Hintergrund

Die Geschichte des Atomprogramms

Khans öffentliches Geständnis im pakistanischen Fernsehen in 2004

Fast alles, was Pakistan im Atombereich unternimmt, ist aus dem Wunsch heraus entstanden, Indien militärische Macht entgegen zu halten. Pakistans Atomenergiekommission (PAEC) begann seine Arbeit 1954. Der erste Forschungsreaktor ging 1965 in Betrieb und das erste „zivile“ Atomkraftwerk 1970.

Von Anfang an kämpfte das pakistanische Atomprogramm mit Personalproblemen. Da Pakistan über zu wenig ausgebildete Wissenschaftler verfügte, entsandte die Atomenergiekommission mehr als 600 Wissenschaftler und Ingenieure zur Ausbildung in die USA, Kanada und nach Westeuropa. Mitte der sechziger Jahre wurde Pakistan dank der großzügigen Hilfe der Länder, die auch Indien unterstützten, stolzer Besitzer mehrerer Atomforschungslabore.

Nach dem Krieg mit Indien im Jahr 1965 drängten viele Politiker, Journalisten und Wissenschaftler auf die Entwicklung eigener Atomwaffen für Pakistan. Der größte Befürworter war Außenminister Zulfikar Ali Bhutto. Wenn Indien eine Atombombe entwickelt, so würde Pakistan mitziehen,  "auch wenn wir Gras oder Blätter essen oder hungrig bleiben müssen". Pakistan verlor den Krieg von 1971 und Bhutto wurde Premierminister. 1972 rief er ein Treffen pakistanischer Wissenschaftler zusammen, um über die Atomwaffenentwicklung zu sprechen.

Zuerst versuchten die Wissenschaftler Wiederaufbereitungsanlagen von Frankreich und Belgien zu kaufen. Frankreich war bereit zu verkaufen, wurde jedoch von den USA unter Druck gesetzt, sodass es schließlich ablehnte. Doch einige Wissenschaftler schafften es, eine Ausbildung in Wiederaufbereitungs-Technologie in Belgien zu bekommen. Nach ihrer Rückkehr nach Pakistan in den frühen achtziger Jahren bauten sie eine kleine Wiederaufbereitungsanlage. Mit abgebrannten Brennelementen aus einem Atomreaktor kann diese Anlage genug Plutonium für zwei bis vier Atomwaffen jährlich herstellen.

Als zweite Methode untersuchten die pakistanischen Wissenschaftler Uran- Anreicherungstechniken. Das Wissen dazu brachte der Experte in Metallurgie und späterer Chefkonstrukteur der pakistanischen Atomwaffen, A. Q. Khan, aus einer Anreicherungsanlage in den Niederlanden mit. Zudem hatte er geheime Entwürfe und Lieferantenlisten von Komponenten aus Westeuropa mitgenommen. Viele Firmen waren tatsächlich bereit, gegen Exportgesetze zu verstoßen. 1979 wurde eine kleine Menge Uran erfolgreich angereichert, seitdem stellt Pakistan jährlich genug hochangereichertes Uran (HEU) her, um vier bis sechs Atomwaffen zu bauen.

Seit der Aufdeckung der Weitergabe von Informationen und Materialien zum Bau von Atomwaffen aus Pakistan an Nordkorea, Iran, Libyen und einen vierten bisher ungenannten Staat durch A.Q. Khan, dem so genannten Vater der pakistanischen Atombombe, wird Pakistan durch die internationale Gemeinschaft zu vollständiger Aufklärung aufgefordert. Der damalige Präsident Musharraf hatte die Bereitschaft zur Weitergabe von Informationen zugesagt und versichert, lückenlose Kontrollen geschaffen zu haben, die jede weitere Proliferation aus Pakistan verhindern.

Pakistan erhielt von China Materialen und Informationen über den Bau einer Atombombe. Das geht aus einem im September 2009 veröffentlichten Brief von Abdul Q. Khan aus dem Jahr 2004 hervor. Darin schrieb er seiner Frau, die Chinesen hätten Pakistan Zeichnungen einer Atomwaffe, 50 kg angereichertes Uran, 10 Tonnen UF6 (Natur) und 5 Tonnen UF6 (um 3% angereichert) geliefert. Der Brief impliziert zudem, dass die Weitergabe von Zeichnungen und Technologie an den Iran vom damaligen Premier Zulfikar Bhutto abgesegnet gewesen sei.

Ein Gericht in Lahore hat unterdessen die pakistanische Regierung im August 2009 aufgefordert, die anhaltende Überwachung des Nuklear-Wissenschaftlers Abdul Q. Khan zu beenden. Khan stand seit 5 Jahren unter Hausarrest, seit Februar 2009 hätte er sich eigentlich wieder uneingeschränkt innerhalb Pakistans bewegen dürfen, wurde aber weiterhin von Polizei und Armee bewacht. Khan hatte in den 90er Jahren Informationen und Technologie an den Iran, Nordkorea und Libyen weitergegeben. (XH)

Bearbeitungsstand: August 2009

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Malik Meraj Khalid

«Pakistan und Indien haben genügend interne Probleme. Seitdem sie Atommächte geworden sind, ist es ihre Verantwortung eine größere Toleranz auszuüben. Es ist an der Zeit eine ehrenhafte und akzeptable Lösung zu unseren Problemen einschließlich Kaschmir auszuhandeln. Es ist die Zeit für Entscheidungen. Es ist die Zeit für Diplomatie.»

Aus einer gemeinsamen Erklärung von Malik Meraj Khalid, ehem. Premierminister Pakistans, Muhammad Haneef Ramay, ehem. Minister des Punjab und Dr. Mubashir Hasan, ehem. Finanzminister Indiens, 22. Dezember 2001

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