Hintergrund

Die Sicherheit des Arsenals

Militante in Punjab, Foto: Dawn

Insbesondere wegen des Kriegs in Afghanistan und der Unterstützung für die Taliban durch Teile der pakistanischen Bevölkerung, bereitet die Sicherheit der pakistanischen Atomwaffen der Welt große Sorgen. Die Atomsprengköpfe haben kein elektronisches Code-Sicherungssystem zur Schärfung der Gefechtsköpfe (PAL), wie man es von den US-amerikanischen und russischen Atomwaffen kennt. Lieutenant-General Kidwai, Leiter der pakistanischen strategischen Planungsdivision, behauptete jedoch im Mai 2006, dass eine „ähnliche Kontrolle“ in den Waffen eingebaut wurde. Zwei oder drei Menschen müssten die Startcodes bestätigen, bevor eine Waffe scharf werde. Im Februar 2008 bestätigte er, dass mehr Sicherheit bei allen atomaren Anlagen zur Herstellung von Atomwaffen, Waffen und in der Kommandostruktur durch „moderne Technologie“ und verbesserte Kontrolle des Personals eingerichtet worden sei. In "Friedenszeiten"  soll das Spaltmaterial aus Uran nicht in den Sprengköpfen montiert sein, Bombengehäuse und Spaltmaterial sollen an zwei voneinander getrennten Orten aufbewahrt werden. Tatsächlich kann dieser Minimalschutz aber in kurzer Zeit aufgehoben werden.

Trotz allen Maßnahmen gibt es über die Sicherheit des pakistanischen Atomarsenals mehr Kopfzerbrechen als bei allen anderen Atomwaffen-Staaten. Das wahrscheinlichste Schreckens-Szenario ist ein „Insider“, der mit einer terroristischen Gruppe zusammenarbeitet. Beispielsweise wurde bereits mehreren pakistanischen Wissenschaftlern vorgeworfen, Atomgeheimnisse und nukleares Material an Terroristen weiter gegeben zu haben. Zwei hochrangige Wissenschaftler, die früher in der PAEC arbeiteten, wurden verhaftet und über ihre Verbindungen zu Al Qaida verhört. Beide sind Experten für Plutoniumtechnologie und angeblich sympathisieren beide mit den Taliban.

Ein zweites Szenario ist ein Angriff der Taliban auf eine Nuklearanlage oder gar die Abzweigung von Komponenten einer Atomwaffe. Zwar hilft die getrennte Lagerung von Sprengladungen und Trägersystemen, einen Atomkrieg aus Versehen zu verhindern, einen Diebstahl begünstigt es jedoch. Wenn die Waffen unmontiert - also in getrennten Teilen - gelagert sind, besteht erhöhte Gefahr, dass unautorisierte Menschen an diese Teilen gelangen können. Werden während einer Krise die Atomwaffenkomponenten dann zueinander transportiert, ist die Diebstahls-Gefahr auf dem Weg viel größer, als wenn sie in einem gut bewachten Lager blieben.

Ende 2007, Anfang 2008 erreichten die Ängste um Pakistans Atomarsenal einen Höhepunkt. Im November 2007 hatte Benazir Bhutto die Kontrolle des Präsidenten über die Atomwaffen in Pakistan wegen der Instabilität des Landes in Frage gestellt. Auch in den USA argumentierten manche Experten und Militärs, dass die Befehlsstrukturen zwischen dem militärischen Oberbefehlshaber, dem Premierminister und dem Präsidenten in Pakistan nicht stabil seien. Der Leiter der IAEO Mohamed El Baradei äußerte sich besorgt, Radikale könnten die Macht in Pakistan an sich reissen und damit an Atomwaffen gelangen. In dem Magazinen New Yorker und der Times of India wurde von Plänen der CIA und der US-Streitkräfte berichtet, Pakistans Atomwaffen außer Gefecht zu setzen, falls das Regime in Pakistan zusammenbräche.

Dennoch schienen die Geheimdienste ein anderes Bild zu haben. Der ehemalige US-Vizeminister für Auswärtiges Richard Armitage sagte im November 2007 in einem Interview, es sei unwahrscheinlich, dass die USA bei einer Krise in Pakistan militärisch intervenieren würden, da „wir viel Zeit mit den pakistanischen Militärs verbracht, mit ihnen geredet und an der Sicherheit ihren Atomwaffen gearbeitet haben. Ich glaube, die meisten Beobachter würden sagen, sie sind relativ sicher. Sie haben ziemlich hoch entwickelte Mechanismen, um ihre Sicherheit zu schützen“. Im Dezember 2008 sagte ein Pentagon-Sprecher, es gäbe “momentan keinen Grund zur Sorge über die Sicherheit“ des pakistanischen Atomwaffenarsenals.(XH)

Bearbeitungsstand: Dezember 2008

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Malik Meraj Khalid

«Pakistan und Indien haben genügend interne Probleme. Seitdem sie Atommächte geworden sind, ist es ihre Verantwortung eine größere Toleranz auszuüben. Es ist an der Zeit eine ehrenhafte und akzeptable Lösung zu unseren Problemen einschließlich Kaschmir auszuhandeln. Es ist die Zeit für Entscheidungen. Es ist die Zeit für Diplomatie.»

Aus einer gemeinsamen Erklärung von Malik Meraj Khalid, ehem. Premierminister Pakistans, Muhammad Haneef Ramay, ehem. Minister des Punjab und Dr. Mubashir Hasan, ehem. Finanzminister Indiens, 22. Dezember 2001

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