Hintergrund

Atomkrieg aus Versehen?

Da die Flugzeit einer mit einem Atomsprengkopf bestückten Rakete von Indien nach Pakistan und umgekehrt nur drei bis fünf Minuten beträgt, ist die Gefahr eines irrtümlich ausgelösten Atomkrieges zwischen den Nachbarstaaten sehr hoch. Durch die getrennte Lagerung der Atomsprengköpfe von ihren Trägersysteme wird diese Zeit um etwa eine weitere Stunde verlängert..

Aufgrund der kurzen Zeitspanne und der Größe des Arsenals, die auf einen Schlag möglicherweise zerstört werden könnte, ist auch die Gefahr eines Erstschlags erhöht. Ein Frühwarnsystem existiert nicht. Die Regierungen würden erst von einem Angriff erfahren, wenn die Atompilze bereits zum Himmel stiegen. Daher haben die Verantwortlichen die Finger quasi immer "auf dem Knopf" - stets bereit, den Befehl für einen Raketenstart zu geben. Um das Risiko eines Atomwaffenunfalls in der Region zu begrenzen, haben Pakistan und Indien im Februar 2007 haben einen Vertrag über Nuklearwaffensicherheit unterzeichnet.

Die Folgen eines Atomkrieges zwischen Indien und Pakistan – sei er aus Versehen oder Absicht – sind 2002 von einigen Gruppen eingeschätzt worden, als Indien und Pakistan am Abgrund eines Atomkrieges standen. „Bombing Bombay“, eine Studie des indischen Wissenschaftlers M.V. Ramana für das Institut für Wissenschaft und internationale Sicherheit in Washington D.C., berechnet die Opferzahlen eines Abwurfs von jeweils fünf 15-Kilotonnen-Atombomben auf Städte in beiden Ländern. Demnach würden in Indien ca. 2,6 Millionen und in Pakistan ca. 1,8 Millionen Menschen sterben. Weitere 1,5 Millionen würden schwer verletzt. Spätfolgen durch die Zerstörung der Infrastruktur, des Gesundheitssystems und durch das vermehrte Aufkommen von Krebs wurden dabei nicht berücksichtigt.

Ein Krieg zwischen Indien und Pakistan, in dem 100 Atombomben der Größe von Hiroshima (15 Kilotonnen) in den großen Städten beider Länder gezündet worden wären, würde zudem dazu führen, dass 5 Millionen Tonnen Rauch in die Stratosphäre geschleudert und sich schnell über die gesamte Welt verteilen würden. Eine Rauchschicht, die über viele Jahre Bestand hätte, würde sich über beiden Hemisphären bilden und das Sonnenlicht daran hindern, an die Erdoberfläche zu gelangen. Ein Jahr später würden die Temperaturen in den Anbaugebieten Eurasiens und Nordamerikas um mehrere Grad fallen. Gleichzeitig würde sich die Anbausaison um bis zu 30 Tage verkürzen und weltweit eine Verminderung des Niederschlages um 10 % auftreten. 20 Millionen Menschen würden unmittelbar durch die Auswirkungen der Waffen sterben, was der Hälfte der getöteten Menschen im 2. Weltkrieg entspricht. Medizinische Experten meinen, dass die anschließende Nahrungsmittelknappheit zum Tod mehrerer hundert Millionen Menschen führen würde, die heute bereits auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind. (Siehe auch „neue Erkenntnisse“ im Kapitel Wissen | Atombombe | Klimaveränderungen] (XH)

Abbildung der Temperaturveränderungen weltweit im Sommer des Folgejahres nach einem Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan mit insgesamt 100 Atombomben (Hiroshima-Größe). Klick auf das Bild für einen Großansicht.

Quelle: Kanter, A. und Helfand, I: Folgen eines "begrenzten" Atomkrieges, IPPNW, 9. April 2008, Abbildung 2

Bearbeitungsstand: April 2008

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Malik Meraj Khalid

«Pakistan und Indien haben genügend interne Probleme. Seitdem sie Atommächte geworden sind, ist es ihre Verantwortung eine größere Toleranz auszuüben. Es ist an der Zeit eine ehrenhafte und akzeptable Lösung zu unseren Problemen einschließlich Kaschmir auszuhandeln. Es ist die Zeit für Entscheidungen. Es ist die Zeit für Diplomatie.»

Aus einer gemeinsamen Erklärung von Malik Meraj Khalid, ehem. Premierminister Pakistans, Muhammad Haneef Ramay, ehem. Minister des Punjab und Dr. Mubashir Hasan, ehem. Finanzminister Indiens, 22. Dezember 2001

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