton-Administration das Verbot sämtlicher Atomtests an. Die Zuverlässigkeit der U.S.-amerikanischen Atomwaffen soll dennoch nicht gefährdet werden. Russland stimmt dem Vorschlag zu.

20.06.1996 Indien kündigt an, den CTBT abzulehnen, weil der Vertrag aus Sicht Neu Delhis nichts gegen die Modernisierung bereits bestehender Arsenale unternimmt.

August 1996 Auch wegen der indischen Blockadehaltung entschließt sich Australien, den CTBT in die Vollversammlung der Vereinten Nationen einzubringen.

10.09.1996 Die UN-Vollversammlung nimmt den CTBT an und öffnet ihn zur Unterzeichnung. Indien, Bhutan und Libyen stimmen dagegen.

24.09.1996 u.a. China, Frankreich, Großbritannien, Iran, Russland und die USA unterzeichnen den Vertrag.

06.04.1998 Frankreich und Großbritannien ratifizieren den CTBT.

13.10.1999 Der U.S.-Senat lehnt die Ratifizierung des CTBT ab.

21.04.2000 Die russische Duma ratifiziert den CTBT. Allerdings wird vermerkt, dass man die Ablehnung des U.S.-Senats kritisiert.

06.02.2012 Indonesien (Annex 2 Staat) ratifiziert den Vertrag.

[Quellen: CTBTO, Federation of American Scientists]

Bearbeitungsstand: Dezember 2018

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