
Startseite | Atomwaffen-Initiativen | Geschichte der Anti-Atom-Bewegung
Dienstag, 22. Mai 2012
Kampf-dem-Atomtod-Bewegung
1957 - 1959

Eine im wesentlichen von der SPD, den Gewerkschaften und Teilen der evangelischen Kirche getragene Bewegung gegen atomare Bewaffnung. Im Februar 1958 sprachen sich 83 % aller Befragten in einer EMNID-Umfrage gegen Atomraketen aus. Die atomare Bewaffnung der Bundeswehr wurde jedoch am 25. März 1958 im Bundestag beschlossen. Die sich damit ankündigende Einbeziehung der westdeutschen Streitkräfte in das Atomkriegskonzept der NATO provozierte die wohl eindrucksvollste außerparlamentarische Aktivität in den fünfziger Jahren, eine Welle von spontanen Schweigemärschen, Protestkundgebungen und Arbeitsniederlegungen. Die SPD orientierte zunächst auf eine Volksbefragung zur Atombewaffnung, und brachte am 7. Mai 1958 einen entsprechenden Antrag in den Bundestag ein, von einzelnen Politikern wie dem jungen Helmut Schmidt wurde gar ein "Demonstrationsstreik" der Gewerkschaften gegen die Bundestagsentscheidung gefordert.
Überall entstanden Komitees "gegen den Atomtod", eine Volksbefragung wurde gefordert. Der Hauptvorstand der IG-Bau-Steine-Erden beschoss, dass Bauarbeiter, die aus Gewissengründen beim Bau von Raketenabschussbasen und sonstigen Rüstungseinrichtungen die Arbeit verweigerten, "vollen gewerkschaftlichen Schutz" erhalten würden. Nach einer EMNID-Umfrage sprachen sich 52 % der BundesbürgerInnen für einen Streik zur Verhinderung der Atomausrüstung der Bundeswehr aus. Trotz der günstigen öffentlichen Meinung entzogen SPD und DGB ab Herbst 1958 der Kampagne "Kampf dem Atomtod" schleichend ihre Unterstützung. Die Bewegung fand 1959 ihr Ende, als die SPD sich mit dem Bad Godesberger Programm auf eine große Koalition orientierte und damit auf eine deutliche Unterstützung der Bundeswehr. Dies bedeutete gleichzeitig, dass alle diejenigen, die Politik gegen Atomwaffen fortsetzen wollten, sich unabhängig organisierten.