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Donnerstag, 17. Mai 2012
Canberra-Kommission
engl.: Canberra Commission
Am 26. November 1995 kündigte der damalige Premierminister Australiens Paul Keating die Gründung der 15-köpfigen »Canberra Commission on the Elimination of Nuclear Weapons« an. Die Aufgabe der hochrangig besetzten Expertenkommission sollte es sein, »praktische Wege in eine nuklearwaffenfreie Welt aufzuzeigen, unter Berücksichtigung der damit verbundenen Probleme der Erhaltung von Stabilität und Sicherheit während der Übergangsphase und nachdem dieses Ziel erreicht ist«.
In ihrem am 14. August 1996 vorgelegten Bericht schlägt die Canberra-Kommission, ausgehend von einer umfassenden Auseinandersetzung mit der Abschreckung und der gegen die NWFW (Nuklearwaffenfreie Welt) vorgebrachten Argument, eine Reihe konkreter Schritte vor, mit denen der Prozess der Kernwaffenbeseitigung unverzüglich eingeleitet werden kann. Als unmittelbar realisierbar werden folgende Sofortmaßnahmen vorgeschlagen:
- Beendigung des Alarmzustandes für Kernwaffen.
- Trennung der Sprengköpfe von den Trägerwaffen.
- Beendigung der Stationierung nicht-strategischer Kernwaffen.
- Stopp der Kernwaffentests.
- Beginn von Verhandlungen zur weiteren Reduzierung der Kernwaffenarsenale der Vereinigten Staaten und Russlands.
- Abkommen zwischen den Kernwaffenstaaten über den gegenseitigen Nicht-Ersteinsatz und über den Nicht-Einsatz von Kernwaffen gegen die Nicht-Kernwaffenstaaten.
Mit der Canberra Commission ist es gelungen, Vertreter von Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen zu einer bis dahin im Abrüstungsbereich nicht gekannten Zusammenarbeit zu bringen. Der Bericht der Kommission hatte eine erhebliche Bedeutung, um den wissenschaftlichen Diskussionsstand zur nuklearwaffenfreien Welt zusammenzufassen und in konkrete Vorschläge umzusetzen, die in den folgenden internationalen politischen Diskussionsprozess eingeflossen sind. (Jürgen Scheffran in: Bender/Liebert: Wege zu einer nuklearwaffenfreien Welt, Münster 2001, S. 47f.)
Bearbeitungsstand: Oktober 2005
Carbon Blazer
In der Zeit vom 5. bis 15. Mai 1987 fand unter der Bezeichnung „Carbon Blazer“ das größte Manöver mit Pershing II-Raketen in Europa statt. Der in Südwestdeutschland gelegene Übungsraum umfasste folgende Landkreise:
- Im Regierungsbezirk Tübingen: Alb-Donau-Kreis, Reutlingen, Tübingen
- Im Regierungsbezirk Karsruhe: Calw, Enzkreis, Freudenstadt, Karsruhe, Neckar-Odenwald-Kreis, Rastatt, Rhein-Neckar-Kreis
- Im Regierungsbezirk Stuttgart: Böblingen, Esslingen, Göppingen, Heidenheim, Heilbronn, Hohelohekreis, Ludwigsburg, Ostalbkreis, Rems-Murr-Kreis, Schwäbisch Hall, Main-Tauber-Kreis
Insgesamt waren ca. 4000 US-Soldaten mit 1500 Radfahrzeugen und 12 Hubschraubern beteiligt. 100 Radfahrzeuge mit über 21,7 Tonnen waren angekündigt. Zu Beginn der Übung fuhren aus dem Standort Heilbronn (Waldheide) drei Konvois mit jeweils 3 Raketen aus und bezogen Stellung im Raum Sinsheim. Ebenfalls 9 Raketen fuhren aus der Wiley-Kaserne in Neu-Ulm aus. Sechs Raketen bezogen eine Stellung bei Straß und drei fuhren nach Suppingen (westl. Blaubeuren). Aus den Kasernen in Schwäbisch Gmünd fuhren Führungs-, Versorgungs- und Fernmeldeeinheiten aus. Eine große Komandostellung wurde im Wald von Simmisweiler bei Aalen errichtet.In der Nacht zum 6. Mai verließen alle dort stationierten Raketen das Mutlanger Depot und bezogen Stellungen im Viereck Schwäbsich Gmünd, Schwäbisch Hall, Aalen und Crailsheim. Aus Heilbronn fuhren weitere 9 Raketen in Bereitstellungsräume im Main-Tauber-Kreis. Weitere 9 Raketen aus Neu-Ulm bezogen Stellungen westlich von Blaubeuren. Die Mutlanger Raketen blieben bis zum 8. Mai in ihren ersten Bereitstellungsräumen und wurden am 10 . Mai in den Rems-Murr-Kreis verlegt. Am gleichen Tag erfolgte eine Verlegung in den Raum Karlsruhe, Pforzheim, Bretten, Eppingen, wo die Raketen bis zur Rückfahrt am 14. Mai blieben.Die 18 Raketen aus Heilbronn blieben bis zum 8. Mai im Raum Kraichgau (Sinsheim) und im Main-Tauber-Kreis und wurden dann im Landkreis Heilbronn zusammengezogen. Am 10. Mai wurden diese Raketen in den Raum Eppingen, Heidelberg, Sinsheim, Bad Rappenau verlegt, wo sie bis zum Rückmarsch am 15. Mai blieben. Von den 18 Raketen aus Neu-Ulm wurden 9 von ihrem ersten Bereitstellungsraum am 7. Mai in den Landkreis Calw verlegt, weitere 9 Raketen am 8. Mai in den Raum Freudenstadt. Weitere Verlegungen erfolgten auch hier bis zum 15. Mai nicht mehr. An den Raketentransporten und Verlegeübungen waren keine atomaren Sprengköpfe beteiligt.
(Unterlagen der Presshütte Mutlangen)
Bearbeitungsstand: Juli 2010
Carte Blanche
Eine taktisch-nukleare Planübung der NATO im Juni 1955. In dieser Übung, die in der Bundesrepublik Deutschland, den Niederlanden und in Nordostfrankreich abgehalten wurde, wurde der begrenzte taktisch-nukleare Einsatz der NATO simuliert. Angenommen wurden insgesamt 335 nukleare Einsätze, davon 268 auf deutschem Territorium. Als Ergebnis des radioaktiven Niederschlages und der Explosionen wurden zwischen 1,5 bis 1,7 Millionen Deutsche „getötet“ und 3,5 Millionen „außer Gefecht gesetzt“. Als Ergebnis der Übung gewann die Annahme an Raum, dass der Einsatz taktischer Nuklearwaffen „Europa nicht verteidigen sondern zerstören“ werde. (Neuman, Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 66)
Bearbeitungsstand: Oktober 2006
siehe auch: NATO
siehe auch: Radioaktiver Niederschlag
Castle-Bravo

Am 28. Februar 1954 detonierte auf der Insel Nam eine 15 MT große Wasserstoffbombe. Es war die größte je von den USA initiierte oberirdische Nuklearexplosion - 1.000-fach stärker als die Hiroshima-Bombe. Die Castle-Bravo-Bombe, die zweieinhalbmal stärker als vorausberechnet war, riss einen 76 Meter tiefen Krater mit zwei Kilometern Durchmesser in die Atollinsel Nam. Der Atompilz war nach einer Minute 15 km hoch und erreichte nach sechs Minuten eine Höhe von 40 km. Zwei Minuten später hatte der Atompilz einen Durchmesser von rund hundert Kilometern. Millionen Tonnen von Gestein, Korallen und Sand wurden bis zu 30 Kilometer hoch geschleudert und regneten Stunden später als radioaktive Asche auf die Bewohner östlich gelegener Atolle, auf 25 Mitarbeiter einer US-Wetterstation und einen japanischen Fischkutter nieder.
Auf den betroffenen Inseln spielten Kinder in dem Pulver, schmierten es sich auf Arme und Beine. Sie hielten es für Schnee, von dem die Missionare erzählt hatten. Dann begann die Haut zu jucken, bildeten sich Blasen, und es schmerzte fürchterlich. Der Kutter brachte seine verseuchte Fracht nach Japan und löste dort Panik aus. Die Wetterstation hatte rechtzeitig gewarnt, dass der Wind gedreht hatte. Dennoch wurde die Bombe gezündet. »Bravo« wurde so auch zum Verstrahlungstest - vorsätzlich, wie inzwischen freigegebene Akten nahe legen. Denn anders als die 166 Bewohner von Bikini waren Hunderte auf östlich gelegenen Atollen weder evakuiert noch gewarnt worden. So wurden die Menschen des 180 Kilometer entfernten Rongelap-Atolls unfreiwillig zu Testpersonen für Strahlenkrankheiten. Sie lieferten US-Militärs fortan wertvolle Daten. Ein Bericht der US-Atombehörde von 1956 spricht denn auch von einer »idealen Situation, um genetische Studien zu betreiben«.
Dies wiederholte sich, als 1957 die Rückkehr auf das nach dem »Bravo«-Test geräumte Rongelap gestattet wurde. Es war nie dekontaminiert worden. Fortan verglichen US-Wissenschaftler die Daten derjenigen, die vom Fallout betroffen waren mit jenen, die sich zum Zeitpunkt der »Bravo«-Detonation außerhalb der Gefahrenzone befanden. Schon nach wenigen Jahren wiesen beide Gruppen einen ähnlichen Mangel an weißen Blutkörperchen im Knochenmark auf und litten unter den gleichen Krebskrankheiten.
Doch erst 1978 wurde den Rongelapesen verboten, die Früchte ihres Atolls zu essen. Die Nordinseln von Rongelap wurden gesperrt. Vergeblich baten die Menschen ab 1979 um ihre erneute Evakuierung. Erst 1985 wurden sie vom Greenpeace-Schiff »Rainbow Warrior« abgeholt, kurz bevor es in Auckland vom französischen Geheimdienst versenkt wurde. Auf den verstrahlten Inseln hatte inzwischen ein dritter Test begonnen: der bislang nur wenig erfolgreiche Versuch der Dekontaminierung. Zwar mussten die USA 1987 einen Entschädigungsfonds von insgesamt 150 Millionen einrichten. Doch weitere Forderungen, die sich aufgrund neuer Erkenntnisse ergaben, konnte Washington bisher abblocken.(Quelle: SVEN HANSEN: taz Nr. 7297 vom 1.3.2004, Seite 5)
Bearbeitungsstand: Mai 2007
siehe auch: Atompilz
siehe auch: MT (Megatonne)
CEA AN-52 Bombe
Die CEA AN-52 war der erste taktische Nuklearsprengkopf der französischen Armee. Es handelte sich um eine frei fallende Bombe, die erstmals am 28. August 1972 getestet wurde und Frankreich vor einer Bedrohung durch die Sowjetunion schützen sollte. Sie befand sich bis 2001 im Arsenal der Armee. Diese Nuklearbombe existierte in zwei verschiedenen Versionen mit 8 KT bzw. 25 KT Sprengkraft. Es wurden 80-100 dieser 455 kg schweren, 4,2 m langen und 60 cm breiten Bomben hergestellt. Im Ernstfall wären diese Bomben von den Mirage-Flugzeugen der Force de frappe abgeworfen worden. (Quelle: www.economy-point.org/c/cea-an-52.html)
Bearbeitungsstand: September 2007
siehe auch: Force de frappe
siehe auch: KT (Kilotonne)
CEP France
Centre d´expérimentation du Pacifique
Bis zu 15.000 Polynesier arbeiteten von 1962 bis heute mit am französischen Atomtestprogramm CEP, euphemistisch verharmlosend »Centre d`expérimentation du Pacifique«, Versuchszentrum im Pazifik genannt. Meist waren sie für untergeordnete Tätigkeiten wie Bauarbeiten oder Küchendienst zuständig, einige mussten aber auch hochgefährliche Dekontaminierungsarbeiten ausführen oder auf Bohrplattformen die Detonationskammern graben und nach der Explosion dort Proben entnehmen. Stationiert waren die Arbeiter auf den Atominseln Moruroa und Fangataufa, der Garnisonsinsel Hao oder in den Labors und Einrichtungen auf der Hauptinsel Tahiti. Viele von ihnen kamen während ihrer Arbeit mit Radioaktivität in Berührung, wussten aber offenbar nicht Bescheid über diese Gefahr. Es waren oftmals einfache, landwirtschaftlich geprägte Menschen, die kein Französisch verstanden. Begriffe wie "Strahlung" und "Kontaminierung" gab es in ihrem von der Natur geprägten Erfahrungsschatz nicht.
Von 1966 bis 1996 hat Frankreich auf dem Atomversuchsgelände Moruroa im Südpazifik 46 Atombomben in der Atmosphäre und 147 Atombomben unterirdisch gezündet. Nach massiven weltweiten Protesten lief das Testprogramm 1996 aus, heute werden die Explosionen am Computer simuliert.
Doch jetzt melden sich erstmals die früheren Arbeiter von Moruroa zu Wort, die mit ihren Strahlenkrankheiten von Frankreich alleine gelassen werden. Der französische Staat hat - möglicherweise absichtlich - versäumt, die Arbeiter systematisch bei der Einstellung und beim Ausscheiden aus den Arbeitsverhältnissen medizinisch zu untersuchen. 50% der Arbeiter wissen nicht, was ein Dosimeter ist, oder haben nie eines getragen. Die vorhandenen medizinischen Daten werden von den Militärs nicht herausgegeben, die Strahlenbelastung kann von den Betroffenen nachträglich nicht mehr bewiesen werden. Anfragen nach Entschädigung werden deshalb von den französischen Behörden abgewiesen, weil offiziell kein Strahlenrisiko bestand. Viele Strahlenkranke sind nicht oder unzureichend krankenversichert und können sich nicht einmal medizinisch behandeln lassen. (Quelle: Wolfgang Kleiner)
Bearbeitungsstand: Mai 2007
Siehe auch: Moruroa
CEP-Wert
Circular Error Probable (CEP), Streukreisradius
Der Streukreisradius ist das Maß der Genauigkeit, mit der eine Waffe in ein vorgeplantes Ziel gebracht werden kann. Die Maßeinheit ist der Radius des Kreises um ein Ziel, innerhalb dessen die auf das Ziel gerichtete Waffe mit 50%iger Wahrscheinlichkeit auftrifft. Die Zerstörungskraft einer Atombombe hängt wesentlich von drei Faktoren ab:
- Treffgenauigkeit des Gefechtskopfes,
- Sprengkraft des Gefechtskopfes,
- Beschaffenheit des Zieles
Eine niedrige Treffgenauigkeit (d.h. Gefechtsköpfe mit einem großen CEP) kann durch eine größere Sprengkraft ausgeglichen werden. Eine höhere Sprengkraft führt in der Regel zu höheren Kollateralschäden. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 134)
Bearbeitungsstand: Oktober 2005
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Kollateralschaden
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: Unbeabsichtiger Einsatz
CERN
Conseil européen pour la recherche nucléaire
Am 1.7.1953 zeichneten zwölf Staaten in Paris den Vertrag zur Schaffung des CERN nahe Genf. Der Schweiz wurde zugesichert, dass die nukleare Forschung rein wissenschaftlicher Art sein sollte und, dass alle Ergebnisse veröffentlicht würden. Das Forschungszentrum sollte sich jeglicher politischer Aktivität enthalten. Sollte es zu einer internationalen Krise kommen, so habe der Schweizer Bundesrat das Recht, alle für die Sicherheit notwendigen Maßnahmen zu treffen.
Im Oktober 1954 nahm das Forschungszentrum seine Arbeit auf. In den folgenden Jahren wurde das CERN, das offen ist für wissenschaftliche Zusammenarbeit, stetig erweitert; zurzeit zählte es 20 Teilnehmerstaaten. Das Jahresbudget beträgt nahezu 1 Mrd. Schweizer Franken, wovon die Schweiz 4 % übernimmt.
Außer Tausenden von auswärtigen Physikern und Physikerinnen, die jedes Jahr die Einrichtungen benutzen, arbeiten 3.500 Personen ständig im Zentrum. Ein riesiger Teilchenbeschleuniger mit einem Kreisumfang von 27 km, der sog. LEP (Large Electron-Positron Collider), macht aus der Genfer Forschungsstelle eines der wichtigsten Zentren physikalischer Forschung der Welt. Weitere Einrichtungen zur Erhöhung der Kapazität wurden im Jahr 2004 in Betrieb genommen. (Schweizer Gesetzestexte, Online Ausgabe 9/2004, SR 0.424.091)
Bearbeitungsstand: Juni 2006
CHADWICK James
1891 - 1974

Sir James Chadwick wurde, am 20. Oktober 1891 in Cheshire, England geboren. Er besuchte die Manchester Universität und war von 1923 bis 1935 stellvertretender Direktor des Cavendish Research Laboratory in Cambridge, wo er mit Ernest Rutherford über Radioaktivität und künstliche Kernumwandlungen forschte. 1932 entdeckte er bei Beschuss von Beryllium mit Alphateilchen das Neutron, dessen Existenz schon 1921 von Rutherford vorhergesagt worden war. Neutronen sind grundlegende Partikel leer von irgendeiner elektrischen Ladung. Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Masse des Neutrons aus der Masse und Bindungsenergie des Deuterons wurde 1934 von ihm angegeben. Diese Entdeckung ebnete den Weg für die Kernspaltung und den Bau der Atombombe. Er erhielt 1935 den Nobelpreis für Physik.
Zwischen 1943 und 1945 arbeitete er in den USA, hauptsächlich im Los Alamos Scientific Laboratory (heute Los Alamos National Laboratory) in New Mexico, am Manhattanprojekt zur Entwicklung einer Atombombe. Chadwick gehörte in Großbritannien zu den ersten, die die Möglichkeit hatten, eine Atombombe zu entwickeln, und er unterstützte maßgeblich die Bemühungen der Briten um eine Atombombe. Er starb am 23.07.1974 in Pinehurst, England. (Quelle: Martin Greussing)
Bearbeitungsstand: April 2008
Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe
siehe auch: Manhattan-Projekt
Chevaline Projekt
engl.: chevaline
Als Chevaline Projekt bezeichnete Großbritannien die Weiterentwicklung der Polaris Rakete, mit der die britischen Atom-U-Boote ausgestattet waren. Diese wurde 1961 für nötig gehalten, nachdem die Sowjetunion begonnen hatte, das Galosh ABM-System (Anti ballistic missile System) zu entwickeln, welches die britischen Polaris Raketen nicht überwinden konnten. Die britische Strategie war darauf ausgerichtet, im Falle eines Zweitschlages Moskau mit seinen Raketen treffen zu können. Die neu entwickelten Raketen mussten also in der Lage sein, das Galosh-System zumindest teilweise zu überwinden, um so entweder mindestens die industriellen Anlagen um Moskau zu zerstören, oder 10-15 Millionen sowjetische Bürger zu töten. So sollte nach britischem Verständnis eine hinreichende, wenn auch „minimale“ nukleare Abschreckung gegenüber der Sowjetunion aufrecht erhalten werden.
Die Raketen, die aus dem Projekt hervorgingen, sind die Polaris A-3TK. Von ihren Vorgängern unterschieden sich die A-3TK Raketen durch eine geringere Anzahl an Sprengköpfen (2 und nicht mehr 3), extrem gehärteten Wiedereintrittskörpern und verschiedene Durchschlagshilfen (Täuschziele, höhere Materialhärte). Die Reduzierung der Sprengköpfe war nötig um in den Raketen Platz für die Durchschlagshilfen zu schaffen. Die neu entwickelten Sprengköpfe entsprachen nicht mehr den ursprünglichen Polaris Sprengköpfen, sondern ähnelten den US-amerikanischen MK.58. Die Entwicklung des Systems war 1980 abgeschlossen und von 1982 bis 1996 im Einsatz. (mfh)
Bearbeitungsstand: November 2011
Siehe auch: ABM
Siehe auch: Polaris-Rakete
Siehe auch: Sprengkopf
Siehe auch: Wiedereintrittskörper
Chicago 1942
Am 2. Dezember 1942 wurde unter Leitung des italienischen Kernphysikers Enrico Fermi der erste Atomreaktor für eine Kettenreaktion mit dem Ziel der Herstellung einer Atombombe in Betrieb genommen. Der dabei benutzte Kernreaktor war aus Geheimhaltungsgründen unter der Tribüne des Football-Stadions der University of Chicago ("Chicago Pile-1") aufgebaut worden. Darin wurden Uran und Uranoxid mit Graphitblöcken zu einem Meiler aufgeschichtet, in den Kadmiumstäbe eingefahren wurden, die verhindern sollten, dass der Meiler schon während des Aufschichtens aktiv wurde. Beim Herausziehen der Stäbe wurden mehr Neutronen produziert, als das Kadmium auffangen konnte. Damit begann die erste nukleare Kettenreaktion, die das Material zum Bau der ersten Atombomben lieferte.
Bearbeitungsstand: Mai 2007
Siehe auch: FERMI Enrico
Siehe auch: Kettenreaktion
China
engl.: China

China verfügt schätzungsweise über ca. 120 einsatzbereite ballistische Raketen mit jeweils einem atomaren Sprengkopf.
Derzeit sind vier verschiedene Raketensysteme im Dienst:
- Die DF-3A Rakete ist eine Mittelstreckenrakete und wird nach 30jähriger Betriebszeit Schritt für Schritt außer Dienst gestellt.
- Bei der DF-4 Rakete handelt es sich um eine zweistufig, flüssigkeitsangetriebene Langstreckenrakete. Sie ist bunkergeschützt und wird vor dem Abschuss durch eine Raketentransport und -abschussrampe in Position gebracht.
- Die DF-5/5A Rakete hat ebenfalls flüssigen Brennstoff. Sie ist in unterirdischen Betonsilos stationiert und wird vor dem Abschuss in eine senkrechte Position gebracht. Die Zahl der einsatzbereiten DF-5/5A Raketen wird auf ca. 20 Stück geschätzt.
- Die zweistufige DF-21A Rakete besitzt einen Feststoffmotor. Sie ist beweglich und auf einem Transport- und Abschusssystem montiert.
China modernisiert seine Raketenstreitkräfte mit großem Aufwand. Vorrangig wird eine Reichweitensteigerung angestrebt. Seit 2005 kann China mit einer leistungsgesteigerten DF-31 Rakete mit geschätzter Reichweite von ca. 8000 km nicht nur Russland sondern erstmals auch die Gebiete um Hawai und Alaska bedrohen. Der atomare Gefechtskopf erreicht eine Treffgenauigkeit (CEP) von 300-600 Meter. Bis 2010 soll eine verbesserte Df-31 A Rakete Ziele bis 12000 km erreichen können. Damit würde auch das Kernland der USA bedroht.
Neben den landgestützten Raketensystemen besitzt China auch eine nicht bekannte Anzahl atombestückter U-Boote (SSBN). Das modernste Boot vom Typ 094 soll bis zu 16 Atomraketen (SLBMs) mit einer Reichweite von ca. 8000 km an Bord haben. Wann dieses Boot einsatzbereit sein wird, ist unklar.
Die chinesische Luftwaffe verfügt über maximal 120 strategische Mittelstreckenbomber vom Typ H-6 zum Einsatz von Atombomben. Die H-6 wurde wiederholt zum Abwurf von Testbombe eingesetzt. Im November 1976 wurde von einer H-6 Maschine eine Bombe mit einer Sprengkraft von 4 Megatonnen (MT) abgeworfen.
In Ergänzung zu den strategischen Atomwaffen hält China auch eine nicht bekannt Anzahl an taktischen Atomwaffen einsatzbereit. Die Schätzungen westlicher Geheimdienste über die verfügbaren Stückzahlen gehen weit auseinander und sind teilweise widersprüchlich.
Es gilt aber als gesichert, dass China bereits seit den 1980 Jahren über einen Gesamtbestand von ca. 400 atomaren Sprengköpfen verfügt. Ungeklärt ist die Weiterentwicklung sowohl der Trägersysteme als auch der Gefechtsköpfe. Es ist nicht bekannt, ob China in letzter Zeit kleinere und leichtere Sprengköpfe entwickelt hat. Auch wissen wir nicht, ob China für seine ICBMs Mehrfachsprengköpfe entwickelt oder bereits darüber verfügt. Ungeklärt ist auch die Frage, ob und welche Gegenmaßnahmen China als Antwort auf ein US-Raketenabwehrsystem ergreifen wird. (Quelle: Nuclear Notebook 2003: Chinese nuclear forces, 2003, S. 77-80.)
Bearbeitungsstand: Mai 2006
siehe auch: Ballistische Rakete
siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: ICBM
siehe auch: Mittelstreckenrakete
siehe auch: MT (Megatonne)
Circular error probable
CEP-Wert, Streukreisradius
Der Streukreisradius ist das Maß der Genauigkeit, mit der eine Waffe in ein vorgeplantes Ziel gebracht werden kann. Die Maßeinheit ist der Radius des Kreises um ein Ziel, innerhalb dessen die auf das Ziel gerichtete Waffe mit 50%iger Wahrscheinlichkeit auftrifft. Die Zerstörungskraft einer Atombombe hängt wesentlich von drei Faktoren ab:
- Treffgenauigkeit des Gefechtskopfes,
- Sprengkraft des Gefechtskopfes,
- Beschaffenheit des Zieles.
Eine niedrige Treffgenauigkeit (d.h. Gefechtsköpfe mit einem großen CEP) kann durch eine größere Sprengkraft ausgeglichen werden. Eine höhere Sprengkraft führt in der Regel zu höheren Kollateralschäden. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 134)
Bearbeitungsstand: Oktober 2005
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Kollateralschaden
siehe auch: Sprengkraft
siehe auch: Unbeabsichtigter Einsatz
Cobaltbombe
engl.: cobalt bomb
Bei einer Cobaltbombe handelt es sich um eine modifizierte Wasserstoffbombe. Die Idee besteht darin, eine Bombe herzustellen, deren Mantel aus 59Co besteht. Durch die Explosion wird das natürliche 59Co durch Neutroneneinfang in stark radioaktives 60Co umgewandelt und kann als Fallout große Gebiete verseuchen. Die entstehende Gammastrahlung hat eine Halbwertszeit von 5,27 Jahren, was eine jahrzehntelange Verseuchung des betroffenen Gebietes zur Folge hat. Die lange Halbwertszeit macht es für Menschen unmöglich, so lange in Bunkern auszuharren. Andererseits führt ein Aufenthalt im Freien wegen der starken Strahlung unausweichlich zum Tode.
Wegen der hohen Menge an freigesetzter atomarer Strahlung spricht man bei der Cobaltbombe stets von einer »schmutzigen« Bombe. Soweit bekannt, wurde eine solche Bombe nie gebaut. (LL)
Bearbeitungsstand: Februar 2008
siehe auch: Fallout
siehe auch: Halbwertszeit
Cochemer Appell
Der Trägerkreis „Atomwaffen abschaffen ‑ bei uns anfangen!“ verabschiedete am 17. Oktober 1999 bei seiner Jahrestagung in Cochem in der Nähe von Büchel den folgenden Appell:
"Nicht länger Atomwaffen auf deutschem Boden
Zehn Jahre nach Ende des Kalten Krieges lagern noch immer Atomwaffen auf deutschem Boden. Gegen wen sind sie gerichtet?
Atomare Massenvernichtungswaffen bedrohen die Menschheit. Sie müssen unverzüglich abgeschafft werden. Die Bundesrepublik Deutschland soll mit gutem Beispiel vorangehen. Wir fordern die Bundesregierung auf, von den Verbündeten zu verlangen, die Lagerung von Atomwaffen auf deutschem Boden zu beenden, die nukleare Teilhabe in Büchel aufzukündigen und sich international für die Abschaffung aller Atomwaffen einzusetzen.
Eine Welt ohne Atomwaffen ist ein visionäres aber politisch erreichbares Ziel".
18.000 BürgerInnen unterzeichneten diesen Aufruf. Die Unterschriften wurden am 16. Januar 2001 an den Staatssekretär im Auswärtigen Amt Ludger Volmer übergeben. (Kampagne »Atomwaffen abschaffen – bei uns anfangen«)
Bearbeitungsstand: Dezember 2005
siehe auch: Büchel
siehe auch: Nukleare Teilhabe
Codierte Sicherungsvorrichtung
engl.: Permissive Action Link; Abk.: PAL
Es handelt sich um eine Vorrichtung, die an einer Atombombe angebracht oder in sie eingebaut wird, um ein unbefugtes Schärfen oder Abschießen der Waffe ohne Eingabe eines vorprogrammierten Codes oder einer entsprechenden Kombination zu verhindern. Das PAL-System kann gegebenenfalls auch eingebaute Vorrichtungen zur Selbstzerstörung auslösen, sollte ein unbefugter Versuch unternommen werden, die Waffe zu schärfen oder abzuschießen. (Neuman: Kernwaffen in Europa, Bonn 1982, S. 66.)
Bearbeitungsstand: Mai 2006
COHEN Samuel
1921 -

Der Physiker Samuel T. Cohen wurde 1921 in New York geboren. Er gilt als der Erfinder der Neutronenbombe. Ab 1944 gehörte er zu den Mitarbeitern des so genannten Manhattan-Projekts. Er war verantwortlich für die Berechnungen des Verhaltens von Neutronen in der Atombombe »Fat Man«, die am 9. August über Nagasaki gezündet wurde.
Samuel Cohen war überzeugt von der Idee der Neutronenbombe als einer, im Vergleich zu anderen Kernwaffen, sauberen Bombe (clean bomb). Die Idee einer »sauberen Bombe« ging davon aus, dass Neutronenbomben bis zu 95% der von ihnen freigesetzten Energie aus der Kernfusion beziehen, was den radioaktiven Fallout und damit die langfristige Kontamination des Einsatzgebietes stark reduzieren würde.
Cohen plante eine Kernwaffe auf Fusionsbasis, die idealerweise ihre gesamte Energie in Form von Neutronen-Strahlung freigibt. Die so freigesetzte Strahlung würde alles biologische Leben in unmittelbarer Umgebung töten und im Gegensatz zu herkömmlichen Atomwaffen nur kurzlebige Sekundärstrahlung zurück lassen. Die Sprengkraft der Bombe sollte einem Zehntel der Hiroshima-Bombe entsprechen, die, wenn sie in einer Höhe von 1 km (3000 Fuß) gezündet würde, alles Leben im Umkreis von ca. 1,6 km töten sollte, ohne schwere Explosionsschäden zu verursachen.
Cohen vertrat die Meinung, dass eine solche Bombe zivilisierter sei als zum Beispiel eine Wasserstoffbombe mit ihrem riesigen Zerstörungspotential. Die Opfer wären entweder sofort tot oder würden sich nach einer Phase der Übelkeit wieder erholen. Somit war die Neutronenbombe in seinen Augen eine moralisch vertretbare Waffe. (Zitat: »Die Neutronenbombe wird die moralischste Waffe sein, die jemals erfunden wurde«.)
Während des Vietnamkrieges setzte sich Cohen erfolglos für den Einsatz kleiner Neutronenbomben ein, um den Krieg schneller zu beenden und amerikanischen Verluste zu vermeiden. Seiner Meinung nach war die Neutronenbombe für den Kampf gegen den Vietkong besonders geeignet, dessen Taktik darin bestand, sich in Höhlen und Wäldern Zuflucht zu suchen. Der damalige Verteidigungsminister McNamara ordnete allerdings an, keine Nuklearwaffen, egal welchen Typs, im Vietnamkrieg einzusetzen.
Erst in den 1980er Jahren begannen die USA unter Präsident Ronald Reagan mit dem Bau von Neutronenbomben. Insgesamt wurden 700 Neutronenbomben, 350 Granaten und 350 Sprengköpfe vom Typ W70 für Raketen vom Typ Lance gebaut.
Im Gegensatz zu Cohens ursprünglicher Planung, die Waffen in großer Höhe detonieren zu lassen, wurden diese aber so gebaut, dass sie in unmittelbarer Bodennähe detonieren. Damit sollte eine vom Militär gewünschte Maximierung des Explosivschadens erreicht werden. Insgesamt wurden zwei verschiedene Gefechtskopftypen entwickelt. Selbst nach Cohens eigenen Berechnungen hatte der größere der beiden Typen eine höhere Sprengkraft als die Hiroshimabombe.
Die entwickelten Waffen waren ausschließlich für den Einsatz in Europa, im Falle einer sowjetischen Invasion, eingeplant. Sie sollten auf dem Territorium verbündeter Staaten eingesetzt werden und waren entgegen Cohens ursprünglichen Entwürfen auf die Erzeugung von maximalen Explosivschäden hin ausgerichtet. Diese Planung stand im Widerspruch zu Cohens selbst erklärtem Bestreben, Schäden zu minimieren und Opfer unter der Zivilbevölkerung durch kleinräumige Wirkung zu vermeiden.
Die ablehnende Haltung der europäischen Verbündeten gegenüber dieser Waffenform führten dazu, dass diese niemals in Europa stationiert wurden und damit strategisch wertlos waren, da sie als taktische Atomwaffen, also für den Einsatz im Gefechtsfeld, geplant waren. Unter Reagans Nachfolger Präsident George Bush wurde das komplette Arsenal an Neutronenbomben vernichtet. (LL)
Bearbeitungsstand: März 2007
siehe auch: Fallout
siehe auch: Fat Man
siehe auch: Manhattan-Projekt
Complex 2030
Unter dem Namen »Complex 2030« fassen die beteiligten Ministerien der Vereinigten Staaten – das für alle Nuklearangelegenheiten zuständige Energieministerium, vertreten durch die ihm untergeordnete National Nuclear Security Administration (NNSA), sowie das Verteidigungsministerium – ihre Pläne für eine Runderneuerung des Nuklearwaffenkomplexes bis zum Jahr 2030 zusammen. Fester Bestandteil des Planungsszenarios ist der komplette Austausch des bestehenden US-Atomwaffenarsenals durch den so genannten Reliable Replacement Warhead (RRW, zuverlässiger Ersatz-Sprengkopf). Wird das Projekt realisiert, so belaufen sich die Kosten in den nächsten 25 Jahren auf mehr als 150 Milliarden US$, legen sich die Vereinigten Staaten auf die Aufrechterhaltung eines Nuklearwaffenarsenals auf unabsehbare Zeit fest.
Bei einer Anhörung des US-Kongresses im April 2006 begründete Thomas D’Agustino, der stellvertretende NNSA-Direktor für Verteidigungsprogramme, warum das Szenario von Complex 2030 Unterstützung verdient. Den Plan beschreibt die NNSA wie folgt: „Der Zukunftspfad der NNSA liegt im Aufbau eines kleineren, effizienteren Nuklearwaffenkomplexes, der sich an die veränderlichen nationalen und globalen Sicherheitsprobleme anpassen kann.“ Das RRW-Programm wird als Kernelement von Complex 2030 bezeichnet, „um die langfristige Zuverlässigkeit und Sicherheit des Atomwaffenarsenals sicher zu stellen und eine reaktivere Unterstützungsstruktur zu ermöglichen und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass die Vereinigten Staaten jemals wieder unterirdische Tests durchführen müssen.“
Der Haushaltsplan der NNSA für das Finanzjahr 2007 listete »Life Extension Programs« auf, also Programme zur Verlängerung der Betriebszeit von Sprengköpfen, um ein zuverlässiges Nuklearwaffenarsenal für die nächsten Jahrzehnte zu gewährleisten. Betroffen sind die Fliegerbombe B-61, der Sprengkörper W-76 für U-Boot-gestützte Raketen und der Atomsprengkopf W-80 für Marschflugkörper.
Bei der Aufstellung des Haushalts orientierte sich die NNSA am Nuclear Posture Review (NPR) von 2001. Als Teile des geheimen Dokuments im Frühjahr 2002 über die New York Times an die Öffentlichkeit drangen, taten Rüstungskontrollexperten die dort aufgelisteten Vorhaben noch als »Wunschzettel« ab. Jetzt aber ist der Aufbau einer „Nuklearwaffeninfrastruktur, die sich an künftige Anforderungen anpassen kann“, erklärtes Ziel – diese Formulierung wird im Haushaltsplan 2007 wie in Complex 2030 verwendet – und im Budget werden die Mittel für das RRW-Programm erhöht. Das RRW-Programm sieht die Neuentwicklung von buchstäblich jeder einzelnen Sprengkopfkomponente vor, wahrscheinlich auch des »physics package«, also der Plutoniumhohlkugel (Plutoniumkern). Es ist nicht geplant, die neuen Nuklearsprengköpfe zu testen; um aber für alle Fälle gerüstet zu sein, sieht das Budget Mittel für die Betriebsbereitschaft des Atomtestgeländes in der Wüste von Nevada vor.
Überdies sind in den Haushalt Gelder eingestellt, um bis 2007 den Nachweis zu erbringen, dass die USA weiterhin Tritium produzieren können. Tritium, ein radioaktives Wasserstoffisotop, ist das »H« in der H-Bombe. Und tatsächlich: Am 4. Dezember 2006 ließ die NNSA verlauten, dass in der Atomfabrik von Savannah River Site (South Carolina) eine neue Anlage zur Extraktion von Tritium „den Betrieb aufgenommen hat, so dass jetzt Tritium aus Targets gewonnen werden kann und eine nachhaltige Tritiumversorgung für das Nuklearwaffenarsenal der Nation sichergestellt ist.“ Somit werden in den USA jetzt wieder Tritium und Plutoniumkerne gefertigt, nachdem aus Umwelt- und Gesundheitserwägungen die Produktion 1988 (Tritium) bzw. 1989 (Plutoniumkerne) eingestellt worden war. (Quelle: Cabasso, Jackie: Complex 2030: US-Atomwaffen für das 21. Jahrhundert, W & F 2007-1)
Bearbeitungsstand: Oktober 2009
Weitere Informationen zum US-amerikanischen Atomwaffenprogramm
siehe auch: B-61-Bombe
siehe auch: Marschflugkörper
siehe auch: Plutonium
siehe auch: Reliable Replacement Warhead (RRW) Program
siehe auch: Stockpile Stewardship Program
siehe auch: Tritium
Comprehensive Test Ban Treaty (CTBT)
dt.: Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen
Der Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen wurde durch eine mehrheitliche Abstimmung am 10. September 1996 in der UN-Vollversammlung (UN Res 50/245) angenommen, nachdem keine einstimmige Verabschiedung in der Genfer Abrüstungskonferenz erreicht werden konnte. Indien, Bhutan und Libyen stimmten dagegen. Allerdings kann der Vertrag erst in Kraft treten, wenn ihn 44 im Annex 2 des Vertrages namentlich aufgeführte Staaten ratifiziert haben.
Der Vertrag verbietet jegliche Art von Atomwaffentests als auch alle anderen Formen von Nuklearexplosionen. Er soll damit der Entwicklung neuer Arten von Atomwaffen ein Ende setzen, und die Weiterentwicklung von Atomwaffen beschränken, sowie die Entwicklung von Atomwaffen durch neue Staaten erschweren.
Neben dem Testverbot ist im Vertrag die Einrichtung eines internationalen Überwachungssystems (International Monitoring System, IMS) geregelt, damit die Vertragserfüllung auch überprüft werden kann. Obwohl der Vertrag nicht in Kraft getreten ist existiert bereits heute der Vorbereitungsausschuss der CTBT-Organisation (CTBTO Prep Com). Die umfangreiche Website der CTBTO informiert über die Arbeit der Kommission. Hier ist sowohl das Netz der aktiven wie im Aufbau befindlichen Monitoring-Stationen zu finden wie auch die verwendeten Verifikationstechnologien (Hydroakustik, Infraschall, Radionuklide und Seismik). Die CTBTO Prep Com hat das Mandat, das International Monitoring System (IMS) aufzubauen und ein Provisional Technical Secretariat (PTS) in Wien zu unterhalten. Das PTS hat seine Arbeit bereits aufgenommen, ist also bereits vor Inkrafttreten des Vertrags aktiv. Durch das Netz von 321 Messstationen (von denen bereits über 60 Prozent in Betrieb sind) und 16 Laboratorien hat die CTBTO schon heute die Fähigkeit, selbst kleinere unterirdische Nukleardetonationen weltweit nachzuweisen. Das International Data Center analysiert die Daten des IMS und erstellt Produkte, mit denen schon jetzt die Überwachung des Abkommens (Treaty Monitoring) möglich ist.
182 Staaten haben bisher den Vertrag unterschrieben, davon haben ihn 151 ratifiziert. Von den in der Annex 2 aufgeführten Staaten, haben 35 den Vertrag ratifiziert. Die neun Staaten, deren Ratifizierung für ein Inkrafttreten des Vertrags noch notwendig ist, sind die Folgenden: Ägypten, China, Indien, Indonesien, Iran, Israel, Nordkorea, Pakistan und die USA.
Indien, Nordkorea und Pakistan haben den Vertrag ebenfalls noch nicht unterzeichnet.
Eine Konferenz zur Ermöglichung des Inkrafttretens des Vertrages, auch als Artikel-XIV-Konferenz nach dem relevanten Vertragsartikel bekannt, findet alle zwei Jahre statt. Die nächste findet 2011 statt. (Quellen: armscontrol.de; Auswärtiges Amt; xh)
Bearbeitungsstand: April 2010
COMPTON Arthur
1892 - 1962

Arthur Compton wurde am 10. September 1892 in Wooster, Ohio geboren. Er starb am 15. März 1962 in Berkeley, Kalifornien. Compton war 1923 bis 1945 Professor an der Universität Chicago und von 1945 bis 1954 Kanzler der Washington University in St. Louis. Sein Hauptarbeitsgebiet war die Röntgenspektroskopie. 1922 entdeckte er den Compton-Effekt, der von ihm kurz darauf theoretisch gedeutet wurde. Er erhielt dafür 1927 den Nobelpreis.
Nach Abschluss der Schule besuchte er das College von Wooster, wo sein Vater, Elias Compton, als Dekan und Professor tätig war. Nach erfolgreicher Graduierung (1913) wechselte Compton an die Princeton University, um dort Physik zu studieren. Hier erwarb er 1914 seinen Master Degree, zwei Jahre später folgte der Doktortitel. Nach einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft arbeitete er für ein Jahr (1919) an der Cambridge University (Massachusetts). 1920 erhielt Compton den Ruf der Washington University (Saint Louis, Missouri). Er wechselte 1923 an die Universität von Chicago. Von 1942 bis 1945 war Compton im Rahmen des Manhattan Projektes Leiter der Plutoniumforschungsabteilung (zur Erstellung von Atomwaffen). Nach dem 2. Weltkrieg kehrte er nach Saint Louis (Missouri) zurück.
Compton untersuchte um 1922 die Streuung von monochromatischen Röntgenstrahlen an Kristallen und machte folgende Beobachtung: Die gestreute Strahlung wies eine geringere Energie und eine größere Wellenlänge auf, als die Strahlung vor der Streuung. Dieses Versuchsergebnis deutete er, dass die Wellenlänge hochenergetischer elektromagnetischer Strahlung sich ändert, wenn sie an Elektronen gestreut wird. Demzufolge, so folgerte Compton weiter, muss die Strahlung Teilchencharakter besitzen. Er fand schließlich folgende Erklärung: Röntgenstrahlen setzen sich, wie andere elektromagnetische Strahlen, aus Lichtquanten oder Photonen zusammen. Trifft ein Photon, mit einer bestimmten Energie und einem bestimmten Impuls, auf ein Elektron, dann überträgt es beim Zusammenprall einen geringen Anteil seiner Energie und seines Impulses auf das Elektron. Das Photon wird unter einem bestimmten Winkel gegen die Einfallsrichtung abgelenkt, während das Elektron unter einem anderen Winkel ausweicht (Rückstoßelektron). Er hatte hiermit den später nach ihm benannten Compton-Effekt entdeckt. Nur wenig später gelang es seinem schottischen Kollegen Charles T.R. Wilson die »ausweichenden« Elektronen mit einer Nebelkammer nachzuweisen. Für diese Arbeiten teilten sich Compton und Wilson 1927 den Nobelpreis für Physik. Neben den Arbeiten mit Röntgenstrahlung und Gammastrahlung beschäftigte sich Compton auch mit Kettenreaktionen und kosmischen Strahlen. (Quelle: leifi.physik.uni-muenchen.de)
Bearbeitungsstand: Februar 2008
Weitere Informationen zur Entwicklung der Atombombe
siehe auch: Gammastrahlen
siehe auch: Kettenreaktion
siehe auch: Manhattan-Projekt
Corporal-Rakete
engl.: Corporal missile
Die Corporal-Rakete (MGM-5) war die erste Boden-Boden-Rakete der amerikanischen Streitkräfte, die über einen atomaren Sprengkopf (W-7) verfügte. Die Sprengkraft variierte je nach Gefechtskopftyp von 8-61 KT. Die Höchstreichweite des Waffensystems Corporal lag bei ca. 140 km. Bereits bei ihrer Einführung erwies sich die Corporal bei Testschießen in Schottland als wenig zuverlässig. Die Trefferwahrscheinlichkeit lag bei weniger als 50 Prozent, weswegen ihr Einsatz gegen Truppen des Warschauer Pakts als unzweckmäßig eingestuft wurde. Erst die nachfolgenden Waffensysteme „Honest John“ und „Sergeant“ erreichten die geforderte Zielgenauigkeit.
Während der Zeit des Kalten Krieges waren ab Mitte der 1950er Jahre bis 1964 insgesamt sechs US-amerikanische Artillerieeinheiten mit der Corporal-Rakete in Deutschland stationiert:
-1st Bn, 39th Arty (Stationierungsort Augsburg)
-1st Bn, 38th Arty (Stationierungsort Babenhausen)
-2nd Bn, 81st Arty (Stationierungsort Erlangen)
-2nd Bn, 82nd Arty (Stationierungsort nicht bekannt)
-2nd Bn, 84th Arty (Stationierungsort nicht bekannt)
-2nd Bn, 40th Arty (Stationierungsort nicht bekannt.) (LL)
Bearbeitungsstand: März 2012
siehe auch: Honest-John-Rakete
siehe auch: KT-Wert
siehe auch: Sergeant-Rakete
Counterproliferation
Ende 1993 veröffentlichte das US-amerikanische Verteidigungsministerium eine neue Strategie zum Umgang mit der Weiterverbreitung von ABC-Waffen. Sie basierte auf der geheimen von Bill Clinton erlassenen Direktive PDD/NSC 18. Die neue Strategie zielte u. a. auf:
- die Entdeckung von Programmen zur Herstellung von Atom-, Bio- und Chemiewaffen und deren Trägersystemen;
- die Überarbeitung der Einsatzplanung mit dem Ziel, dass US-Truppen auch gegen einen mit ABC-Waffen ausgerüsteten Gegner bestehen können;
- die Beschaffung neuer Waffensysteme, mit denen auch unterirdisch gelegene Lagerstätten zerstört werden können;
- den forcierten Aufbau der Raketenabwehr.
Vor allem aber ist die Counterproliferation darauf ausgerichtet, US-Interventionstruppen auch vor ABC-Waffen zu schützen - einschließlich der frühzeitigen Zerstörung vermuteter Produktions- oder Lagerstätten. (Quelle: taz Nr. 7227 vom 6.12.2003, Seite 4.)
Bearbeitungsstand: April 2006
siehe auch: Atomwaffe
Crailsheim
ehem. Atomwaffenstandort Deutschland
Das ehemalige US-Atomwaffenlager Crailsheim (genaue Koordinaten sind nicht bekannt) lag vermutlich auf dem ehemaligen Standortübungsplatz bei Crailsheim in Baden-Württemberg. Das Lager wurde ausschließlich von der US-Army betrieben und bewacht. Hier lagerte die atomare Munition für das 2nd US Battalion, 42nd Field Artillery.
Dabei handelte es sich bis in die 1970er Jahre um Atomsprengköpfe für die Kurzstreckenrakete Sergeant. Die Sergeant war mit dem Nukleargefechtskopf W-52 ausgerüstet, der über eine Sprengleistung von 200 KT verfügte.
Ab 1974 folgten die Sprengköpfe für das Nachfolgesystem Lance. Dabei handelte es sich um den Nukleargefechtskopf W-70, der über eine variable Sprengleistung von 1-100 KT verfügte:
Version Mod.0: 1.000 t
Version Mod.1: 10.000 t
Version Mod.2: 100.000 t
Version Mod.3: 750 t
Version Mod.4: 1.250 t
Insgesamt gab es sechs US-Bataillone mit „Lance“-Raketen in Deutschland:
V. Corps: Hanau, Wiesbaden, Gießen.
VII. Corps: Aschaffenburg, Crailsheim und Herzogenaurach. (LL)
Weitere Informationen über Atomwaffenstandorte in Deutschland
Bearbeitungsstand: Februar 2012
siehe auch: Atomwaffenlager
siehe auch: Gefechtskopf
siehe auch: Lance-Rakete
siehe auch: Sergeant-Rakete
Cruise Missile
dt.: Marschflugkörper
Unter dem Begriff »Cruise Missile«(dt.: Marschflugkörper) versteht man grundsätzlich einen land-, luft-, oder seegestützten Flugkörper, der über einen eigenen Antrieb verfügt und sich auf einer aerodynamisch stabilisierten Flugbahn bewegt. Er ist in der Lage, nach dem Abfeuern ein zuvor ohne direkte »Line-of-Sight« Zielzuweisung programmiertes Ziel ohne weitere Einwirkung der Abschussplattform und ohne aktive Handlungen des Gegners (z.B. Abstrahlung von elektromagnetischen Wellen) zu finden und zu treffen. Seine Reichweite liegt dabei im mittleren bis Großen Bereich (d.h. 30 km und mehr).
Gemäß dieser Grunddefinition kann man heute zwei verschiedene Kategorien von Lenkwaffen unterscheiden, welche allgemein unter den Sammelbegriff »Cruise Missiles« zusammengefasst werden. Es sind dies einerseits die Land Attack Cruise Missiles (LACM), die sich zur Bekämpfung von Landzielen in einer komplexen Umgebung eignen, und andererseits die primär zur Schiffsbekämpfung verwendeten Anti-Ship Missiles (AShM). Als vermeintlich dritte Kategorie werden im Zusammenhang mit Cruise Missiles auch immer wieder Unmanned Aerial Vehicles (UAV) respektive Drohnen genannt. Diese Fluggeräte haben zwar zahlreiche Eigenschaften mit Cruise Missiles gemeinsam, da sie sich jedoch bezüglich verschiedener technischer Faktoren und einsatzspezifischer Parameter deutlich von richtigen Cruise Missiles unterscheiden, scheint es zweckmäßig, diese Kategorie separat als UVA zu betrachten.
Marschflugkörper haben erstmals im Golfkrieg von 1991 operationell bewiesen, wie wirkungsvoll sie gegen aufgeklärte statische Landziele verwendet werden können. Später sind sie in fast allen Luftkriegen eingesetzt worden, in welche die US-Luftstreitkräfte involviert gewesen sind, und dies in immer größerer Anzahl. Sie haben somit eine zunehmende Bedeutung für die moderne Land- und Seekriegführung. (Quelle: Thomas Bättig in Air Power Revue der Luftwaffe Nr.4 , 10/2005, S. 1)
Bearbeitungsstand: April 2008
siehe auch: CEP-Wert
siehe auch: Taktische Atomwaffen
Curie (Ci)
Veraltete Maßeinheit für Radioaktivität. Ein Curie steht für 37 Milliarden (37.000.000.000) Atomzerfälle in der Sekunde. Das ist die Menge Radioaktivität, die in einem Gramm Radium-226 vorhanden ist. (IPPNW)
Anmerkung: Marie Curie (7.11.1867-4.7.1934) untersuchte die Strahlung des Urans mittels piezoelektrischer Verfahren, die ihr Ehemann Pierre (15.5.1859-19.4.1906) entwickelt hatte. Marie Curie war die erste, die den Begriff radioaktiv zur Beschreibung von Elementen verwendete, die bei der Spaltung ihrer Atomkerne Strahlung abgeben. Pierre Curie beteiligte sich an den Forschungen seiner Ehefrau, nachdem er seine eigenen Arbeiten zum Magnetismus beendet hatte. Sie entdeckten 1898 gemeinsam die beiden neuen Elemente Radium und Polonium.
Bearbeitungsstand: März 2012
CURIE Marie, Pierre
1867-1934 bzw. 1859-1906

Pierre Curie wurde am 15. Mai 1859 in Paris geboren und studierte an der Sorbonne Physik. Mit seinem Bruder Jacques beobachtete er 1880, dass ein elektrisches Potential entsteht, wenn man einen Quarzkristall mechanisch deformiert. Die Brüder nannten das Phänomen Piezoelektrizität. Außerdem entdeckte er, dass magnetische Substanzen bei bestimmten Temperaturen ihre magnetischen Eigenschaften vom Ferro- zum Paramagnetismus ändern.
Marja Sklodowska (Marie Curie) wurde am 7. November 1867 in Warschau geboren. Bis 1883 besuchte sie das Mädchengymnasium in Warschau. Danach war sie bis 1891 als Gouvernante angestellt, um den Lebensunterhalt für sich und das Medizinstudium ihrer Schwester Bronislawa zu verdienen. Im September 1891 ging sie nach Paris und studierte an der Sorbonne, da für sie als Frau ein Studium in Warschau nicht möglich war. 1893 bestand sie als Jahrgangsbeste die Abschlussprüfung in Physik. Dort lernte sie auch Pierre Curie kennen, den sie 1895 heiratete. In diesem Jahr wurde Pierre Professor an der École de physique et de chimie in Paris.
Marie Curie untersuchte die Strahlung des Urans mittels piezoelektrischer Verfahren, die ihr Ehemann entwickelt hatte. Sie war die erste, die den Begriff radioaktiv zur Beschreibung von Elementen verwendete, die bei der Spaltung ihrer Atomkerne Strahlung abgeben. Pierre Curie beteiligte sich an den Forschungen seiner Ehefrau, nachdem er seine eigenen Arbeiten zum Magnetismus beendet hatte. Sie entdeckten 1898 die beiden neuen Elemente Radium und Polonium (benannt nach Maries Geburtsland Polen).
Als erste Frau in der Geschichte erhielt Marie Curie 1903 gemeinsam mit Ihrem Mann und Antoine Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik für ihre Forschungen zur Radioaktivität.
Im folgenden Jahr wurde Pierre Curie als Professor für Physik an die Sorbonne berufen und 1905 als Mitglied der französischen Akademie aufgenommen. Am 19. April 1906 starb er bei einem Verkehrsunfall.
Marie Curie führte die Arbeiten weiter und erhielt 1911 zum ersten Mal in der Geschichte einen zweiten Nobelpreis, dieses Mal in Chemie, für ihre Arbeit zum Radium und zu Radiumverbindungen. 1914 übernahm sie die Leitung des Pariser Radiuminstituts. Durch eine Überdosis Strahlung ausgelöst, erkrankte Marie Curie an perniziöser Anämie. Am 4.Juli 1934 verstarb sie im Sanatorium in Sancellemoz (Schweiz). (Quelle: physik.tu-muenchen.de)
Bearbeitungsstand: September 2007
Cut-Off
engl.: Fissile Material Cut-Off
Verhandlungen über einen Produktionsstopp von Atombombenstoffen
Die Beendigung der Produktion von spaltbaren Materialien - Plutonium und hochangereichertem Uran - für Waffenzwecke (Cut-Off) steht schon seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung der Abrüstungskonferenz. Seit den späten 1990er Jahren ist das Vorhaben jedoch in den Hintergrund gerückt. Zwischen 1997 und 2003 wurde ein Fortkommen der Verhandlungen dadurch blockiert, dass keine Einigung über das Problem der Reduzierung von bereits vorhandenen Beständen von Plutonium und hochangereichertem Uran - über die die USA in erheblichem Umfang verfügen - erzielt werden konnte.
Die USA haben im Mai 2006 der Genfer Abrüstungskonferenz einen neuen Vorschlag für einen Produktionsstopp für spaltbare Materialien vorgelegt. Auf diesem Wege könnten die Verhandlungen über ein Verbot der Herstellung von Atomwaffen innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein, so die USA. Es sei notwendig, dem Iran und Nordkorea eine atomare Aufrüstung zu verwehren. Gleichzeitig lehnen es die USA ab, ein System zur Überprüfung (Verifikation) der Einhaltung des Produktionsstopps einzurichten. Genau dies ist allerdings für einige andere Staaten unannehmbar, so dass eine Ablehnung des Vorschlags durch die Konferenz wahrscheinlich ist.
Die USA berufen sich bei ihrer Ablehnung eines Verifikationssystems darauf, dass die Überprüfung eines Produktionsstopps nicht durchführbar sei. Hintergrund dieser Haltung ist vermutlich, dass die USA es ablehnen, eigene Produktionsanlagen von internationalen Beobachtern inspizieren zu lassen. Abrüstungsgruppen kritisieren die USA für ihre Position, da das Land damit die Verhandlungen blockieren würde.
Das »International Panel on Fissile Material«, das von dem US-Atomphysiker Frank von Hippel an der Princeton-Universität geleitet wird, hat Anfang 2006 einen Bericht veröffentlicht, in dem eine Lösung der Verhandlungsprobleme skizziert wird. Demnach soll in dem Vertrag eine Staffelung eingefügt werden, damit er nach und nach in seinem Umfang erweitert werden kann und die Verifikation robuster wird.
So könnten anfangs z.B. die Atomwaffenstaaten ihre Anlagen und Materialien bei der IAEO zur Kontrolle lediglich anmelden und den Produktionsstopp im militärischen Sektor erst in einer späteren Phase verifizieren lassen.
Außerdem sollten Materialien für Atomwaffen und Marinereaktoren deklariert werden, später sollten sowohl alle Materialien in militärischen und in zivilen Anlagen, als auch die vorhandenen Bestände mit eingeschlossen werden. Weiterhin sollten verbindliche Verpflichtungen formuliert werden, wonach keine Transfers vom zivilen zum militärischen Bereich durchgeführt werden dürften. Militärische und zivile Bestände müssten nach und nach reduziert werden. Somit könnte ein bloßer Produktionsstopp über einen längeren Zeitraum zu einem breiteren Kontrollsystem für spaltbare Materialien ausgebaut werden.
Israel hat sich eindeutig gegen ein Produktionsverbot positioniert. Israel habe Probleme, Ersatzteile zu besorgen, weil das Land nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. Falls der vorgelegte Entwurf zum Verbot in Kraft treten würde, könnte Israel wegen seines Atomwaffenprogramms, das bisher ca. 200 Atomwaffen unterhält, unter Druck geraten.
Indien, das ebenfalls den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat, befürwortet einen verifizierbaren Vertrag. Ein Produktionsstopp für Indien wäre eine wichtige Eindämmung seines Atomwaffenprogramms, das momentan unter gar keiner Kontrolle steht. Auch das sehr umstrittene Abkommen zur nuklearen Kooperation zwischen den USA und Indien tangiert das militärische Programm nicht. Kritiker meinen, Indien sollte erst einen Produktionsstopp für Waffen einführen, bevor die USA einen atomaren Handel mit Indien betreiben, um sicher zu sein, dass ihre Hilfe nicht zur Atomwaffenproduktion beitragen würde. Ein solcher Schritt würde auch gegen das Wettrüsten in der Region helfen.
Frankreich, Russland, die USA und Großbritannien halten sich bereits an ein Produktionsmoratorium für Waffenzwecke, China vermutlich auch. (XH)
Bearbeitungsstand: November 2006