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Samstag, 11. Februar 2012
Frankreich
Obwohl Frankreich den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat und sich damit zur Abrüstung seiner Nuklearwaffen verpflichtet hat, gibt es keine Anzeichen dafür, dass Frankreich auf sein Atomwaffenarsenal verzichten will. Im Gegenteil, Frankreich plant die Entwicklung, Produktion und Stationierung neuer Atomwaffen. Für das Jahr 2005 waren im französischen Verteidigungshaushalt für die Weiterentwicklung der Nuklearwaffen 3,18 Milliarden Euro ausgewiesen, davon 1,85 Milliarden allein für das U-Boot-Programm.
Frankreich verfügt zurzeit über zwei nukleare Waffensysteme. Dabei handelt es sich um:
1. ballistische Raketen (SLBM), die auf atomgetriebenen U-Booten (SSBN) stationiert sind.
Frankreich verfügt zurzeit über drei Atomwaffen-U-Boote vom Typ Le Triomphant. Ein viertes Boot dieses Typs befindet sich im Bau und soll spätestens bis 2010 in Dienst gestellt werden. Die Boote sind bestückt mit jeweils 16 Atomraketen vom Typ M45. Jede Rakete kann sechs Sprengköpfe vom Typ TN75 zum Einsatz bringen. Vermutlich verfügt Frankreich gegenwärtig über insgesamt 288 Sprengköpfe vom Typ TN75.
Für die nahe Zukunft (ab 2010) ist sowohl die Einführung neuer U-Boot Systeme (Typbezeichnung: Barracuda-Klasse) mit speziellen Angriffsfähigkeiten als auch eine weitere Leistungssteigerung der nuklearen Raketensysteme bereits auf den Weg gebracht und finanziell abgesichert.
2. Luft-Boden-Raketen mittlerer Reichweite, die von den Flugzeugtypen Mirage 2000N und Super Étendard eingesetzt werden.
Insgesamt drei Geschwader mit zusammen 60 Mirage vom Typ 2000N bilden die atomare Bomberstreitmacht. Die Flugzeuge sind bewaffnet mit einer »Air-Sol-Moyenne Portée (ASMP)« Luft-Boden-Überschallrakete, die über einen einzelnen Atomsprengkopf vom Typ TN-81 verfügt. Es wird angenommen, dass Frankreich über ca. 60 einsatzbereite und weitere eingelagerte nicht aktive ASMP-Syteme verfügt.
Frankreich plant, alle Mirageflugzeuge durch den neuen Mehrzweck-Kampfbomber vom Typ Rafale zu ersetzen. Das erste nukleare Geschwader des neuen Typs soll im Jahr 2008 einsatzbereit sein. Die neuen Flugzeuge sollen sowohl bei der Luftwaffe als auch bei der Marine zum Einsatz kommen. (Quelle: Nuclear Notebook 2005: French nuclear forces 2005, S. 73-75.)
Im November 2010 haben der britische Premierminister Cameron und der französische Präsident Sarkozy einen Kooperationsvertrag über gemeinsame Forschung und Testen von Atomwaffen in London unterzeichnen. Gleichzeitig wurde ein zweiter Vertrag über militärische Zusammenarbeit unterschrieben. Es wird zwei Zentren geben: das eine für Forschung in Aldermaston, Großbritannien und das zweite für Tests in Valduc in Frankreich. Das Valduc-Testzentrum wird erst in 2014 in Betrieb gehen.
Der Vertrag wird bis 2060 gelten. Dies bedeutet, dass die beiden Atomwaffenstaaten für mindestens weitere fünfzig Jahre auf ihre Atomwaffen nicht verzichten wollen, obwohl sie sich unter dem Artikel VI des Atomwaffensperrvetrags verpflichtet haben, „in redlicher Absicht“ ihre Atomarsenale abzuschaffen.
Genau welche Art von Atomwaffentests und Forschung die beiden Staaten durchführen wollen, ist nicht bekannt. Angeblich werden jedoch weder Geheimnisse noch Atomsprengköpfe weiter gegeben und die Wissenschaftler in den jeweiligen Zentren entsprechender Nationalität sein. Vermutlich werden die Atomwaffentests ähnlicher Natur wie jene sein, die die USA und Russland bereits durchführen. Die USA haben einen solchen subkritischen Test am 15. September 2010 durchgeführt und erfuhren scharfe Kritik, vor allem aus Japan. Der umfassende Atomteststoppvertrag von 1996 verbietet solche Tests nicht, dennoch sind viele Regierungen der Meinung, sie verstoßen gegen den Geist des Atomteststoppvertrags, der allerdings noch nicht in Kraft getreten ist. (Quellen: BBC News, AFP)
Bearbeitungsstand: November 2010
siehe auch: Atomwaffensperrvertrag