Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges

Ärzte gegen Atomkrieg

Die Geschichte der Ärzte gegen Atomkrieg reicht zurück bis 1961, als eine Gruppe US-amerikanischer ÄrztInnen die Folgen eines Atom-Angriffes untersuchte und daraus entsprechende Folgerungen und Forderungen ableitete.

Diese Gruppe - Physicians for Social Responsibility (PSR) - wurde 1979 Trägerin der US-amerikanischen ÄrztInneenbewegung zur Verhinderung eines Atomkriegs und gegen Atomkraftwerke unter der Leitung der aus Australien stammenden Kinderärztin Helen Caldicott. PSR wuchs innerhalb von 2 Jahren von 10 auf 11.000 Mitglieder in 85 Regionalgruppen.

Ein Jahr später gewann der Harvard-Kardiologe Prof. Bernard Lown den Direktor des Nationalen Herzforschungszentrums in Moskau, Prof. Evgenij Chazov, später Gesundheitsminister der UdSSR, für die Gründung der Bewegung "International Physicians for the Prevention of Nuclear War" (IPPNW), zusammen mit vier anderen US-amerikanischen und sowjetischen Kardiologen. Nach den Auszeichnungen mit dem UNESCO Friedenspreis 1984 und dem Friedensnobelpreis 1985 wuchs die Anzahl der Mitglieder rasch an.

Die deutsche Sektion der IPPNW wurde im Jahre 1982 gegründet und hat ihren Arbeitskreis mittlerweile neben der Ächtung von Atomwaffen auch auf Frieden und Soziale Verantwortung ausgeweitet.

Eines der Hauptziele der IPPNW-Aktivitäten international wie in Deutschland war die Durchsetzung eines Atomwaffentest-Stopp. Nach langjähriger Arbeit und Protesten wurde 1996 ein umfassender Teststopp-Vertrag abgeschlossen. Andere Erfolge über die Jahre für die IPPNW sind z.B. das Urteil des Internationalen Gerichtshofs über die Völkerrechtswidrigkeit von Atomwaffen und der "Ottawa-Vertrag" zum Verbot von Landminen, sowie der Beschluss des Vertrages über das Verbot von Atomwaffen am 7. Juli 2017.

Glossarbegriff: IPPNW

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Dietrich Thränhardt

«Seit 1945 zogen immer wieder Wellen pazifistischer Grundhaltung durch die deutsche Politik. Noch 1946 forderte Franz Josef Strauß, jedem Deutschen, der noch einmal ein Gewehr anfasse, solle die Hand abfallen; jeder sichtbare Aufrüstungsschritt traf auf Demonstrationswellen. Bei der Diskussion um die "Remilitar-isierung" 1950-55 war dies die "Ohne mich"-Bewegung, bei der Atombewaffnung 1959 die "Anti-Atom-Bewegung", bei der "Nachrüstung" 1980-84 die "Friedensbewegung".»

Dietrich Thränhardt, Demokratie in Deutschland, Handwörterbuch des politischen Systems der deutschen Bundesrepublik

Literaturhinweise

Buro, Andreas: Transformationen, Bilanzen und Perspektiven der bundesrepublikanischen Friedensbewegung, in Friedensanalysen 14, Frankfurt, Suhrkamp, 1998, S. 52-105

Käser, Klaus-Dieter: Das kleine Friedens-ABC, Die Grünen Baden-Württemberg, Stuttgart, 1982

Knorr, Lorenz: Geschichte der Friedensbewegung in der Bundesrepublik
Pahl-Rugenstein, Köln, 1983

Michaltscheff, Theodor: Die unverwüstliche Opposition. Geschichte der bundesdeutschen Friedensbewegung 1945-1960, aus dem Nachlass herausgegeben und bearbeitet von Stefan Appelius, Schriftenreihe des Fritz-Küster-Archivs, Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, Oldenburg, 1994

Otto, Karl A.: Der Widerstand gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, 1981, 11. Jg., Heft 1, 1998, S. 131-141