Atomwaffen A-Z

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Donnerstag, 17. Mai 2012

1960

Sieben Minuten vor Zwölf: Die politische Praxis straft das Konzept der „massiven Vergeltung“ Lügen. Zum ersten Mal soll die Gefahr eines Atomkrieges durch die Entspannungspolitik zwischen Washington und Moskau reduziert werden. Beide Staaten wollen eine direkte Konfrontation vermeiden, die durch Konflikte, wie die Suez-Krise, entstehen könnten. Vertrauensbildende Maßnahmen, an denen auch Wissenschaftler beteiligt sind, tragen zur weiteren Entspannung bei.

Studenten aus Mali protestieren gegen französischen Atomtest, Foto: Bundesarchiv13.02. Gerboise Bleue: Erster französischer Atombombenversuch in Reggane in der algerischen Saharawüste, während des Krieges mit Algerien. Die Bombe hatte eine Sprengkraft von 70 Kilotonnen (mehr als 5fache Sprengkraft von Hiroshima) und war damit die größte von allen ersten Atomtests.

05.10. Fehlalarm: Ein Frühwarnradar auf Grönland meldet einen massiven sowjetischen Angriff ballistischer Raketen auf dem Weg in die USA.

15.11. Geroge Washington, das erste atomarbewaffnete U-Boot, geht auf Patrouille, bestückt mit Polaris-Raketen.

Dezember SIOP 62 wird fertig gestellt. Diese Kriegsplanung beinhaltet den Einsatz von mehr als 3000 US-Atomwaffen gegen 1000 Ziele im kommunistischen Block innerhalb den ersten Paar Stunden eines Atomkrieges.

1961

03.01. Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA.

23.01. Ein B-52 bomber mit zwei Atombomben an Bord, jede mit einer Sprengkraft von 24 Megatonnen, stürzt in Goldsboro, North Carolina ab. Eine Bombe zerschellt am Boden, die andere findet sich per Fallschirm gelandet in einem Baum intakt wieder.

30.03. In zahlreichen westdeutschen Städten nehmen Atomwaffengegner an Ostermärschen gegen die Aufrüstung teil.

09.04. Bundeskanzler Adenauer fährt nach Amerika, um mit US-Präsident Kennedy Europas Mitsprache erörtern, ob, wo und wann Atomwaffen eingesetzt werden.

04.05. Der Bundestag billigt den im August 1959 unterzeichneten Truppenvertrag zwischen der Bundesrepublik und den NATO-Mitgliedsstaaten.

03./04.06. Bei einem Treffen mit dem neuen US-Präsidenten John F. Kennedy am 3. und 4. Juni 1961 in Wien erneuerte Chruschtschow das Berlin-Ultimatum.

23.06. Die Antarktis wird nicht nur zur atomwaffenfreien Zone, sondern insgesamt zu einer waffenfreien Zone erklärt und ist der ausschließlich friedlichen Nutzung vorbehalten.

25.07. Kennedy antwortete Chruschtschows Berlin-Ultimatum in einer Rundfunk- und Fernsehansprache mit den "Three Essentials" über die Rechte der Westmächte in Berlin. Er erklärt damit seine Entschlossenheit, die Anwesenheit westlicher Truppen in West-Berlin, den freien Zugang von und nach Berlin sowie die Freiheit und Lebensfähigkeit der Stadt zu verteidigen.

13.08. Die DDR beginnt die Berliner Mauer zu errichten, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Bewaffnete Volkspolizisten der DDR riegeln Ost-Berlin gegen West-Berlin ab.

16.08. Für alle Bewohner der DDR und Ost-Berlins wird die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland gesperrt.

31.08. Die Sowjetunion beschließt, die Atomwaffentests wieder aufzunehmen. Dadurch wird die Konferenz über die kontrollierte Einstellung der Atomwaffentests in Genf vorzeitig beendet.

01.09. In einer Wahlkampfrede fordert Bundeskanzler Adenauer die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

27.-28.10. Am Grenzübergang Checkpoint Charlie in Berlin standen sowjetische und US-amerikanische Panzer gegenüber und richteten ihre Kanonenrohre aufeinander. Weitere Tanks standen in den Nebenstraßen bereit. 16 Stunden dauerte der Nervenkrieg an, bevor beide Seiten doch die Krise friedlich beilegten.

30.10. Zar-Bombe: Die Sowjetunion führt den größten aller Atomtests mit 50-58 Megatonnen (ca. 4000fache Sprengkraft von Hiroshima) in Nowaja Semlja durch.

1962

20.06. Starfish: verfehlter US-Weltraumatomtest. Die Rakete explodierte in einer Höhe von 10m Höhe und verseuchte Teile von Sand Island mit Plutonium.

06.07. Storex Sedan: sogenannte friedliche Atomtest in Nevada, um der Einsatz von Atombomben für die Bergbau zu untersuchen. Die Sprengkraft betrug 104 Kilotonnen, es wurde ungefähr 11 Millionen Tonnen Gestein bewegt und die radioaktive Wolke erreichte eine Höhe von 3,7 km. Der entstandene Krater hatte eine Tiefe von circa 100 m und einen Durchmesser von 390 m.

09.07. Starfish Prime: US-Atomtest im Weltraum mit einer Sprengkraft von 1.450 Kilotonnen. Es kam zu spektakulären, polarlichtähnlichen Leuchterscheinungen über Hawaii und Kwajalein. Im Zuge der Explosion legte ein elektromagnetischer Puls elektronische Geräte in weitem Umkreis um den Punkt auf der Erdoberfläche unterhalb der Detonation lahm.

SA-2-Raketenstellung auf Cuba, Foto: US National Security ArchiveOktober 1962: Die Kuba-Krise. Die Welt steht vor einem Atomkrieg, weil die Sowjetunion SS-4-Atomraketen auf Kuba stationierte. Nikita Chruschtschow glaubte, dass John F. Kennedy plane, Fidel Castro zu stürzen. John f. Kennedy orndete eine Seeblockade an. Nach einer Fernsehsprache von Kennedy, in der er über die Raketenstationierung die Öffentlichkeit informierte, brach tagelang Panik aus.

27.10. "Schwarzer Samstag": Die US-Stabschefs verlangen einen Luftangriff auf Kuba, gefolgt später von einer Invasion. Castro wollte, dass Chruschtschow die Atomwaffen startet.

28.10. Durch einen geheimen Brief von Chruschtschow erfuhr Kennedy, dass er - genauso wie Kennedy - keine Eskalation will. Moskau kündigte den Abzug seiner Raketen an, während Kennedy den Verzicht auf eine Invasian Kubas erklärte. Zudem versprach er, die Atomraketen aus der Türkei abzuziehen, weil sie für Moskau eine Bedrohung darstellten.

04.11. Tightrope: Letzter atmosphärischer Atomtest der USA auf Johnson-Atoll.

25.12. Letzter atmosphärischer Atomtest der UdSSR auf Nowaja Semlja.

1963

Zwölf Minuten vor Zwölf: Nach jahrzehntelangen Atomtests wird der „begrenzte Atomteststoppvertrag“ unterzeichnet. Damit werden alle Tests in der Atmosphäre verboten. Obwohl unterirdische Tests weiterhin erlaubt sind, bremst der Vertrag den Rüstungswettlauf und zeigt, dass die Supermächte kooperieren wollen.

14.03. ABM: U.S.-Präsident Nixon kündigt an, mit Hilfe des „Safeguard“-Programms die U.S.-amerikanischen Atomwaffen schützen zu wollen.

10.06. US-Präsident John F. Kennedy hält seine "Friedensrede" in Washington, die die Entspannungspolitik zwischen Ost und West einläutete.

15.07. Egon Bahr stellt die "Ostpolitik" in einem Vortrag in der Evangelischen Akademie zum ersten Mal vor, unter dem Titel "Wandel durch Annäherung".

25.07. Zwischen den USA und der UdSSR wird ein Abkommen über ein partielles Testverbot (PTBT = Partial Test Ban Treaty), das alle Atomwaffenversuche in der Atmosphäre, unter Wasser und im All ausschloss, abgeschlossen.

05.08. Partieller Teststoppvertrag wird in Moskau unterzeichnet von den USA (Dean Rusk), UdSSR (A. Gromyko) und Großbritannien (Sir Douglas Home).

10.10. Partieller Teststoppvertrag für oberirdische Atomtests zwischen den USA, Großbritannien und der Sowjetunion tritt in Kraft.

1964

14.10. Sturz Chruschtschows

16.10. Erster chinesischer Atombombenversuch bei Lop Nor in der Provinz Xinjiang (Sinkiang-Uigur). Die Explosion hat eine Sprengkraft von 22 Kilotonnen.

1965

März US-Marine-Infanteristen landeten am Strand von Da Nang in Südvietnam. Bis Ende des Jahres war die Zahl der Kampftruppen in Vietnam auf 185.000 gestiegen.

1966

02.07. Erster französische Atomtest in der Südpazifik mit einer Sprengkraft von 30 KT. Der Atomsprengsatz wurde auf einem Boot in der Lagune des Moruroa-Insels explodiert.

1967

27.01. Weltraum-Vertrag, der die Stationierung von ABC-Waffen im Weltraum verbietet.
 
14.02. Im Vertrag von Tlatelolco erklärt sich Lateinamerika zur atomwaffenfreien Zone. Inzwischen haben sich weltweit sieben atomwaffenfreie Zonen gebildet (die faktisch die ganze südliche Hemisphäre umfassen).

17.06. China zündet seine erste Wasserstoffbombe. Sie hat eine Sprengkraft von 3,3 Megatonnen.

18.09. Robert McNamaras hält die "Mutual Deterrence" Rede in San Francisco, eine grundsätzliche Darlegung der nuklearen Verteidigungspolitik der USA und Ankündigung eines vorerst begrenzten ABM-Systems gegen China.

10.10. Der Weltraumvertrag tritt in Kraft. Er schreibt die friedliche Nutzung des Weltraums zum Wohle der gesamten Menschheit vor und untersagt die Stationierung von Atomwaffen im Erdorbit.

17.11. Beginn der ersten Runde der Strategic Arms Limitation Talks (SALT I) zwischen USA und der Sowjetunion.

1968

Sieben Minuten vor Zwölf: Regionale Kriege brechen in Asien und dem Nahen Osten aus. Die USA sind in Vietnam verstrickt, Indien und Pakistan sowie Israel und arabische Staaten kämpfen gegeneinander. Darüber hinaus steigt durch die französischen und chinesischen Atomtests die Zahl der Atommächte. Das Bulletin beklagt die Ideenlosigkeit im Kampf gegen die Gefahren der atomaren Anarchie.

21.01. Ein US-amerikanischer B-52-Bomber stürzt über Grönland ab. Dabei werden vier Atombomben abgeworfen. Als Folge müssen die USA Hunderte von Tonnen mit Plutonium verseuchtem Eis entsorgen.

31.01. Die kriegsentscheidende Tet-Offensive des Vietcong beginnt.

08.-10.03. Ein mit drei Atomraketen bewaffnetes sowjetische U-Boot sinkt 1200 km von der Küste der Insel Oahu, Hawaii entfernt.

19.06. UN-Sicherheitsrat verabschiedet eine Resolution (255) die Sicherheitsgarantien für atomwaffenfreie Staaten gewährt, die NVV-Mitgliedstaaten sind.

01.07. Die drei Großmächte USA, UdSSR und Großbritannien unterzeichnen den Atomwaffensperrvertrag, der die Weitergabe von Atomwaffen an Drittländer untersagt.
 
24.08. Canopus: Frankreich zündet seine erste Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von 2,6 Megatonnen auf der Insel Fangataufa in der Südpazifik.
 
29.10. Der erste deutsche Atommeiler Obrigheim geht ans Netz.

1969

Zehn Minuten vor Zwölf: Fast die gesamte Welt kommt 1969 zusammen um den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag zu unterzeichnen. Der Vertrag stellt eine Art „Tauschgeschäft“ dar, in dem die Nichtkernwaffenstaaten Zugang zu friedlicher Atomtechnik bekommen und gleichzeitig auf den Erwerb von Atomwaffen verzichten. Die Atomwaffenstaaten versprechen, ihre Waffen abzurüsten, sollten es die Umstände erlauben. Obwohl Indien, Israel und Pakistan die Unterschrift verweigern, ist das „Bulletin“ vorsichtig optimistisch.

25.04. Der Vertrag von Tlatelolco tritt in Kraft (Lateinamerikanische atomwaffenfreie Zone).

29.09. Erster chinesischer Test mit einer Wasserstoffbombe in der Atmosphäre. Er hat eine Sprengkraft von ca. 3 Megatonnen.

17.11. Die USA und die Sowjetunion beginnen die SALT-I-Verhandlungen zur Begrenzung der strategischen Verteidigung und der strategischen Offensivwaffen.