1991

Siebzehn Minuten vor Zwölf: Der Kalte Krieg ist vorbei. Die USA und Russland vereinbaren tiefe Einschnitte in ihre Atomwaffenarsenale. In beiden Ländern werden viele der Raketen und Bomber nicht mehr auf Höchstbereitschaft gehalten.

03.04. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution 687, die die Zerstörung der atomaren, chemischen und biologischen Waffen des Iraks, sowie seiner Raketen mit einer Reichweite von mehr als 150 Kilometer verlangt. Der Sicherheitsrat richtet eine Sonderkommission ein (UNSCOM), um die Eliminierung aller Massenvernichtungswaffen im Irak zu kontrollieren. » Im Wortlaut (PDF)

13.06. Die USA und UdSSR äußern sich unterschiedlich zu der Verbindung zwischen den START- und ABM-Verträgen. Die Sowjetunion sieht einen effektiven START nur gewährleistet, wenn der ABM-Vertrag befolgt wird.

10.07. Südafrika wird als atomwaffenfreier Staat Vertragspartei des Atomwaffensperrvertrages.

15.07. Frankreich führt seinen letzten Atomtest vor Inkrafttreten eines bis September 1995 andauernden Moratoriums durch.

31.07. Unterzeichnung des Vertrages über die Reduzierung von strategischen Atomwaffen (START I) zwischen den USA und der Sowjetunion. Der Vertrag sieht eine Abrüstung auf 1.600 Trägersysteme mit maximal 6.000 Atomsprengköpfen vor. » Im Wortlaut (PDF) englisch

29.08. Das sowjetische Atomtestgelände Semipalatinsk in Kasachstan wird nach insgesamt 496 Atomtests geschlossen. »Anordnung im Wortlaut (russ.)

03.09. Der russische Präsident Boris Jelzin ruft zu einem internationalen Atomtestmoratorium auf. [Healy M]

27.09. US-Präsident Bush kündigt in einer "Präsidential Nuklear Initiative" (PNI) den Abzug aller see- und landgestützten taktischen Atomwaffen auf fremden Territorien an. Zudem sollten alle Atomwaffensysteme, die unter START deaktiviert werden, sofort aus der Alarmbereitschaft gestellt und ihre Eliminierung beschleunigt werden, sobald der Vertrag ratifiziert wurde. Einige Modernisierungsprogramme der ICBMs wurden gestoppt. Bush schlägt vor, alle ICBMs mit MIRV bilateral abzuschaffen. [NTI]

05.10. In Reaktion auf die PNI von US-Präsident Bush kündigt der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow eine Reihe von eigenen Intitiativen an: die Zerstörung aller nuklearen Artilleriemunition und Minen; der Abzug von Atomsprengköpfen zu zentrale Lagerplätzen; strategische Bomber und 503 ICBMs werden aus der Höchstalarmbereitschaft genommen Pläne für neue mobile ICBMs werden gestoppt und 1.000 Atomsprengköpfe mehr abgerüstet, als unter START vereinbart wurde. Darüber hinaus kündigt er ein einjähriges einseitiges Atomtestmoratorium an und fordert einen internationalen Atomteststopp.

11.10. UNSR-Resolution 715 fordert die Einhaltung der Inspektionen vom Irak. [UNSR-Resolution 715]

08.11. Als Ergebnis der im Juli 1990 angekündigten Überprüfung stellt die NATO ein neues strategisches Konzept vor. Darin heißt es ausdrücklich, dass „die Umstände, unter denen ein Einsatz von Atomwaffen durch [die NATO] in Erwägung gezogen werden müsste, weit entfernt [engl. "remote"] sind.“

08.11. Der südkoreanische Präsident Roh Tae Woo kündigt die Erklärung zur Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel an. Südkorea verspricht damit, keine Atomwaffen herzustellen, zu besitzen, zu lagern, zu stationieren oder einzusetzen. » Im Wortlaut (PDF, englisch)

09.11. Erste kontrollierte Kernfusion in der Forschungsanlage JET bei London.
 
26.11. Letzter Atomtest Großbritanniens in Nevada, USA. Insgesamt zündeten die Briten 45 Atombomben, davon 21 oberirdisch.

05.12. US-Präsident Bush unterzeichnet das Raketenabwehrgesetz (Missile Defense Act 1991). Das Gesetz besagt, dass die USA ein Raketensystem in Übereinstimmung mit dem ABM-Vertrag bis 1996 aufbauen sollen.

12.12. Präsident Bush unterzeichnet den Soviet Nuclear Threat Reduction Act (das Nunn-Lugar-Gesetz), der die US-Hilfe für die GUS bei der Lagerung, dem Transport, der Demontage und der Zerstörung von nuklearen und chemischen Waffen sowie bei der Konversion von Verteidigungsgütern und dem Austausch von Militärs untereinander genehmigt.

21.12. In Alma-Ata kündigen die sowjetischen Republiken Ukraine, Weißrussland und Kasachstan an, dass alle taktischen Atomwaffen bis 1. Juli 1992 zurück nach Russland geschickt werden.

25.12. Gorbatschow tritt als sowjetischer Staatspräsident zurück und übergibt Jelzin als russischem Präsidenten das Kommando über die strategischen Atomwaffen. Die EG und die USA erkennen Russland als Rechtsnachfolger der UdSSR an.

29.12. In der Almaty-Erklärung zu strategischen Streitkräften einigen sich Kasachstan, Weißrussland, die Ukraine und Russland, dass sie fortan über die Atomstreitkräfte der ehemaligen Sowjetunion gemeinsame Kontrolle haben werden. [NTI]

31.12. Südkorea und Nordkorea unterschreiben die gemeinsame Erklärung zur Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Sie einigen sich, keine Atomwaffen zu produzieren, zu erwerben, zu besitzen, zu stationieren oder einzusetzen und darüber hinaus keine Wiederaufarbeitung oder Urananreicherung zu betreiben. Gegenseitige Inspektionen zur Verifikation werden vereinbart. » Im Wortlaut (PDF, englisch)

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