Die Gefahren radioaktiver Strahlung

Alpha- und Beta-Teilchen, aber auch die Gamma-Strahlung, rufen Schädigungen im menschlichen Körper hervor. Alle drei führen sie Energie mit und können dadurch ionisieren.

Dringt diese Strahlung in die Materie ein, so werden darin sogenannte Ionenpaare erzeugt. Man nennt die Strahlung daher auch ionisierende Strahlung. Bei der Ionisation werden einzelne Elektronen aus der Atomhülle "herausgeschlagen". Die Atome sind anschließend nicht mehr neutral, die Ladung des überzähligen Protons macht sich bemerkbar. Man bezeichnet sie als positive Ionen.

Diese Ionen und die freigesetzten Elektronen führen zu chemischen Veränderungen unserer Körperzellen und schädigen die Chromosomen. Daraus können Krebserkrankungen entstehen, aber auch Schädigungen an den Erbanlagen. Da eine radioaktive Strahlung zunächst keine Schmerzen verursacht und Erkrankungen sich häufig erst lange Zeit danach bemerkbar machen, sollte man sich niemals bewusst einer radioaktiven Strahlung aussetzten.
 
Als unmittelbare Folge von Radioaktivität erleiden die getroffenen Zellen schwere Funktionsstörungen. Sie können sich nicht mehr teilen oder sterben sogar ab. Der Schweregrad der Sofortwirkungen hängt von der Strahlendosis ab. Akute (nach Minuten oder Stunden) oder subakute (nach Tagen oder Monaten) Sofortwirkungen beginnen ab 50 rem mit Übelkeit und Erbrechen; zwischen 100 und 300 rem treten Blutungen und Schleimhautgeschwüre auf; bei 500 rem stirbt die Hälfte der bestrahlten Menschen; ab 1000 Rem besteht keine Überlebenschance.
 
Bei einer Spätwirkung wird die Funktion der getroffenen Zelle nicht gestört, sondern die Erbinformation im Zellkern wird verändert. Als Folge dieser Änderung kann nach Jahren eine Tochter- oder Enkelzelle zur Krebszelle entarten. Unter Spätwirkung versteht man vor allem Krebs, Leukämie und genetische Erbkrankheiten. Jeder Strahlentreffer kann später zur Krebskrankheit führen. Deshalb bestimmt die Dosis nicht den Schweregrad einer möglichen späteren Erkrankung, sondern nur die Häufigkeit, mit der sie in der Bevölkerung auftritt beziehungsweise das Risiko für das Individuum. Ob es zur Krebserkrankung kommt, hängt zunächst von den Reparatursystemen der Zelle ab, durch die die meisten primären Strahlenschäden repariert werden. Wenn nach Jahren aus unreparierten Schäden Krebszellen entstehen und diese vom Immunsystem nicht erkannt und abgetötet werden, dann kommt es zur Krebskrankheit.
 
Im niedrigen Dosisbereich haben Strahlen proportional mehr Spätwirkungen als bei hoher Dosis. Deshalb dürfen keinesfalls die Gefahren niedrigdosierter Strahlenbelastungen heruntergespielt werden.

Schwangere Frauen müssen vor Strahlen geschützt werden, weil das sich entwickelnde Kind besonders strahlenempfindlich ist. Zusätzlich zu Missbildungen bei Neugeborenen können im späteren Kindesalter Krebs und Leukämie entstehen.

Chronische Langzeitfolgen einer Strahlenbelastung sind zum Beispiel Knochenmarksdepression mit Störung der Blutbildung und Immunschwäche als Folge der Akkumulation.