01.06.2016: USA

US-Präsident Obama besucht Hiroshima

Shinzo Abe und US-Präsident Barack Obama vor dem Friedensdenkmal in Hiroshima, 27. Mai 2016. Foto: Whitehouse/gemeinfrei

Präsident Obama war der erste US-Präsident, der Hiroshima besuchte. So viel zu den historischen Tatsachen. Er ernte viel Lob für die starke Symbolik und seine bewegenden Gesten, beispielsweise weil er ein Atombombenopfer (japanisch: Hibakusha) umarmte. Aber viele aus der Zivilgesellschaft kritisierten seine Rede als heuchlerisch und ohne Substanz.

Die erhoffte Entschuldigung Amerikas für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki blieb aus, das war schon im Vorfeld klar. Obama verbeugte sich auch nicht vor dem Mahnmal. In der Rede erinnerte er an seiner Vision einer atomwaffenfreien Welt, die er 2009 in Prag vorgetragen hatte, die er aber erneut zeitlich relativierte mit den Worten „vielleicht nicht mehr zu meiner Lebenszeit“. Er nannte keine konkreten oder neuen Maßnahmen für die globale Abrüstung. Seine 17-minütige Rede zeichnete sich eher durch blumige Rhetorik aus als durch klare Worte. Obama beschrieb die atomare Bombardierung der Stadt – „der Tod fiel vom Himmel“ – und das Leid der Opfer über die letzten 70 Jahre hinweg.

Es gebe eine gemeinsame Verantwortung, der Geschichte ins Auge zu schauen und sich zu fragen, wie ein solches Leid künftig verhindert werden könne. Er appellierte an die Staaten, die Atomwaffen in ihrem Besitz haben, den Mut aufzubringen, der „Logik der Furcht“ zu entkommen und eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen. Die „Lehren aus Hiroshima“ und die Erinnerung daran dürften niemals verblassen. Hiroshima und Nagasaki stünden „für den Beginn unseres eigenen moralischen Erwachens“, so seine abschließenden Worte.

Der Eintrag Obamas ins Gästebuch des Mahnmals von Hiroshima lautet: „Wir haben die Qualen des Krieges erfahren. Lasst uns nun gemeinsam den Mut finden, Frieden zu verbreiten und nach einer Welt ohne Atomwaffen streben“. In vielen Kommentaren im Vorfeld und vor allem nach der Rede in Hiroshima erntete Präsident Obama allerdings viel Kritik für seine tatsächliche Atomwaffenpolitik in den USA. Kritiker prangern an, dass sich unter seiner Administration die Reduzierung des Atomwaffenarsenals fast bis zum Stillstand verlangsamt habe – so sehr, wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr.

Auch die Investitionen in Atomwaffen seien höher als je zuvor, hauptsächlich wegen der geplanten umfassenden Modernisierung des atomaren Arsenals und der Infrastruktur. Insgesamt sollen etwa eine Billion US-Dollar für diese Vorhaben in den nächsten 30 Jahre ausgegeben werden. xh (Quellen: Tagesschau; Whitehouse; FR; Freitag)

 

Bild oben: Shinzo Abe und US-Präsident Barack Obama vor dem Friedensdenkmal in Hiroshima, 27. Mai 2016. Foto: Whitehouse/gemeinfrei

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