1968

Sieben Minuten vor Zwölf: Regionale Kriege brechen in Asien und dem Nahen Osten aus. Die USA sind in Vietnam verstrickt, Indien und Pakistan sowie Israel und arabische Staaten kämpfen gegeneinander. Darüber hinaus steigt durch die französischen und chinesischen Atomtests die Zahl der Atommächte. Das Bulletin beklagt die Ideenlosigkeit im Kampf gegen die Gefahren der atomaren Anarchie.

21.01. Ein US-amerikanischer B-52-Bomber stürzt über Thule in Grönland ab. Dabei werden vier Atombomben abgeworfen. Als Folge müssen die USA Hunderte von Tonnen mit Plutonium verseuchtem Eis entsorgen.

31.01. Die kriegsentscheidende Tet-Offensive des Vietcong beginnt.

16.02. Der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses im Senat der USA, Senator James William Fulbright, wirft US-Außenminister Dean Rusk vor, den Einsatz von taktischen Atomwaffen im Vietnamkrieg vorzubereiten. Das State Department dementiert die Anschuldigung.

28.02. Das US-Verteidigungsministerium gibt die Einstellung der ständigen Bereitschaftsflüge von B 52-Bombern mit Atomwaffen an Bord bekannt, nachdem bei einem Absturz über Grönland vier Wasserstoffbomben verlorengegangen waren.

07.03. Die Atomwaffenstaaten USA, Sowjetunion und Großbritannien bieten auf der Genfer Abrüstungskonferenz allen Staaten, die auf den Erwerb oder die Herstellung von Atomwaffen verzichten, eine Sicherheitsgarantie gegen atomare Erpressung durch dritte Staaten an.

08.-10.03. Ein mit drei Atomraketen bewaffnetes sowjetische U-Boot sinkt 1200 km von der Küste der Insel Oahu, Hawaii entfernt.

19.04. In Den Haag (Niederlande) berät die nukleare Planungsgruppe des Nordatlantikpakts (NATO) über Richtlinien für den taktischen Einsatz von Atomwaffen. Alle Teilnehmer sind jedoch der Ansicht, dass ein Raketenabwehrsystem gegen Atomwaffen für Europa gegenwärtig nicht in Frage kommt.

19.06. UN-Sicherheitsrat verabschiedet eine Resolution (255) die Sicherheitsgarantien für atomwaffenfreie Staaten gewährt, die NVV-Mitgliedstaaten sind. [Wortlaut, engl.]

01.07. Die drei Großmächte USA, UdSSR und Großbritannien unterzeichnen den Atomwaffensperrvertrag, der die Weitergabe von Atomwaffen an Drittländer untersagt. [Wortlaut]

07.07. Frankreich beginnt auf dem Moruroa-Atoll im Pazifik eine neue Atomwaffentestserie, gegen die es heftige Proteste der japanischen Regierung gibt.

21.07. Eine radioaktive Wolke, die von den französischen Atomwaffentests im polynesischen Moruroa-Atoll stammt, überquert das nördliche Chile.
 
24.08. Canopus: Frankreich zündet seine erste Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von 2,6 Megatonnen auf der Insel Fangataufa im Südpazifik.

16.09. In London löst sich das “Komitee der Hundert” nach Meinungsverschiedenheiten über die Form künftiger Aktivitäten auf. Zu den Gründern der 1960 entstandenen Protestbewegung gegen Atomwaffen gehörte der britische Mathematiker und Literaturnobelpreisträger von 1950 Bertrand Russell.

28.09. In Genf endet die Konferenz der 96 Staaten, die nicht über Kernwaffen verfügen (29. 8. – 28. 9.), mit der Verabschiedung einer Deklaration, in der kernwaffenfreie Zonen, Sicherheitsgarantien für Nichtnuklearstaaten und die Abschaffung von Atomwaffen gefordert werden.
 
29.10. Der erste deutsche Atommeiler Obrigheim geht ans Netz.

27.11. Als erste Atomwaffenstaat hinterlegt Großbritannien in Moskau und Washington die Ratifikationsurkunden zum Vertrag für die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen vom 1. Juli.

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