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Samstag, 4. Februar 2012
Russland
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Die Sowjetunion, Vorgängerstaat Russlands, wurde 1949 Atomwaffenmacht und führte über 700 Atomtests durch. Es wird geschätzt, dass Russland bzw. die Sowjetunion seit 1949 etwa 55.000 Atomwaffen produziert hat. Die Sowjetunion trat dem Nichtverbreitungsvertrag 1972 bei.
Laut Bulletin of Atomic Scientists enthält das russische Arsenal im Jahr 2011 rund 11.000 Atomwaffen, wovon ca. 4.500 aktive und einsatzfähige Atomsprengköpfe sind. Darunter befinden sich 2.430 strategische und 2.080 taktische Atomwaffen. In Lagern befinden sich bis zu 6.300 Atomwaffen, wovon ein großer Teil für die Abrüstung im Rahmen bilateraler Verträge vorgesehen ist. Von den 2.430 strategischen Atomwaffen sind 1.583 auf ballistischen Raketen montiert und 844 sind für Langstreckenbomber vorgesehen.
Der Moskauer Vertrag (SORT) zwischen den USA und Russland aus dem Jahre 2002 sah vor, dass beide Staaten bis 2012 ihre strategischen Arsenale auf 1.700 bis 2.200 aktive Atomwaffen reduzieren. Mit dem Neuen START-Vertrag, den Russland im Januar 2011 ratifizierte, sollte die Zahl der einsatzbereiten strategischen Atomwaffen bis 2018 noch weiter auf je 1.550 reduziert werden. Die Zahl der einsatzbereiten, stationierten Trägersysteme sollte 700 nicht übersteigen und insgesamt sollte jeder Staat nicht mehr als 800 Trägersysteme besitzen.
Am 5. Februar 2011 veröffentlichte das US-Außenministerium Daten vom Neuen START, wonach Russland anscheinend die Reduzierungen für stationierte Atomwaffensysteme unter dem Neuen START jetzt schon erreicht hat. Nach den vorliegenden Daten sind 521 einsatzbereite Trägersysteme stationiert, mit einer Gesamtzahl von 1537 Atomsprengköpfen. (Die Zahl der Sprengköpfe für Langstreckenbomber ist jedoch nicht real, da nur eine Bombe pro Flugzeug unter dem Neuen START gezählt wird, obwohl sie mehr tragen können.) Russland hat insgesamt 865 Trägersysteme und muss daher noch 65 verschrotten, um die Reduzierungen perfekt zu machen. Weitere Details wurden nicht öffentlich gemacht, z.B. die Zahl der nicht stationierten Atomwaffen.
Anfang 2010 veröffentlichte Russland eine neue Militärstrategie. Obwohl die neue Strategie sehr wenig über den Einsatz von Atomwaffen aussagte, haben Experten sie als einen Fortschritt gegenüber der Strategie von 2000 eingeschätzt. Die Schwelle des Einsatzes wurde angehoben, Präventivangriffe mit Nuklearwaffen sind nicht mehr vorgesehen. Die NATO wird als „Gefahr“ statt als „Bedrohung“ gesehen, hauptsächlich wegen der Erweiterung der Allianz. Einen Angriff auf Russland, der „die Existenz des Staates in Gefahr bringt“, könnte den Einsatz von Atomwaffen auslösen. Damit macht Russland von der Klausel im Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes (IGH) von 1996 Gebrauch, in dem das Gericht nicht entscheiden konnte, ob eine Verteidigung mit Atomwaffen zum Weiterbestehen eines Staates rechtswidrig sei oder nicht.
Im November 2008 drohte russlands Präsident Medwedjew wegen der geplanten Raketenabwehr in Europa, Iskander-Raketen in Kaliningrad zu stationieren. Dieser Beschluss wurde im Januar 2009 als Reaktion auf das Verhandlungsangebot von Obama zurück genommen. Dennoch wird von manchen NATO-Ländern vor allem in Osteuropa die Befürchtung geäußert, dass die konventionellen Iskander-Raketen, die bereits nah an der Grenze zu NATO gelagert seien, auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Daher strebt die NATO nach mehr Transparenz über Zahl und Ort der taktischen Atomwaffen Russlands und fordert eine Verlagerung weg von der NATO-Grenze gemäß dem neuen Strategischen Konzept vom November 2010.
Seit einigen Jahren arbeitet Russland an der Modernisierung seiner atomaren Streitkräfte mit der Begründung, dass es unter anderem notwendig sei, den geplanten Raketenschirm der USA zu überwinden. Im März 2009 hat Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew eine Modernisierung der Atomwaffen ab dem Jahr 2011 angekündigt und dies unter anderem mit den Erweiterungsplänen der NATO begründet. Dann beginne eine „umfassende Umrüstung“ des Heeres und der Flotte, sagte der Kremlchef.
Bearbeitungsstand Juni 2011
Die russischen Atomstreitkräfte
Tabelle: Die russischen Atomstreitkräfte 2009
| Typ (Name) | Träger | Stationie-rungsjahr | Sprengköpfe/ Sprengkraft (KT) | Sprengköpfe insg. |
|---|---|---|---|---|
| STRATEGISCHE OFFENSIVWAFFEN | ||||
| ICBMs | ||||
| SS-18 M6 (Satan) | 50 | 1988 | 10 X 500/800 (MIRV) | 500 |
| SS-19 M3 (Stiletto) | 50 | 1980 | 6 X 400 (MIRV) | 300 |
| SS-25 (Sickle/Topol) | 120 | 1985 | 1 X 800 | 120 |
| SS-27 Mod1 (Topol-M2) | 51 | 1997 | 1 X 800 | 51 |
| SS-27 Mod1 (Topol-M1) | 18 | 2006 | 1 X 800? | 18 |
| SS-27 Mod2 (RS-24) | 6 | 2010 | 3 X 400? (MIRV) | 18 |
| Zwischensumme | 295 | 1.007 | ||
| SLBMs | ||||
| SS-N-18 M1 (Stingray) | 4/64 | 1978 | 3 X 50 (MIRV) | 192 |
| SS-N-23 (Skiff) | 1/16 | 1986 | 4 X 100 (MIRV) | 64 |
| SS-N-23 M1 (Sineva) | 5/80 | 2007 | 4 X 100 (MIRV) | 320 |
| SS-N-30 (Bulawa) | (1/16) | (2011) | 6 X 100 (MIRV) | (96) |
| Zwischensumme | 10/160 | 576 | ||
| Bomber/Waffen | ||||
| Tu-95 MS6 (Bear-H6) | 32 | 1984 | 6 X AS-15A ALCMs, Bomben | 192 |
| Tu-95 MS16 (Bear-H16) | 31 | 1984 | 16 X AS-15A ALCMs, Bomben | 496 |
| Tu-160 (Blackjack) | 13 | 1987 | 12 X AS-15B ALCMs oder AS-16 SRAMs, Bomben | 156 |
| Zwischensumme | 76 | 844 | ||
Zwischensumme strategische offensive Streitkräfte | ~2.430 | |||
| NICHT STRATEGISCHE UND DEFENSIVWAFFEN | ||||
| ABM/Luftverteidigung | ||||
| 53T6 (Gazelle) | 68 | 1986 | 1 x 10 | 68 |
| SA-10 (Grumble) | 1.900 | 1980 | 1 x niedrig | ~800 |
| Landgestützt | ||||
| Bomber/Jäger | ~682 | ASM, Bomben | 682 | |
| Kurzstreckenraketen | ? | 1 X ? | ? | |
| Seegestützt | ||||
| U-Boote/Schiffe/Luftwaffe | SLCM, ASW, SAM, ASM, DB, Torpedos | ~590 | ||
| Zwischensumme nicht-strategische und defensive Streitkräfte | ~ 2.080 | |||
| Gesamtsumme | ~ 4.500 | |||
NB: Nach Einschätzungen von US-Geheimdiensten trägt die SS-N-23 (Sineva) vier Sprengköpfe. Die Waffen für die Bomber sind gelagert, nicht auf den Flugzeugen montiert. Es wird eingeschätzt, dass nur ein paar Hundert Bombe auf zwei Stützpunkte gelagert werden, alle andere befinden sich im Zentrallager. Angeblich sind alle 32 "Gorgon"-Raketen aus dem ABM-System entfernt worden. Teilweise addieren sich die Zahlen wegen Ab- und Aufrundung nicht. Alle nichtstrategische Sprengköpfe sind zentral gelagert. Zusätzliche 1.600 bis 3.300 nichtstrategische Waffen befinden sich vor der Verschrottung. Es gibt daher ein Gesamtarsenal von nichtstrategische Waffen von 3.700 bis 5.400. Schätzungsweise befinden sich zusätzlich 3.000 strategische Sprengköpfe vor der Verschrottung. Das komplette Atomwaffenarsenal besteht also schätzungsweise aus ca 11.000 Sprengköpfen. | ||||
ABM: Raketenabwehrrakete ALCM: Luftgestützter Marschflugkörper ASM: Luft-Boden-Rakete ASW: Anti-U-Boot-Waffe DB: Wasserbombe ICBM: Interkontinentalrakete MIRV: Mehrfachsprengkopf SAM: Boden-Luft-Rakete SLBM: U-Boot-gestützte ballistische Rakete SLCM: Seegestützter Marschflugkörper SRAM: Kurzstreckenrakete | ||||
Quelle: Norris, Robert S./Kristensen, Hans M.: Nuclear Notebook: Russian Nuclear Forces, 2011, in: Bulletin of the Atomic Scientists May/June 2011, S. 55-64.