Nachrichtenarchiv | Iran

  • 01.12.2010 Wikileaks: Erhielt Iran Raketen von Nordkorea?
  • 19.05.2010 Neuer Deal mit Iran über Uranreicherung
  • 28.02.2010 IAEO-Leiter Amano spricht Verdacht aus
  • 17.01.2010 Überprüfung neuer Sanktionen hat begonnen
  • 12.01.2010 Nuklearforscher ist durch Bombe getötet
  • 30.11.2009 Iran will zehn neue Anlagen bauen
  • 07.10.2009 Zweite Anlage wird bei Qom gebaut
01.12.2010: 

WikiLeaks: Erhielt Iran Raketen von Nordkorea?

Die Veröffentlichung von Dokumenten des US-Außenministeriums durch die Internetplattform WikiLeaks hat neue Einschätzungen über das iranische Raketenprogramm zu Tage gefördert. So soll der Iran laut Aussagen US-amerikanischer Regierungsvertreter von Nordkorea ballistische Raketen vom Typ BM-25 gekauft haben, die eine Reichweite von mutmaßlich bis zu 3.200 km haben und auf einer russischen U-Boot-gestützten Rakete basieren. Damit befände sich beispielsweise Berlin in ihrer Reichweite. Außerdem könnten diese Raketen mit Atomsprengköpfen bestückt werden, falls Iran welche entwickeln und bauen sollte. Bisher waren Experten davon ausgegangen, dass die maximale Reichweite der ballistischen Raketen des Irans knapp 2.000 km beträgt.

Russische Diplomaten widersprachen bei Gesprächen in Washington, D.C., am 22. Dezember 2009 den Angaben der US-amerikanischen Seite. Nach ihrer Ansicht existiert dieser Raketentyp überhaupt nicht. Die Rakete sei weder von Nordkorea je getestet worden, noch existierten Fotos von ihr. Auch amerikanische Experten bezweifeln, dass der Iran über komplette Raketen dieses Typs verfügt und nehmen an, dass - wenn überhaupt - einzelne Elemente von ihnen in dessen Raketenprogramm verwendet werden. (Quellen: Washington Post, New York Times)

19.05.2010: 

Neuer Deal mit Iran über Uranreicherung

Brasilianischer Aussenminister Celso Amorim, Foto: World Economic Forum

Am 17. Mai 2010 haben die Außenminister von Brasilien, der Türkei und dem Iran nach 18 Stunden Verhandlungen eine Einigung über einen Deal zur weiteren Anreicherung des iranischen niedrig angereichertes Uran (Low Enriched Uranium = LEU) erzielt. Iran wird laut der aus 10-Punkten bestehenden gemeinsamen Erklärung 1.200 kg auf 3,5% angereichertes LEU in die Türkei transportieren und innerhalb einem Jahr 120 kg auf 20% angereichertes Uran von dort erhalten. Der Deal sieht vor, dass Russland das auf 20% angereicherte Uran in Brennstäben in die Türkei liefern und dort austauschen soll. Im Iran soll es für medizinische Zwecke im Teheraner Forschungsreaktor verwendet werden. Die IAEO soll diese Prozedur überwachen.

Der brasilianische Außenminister Amorim, der mit dem Iran verhandelte, äußerte sich am Montag zuversichtlich, dass die Einigung neue Sanktionen gegen den Iran verhindern und die Fortführung weiterer diplomatischer Gespräche erlauben würde. Auch der türkische Außenminister Mottaki forderte von den USA und ihren Bündnispartnern, die Sanktionsdrohungen zu beenden, denn sie würden die Atmosphäre vergiften und zur Eskalation führen. Trotzdem kündigten die USA am folgenden Tag an, ein mit Russland und China abgesprochenes neues Paket härterer Sanktionen im UN-Sicherheitsrat eingereicht zu haben. Zugleich warnte der russische Außenminister Lawrow, die USA und Großbritannien sollten keine zusätzlichen über die vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen hinaus verabschieden. Den Austauschdeal wertete er optimistisch.

Der Iran hatte ein ähnliches Angebot von Russland und Frankreich wegen unzureichender Garantien im Oktober 2009 abgelehnt. In der aktuellen Einigung bleibt das in der Türkei gelagerte Uran bis zum Abschluss des Austausches Eigentum des Iran. Falls dies nicht binnen eines Jahres geschieht, soll die Türkei das Uran »zügig und bedingungslos« an den Iran zurückgeben. Der Iran war 2009 misstrauisch, weil in der Vergangenheit französische und deutsche Unternehmen Verträge über Uranlieferungen platzen ließen und das Geld nicht zurück erstatteten. Er suchte eine „objektive Garantie“, dass das Uran nicht einfach beschlagnahmt würde. Diese Garantie hat er nun von der Türkei und Brasilien bekommen.

Frankreich und Deutschland kommentieren den neuen Deal skeptisch. Das Weiße Haus kritisierte den Iran, weil er weiterhin sein Uran selbst bis zu 20% anreichern wolle. Die Teheraner Erklärung bleibe vage über die Bereitschaft Irans, internationale Bedenken über das iranische Atomprogramm zu adressieren, so das Weiße Haus.

Da die gemeinsame Erklärung sowohl von der IAEO, USA, Russland und Frankreich (der sog. Wiener Gruppe) als auch vom iranischen Parlament erst angenommen werden muss, bevor sie ein verbindliches Abkommen wird, bleibt unsicher, ob es jemals umgesetzt wird. Die USA wollen, dass der Iran zuerst seine eigene Urananreicherung auf 20% beendet. Einige iranische Abgeordnete fordern als Voraussetzung einer Verabschiedung das Aussetzen der Sanktionen. (xh; Quellen: junge Welt, Asia Times, CP, White House press office, New York Times, The Hindu, Iran Focus)

28.02.2010: 

IAEO-Leiter Amano spricht Verdacht aus

Der neue Leiter der IAEO Yukiya Amano hat in seinem Bericht im Februar 2010 den Verdacht ausgesprochen, Iran arbeite eventuell an einer atomaren Raketensprengkopf. Der Verdacht basiert sich auf aus dem Iran geschmuggelter Dokumente in Form von elektronischen Dateien. Bereits im Oktober 2009 wurden Auszüge aus einem internen Dokument der IAEO auf der Webseite der US-Organisation International for Science and International Security (ISIS) veröffentlicht, die aussagten, der Iran hätte Studien über eine mögliche nukleare Bewaffnung seiner Raketen ausgeführt. Der Iran spricht dagegen von einer Fälschung. Die elektronischen Dateien wurden innerhalb der IAEO lange kontrovers diskutiert, da ihre Authentizität nicht bewiesen werden konnte und sie offensichtlich bereits geändert wurden. (xh)

17.01.2010: 

Die Überprüfung neuer Sanktionen hat begonnen

Das Ergebnis einer Gesprächsrunde der fünf UN-Vetomächte USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland (sogenannte Sechsergruppe) am Samstag in New York ist, dass sie im Atomstreit mit dem Iran bei ihrer Doppelstrategie aus Gesprächsangeboten und Sanktionsdrohungen bleiben. Neue Sanktionen wurden überprüft, aber bislang blieb eine Entscheidung darüber aus. China lehnt neue Sanktionen nach wie vor ab. Die USA unternehmen intensive diplomatische Anstrengungen, um neue Sanktionen gegen Teheran möglich zu machen. Auch Russland signalisiert, dass "ein neues Kapitel begonnen hat". (xh)

12.01.2010: 

Nuklearforscher ist durch Bombe getötet

Ein iranischer Nuklearwissenschaftler ist durch eine Bombe vor seinem Haus getötet worden. Die iranische Führung wirft den USA und Israel einen Mordanschlag vor. Durch den Verdacht wird der Streit um Irans Atomprogramm weiter eskaliert. Der Professor an der Teheraner Universität Massud Ali-Mohammadi sei durch einen ferngezündeten Sprengsatz gestorben, meldete der staatliche Nachrichtensender Irib am 12. Januar. Die Regierung behauptet, der Professor sei loyal zur Revolution gewesen. Webseiten der Opposition meinen jedoch, er wäre dem Oppositionsführer Mirhossein Mousavi gefolgt. (xh)

30.11.2009: 

Iran will zehn neue Anlagen zur Urananreicherung bauen

 Iran hat den Bau von zehn neuen Anlagen zur Urananreicherung angekündigt. Wie staatliche iranische Medien am Sonntag berichteten, wurde die Atomenergiebehörde des Landes angewiesen, an fünf Standorten sofort mit dem Bau neuer Anlagen zu beginnen.

Iran hat nach der Rüge durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) den Bau zehn neuer Anlagen zur Uran-Anreicherung angekündigt. Teheran will sein Uran künftig selbst auf 20 Prozent anreichern, wie staatliche Medien berichteten. Die Regierung wies seine Atomenergiebehörde an, demnächst an fünf neue Anreicherungsanlagen zu bauen, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Für fünf weitere Anlagen sollen Standorte gesucht werden. (Quelle: NZZ)

07.10.2009: 

Zweite Anlage wird bei Qom gebaut

Qom-Anlage, Bild: GeoEyeDer Iran hat laut eines Sprechers der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) in einem Brief vom 21. September 2009 an die IAEO die Konstruktion einer bislang nicht deklarierten, zweiten Anlage zur Urananreicherung erklärt.

Die Anlage bei Qom soll eine Pilotanlage sein und nur bis zu einem Grad von fünf Prozent anreichern können. Dabei werden modernere Zentrifugen als in Natans verwendet. Dieser Grad der Anreicherung reicht für eine zivile Nutzung aus, nicht jedoch für den Bau einer Atombombe. Die USA behaupten, der Iran habe die Existenz der Anlage nur gemeldet, weil er von deren Entdeckung durch die IAEO erfahren habe. Der Iran hat mit der IAEO vereinbart, dass die neue Anlage am 25. Oktober 2009 zur Kontrolle besichtigt werden kann.

Zudem wurde ein internes Dokument der IAEA auf der ISIS-Webseite veröffentlicht, das aussagt, der Iran hätte Studien über ein mögliche nukleare Bewaffnung seiner Raketen ausgeführt. Der Iran spricht dagegen von einer Fälschung.

Anfang Oktober hat der Iran mit den so genannten P5+1 (die USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) - auch Sechsergruppe genannt - vereinbart, dass bereits im Iran niedrig angereichertes Uran im Ausland weiter auf 20% angereichert werden darf. Dieses Uran soll in einem Forschungsreaktor für medizinische Zwecke verwendet werden. (xh)